Die Geschichte vom Kokain in Coca Cola haben wir alle sicherlich irgendwann schonmal gehört. Dass 7 Up einst voll mit Lithiumcitrat war, das heute unter anderem in der Behandlung bipolarer Störungen eingesetzt wird, war mir jedoch neu. TIL.
Posts by André Pitz
„Bücher? Uns doch egal!“
Medien & PolitikBissiger Kommentar von taz-Literaturredakteur Dirk Knipphals zum Zusammenstreichen von Literatursendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk:
Die Vermutung ist: Sie wissen nicht, was sie da gerade tun. Und sie wollen es auch nicht wissen. Es sind die Systemlogiken des Apparats, die die Kontrolle haben. Damit muss man jetzt umgehen. Und das in Zeiten, in denen die Neue Rechte – im Unterschied zu den Öffentlich-Rechtlichen – die Literatur sehr ernst nimmt.

Gerade der letzte Satz ist so wichtig und richtig. Das ist auch einer der Gründe, aus denen ich versuche, mich hier kritisch mit Filmen auseinanderzusetzen.
(via Bildblog)
Gesehen: The Parallax View (1974)
Filmkritik
Hat mich einfach nicht gekriegt. Für einen Politthriller interessiert sich das Drehbuch viel zu wenig für wirkliche politische Zusammenhänge. Für einen Wirtschaftskrimi bewegt sich der Film auf viel zu fantastischen Pfaden. Für einen Psychothriller reicht Warren Beattys schauspielerische Bandbreite hinten und vorne nicht. Und wenn man alle drei Ansätze zusammennimmt, kommt letztlich doch eher eine Stammtischverschwörung raus. Ja, dass privatwirtschaftliche Konzerne ganz reale politische Macht haben, nicht immer alles nach Recht und Gesetz abläuft und das mitunter auch ganz real Menschenleben kostet, ist kein drogeninduzierter Fiebertraum. Aber ein bisschen komplizierter als THE PARALLAX VIEW ist es dann ja wohl doch.
★★½☆☆

Gesehen: Colonia (2015)
Filmkritik
Dem Film lässt sich nicht absprechen, dass er die Instrumente der Macht, Unterdrückung und Unterwerfung erkennt und zeigt, wie nah das faschistoide Gebaren des religiösen Fundamentalismus und das des politischen Faschismus sich sind, wie beide Systeme voneinander profitieren. Für wirkliche Tiefe nimmt er sich jedoch keine Zeit
Auch deshalb fühlt sich COLONIA so klein an. Die gewählte Erzählperspektive schränkt den Wahrnehmungshorizont derart ein, dass die Dimension dessen, was dort eigentlich passiert ist, nie wirklich greifbar wird. Dazu braucht es schließlich die Credits, wo noch ein paar Texttafeln neben Originalfotos den wichtigen Kontext erklären dürfen. Ich empfinde das als faul und als Kapitulation.
★★☆☆☆

Erster Teaser zur Robert Eggers' NOSFERATU
Filme & Serien
Ich habe ihn jetzt fünf Tage liegen lassen und nun doch mal angeschaut. Nach THE WITCH (2015) und THE LIGHTHOUSE (2019), die mich beide wirklich begeistert haben, bin ich ziemlich gespannt darauf, was Robert Eggers aus Dracula macht. Nach seinem durch und durch mittelmäßigen THE NORTHMAN (2022) kamen mir dann jedoch Zweifel, ob Eggers Murnaus gewaltigem Erbe gerecht werden kann. Und dieser erste Teaser hat mir diese Angst nicht unbedingt genommen.
Szenen wie der riesige Schatten einer Hand, der über die Stadt fliegt, sehen super interessant aus. Dann gibt es aber auch das Schloss des Vampirs oder die Stadt, was beides aussieht, als ob es aus Marvels völlig überarbeiteter und dadurch mittelmäßige Arbeit produzierender FX-Mühle gefallen wären. Im Zweifel ist weniger eben doch mehr und wenn bestimmte visuelle Ideen entweder nicht praktisch oder angemessen virtuell umgesetzt werden können, sollte man es ganz lassen.
Dass dieser Teaser so viele generische Bilder enthält, macht mir große Sorgen. Das liegt mir gerade auf meinem Filmherz.
Gesehen: Im Schatten (2010)
Filmkritik
Gesellschaft, aber als seelenlose Aneinanderreihung von Transaktionen. Eine Hand wäscht die andere, eine Hand schüttelt die andere, eine Hand würgt die andere, eine Hand erschießt die andere. An Orten größtmöglicher Konzentration findet die radikalste Entfremdung statt. Hier sind Werte und Moral längst verdrängt worden. Hier werden nur noch Güter getauscht, keine Worte mehr, keine Ideen, keine Argumente. Die Menschen haben nur noch ihren Nihilismus gemeinsam.
★★★★½
