Time is a flat circle und ich dachte eigentlich, wir wären schon längst über den Punkt hinweg, über Advertorials aufklären zu müssen. Aber stimmt schon, die Grenze zwischen journalistischen und werblichen Inhalten ist besonders im Zeitalter der Influencer*innen noch einmal durchlässiger geworden oder hat zumindest an Trennschärfe verloren.
Warum das ganze Thema also nicht nur „alter Wein in neuen Schläuchen" ist, beleuchtet Patrick Lohmeier of Bahnhofskino-Fame in einer Episode des Dürfen die das?-Podcasts der Verbraucherzentrale Berlin – schön locker, aber in angemessener Tiefe und mit einer tollen Bandbreite an Expert*innen.
Die CDU-geführte Landesregierung setzt die Kettensäge an die Kultur.
Foto: DOK Leipzig, Lukas Diller
Heute und morgen will der Landtag in Sachsen ein letztes Mal den nächsten Doppelhaushalt besprechen. Geht der durch, wird es unter anderem für die Kultur ziemlich finster. Das DOK Leipzig setzt jetzt sogar auf Crowdfunding, um fünf Filme mit Audiodeskriptionen oder erweiterten deutschen Untertiteln ausstatten zu können. 10.000 Euro sollen dafür zusammenkommen.
Schon seit vielen Jahren zeigt das Festival Filme mit barrierefreien Fassungen. Bislang wurde die Umsetzung dieses Angebots vom Freistaat Sachsen gefördert. 2025 entfallen diese Mittel voraussichtlich vollständig[...].
Ein absolutes Armutszeugnis für das (Bundes-)Land. Das DOK Leipzig ist nicht nur eines der wichtigsten Dokumentarfilmfestivals weltweit, sondern auch das älteste überhaupt. Doch das Festival ist mehr als nur ein internationales Aushängeschild, sondern auch ganz konkret ein Ort der Begegnung – nicht nur für Sächs*innen, sondern für Menschen aus der ganzen Welt mit den unterschiedlichsten Lebensrealitäten.
Das baut ganz konkret (Denk-)Barrieren ab, schafft Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl. Aber dass das nicht die Gemeinschaft ist, die einer CDU-geführten Landesregierung vorschwebt, überrascht dann wiederum auch nicht sonderlich 🤷♂️
Wie prekär die Lage des Festivals tatsächlich ist, scheint deutlich dabei durch, wie sich Festivalleiter Christoph Terhechte in der Pressemitteilung zitieren lässt.
Wir möchten dennoch versuchen, dieses Jahr zumindest ein kleines Angebot an barrierefreien Filmen auf die Beine zu stellen. Daher wenden wir uns jetzt an alle, die dem Festival verbunden sind. Wir sind dankbar für jede Form von Unterstützung.
Christian Schiffer, einst Chefredakteur der WASD und aktuell Redakteur beim Bayrischen Rundfunk, hat auf der diesjährigen re:publica einen extrem klugen Vortrag über die sogenannte Killerspieldebatte gehalten.
Es ist nämlich so, dass wenn man sich das Opferprofil anschaut, vor allem junge Frauen umgebracht worden sind. Also insbesondere war es so, dass wenn es um die Schüler geht, er vor allem Mitschülerinnen ermordet hat [...] und wir würden eigentlich das heute nicht mehr als Amoklauf diskutieren, sondern als Femizid.
Mir ist es auch noch nie in den Sinn gekommen, durch die Linse des derzeitigen Niveaus öffentlicher Diskurse einmal zurück auf die Taten zu blicken, die die Killerspieldebatte zu meiner Zeit™ anfeuerten.
Die Systemfragen im Deutschlandfunk hatten schon vor zwei Monaten einen Themenblock, der genau meiner Kragenweite entsprach. Jetzt habe ich endlich meine Podcast-Warteschlange so weit abgearbeitet, dass ich selbst in den Hörgenuss kommen konnte.
Vier interessante Folgen sind zusammen mit Friedemann Vogel, Sozio- und Diskurslinguist an der Uni Siegen, zum Thema „Die Macht der Worte" entstanden.
Wörter als Waffen
In der Demokratie wird nicht mit Gewalt, sondern vor allem mit Sprache um Einfluss gerungen. Worte werden zu Waffen. Dies spiegelt sich auch in der politischen Kommunikation, etwa bei „technologieoffen“ oder dem Stigma-Wort „links-grün-versifft“.
