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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Sometimes I Think About Dying (2023)

Gesehen: Sometimes I Think About Dying (2023)
(c) Plaion Pictures

Was dem Film sehr gut gelingt, ist die feinen Nuancen der Sicht einer depressiven Person auf sich selbst und die Welt einzufangen. Es sind die negativen Grundüberzeugungen, die in letzter Konsequenz zu sozialer Isolation und Vereinsamung führen. Es ist die Angst, für vermeintliche Fehler gehasst zu werden, aus der krankhafte Vermeidung entwächst und eine selbst erfüllende Prophezeiung wird.

Der Stoff widmet sich dazu der „Theorie“, dass die depressive eher einer realistischen Weltsicht entspricht und die „normale“ Sicht eine verklärte ist. Wir sehen diese Hamsterräder, diese Mühlen, in denen die Menschen einfach den Großteil ihres Lebens stecken. Einen selbstwirksamen und sinnstiftenden Job zu haben, ist Luxus und die Ausnahme. Viel eher existiert man dann in einer abstumpfenden Suppe bis zum Ruhestand vor sich hin, unterhält sich zunehmend über Nichtigkeiten, um nicht endgültig den Verstand zu verlieren und kann dann nicht mal die Rente genießen – weil man sich selbst aus den Augen verloren hat, weil das Geld nicht reicht und/oder weil die psychische und/oder physische Gesundheit nicht mehr mitspielt. Es ist also nur folgerichtig, depressiv zu werden.

Es wirkt wie Glück beim Griff in den hirnchemischen Lostopf, wenn Menschen sich damit irgendwie arrangieren können und die Kraft sowie den Raum haben, ihre komplette emotionale Erfüllung abseits der monotonen Mühlen des Broterwerbs zu finden.

Nur an die Systemfrage traut sich der Film nicht mal annähernd. Warum diese Zustände hinnehmen und nicht untergraben? Der Film resigniert angesichts dieses Elefanten im Raum, was die ganze Gemengelage in die Belanglosigkeit kippen lässt.

★★★☆☆

US, R: Rachel Lambert, D: Daisy Ridley, Dave Merheje, Parvesh Cheena, Marcia DeBonis, Megan Stalter, Brittany O’Grady, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Battle for the Planet of the Apes (1973)

Gesehen: Battle for the Planet of the Apes (1973)
(c) 20th Century Studios

„Who knows about the future? Perhaps only the dead…“ Mit diesen, zugegebenermaßen schon ziemlich kalenderspruchartigen, aber dennoch eindrücklichen Sätzen schließt der Film. Die ganzen Anspielungen auf das sogenannte Dritte Reich lassen eigentlich keinen anderen Schluss zu.

Aber meine Güte, das ist alles so lieblos zusammengedengelt. Ein weiteres Mal diese Welt neu zu erfinden, ist schon mutig. Aber wirklich Muse, sie auch zu unterfüttern, ist nicht übrig geblieben. Die einzelnen Elemente werden hier einfach on the go zusammengeklebt, aber kohärent ist das nur selten. Letztlich dient vieles nur alles Mittel zu Zweck, um ein paar Actionsequenzen zu rechtfertigen. Drängende Fragen werden einfach umschifft für das große Krachbumm.

Kein würdiger Abschluss.

★★☆☆☆

US, R: J. Lee Thompson, D: Roddy McDowall, Natalie Trundy, Austin Stoker, Severn Darden, Claude Akins, Paul Williams, Trailer, Wikipedia
Die Schlacht um den Planet der Affen - Stream: Online
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Gesehen: Als wir träumten (2015)

Gesehen: Als wir träumten (2015)
(c) Rommel Film, Pandora Film, Peter Hartwig

Ich finde schon, dass diesem Film ein gewisses Fieber innewohnt. Der Zusammenbruch der DDR legt frei, was das SED-Regime mit aller Macht vertuschen und verschweigen wollte, die Baseballschlägerjahre brechen an. Und es wird klar, dass die rechtsextremen Strukturen nicht auf absolut unfruchtbarem Boden doch noch irgendwie gewachsen sind, sondern dass Xenophobie und Rassismus ein gesamtgesellschaftliches Problem sind.

Gleichzeitig liegt nicht nur die DDR als Staat, sondern auch die Existenzen von Menschen und Familien in Trümmern. Mütter wachen auf und sind plötzlich mit ihren Kindern alleine, die Väter sind in Nacht und Nebel in den Westen abgehauen. Es gibt keine sichere ökonomische Perspektive, die Menschen verlassen in Scharen das leckgeschlagene Schiff.

Wer das Glück hat, im richtigen Alter zu sein, hat gleichzeitig die Chance, seine komplette Identität im wildwestartigen Rausch der Nachwendejahre neu zu schreiben. Nur gelingt es dabei nicht jedem – mal aus Unvermögen, mal auf Druck von außen –, positive Formulierungen zu finden.

Dass Andreas Dresen mitunter ziemlich tief in die inszenatorische Klischeekiste greift? Schwamm drüber. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass keine Club-Szene ohne desorientierendes Strobo-Licht und Schnitte im selben Rhythmus auskommen darf. Aber diese Handvoll Vignetten fühlen sich einfach sehr wahrhaftig an – was sicherlich auch Verdienst der stabilen Romanvorlage von Clemens Meyer und sowieso von Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ist.

