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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Tatami (2023)

Gesehen: Tatami (2023)
Arienne Mandi als Leila Hosseini // (c) Wild Bunch Germany

Es mag naheliegen, dass das Politische auch im internationalen Hochleistungssport eine Rolle spielt. Das schmälert jedoch nicht, was TATAMI damit leistet, diesen Konflikt auf die Judomatte zu begrenzen und zu verengen. Die Tatami wird damit zu einem Kessel, der unter immer höherem Druck steht.

Jeder auf die Matte knallende Judowurf könnte das Gefäß endgültig zur Explosion bringen. Wie hier die Kamera regelmäßig mit den Sportlerinnen rollt und auf dem Boden aufschlägt, ist kein neuer Kniff. Beim Blick in den Mainstream waren es Regisseure wie Matthew Vaughn, der im ersten KINGSMAN diesen inszenatorischen Kniff erst elegant einsetzte und in den beiden Nachfolgern dann bis zum Erbrechen überreizte. Hier jedoch haben diese Kamerabewegungen Gewicht. Sie kommen mit Bedacht zum Einsatz und werden mithilfe des brillanten Sounddesigns mit einer brachialen Wucht ausgestattet.

Diese rohe Kraft ist zugleich das, was diese Frauen ausmacht – im sportlichen Sinne, aber noch viel mehr in ihrer eigenen Entschlossenheit und ihrem Mut, Entscheidungen für ihre und die Zukunft ihrer Familien zu treffen, die im Zweifelsfall andere das Leben kosten können.

Die Tatami wird nicht nur zum Ort sportlicher Höchstleistungen, er wird zum Ort der Selbstermächtigung. Hier erkennen und legen die beiden Frauen ultimativ ihre Rollen als austauschbare Figuren auf einem Schachbrett ab. Hier widersetzen sie sich dem Leben, das das iranische Regime für sie vorgesehen hat.

Von Kind auf sein ganzes Leben auf sportliche Exzellenz auszurichten, nur um in den Augen der mächtigen Unterdrücker letztlich nie mehr als ein Propagandawerkzeug zur eigenen Reinwaschung auf dem Parkett des internationalen Spitzensports zu sein... Daran nicht zu zerbrechen, das erfordert Kraft und Stärke, die die radikalen Islamisten in Iran niemals haben werden.

★★★★☆

🇬🇪/🇮🇱/🇬🇧/🇺🇸, R: Guy Nattiv, Zar Amir Ebrahimi, D: Arienne Mandi, Zar Amir Ebrahimi, Jaime Ray Newman, Nadine Marshall, Lir Katz, Ash Goldeh, Valeriu Andriuță, Mehdi Bajestani, Farima Habashizadehasl, Elham Erfani, Sina Parvaneh, Trailer, Wikipedia

Tatami - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: Femme (2023)

Gesehen: Femme (2023)
George MacKay und Nathan Stewart-Jarrett // (c) Agile Filmes, BBC Film, Anton

Zu Beginn habe ich nicht damit gerechnet, wie sich dieser Film entfaltet und wie mich das packt, mit welchem Gespür für die überaus komplexe Gefühlslage er das verhandelt, was hier erst brodelt und dann hervorbricht.

Es gibt hier so viel aufzudröseln mit Blick auf diese verhärtete Kultur, die nicht nur nichts anderes als Heterosexualität, binäre Geschlechterordnung, Machismo und hegemoniale Männlichkeit kennt, sondern auch gar nichts anderes zulässt und den Status quo akribisch pflegt. Nichts ist hier lediglich Nebenprodukt anderer struktureller Probleme, sondern das Ziel jedes Handelns aus dem Zweck heraus, sich über andere Menschen stellen zu können.

Wie soll jemand, der Teil dieser Kultur ist, jemals offen zu seiner Homosexualität gegenüber anderen, aber vor allem vor sich selbst stehen können? Und warum sind es queere Menschen, die unter mehr unter diesem Zwiespalt leiden müssen, als die Menschen, die es eigentlich betrifft?

Glücklicherweise gibt sich der Film dafür nicht der Täterperspektive hin, sondern erzählt diese Gegenstände immer durch die Linse des von queerfeindlicher Gewalt betroffenen Menschen. Er erzählt mit Empathie, macht sich jedoch nie mit dem Täter gemein und heiligt nicht blinde Rache. Er begibt sich selbstbewusst in die zahlreichen Grauzonen, gibt dabei aber nie seine Moral auf.

Mir hat außerdem die inszenatorische Dynamik gefallen, die sich oft an Tiktok- und Youtube-Ästhetiken bedient – jedoch nie aus einem anbiedernden Zwang heraus, sondern weil das einfach eine Welt ist, in der auch die Figuren dieser Geschichte zu Hause sind. Diese Energie fühlt sich einfach sehr wahrhaftig und authentisch an.

