Was war, was ist, was wird… Mit wem es war, mit wem es ist, mit wem es wird… Und wie wird es – nach eigenen Erwartungen oder doch fremdbestimmt? Das sind absolut keine belanglosen Fragestellungen, aber sie fühlen sich hier einfach arg beliebig angeordnet an. INTRODUCTION wirkt auf mich im Vergleich zu Hong Sang-soos vorherigen und nachfolgenden Arbeiten unausgegoren, wie ein Film im Findungsprozess, der aber bis zum Schluss zu keiner wirklichen Antwort kommt oder zumindest interessante Denkräume aufstößt.
★★☆☆☆
KR, R: Hong Sang-soo, D: Shin Seok-ho, Park Mi-so, Kim Young-ho, Ye Ji-won, Gi Ju-bong, Seo Young-hwa, Kim Min-hee, Cho Yun-hee, Ha Seong-guk, Trailer, Wikipedia
Der rechtslibertäre Javier Milei will sich und seiner Kaste die lästige Kunst vom Hals schaffen. Auch der argentinische Film blutet deshallb heftig. Peter B. Schumann hat sich für Vollbild auf Deutschlandfunk Kultur unter anderem genauer angeschaut und umgehört, was der von Milei auf dem Chefposten des Instituto Nacional de Cine y Artes Audiovisuales installierte Carlos Pirovano bisher angerichtet hat:
Der Filmkritiker Luciano Monteagudo erläutert die Folgen: „Pirovano hat mehr als 700 Angestellte entlassen und ganze Abteilungen geschlossen. Die Filmbüros und die diversen Außenstellen der staatlichen Filmhochschule im ganzen Land wurden dichtgemacht. Es gibt weder eine staatliche Förderung für die Produktion von Filmen noch für deren Präsenz auf den internationalen Festivals. Das Institut kann zwar nicht mehr aufgelöst werden, aber die einst blühende Filmindustrie mit mehr als 200 Dokumentar- und Spielfilmen im letzten Jahr, die existiert nicht mehr."
Die Folgen sind offenbar verheerend:
Das bedeutet, ohne staatliche Förderung werden in dem großen Filmland Argentinien vielleicht noch 15 oder 20 Spielfilme pro Jahr produziert, und zwar hauptsächlich für Streaming-Dienste. Die breite thematische und ästhetische Diversität, für die das argentinische Kino auch international berühmt ist und die das INCAA garantierte, dürfte dadurch verschwinden.
Hat Tina Fey auch nur einmal mit Menschen gesprochen, aus deren Leben sie hier erzählen will? Eine ihrer beiden Töchter wäre doch eine Option gewesen. Aber entweder ist das nie passiert oder sie hat nichts davon für voll genommen. Das MEAN GIRLS-Remake ist nämlich super von oben herab geschrieben und total aus der Zeit gefallen.
Damit meine ich nicht diese hier porträtierten toxischen Gruppendynamiken. Deren Authentizität kann ich von hier aus nur schwer beurteilen. Das Drehbuch interessiert sich auch sträflich wenig für sozioökonomische Faktoren und macht es so nicht unbedingt leicht, diese Welt überhaupt nachvollziehen zu können.
Vielmehr hat es mich sehr irritiert, wie sich hier über Teenager*innen lustig gemacht wird, die – wie hier insinuiert wird – viel zu leichtfertig mit dem Traumabegriff um sich schmeißen und es sich in ihrer Opferrolle bequem gemacht haben. Natürlich werden Begriffe wie Trauma heute leichtfertiger in den Mund genommen – aber nicht, weil sich Menschen damit „schmücken“ wollen, sondern weil allgemein offensiver über psychische Erkrankungen gesprochen wird.
Dann gibt es die Figur der Karen, der man absolut jedes Klischee eines „dummen“ Menschen auf den Leib geschrieben hat. Kann man machen, ist dann aber einfach bösartig – umso mehr, wenn man in einem Nebensatz fallen lässt, dass das eine Folge von Alkoholismus sein könnte.