Wer ist Freund, wer Gegner, wer Feind? Sprache kann diffamieren, dehumanisieren und sogar zu Gewalt anstacheln – etwa wenn Akteursgruppen in der Klimadebatte als „Öko-Terroristen“ mit Terroristen gleichgesetzt werden.
Floskeln, Phrasen und Schlagwörter erleichtern nicht nur unsere Kommunikation, sie können sogar den Verlauf einer politischen Diskussion prägen. „Links“ und „rechts“ sind solche Denkschablonen, genauso wie „Flüchtlingswelle“ oder „Börsenkollaps“.
Streit ist normal und muss auch mal hitzig sein dürfen. Doch wenn Beschimpfungen entmenschlichen oder sogar mit Gewalt gedroht wird, sind Grenzen überschritten. In demokratischen Debatten sollte es nur Gegner und nie Feinde geben.
Jemand, der trotz seiner Position seine Perspektive nicht bis zur Unkenntlichkeit verklausuliert.
Jens-Christian Wagner im Niedersächsischen Landtag 2021 // Foto: Axel Hindemith unter CC BY-SA 3.0 DE; Zuschnitt von mir
Jens-Christian Wagner ist Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und derzeit eine besonnene wie nachdrückliche öffentliche Stimme gegen den gesellschaftlichen wie politischen Rechtsruck und auch jemand, der trotz seiner Position seine Perspektive nicht bis zur Unkenntlichkeit verklausuliert.
Ich bin nicht der größte Fan von Tilo Jungs Format, weil er in meinen Augen mitunter einen sehr komischen Interviewstil pflegt. Mich irritieren in ihrer Konfrontativität fehlgeleiteten Fragen, auf die sich oft nur „Das musst du XYZ selbst fragen" antworten lässt, einfach. Die beschränken sich in diesem Gespräch jedoch zum Glück auf ein Minimum. Hören- und/oder sehenswert!
Ein Gespräch über Jens' Weg zur Leitung der Gedenkstätte und sein Rollenverständnis, den Begriff "Erinnerung" vs. kritische Auseinandersetzung, Geschichtsrevisionismus, die Rolle von Überlebenden, Opfern und Täter bei der historischen Aufarbeitung, sein Umgang mit Bedrohungen, Quellenarbeit, Jens' Biografie und Eltern, seine Kindheit in Chile und das Leben in der Militärdiktatur von Pinochet, Colonia Dignidad, Scham für das Bezeugen von Zwangsarbeit, die Gefahr des Faschismus heute, den Umgang mit der AfD, ein Parteiverbot, Empörung über Gauland und Höcke vor ein paar Jahren vs. fehlende Empörung über Weidels Hitler-Aussagen und Elon Musks Hitlergruß, die AfD-Solidarität mit Israel, den Missbrauch des Kampfs gegen Antisemitismus, die Ausladung von Omri Boehm zur 80-jährigen Gedenkfeier in Buchenwald auf Druck des israelischen Botschafters Prosor sowie den Umgang mit dem 7. Oktober und den laufenden Krieg in Gaza uvm.
Seit ein paar Wochen ist der Name Timothy Snyder wieder öfter zu lesen. Der Grund sind die Aktionen von Donald Trump und seiner Regierung, wegen denen der Historiker seine Professur an der renommierten Yale University im US-Bundestaat Connecticut aufgibt und mit seiner Familie nach Kanada zieht, wo er das Institut für Moderne Europäische Geschichte der Munk School of Global Affairs and Public Policy an der University of Toronto leiten wird.
Snyder ist einer der klügsten Köpfe ist, wenn es um Autoritarismus geht. Sein Buch On Tyranny: Twenty Lessons from the Twentieth Century (dt. Titel: Über Tyrannei: 20 Lektionen für den Widerstand) erschien 2017 und wurde nicht nur unter Historiker:innen, sondern auch von einer breiteren Öffentlichkeit rezipiert.
Deshalb hat die Entscheidung, die USA zu verlassen und nach Kanada zu ziehen, Gewicht und kann gewissermaßen nur als weiteren Warnschuss wahrgenommen werden.
Sozusagen zurück lässt er 20 Lektionen für den Umgang mit dem, was er als Tyrannei betitelt. Und der charismatische John Lithgow hat sie nun vor der Kamera vorgelesen. Weil, warum eigentlich nicht?
I'm going to read you 20 Lessons on Tyranny by Timothy Snyder. You may have already heard these, but it's time you heard them again.
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
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