Ich mag diese völlig entrückten Welten, die Baz Luhrmann entwerfen kann und das auch hier tut. Dieser visuelle und overactete Fiebertraum funktioniert einfach als Kulisse dieser hormonschwangeren Turboromanze. Nur finde ich, dass sich der Film durch seine strenge Texttreue selbst zu sehr im Weg steht. So verkommt die Verschränkung von shakespeareschem Text mit einer modernen Welt samt dystopischen Einschlägen nur bedingt.
Da gibt es etwa den Cop, der Romeo aus der Stadt verbannt, was aus unserer Perspektive auf diese unserer nicht unähnlichen Welt Hinweise auf eine ausgehebelte Gewaltenteilung und totalitäre Strukturen birgt. Aber weil das der Shakespeare nicht passend hergibt, wird es ignoriert. Also wozu dann überhaupt diese zeitliche Verfrachtung? 🤷♂️
★★★☆☆
AU/MX/US, R: Baz Luhrmann, D: Leonardo DiCaprio, Claire Danes, Jesse Bradford, Vondie Curtis-Hall, Brian Dennehy, John Leguizamo, Miriam Margolyes, Harold Perrineau, Christina Pickles, Pete Postlethwaite, Paul Rudd, Trailer, Wikipedia
Es ist eine weitere Predigt zum Chor, aber ich liebe umfassende Takedowns dieser Art, die sich auch in vermeintliche Kleinigkeiten hineinbohren, einfach.
Daniele Ganser ist ein Historiker für Menschen, die keine Ahnung haben, was ein Historiker eigentlich ist. Würde man ihn auf die Medizin übertragen, wäre er kein Arzt. Er trägt nur einfach einen weißen Kittel und ein Stetoskop, das nicht funktioniert. Er ist der Heiland für Leute, die keinen Wert auf das Fundament der Geschichtswissenschaft legen, denen Quellenanalyse und eine logische, ausgewogene Interpretation egal sind, solange ihre Anti-Establishment-Nerven getriggert werden.
Seine Fans bezeichnen sich als kritisch, freie Denker, aufgewacht, weil Ganser ihnen eine Komfortzone bietet, in der sie sich über andere stellen können. Eigentlich sind sie aber das komplette Gegenteil, weil sie denjenigen, der alles hinterfragt, nicht hinterfragen.
Mit seinem Nachdenken über die Bedeutung von Zugehörigkeit, Freundschaft und Familie hat mich der Film gekriegt. Dieses Kreisen um familienartige Bindungen, die jenseits von Blut und Gesetz passieren, das hat mich sehr berührt – genauso wie der Film Wissbegierde und Neugierde auf die Welt hochhält.
So der Welt und Menschen zu begegnen, bewahrt einen nämlich in den allermeisten Fällen davor, ein komplettes Arschloch zu werden. Klar, diese Kinder und jungen Männer werden ökonomisch betrachtet wohl niemals eine schwere Zeit erleben. Aber psychisch sieht es schon ganz anders aus. Wer kein Interesse an der Welt hat, hat kein Interesse an Bildung. Wer keine Bildung hat, wird nur schwer auf eigenen Füßen stehen und sich von seinen Eltern abnabeln können. Wie soll man sein eigener Mensch werden, wenn man ständig die Erwartungen anderer erfüllen muss, in deren Gussform passen soll?
Und es geht um die immense Bedeutung von Vorbildern oder gar Mentor*innen, die Orientierung bieten können. „Adversary builds character“, sagt Paul Giamattis Paul Hunham. Aber das ist natürlich falsch. Viel wichtiger für eine charakterliche Entwicklung ist es doch zu lernen, dass in Gemeinschaft gegenseitiger Unterstützung wahre Stärke liegt. Das muss auch Paul Hunham erst lernen. Zuerst setzt er seine Bildung als Waffe ein, lässt seine Schüler zu jeder Gelegenheit schmerzhaft spüren, wie klein ihr Wissen doch ist. Dass er jedoch Jahrzehnte Vorsprung hat und der Vergleich einfach nicht zielführend ist, muss ihm jedoch erst noch dämmern. Schließlich lernt jedoch auch er, dass er letztlich genauso durch die Welt geht, wie er es von den reichen Eltern seiner Schüler glaubt: überheblich im Glauben, etwas Besseres zu sein. Ihm wird klar, dass sein Werkzeug der Unterdrückung zwar ein anderes als Geld in rauen Mengen ist, es jedoch den gleichen Effekt erzielt.