★★★★☆

🇬🇧 R: Sam H. Freeman, Ng Choon Ping, D: Nathan Stewart-Jarrett, George MacKay, Antonia Clarke, Moe Bar-El, Nima Taleghani, John Leader, Aaron Heffernan, John McCrea, Trailer, Wikipedia

Der Film steht noch kostenlos bis zum 02. März 2025 in der ZDF-Mediathek:

Femme
Das mit einer Erotikthriller-Spannung aufgezogene, queere Love-and-Revenge-Drama erntete weltweit Aufmerksamkeit bei Festivals und Preisverleihungen.
Femme - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★★ review of Femme (2023)
Zu Beginn habe ich nicht damit gerechnet, wie sich dieser Film entfaltet und wie mich das packt, mit welchem Gespür für die überaus komplexe Gefühlslage er das verhandelt, was hier erst brodelt und dann hervorbricht. Es gibt hier so viel aufzudröseln mit Blick auf diese verhärtete Kultur, die nicht nur nichts anderes als Heterosexualität, binäre Geschlechterordnung, Machismo und hegemoniale Männlichkeit kennt, sondern auch gar nichts anderes zulässt und den Status quo akribisch pflegt. Nichts ist hier lediglich Nebenprodukt anderer struktureller Probleme, sondern das Ziel jedes Handelns aus dem Zweck heraus, sich über andere Menschen stellen zu können. Wie soll jemand,

Gesehen: The Monk and the Gun (2023)

Gesehen: The Monk and the Gun (2023)
Tandin Wangchuk als Mönch Tashi // (c) Dangphu Dingphu: A 3 Pigs Production & Journey to the East Films

Es passt natürlich zu dem Land mit dem fantastischen Bruttonationalglück, aber letztlich ändert das nichts daran, dass mir der THE MONK AND THE GUN doch ein bisschen arg versöhnlich geraten ist. Zwar fackelt der Film nicht lange und reißt tiefe Gräben zwischen Menschen und quer durch alle Gesellschaftsschichten, verliert diese dann aber auch schnell wieder aus dem Blick.

Dabei gibt es an dieser Stelle so viel zu ergründen. Denn es ist offensichtlich, dass es nicht die Überforderung oder Überrumpelung mit demokratischen Prozessen ist, was hier für die eigentliche Unruhe sorgt. Denn neben der Demokratie halten plötzlich auch gedankenloser Konsum, kapitalistisches Denken und Materialismus Einzug in Bhutan. Schnell wird klargemacht, dass Menschen bereits andere auf Basis von Größe und Preis ihres Fernsehers bewerten.

Das sind von der Demokratie völlig losgelöste Prozesse, auf die keine demokratische Wahl der Welt sonderlich großen Einfluss hat. Das kann nur jeder Mensch selbst abwenden.

★★★½☆

🇧🇹/🇫🇷/🇹🇼/🇺🇸, R: Pawo Choyning Dorji, D: Tandin Wangchuk, Tandin Sonam, Choeying Jatsho, Deki Lhamo, Pema Zangmo Sherpa, Harry Einhorn, Kelsang Choejay, Tandin Phubz, Yuphel Lhendup Selden, Phub Dorji, Tsheri Zom, Trailer, Wikipedia

Was will der Lama mit dem Gewehr? - Stream: Online
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Gesehen: Emmanuelle 6 (1988)

Gesehen: Emmanuelle 6 (1988)
Natalie Uher als Emmanuelle // (c) AS Productions, Société Générale de Gestion Cinématographique

Natürlich ist es nicht das angebliche Sinnliche, das Emmanuelle wieder zurück zu sich selbst finden ließ, sondern der weiterhin stabil tief sitzende Rassismus dieser Filmreihe, die konsequent jegliche nicht-westlichen Kulturen exotisiert und People of Colour als unzivilisierte, instinktgetriebene, dauergeile Geschöpfe inszeniert.

Es kehrt außerdem ein aus den Anfängen der Reihe noch bekanntes Thema zurück. Das führt erneut zu einer Auseinandersetzung mit der männlichen Überzeugung, Anspruch auf den Körper einer Frau zu haben, sie besitzen zu können. Aber na ja, das ist wie gesagt kein neuer Dreh innerhalb dieses sehr losen Universums und mehr Augenwischerei als ernster Ansatz.

★☆☆☆☆

FR, R: Bruno Zincone, Jean Rollin, D: Natalie Uher, Jean-René Gossart, Thomas Obermuller, Gustavo Rodríguez, François Guerrar, Luis Carlos Mendes, Tamira, Wikipedia

Emmanuelle - Amazone des Dschungels - Stream: Online
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Gesehen: Stau – Jetzt geht’s los (1992)

Gesehen: Stau – Jetzt geht’s los (1992)
(c) ÖFilm, Stiftung Deutsche Kinemathek

Was für ein bemerkenswertes Zeitdokument, das besonders aus heutiger Sicht den Stillstand festhält. Denn was in diesem Dokumentarfilm hervorsteht, ist die absolute Tatenlosigkeit, mit der selbst das direkte Umfeld diesen sich zunehmend radikalisierenden jungen Menschen gegenübersteht.

