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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: You People (2023)

Gesehen: You People (2023)
(c) Netflix

Ich liebe ja Kenya Barris’ black·ish. Aber das heißt noch lange nicht, dass das mit vergleichbar vielen Zutaten auf unendlichen langen zwei Stunden Strecke genauso trägt. Schon nach wenigen Minuten formuliert das Drehbuch wortwörtlich das zentrale Problem des Films und tänzelt anschließend derart drumherum, als ob die große Konklusion mitdenkenden Zuschauer*innen nicht sowieso schon klar wäre. Und am Ende klatschen alle – also wieder wortwörtlich.

Das ist schade, weil YOU PEOPLE auch schöne Momente hat. Außerdem hat es mir sehr gefallen, Eddie Murphy in einer solchen ruhigen, zurückgefahrenen Rolle zu sehen. Aber das hilft leider alles nicht über die strukturellen Schwächen des Films hinweg, der dazu kaum natürlich Bilder findet und in Sitcom-Optik daherkommt.

★★☆☆☆

US, R: Kenya Barris, D: Jonah Hill, Lauren London, Eddie Murphy, Julia Louis-Dreyfus, Nia Long, David Duchovny, Sam Jay, Trailer, Wikipedia
You People - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Gibt es You People auf Netflix, Prime Video, WOW, AppleTV+ oder Disney+ und co legal? Jetzt online Stream finden!

Nilay Patel erklärt Hank Green, warum Websites eine Zukunft haben

Nilay Patel erklärt Hank Green, warum Websites eine Zukunft haben
(c) vlogbrothers unter CC BY 3.0

Ist auch schon wieder ein paar Tage alt, aber ich konnte es erst jetzt fertig hören. Wie hier auf meiner Seite unschwer zu erkennen ist, ist auch in mir wieder die Lust aufs Bloggen entflammt. Anil Dash hat die Stimmung im Netz neulich im Rolling Stone auch wunderbar auf den Punkt gebracht: „The Internet Is About to Get Weird Again“. Und hier erklärt The Verge-Chefredakteur Nilay Patel Hank Green, warum Websites gerade ihren x-ten Frühling erleben und warum dieser Moment vielleicht nun gekommen ist, um tatsächlich zu bleiben. Ein spannendes und gewissermaßen auch inspirierendes Gespräch.

Nilay Patel tells Decoder guest host Hank Green why blogs are still great
Complexly co-founder and YouTuber Hank Green takes over Decoder to interview Nilay Patel.

Simon Stålenhags Instagram-Account

Simon Stålenhags Instagram-Account
(c) LA2 unter CC BY-SA 4.0

Simon Stålenhags (Tales from the Loop) Instagram-Account ist gerade einer meiner liebsten. Dort postet er regelmäßig schnell eingefangene Alltagsszenen, die er mit seinen unheimlichen, irritierenden und aufreibenden cthulhuesken Visionen verbindet.

Die Greek Weird Wave erklärt in 5 Minuten

Die Greek Weird Wave erklärt in 5 Minuten
(c) I-On New Media

Little White Lies lese ich schon eine ganze Weile, habe aber irgendwie erst jetzt entdeckt, dass sie in regelmäßigen Abständen kurze Essays auf Youtube veröffentlichen. Und weil Yorgos Lanthimos' POOR THINGS gerade ein paar Oscars eingesackt hat, lohnt sich doch ein Blick auf seine Wurzeln, die wie die von Athina Rachel Tsangari, Syllas Tzoumerkas und Panos H. Koutras in der Greek Weird Wave liegen, die sich als Reaktion auf die wirtschaftliche Situation in Griechenland ab 2007 und letztlich die griechische Staatsschuldenkrise entwickelte.

Gesehen: Cameraperson (2016)

Gesehen: Cameraperson (2016)
(c) Arte

Was für ein großartiges Stück Film CAMERAPERSON ist… Kirsten Johnson gelingt es, sich selbst über die Schulter zu schauen, dabei den Mittelpunkt jedoch weiterhin ihren Subjekten zu überlassen und ihren Film niemals zur narzisstischen Nabelschau zusammenzuschneiden. Und trotzdem findet sie viele kleine Momente, mit deren Hilfe sie ihre Rolle als Dokumentarfilmerin reflektieren kann – wenn sie auf Bodenhöhe filmt und auf der Aufnahme zu sehen ist, wie sie dafür selbst störendes Gras aus dem Frame pflückt, wenn ihr Nießen oder ein erstauntes „Wow…“ ob eines heftigen Blitzes während einer Naturaufnahme zu hören sind.

Das ist implizites Nachdenken über den dokumentarischen Blick und die Illusion dessen, dass dieser jemals ein objektiver sein kann. Ganz abgesehen davon, dass die Entscheidung für ein bestimmtes Motiv gleichzeitig die Entscheidung gegen unendlich viele andere Motive und damit bereits subjektiver Wahrnehmung unterworfen ist, bevor die Aufnahme überhaupt gestartet wird, geht es um die Kamera als vermeintlich rein mechanisches Objekt. Alleine der gewählte Filmtitel – die Verbindung, wahrscheinlich sogar Verschmelzung von Kamera und Person – beschreibt, dass selbst mit als inhärent objektiv wahrgenommener Technik kein Blick ohne Urteil möglich ist – weil ein Mensch die Kamera führt und gleichzeitig so unumgänglich mit ihr verbunden ist, dass ein Subjekt gar nicht anders kann, als sich zu ihr zu verhalten. Die reine Anwesenheit der Technik verklärt den Blick auf die Realität.

Außerdem hadert Johnson mit der Frage, ob ein Dokumentarfilm überhaupt etwas verändern, Dinge in Bewegung setzen kann. Die Antwort, die sie darauf findet, finde ich sehr faszinierend. Denn letztlich scheint sie zu dem Schluss zu kommen, dass ein – in ihrem Fall – Dokumentarfilm per se erstmal gar nichts bewirkt. Die Bilder – ihre Bilder – an sich sind machtlos. Sie mögen Wissen transportieren und Erkenntnis schaffen. Aber eben nichts verändern. Es ist jedoch der Schaffensprozess an sich, der den Status Quo nicht nur in Frage stellen, sondern ihn auch über den Haufen werfen kann.

Wie ich das meine: Kirsten Johnson fragt eine alte Frau zur während der sogenannten ethnischen Säuberungen bei den bosnischen Menschen im Bosnienkrieg allgegenwärtigen patriarchalen Gewalt. Die will davon nie etwas mitbekommen, niemals ein Problem gehabt haben – das Schweigen auf ewig auf Film festgehalten. 15 Jahre später kehrt Johnson zu der Frau zurück. Deren Familie berichtet, dass es Johnsons Fragen waren, die die bis dato in der gesamten Gegend „ausgelöschten“ Erinnerung zurückgeholt haben – nicht nur ins Bewusstsein der alten Frau, sondern in die ganze Gegend.

Das Kunstwerk an sich mag machtlos sein, aber der Schaffensprozess bringt den Status Quo ins Wanken, stellt Machtverhältnisse in Frage, nimmt den Unterdrückern die Unantastbarkeit und verändert so – wortwörtlich – die Welt.

US, R: Kirsten Johnson, Trailer, Wikipedia

Arte hat den Film in kompletter Länge auf Youtube, wie ich gerade beim Heraussuchen des Trailers bemerkt habe.

Cameraperson - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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