★★★½☆

FR/DE, R: Andreas Dresen, D: Merlin Rose, Julius Nitschkoff, Joel Basman, Marcel Heupermann, Frederic Haselon, Ruby O. Fee, Trailer, Wikipedia
Als wir träumten - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Evil Does Not Exist (2023)

Gesehen: Evil Does Not Exist (2023)
(c) Pandora Film, NEOPA, Fictive

Dass dieser Film wunderschön fotografiert ist, steht wohl außer Frage. Die durch die Klarheit der Bilder mögliche Kontrastarbeit, die hier in Verbindung mit Umgebungsgeräuschen und Score vollzogen wird, ist wirklich bemerkenswert. So spiegelt die Form auch die Weltbilder und Werte, die hier aufeinander krachen und Widersprüche erzeugen.

Es geht um die vermeintlich kosmopolitischen Städter*innen, die von oben herab auf die Landbevölkerung blicken und ihnen letztlich nur abschätzig begegnen, gleichzeitig aber genau diese Welt abseits der urbanen Betonhölle romantisieren und als Sehnsuchtsort stilisieren – und zwar so sehr, dass sie daraus wieder Kapital schlagen wollen, womit sie letztlich aber genau das aufs Land holen, vor dem sie eigentlich flüchten wollen.

Wie Ryūsuke Hamaguchi hier mit dem Konzept des Gleichgewichts zwischen Natur und Mensch umgeht, lässt sich vielleicht als etwas naiv, kitschig und/oder esoterisch beschreiben. Aber letztlich wird so auch die Komplexität der Organisation menschlichen Lebens auf diesem Planeten sichtbar. Denn dieses eremitenhafte Leben der Menschen auf dem Land ist letztlich auch nur möglich, weil es woanders großindustrielle Zentren gibt, von denen wiederum auch Infrastruktur auf dem vermeintlich so sehr von den Zwängen des kapitalistischen Wirtschaftens unabhängigen Land abhängig ist.

Am Ende bleibt die Frage, ob ein Gleichgewicht mit dem Menschen in der einen Waagschale überhaupt möglich ist. Meine Meinung und auch Lesart der letzten Momente des Films ist: nein. Alles andere ist Illusion.

★★★★☆

JP, R: Ryūsuke Hamaguchi, D: Hitoshi Omika, Ryo Nishikawa, Ryuji Kosaka, Ayaka Shibutani, Hazuki Kikuchi, Hiroyuki Miura, Yoshinori Miyata, Yûto Torii, Takako Yamamura, Takuma Nagao, Taijirō Tamura, Trailer, Wikipedia
Evil Does Not Exist - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: U.S. Go Home (1994)

Gesehen: U.S. Go Home (1994)
(c) SFP, IMA Productions

U.S. GO HOME hat dafür gesorgt, dass sich vor meinem geistigen Auge eine Kontinuitätslinie von der Nouvelle Vague bis zu Steve McQueens LOVERS ROCK (2020) aus dessen Filmreihe Small Axe aufgetan hat. Claire Denis inszeniert hier mit der Unerschrockenheit des französischen Kinos der 1960er und geht inhaltlich Hand in Hand mit Godard, indem sie ähnliche politische Diskurse nicht nur im Subtext austrägt, sondern sie furchtlos an der Oberfläche verhandelt.

Dafür wählt sie, wie Steve McQueen in LOVERS ROCK, eine Party als Debattenfeld, auf dem es dann um das Politische zwischen Mann und Frau, um Geschlechterrollen, um Machtverhältnisse, um Moralvorstellungen und Sex geht. Die Jugend ist politisch und will nicht nur Gegenstand der Debatten sein, sondern den Diskurs aktiv mitgestalten – gerade, wenn politisch einiges in Bewegung ist wie hier kurz nach der Gründung der Europäischen Union.

Ich habe den letzten Akt jedoch als pessimistischen Blick auf Frankreich und/oder Europa gelesen. Denn man kann noch so reflektiert durchs Leben gehen, immer mit einem sehr akademischen Blick die Welt wahrnehmen und kluge Vorstellungen für eine künftige Gesellschaft formulieren. Aber wenn man dabei nicht merkt, dass man sich schon längst im Auto des imperialistischen Kapitalismus durch die Gegend kutschieren lässt.

★★★★☆

FR, R: Claire Denis, D: Alice Houri, Jessica Tharaud, Grégoire Colin, Martine Gautier, Vincent Gallo, Trailer, Wikipedia

Monument Valley 3 kommt im Dezember

Monument Valley 3 kommt im Dezember
(c) Ustwo Games, Netflix

Ich spiele praktisch nie auf dem Handy, aber die beiden bisherigen Teile von Monument Valley kann ich uneingeschränkt ans Herz legen. Umso mehr freut es mich, dass es für den dritten Teil nun mit dem 10. Dezember ein konkretes Datum gibt. Was mich nur extrem stört: „Coming exclusively to Netflix Games[…]!“ Das ist hoffentlich nur ein Timed Exclusive.

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