Wir können jetzt lange über „Haha, schau mal, die dummen Nazis!" lachen. Aber es ist ehrlich erschreckend, wie diese jungen Menschen kaum artikulieren können, was in ihnen vorgeht und was ihre Wünsche sind. Also im wahrsten Wortsinne. Ihnen fehlt tatsächlich das Sprachvermögen. Und deshalb hört auch niemand zu. Sie glauben, ihrem Frust nur durch die Mittel der Radikalisierung Ausdruck verleihen zu können, weil die Worte fehlen.

Doch auch die Nazis hören einander nicht zu – es sei denn, es geht um Naziparolen. Und dann sitzt man da, mit keinen 18 Jahren, in Bomberjacke und Springerstiefeln vor der Platte, ist arbeitslos und erzählt plötzlich unverblümt von Symptomen und Verhaltensmustern, die im Lehrbuch unter dem Stichwort „Depression" zu finden sind. Und niemand hört zu.

Niemand hört oder schaut hin, während die Nazis jugendliche Rückzugsorte für sich beanspruchen und auf der Tanzfläche „Sieg Heil!" grölen. Selbst die, die das ablehnen, bleiben im Raum und trinken ihr Bier einfach in einer anderen Ecke des Raums weiter.

So viele Szenen haben offenkundig in ihrer Gültigkeit die Zeit überdauert.

DE, R: Thomas Heise, bpb

Der Film steht bis zum 31. Januar 2028 kostenlos in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung:

Stau - Jetzt geht’s los
Halle-Neustadt, 1992. Regisseur Thomas Heise begleitet fünf rechtsextreme Jugendliche mit der Kamera, führt lange Interviews mit ihnen und forscht nach den Ursachen ihrer politischen Orientierung.
Stau - Jetzt geht’s los - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: Under Fire (1983) - Ernste Blamage

Gesehen: Under Fire (1983) - Ernste Blamage
Gene Hackman, Joanna Cassidy und Nick Nolte // (c) MGM, Orion Pictures

Ich habe selten einen Film gesehen, der mit einer derartigen Ernsthaftigkeit versucht, Fragen der journalistischen Ethik zu verhandeln und sich dabei so krass blamiert.

Hier herrscht einfach ein fundamentales Unverständnis journalistischen Arbeitens, was jeglicher Grundlage für eine informierte Debatte entbehrt. (Krisen-)Journalismus ist keine von Fotomodels gleichenden Pfandfinder*innen organisierte Schnitzeljagd, der man sich einfach so anschließt.

Bildjournalismus scheint hier eine fast ausschließlich nach ästhetischen Kategorien funktionierende Gattung zu sein – was lächerlich einfältig ist. Wem man wie und wann auf das „Schlachtfeld" folgt, ist Teil eines komplexen Abwägungsprozesses – wo sich die schicksten Bilder schießen lassen, ist kein Faktor von Belang.

Die angeblich so schwere Gewissensentscheidung wird schließlich nach einem halbherzigen Halbsatz der Widerrede lächerlich einfach gefällt – und wird dann auch noch angesichts des Zwecks geheiligt.

★½☆☆☆

🇺🇸, R: Roger Spottiswoode, D: Nick Nolte, Gene Hackman, Joanna Cassidy, Ed Harris, Jean-Louis Trintignant, Richard Masur, Alma Martinez, René Enríquez, Hamilton Camp, Trailer, Letterboxd, Wikipedia

Under Fire - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Under Fire” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.
A ★½ review of Under Fire (1983)
Ich habe selten einen Film gesehen, der mit einer derartigen Ernsthaftigkeit versucht, Fragen der journalistischen Ethik zu verhandeln und sich dabei so krass blamiert. Hier herrscht einfach ein fundamentales Unverständnis journalistischen Arbeitens, was jeglicher Grundlage für eine informierte Debatte entbehrt. (Krisen-)Journalismus ist keine von Fotomodels gleichenden Pfandfinder*innen organisierte Schnitzeljagd, der man sich einfach so anschließt. Bildjournalismus scheint hier eine fast ausschließlich nach ästhetischen Kategorien funktionierende Gattung zu sein – was lächerlich einfältig ist. Wem man wie und wann auf das „Schlachtfeld” folgt, ist Teil eines komplexen Abwägungsprozesses – wo sich die schicksten Bilder schießen lassen, ist kein Faktor von Belang.