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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1392 posts

Posts by André Pitz

Gesehen: Das Millionenspiel (1970)

Gesehen: Das Millionenspiel (1970)
(c) WDR

Eine schmissige Geschichte sowohl über: Sensationslust, Gier und Hybris des Menschen. Wie Medienkonzerne nicht nur im aufmerksamkeitsökonomischen, sondern auch im monetären Sinne skrupellos Kapital daraus schlagen. Den aus sozialer Ungleichheit heraus entstehenden ökonomischen Druck, der Menschen dazu bewegt, sich für die Chance auf eine Million Mark in Lebensgefahr zu begeben. (Unterstrichen von der Tatsache, dass sich nach Ausstrahlung des Films tatsächlich Menschen beim Ersten meldeten, weil sie die Show für echt hielten und selbst teilnehmen wollten.)

Der Film kann sich zwar bis zum Schluss nie richtig entscheiden, ob er Mediensatire oder Medienkunst sein will, trifft aber nichtsdestotrotz unheimlich präzise Voraussagen: Die Nähe zwischen Medien und Gegenstand der Berichterstattung, die 18 Jahre später bei der Geiselnahme von Gladbeck für eines der dunkelsten Nachkriegskapitel Mediendeutschlands sorgte. Reality-„Stars“, die von Format zu Format durchgereicht werden. Die vermeintliche Unterhaltungslosigkeit von Hochkultur, was unterm Strich nur Nährboden für antiintelektuellen Trash ist.

Einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterlässt die Tatsache, dass diese selbstausgewiesene Mediensatire erheblich an Selbstkritik spart und letztlich von einem sehr hohen Ross herunter mit dem Finger auf den Privatrundfunk zeigt.

★★★½☆

DE, R: Tom Toelle, D: Jörg Pleva, Dieter Thomas Heck, Friedrich Schütter, Dieter Hallervorden, Theo Fink, Josef Fröhlich, Trailer, Wikipedia
Das Millionenspiel - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Flipboard öffnet sich fürs Fediverse

Flipboard öffnet sich fürs Fediverse
(c) Flipboard

Während ich weiterhin bei Bluesky den Großteil meiner Social-Zeit verbringe, gibt's drüben bei Mastodon bzw. im Fediverse die nächste spannende Nachricht: Flipboard föderiert ab sofort 11.000 ausgewählte „Magazine“. Jede Publikation bekommt ihr eigenes Handle, über das sie im Fediverse gefunden und ihr beispielsweise auf Mastodon gefolgt werden kann.

Ich mag's und bewundere den Enthusiasmus, mit dem Flipboard seit längerem in das Fediverse investiert. Das Prinzip der kuratierten Magazine, durch die man „durchflippen“ kann, hat mich nie sonderlich angemacht. Aber gut ausgewählte Inhalte in die eigene Timeline eingestreut? Yes please!

(Ich folge zum Beispiel schon ewig dem Flipboard Culture Desk bzw. habe dessen RSS-Feed abonniert, solange ich nicht regelmäßig auf Mastodon vorbeischaue.)

Gesehen: Dogman (2023)

Gesehen: Dogman (2023)
(c) capelight pictures

FR, R: Luc Besson, D: Caleb Landry Jones, Jojo T. Gibbs, Christopher Denham, Grace Palma, Clemens Schick, Trailer, Wikipedia

Herrje, wie transparent, durchsichtig und darunter eben simpel gestrickt dieser Film doch ist.. Ein ziemliches Gschmäckle hinterlässt das alles vor allem dann, wenn man den Film im Kontext der gegen Luc Besson erhobenen Vorwürfe betrachtet.

Wir sehen die Geschichte eines entmenschlichten Jungen, der später im Rollstuhl kein „vollwertiger“ Mann ist, keine Liebe und keinen Job findet. Das Blatt wendet sich für ihn, als er zur Drag Queen wird. Unweigerlich drängt sich die Mär des armen Mannes, den niemand versteht und der einfach nur nach Liebe sucht, auf. Die Mär von der großen Ungerechtigkeit, die ihm die komplette Zukunft verbaut, ein unbehelligtes Leben verwehrt.

Das lastet tonnenschwer auf dem gesamten Film und erstickt so jeden halbwegs interessanten Ansatz gnadenlos im Keim. Ich mochte die Performance von Caleb Landry Jones, aber letztlich bekommt er nicht genug an die Hand, mit dem er arbeiten kann.

★★☆☆☆

David Lynch über Depressionen und Kunst

David Lynch über Depressionen und Kunst
(c) Jacqueline Day / Unsplash

Absolut wahre Worte von David Lynch, die hier zusammengetragen wurden. Wer weiterhin gebetsmühlenartig diese anachronistische Mär von großer Kunst, die nur aus großem Leid entstehen kann, in die Welt hinaus bläst, der hat echt den Schuss nicht gehört.

(Open Culture via kottke.org)

Dark Visitors sperrt KI-Buden aus

Dark Visitors sperrt KI-Buden aus
(c) Growtika / Unsplash

Andy Baio hat ein praktisches Tool aufgetan, mit dem sehr einfach die ganzen KI-Buden ausgesperrt werden können, die sich ungefragt und ohne Erlaubnis Inhalte einverleiben.

Dark Visitors - Track AI Agents and Control Bot Traffic
Get realtime insight into the hidden ecosystem of artificial agents scraping, crawling, archiving, and gathering intelligence on your website

(via waxy.org)

Gesehen: The Souvenir: Part II (2021)

Gesehen: The Souvenir: Part II (2021)
(c) Picture House Entertainment

THE SOUVENIR: PART II ist eine astreine Geistergeschichte. Denn wie sehr dieser verstorbene Partner, dessen Ansehen und das daraus entstehende Machtgefälle innerhalb der Beziehung noch bis ins Diesseits hineinreicht und ihr das auch immer wieder von Dritten klargemacht wird, das hat schon gespenstische Züge. Er hinterlässt ein Vermächtnis, dem sie in den Augen anderer nie gerecht werden kann, es gleichzeitig aber unbedingt muss. Wo bleibt dort Raum für die eigene Trauer, für die Bewältigung dieser komplexen Beziehung, für die es nun keine Auflösung mehr geben kann.

Außerdem hat mich sehr berührt, wie sehr und mit welchen Feinheiten der Trauer sich Joanna Hogg hier auseinandersetzt. Wenn ein nahestehender und geliebter Mensch stirbt, produziert das oft nicht nur überwältigende Trauer, sondern auch Gefühle, die manchmal im Konflikt oder sogar im klaren Gegensatz zu dem stehen, was man einmal so geliebt hat.

Hogg geht taucht tief ein in eine Zeit voller gemischter Gefühle, in der einem klar wird, dass das eigene Bild der verstorbenen Person nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was andere gesehen haben. Aus all diesen Perspektiven, all diesen Puzzleteilen setzt sich schließlich das Bild eines Menschen zusammen, das die Frage aufwirft: Habe ich ihn jemals wirklich gekannt?

★★★★☆

IE/GB/US, R: Joanna Hogg, D: Honor Swinton Byrne, Joe Alwyn, Jaygann Ayeh, Richard Ayoade, Harris Dickinson, Charlie Heaton, Ariane Labed, Tilda Swinton, Trailer, Wikipedia
The Souvenir: Part II - Stream: Jetzt Film online anschauen
Gibt es The Souvenir: Part II auf Netflix, Amazon, Sky Ticket, iTunes und co? Jetzt online Stream finden!