Der Konservatismus quillt dem Film aus allen Poren – auch durch die Art und Weise, wie sexuelle Orientierungen in dieser Welt gezeichnet werden. Denn die einzige offen homosexuelle Figur ist dann eben doch nur der flamboyante Klischeeschwule in Sidekick-Rolle.
Der Film hat jede Chance, mit veralteten Klischees und überholten Rollenbildern zu brechen – und nutzt keine einzige davon.
★½☆☆☆
US, R: Arturo Perez Jr., Samantha Jayne, D: Angourie Rice, Reneé Rapp, Auli’i Cravalho, Jaquel Spivey, Avantika, Bebe Wood, Christopher Briney, Jenna Fischer, Busy Philipps, Tina Fey, Tim Meadows, Trailer, Wikipedia
Wolfgang M. Schmitt arbeitet schön heraus, wessen Geistes Kind eigentlich J. D. Vance ist. Spätestens danach überrascht es dann auch nicht mehr, warum der einstige Kritiker Trumps nun als dessen Running Mate im US-Präsidentschaftsdwahlkampf mitmischt. (Ich selbst fand die Netflix-Verfilmung von Vances Roman auch ziemlich dürftig, könnte heute aber auch gar nicht mehr in Worte fassen, warum eigentlich. Es ist einfach kaum etwas hängengeblieben.)
MONSTER mit eingenommen habe ich Stand heute erst sechs Filme von Hirokazu Kore-eda gesehen. Und innerhalb dieses Rahmens würde ich MONSTER als regelrecht transgressiv beschreiben. Der prinzipiell wohlwollende Blick auf Familien- und familienähnliche Gefüge weicht hier einer Art postmodernem Realismus. Die familiären Strukturen und solidarischen Fangnetze versagen auf ganzer Linie – und rauben den Kindern sozusagen einen Teil ihrer Unschuld.
Minato wird nach dem Tod seines Vaters alleine von seiner Mutter aufgezogen. Doch als er während der Fahrt die Autotür öffnet und sich auf die Straße fallen lässt, sucht die Mutter nie wirklich ein Gespräch mit ihrem Sohn über das Geschehene. Yori lebt alleine mit seinem Vater, der ein Alkoholproblem hat und ihn nach den Vorstellungen toxischer Männlichkeit formen will. In der Klasse der beiden Jungs ist Mobbing an der Tagesordnung und die Lehrer*innen sowie die Leitung sind nur daran interessiert, den Schein einer sauber funktionierenden Bildungseinrichtung aufrechtzuerhalten, statt aufkommende Probleme in ihren Ursachen zu bekämpfen.
Das als eine Art Vexierspiel angeordnet zu sehen, war faszinierend. Denn Kore-eda nutzt diese Struktur nicht für den billigen Twist-Effekt, der zuvor Gesehenes gewissermaßen entwerten würde. Hier geht es darum, die Erkenntnis um eine Facette nach der anderen zu erweitern.
Da konnte ich leicht verzeihen, dass der Film zum Schluss etwas zu sehr mit Melodramatik flirtet.
Es gibt Menschen, die nicht anders können als zu kreieren, etwas im Inneren liegenden Ausdruck zu verleihen, in deren Leben kein Raum für das Unwesentliche und Zerstreuung ist. Doch was passiert, wenn diese Menschen und deren Schaffen plötzlich rezipiert werden – und zwar von einem immer größeren Publikum mit eigenen Ansprüchen, Vorstellungen und Erwartungen?
Ein Film (und Filmemacher), der im allerbesten Sinne mit sich hadert.
★★★½☆
KR/US, R: Hong Sang-soo, D: Lee Hye-young, Kim Min-hee, Seo Young-hwa, Park Mi-so, Kwon Hae-hyo, Cho Yun-hee, Ha Seong-guk, Trailer, Wikipedia
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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