Unterm Strich war das alles also total schön, herzerwärmend und berührend. Und gleichzeitig konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, hier doch einen vergleichsweise ambitionslosen Wohlfühlfilm zu sehen. Dabei greift er nach den großen Themen, nur das übersetzt sich für mich oft nicht. Kleine Filme sind kein Problem, sich klein anfühlende Filme aber irgendwie schon. Und der hier ist für mich so einer.
★★★½☆
US, R: Alexander Payne, D: Paul Giamatti, Dominic Sessa, Da’Vine Joy Randolph, Carrie Preston, Trailer, Wikipedia
Ich habe gerade die letzte Episode Star Trek: Discovery geschaut und das Gefühl, ein paar Gedanken zur Serie niederschreiben zu müssen.
„The crew to Discovery is family“, sagt Doug Jones in seiner Rolle als Saru. Es gibt dabei nur ein Problem: Es trifft einfach nicht zu. Für viele Fans – auch für mich – gehört das sogenannte Crew-Gefühl zur Essenz von Star Trek. Nur dieses Gefühl wollte sich bei Discovery für mich einfach nicht einstellen. Die Crew wird regelmäßig auseinandergerissen und/oder mit neuen Charakterköpfen aufzupeppen versucht, die ebenso schnell wieder ausgetauscht werden. Nicht alle Entscheidungen waren schlecht. Callum Keith Rennie etwa hat mir in der letzten Staffel sehr gut gefallen. David Cronenberg hat immer dafür gesorgt, dass mir das Herz aufging. Aber es ist eben too little, too late.
Discovery war fünf Staffeln lang durch und durch messy. Jahr für Jahr wurde versucht, das Rad neu zu erfinden und das Ruder herumzureißen. Mich hat das irgendwann nur noch genervt.
Was ich oft gelesen habe: Discovery hat dafür gesorgt, dass Star Trek wieder zurück ist, wir (drei unerträgliche Staffeln) Picard, bisher zwei ganz großartige Staffeln Strange New Worlds, vier Staffeln und eine angekündigte fünfte Lower Decks sowie zwei Staffeln Prodigy bekommen haben. Und alleine für Strange New Worlds hat sich das schon gelohnt! 😅 (Aber eigentlich ist liegt der Ursprung in 2009, würde ich sagen.)
Was mir letztlich in Erinnerung bleiben wird: das coole und für jede Staffel angepasste Intro samt Untermalung durch einen sehr trekkigen Score.
Überraschenderweise war der hier, genau wie GODZILLA VS. KONG zuvor, nicht komplett scheiße. Ich mag es, wie der Camp umarmt und damit kokettiert wird, wie die Figuren ähnlich zu SKULL ISLAND ins Karikatureske gezogen werden und wie sich auf hochstilisierte Opulenz eingelassen wird. Auch die Besinnung auf die eine Reihe von Öko-Metaphern ist nicht schlecht – aber die Arbeit mit diesen Metaphern durch den Einsatz der verschiedenen Titanen ist es. Sie ist messy, es fehlt an Schärfe und letztlich wird alles dem sehr einheitsbreiigen Spektakel geopfert.
★★☆☆☆
US, R: Adam Wingard, D: Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Dan Stevens, Kaylee Hottle, Alex Ferns, Fala Chen, Rachel House, Trailer, Wikipedia
(c) Toukana Interactive, kurzgesagt - in a nutshell
Die Macherinnen der großartigen Youtube-Channels Kurzgesagt und Kurzgesagt haben sich mit den Macherinnen des tollen Cozy-Games Dorfromantik zusammengetan, um ein eigenes Spiel auf die Menschheit loszulassen. Es heißt Star Birds, soll kommendes Jahr erscheinen, sieht toll aus und man kann Zeig bauen, stapeln, miteinanderverbinden – was will Mensch mehr? Ich bin jedenfalls gehypt!
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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