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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Kinotagebuch: Alien: Romulus (2024)

Kinotagebuch: Alien: Romulus (2024)
(c) Walt Disney, Leonine

ROMULUS hinterlässt bei mir den Eindruck eines sehr guten ALIEN-Fanfilms. Er verwendet unfassbar viel Energie darauf, wie ALIEN und ALIENS auszusehen. Und das macht er wirklich gut. Auch kann sich Benjamin Wallfischs Score geht absolut unter die Haut. Wie er die finsteren Klänge aus den Instrumenten – vermutlich Cellos oder ähnliche Instrumente – seiner Streicher*innen in brachialen Industrial-Riffs aufgehen lässt, die schließlich ins Elektronische schwappen, passt so perfekt in diese dreckige, raue, lebensfeindliche und von Metall dominierte Welt.

Nur frage ich mich wirklich, ob sich innerhalb dieses Universums überhaupt noch eine erzählenswerte Geschichte verbirgt. Weyland behandelt die eigenen Arbeiter*innen wie Dreck; es gibt mindestens einen Androiden, dem man zumindest zeitweise nicht über den Weg trauen kann; es gibt eine Crew, die nicht immer sonderlich kluge Entscheidungen trifft oder logisch agiert; es gibt mindestens einen Xenomorph, der ein Crewmitglied nach dem anderen ins Jenseits befördert. All diese Konventionen haben bereits ordentliche Gebrauchsspuren – sowohl innerhalb des ALIEN-Universums als auch mit Blick auf das komplette Genre. Da helfen auch ein paar frische Ideen wie das Hindurchwinden durch das ätzende Xenomorphenblut in der Schwerelosigkeit nicht darüber hinweg.

ROMULUS macht zum Schluss noch einmal deutlich, dass Weyland für ein bisschen mehr Profit liebend gerne die komplette Spezies Mensch vor den Bus wirft. Kapital vor Verstand. Der ausbeuterische Konzern schwebt im gesamten Franchise über allem. Aber hier sehen wir mit der Minenkolonie zum ersten Mal so richtig den Dreck, in dem diese Menschen leben, wie sie dem ominösen Konzern ausgeliefert sind und tatenlos dabei zusehen müssen, wie dieser Konzern ihnen die Autonomie nimmt. Wie organisiert sich diese Gesellschaft unter diesen Umständen? Das habe ich mich gefragt – und nicht, wie der drölfzigste Regisseur nochmal den gleichen Film dreht.

Dennoch: Als Blockbuster funktioniert er.

★★★☆☆

US, R: Fede Álvarez, D: Cailee Spaeny, David Jonsson, Archie Renaux, Isabela Merced, Spike Fearn, Aileen Wu, Trailer, Wikipedia
Alien: Romulus - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Ich küre die Gewinner*in von „Succession“

Ich küre die Gewinner*in von „Succession“
(c) HBO

Ich bin endlich mit Succession durch und möchte explizit zur letzten Episode ein paar Gedanken festhalten, die es aus Spoilergründen erst nach dem Ausklappen gibt.

+++Spoiler+++

Logan Roy hat gewonnen, weil er selbst nach seinem Tod das Spiel immer noch besser spielte als Kendall, Shiv und Roman. Seine drei Kinder kämpfen letztlich bis zur letzten Sekunde darum, sich gegenseitig auszusTechen, in den Rücken zu fallen und unten zu halten. Logan Roy hat bekommen, was er mit seiner „Erziehung“ von Anfang an bezweckte – und zwar keine Nachfolgerin für den Chefposten, sondern die eigene Zementierung als Gottkaiser. Er ist die Company. Stirbt er, stirbt auch die Company. Und das ist so gewollt.

Das ALIEN-Alien als Kapitalismus-Metapher

Das ALIEN-Alien als Kapitalismus-Metapher
Foto: Walt Disney, Leonine

Spannende Analyse von Wolfgang M. Schmitt, die das Alien als Metapher für den Kapitalismus betrachtet. Aber es geht auch um uns als Menschen.

„Uns schockiert so sehr an ALIEN, dass wir uns selbst in dem Film begegnen.“

„How movies watch the news“: Wo liegt die Wahrheit?

„How movies watch the news“: Wo liegt die Wahrheit?
(c), Pidax Film, Little White Lies

Ein kluges Video-Essay von Sophie Park für Little White Lies über Darstellung und Wirkung von Nachrichten in Filmen und welche Rolle dabei uns als Publikum zukommt.

These long-form feature-length movies unpick the workings behind the news and remind us to take an active role in the visual information we’re fed and the agenda behind it. Perhaps even going so far as to receive the news and what we hope are facts, from concrete, trustworthy sources beyond the illusory screen.

Kinotagebuch: Longlegs (2024)

Kinotagebuch: Longlegs (2024)

Osgood Perkins hat sich für LONGLEGS eine Scheibe von Christopher Nolans TENET („Don't try to understand it. Feel it.“) abgeschnitten und einen stimmungsvollen sowie stilsicheren Vibe-Thriller inszeniert – nur, um ihn dann doch noch mit einer lauwarmen Erklärung einzureißen. Denn mit Fragen will man das Publikum dann offenbar doch nicht nach Hause gehen lassen. Wäre ja auch zu viel verlangt, sich über die Credits hinaus mal mit einem Film zu beschäftigen…

★★★☆☆

CA/US, R: Osgood Perkins, D: Maika Monroe, Nicolas Cage, Blair Underwood, Alicia Witt, Trailer, Wikipedia
Longlegs (2024)

Lucas Curstädt fragt: „Ist Yorgos Lanthimos bereits am Ende?“

Lucas Curstädt fragt: „Ist Yorgos Lanthimos bereits am Ende?“
(c) Studiocanal

Filmwissenschaftler Lucas Curstädt bringt für die zweite produktion auf den Punkt, warum der frühere Yorogos Lanthimos gerade durch seine vermeintliche Sperrigkeit für mich so interessant ist und wie er das mittlerweile aus dem Blick verloren hat. Curstädt argumentiert viel an DOGTOOTH (2009) entlang. Stand heute ist das auch mein Lieblingsfilm von Lanthimos.

Nur sehe ich Lanthimos' jüngste Umtriebe weniger als Endpunkt oder Kunst am Rande der Selbstgefälligkeit. Sie sind aber klar eine Abkehr von einstigen Perspektiven und Fragen, denen man – so auch ich – klar nachtrauern kann.