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Gesellschaft

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Podcasttipp: Die Lieblingsschülerin – „Wie kann das unbemerkt passieren?“

Ein Team des Deutschlandfunks hat eine beeindruckende, bedrückende und beharrliche Recherche über sexualisierte Gewalt an Schulen, von Lehrern an Schülerinnen, in knapp fünf Podcaststunden verarbeitet.

Drei Schülerinnen sind 15 Jahre alt, als ihre Lehrer mit ihnen eine Beziehung beginnen. Viele Jahre später fragen sich die Frauen, warum dieser emotionale und sexuelle Missbrauch an ihren Schulen lange unbemerkt stattfinden konnte. Der Podcast „Die Lieblingsschülerin“ erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen und legt die strukturellen Probleme im Schulumfeld offen. Er fragt, wie Pädagoginnen, Lehrkräfte und Gesellschaft verantwortungsvoller mit Nähe, Macht und Sexualität umgehen können.

Ich finde, dem Podcast gelingt durch die Entscheidung, drei Geschichten parallel zu erzählen, eine sehr gute Gratwanderung. So wird einerseits mit der Mär von den bedauerlichen Einzelfällen gebrochen, andererseits reichen die drei Fälle wiederum, um abstrahieren und Schlüsse auf systemische Probleme ziehen zu können.

Vieles davon mag nicht neu sein. Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass es immer noch derartiger Recherchen bedarf, weil von den zuständigen Behörden kaum mehr als Lippenbekenntnisse zu kommen scheinen.

Die Lieblingsschülerin
Drei Schülerinnen sind 15 Jahre alt, als ihre Lehrer mit ihnen eine Beziehung beginnen. Heute fragen sie sich: Wie konnte der emotionale und sexuelle Missbrauch lange unbemerkt bleiben? Ein Podcast über sexualisierte Gewalt an Schulen und die Folgen.

Warum die Lust an der Gewalt? (Neues von Contrapoints)

Die Durststrecke hat praktisch ein ganzes Jahr angedauert, aber nun hat uns Natalie Wynn endlich wieder mit einem neuen Video bedacht! Entlang der SAW-Filmreihe setzt sie sich über anderthalb Stunden hinweg mit der filmischen Inszenierung von Gewalt auseinander und fragt sich, warum wir als Publikum bestimmte Gewalt abstoßend, andere anziehend oder gar befriedigend finden.

Das Essay funktioniert natürlich auch, wenn man keinen einzigen SAW gesehen hat. Ich zum Beispiel habe mir das – und anderen Torture-Porn – bisher nicht angetan und plane es eigentlich auch nicht. Mir erschien die Gewalt in der Reihe von außen betrachtet immer sehr beliebig, zynisch und eben auch grotesk und schlicht eklig.

„Alles, was tief ist, liebt die Maske": Lange Nacht über die Scham

„Alles, was tief ist, liebt die Maske": Lange Nacht über die Scham
Foto: The New York Public Library / Unsplash

Eine wirklich schöne Lange Nacht über die Scham, wie ich finde. Die Dekonstruktion dieses heute doch klar negativ behafteten Gefühls und das Nachzeichnen dessen, wie sich unsere Bewertung der Scham im Laufe der Jahrhunderte, sogar Jahrtausende verändert hat, hat mir sehr gefallen.

Alles, was tief ist, liebt die Maske. Alles, was tief ist, liebt die Scham. Ohne Scham kein Verbergen. Ohne Verbergen kein Öffnen. Ohne Öffnen keine Intimität. Ohne Intimität keine Liebe. Ohne Liebe keine Erlösung.

Das Feature fragt selbst, ob das nicht zu kitschig ist. Und ja, da mag was dran sein. Aber mich hat's trotzdem irgendwie abgeholt, weil es die vielen Gesichter der Scham abbildet und ihnen den Schrecken nimmt.

Das Gefühl der Scham - Unsagbar peinlich
Sie ist ein intensives, unmittelbares und unfassbares Gefühl: Die Scham ist vielschichtig und hat psychische, gesellschaftliche und körperliche Aspekte.
Wir möchten im Boden versinken oder weit weg sein und uns dem Blick der anderen entziehen: Die Scham ist heiß, schnell und langsam zugleich. Es dauert eine Weile, bis sie wieder verschwindet. Ein Blick auf die Aspekte eines vielschichtigen Gefühls.

Feature: Antipsychiatrie und das Kuckucksnest

Feature: Antipsychiatrie und das Kuckucksnest
Foto: Sam Moghadam / Unsplash

Schönes Feature von Michael und Luis Kilian Marek über die Antipsychiatrie-Bewegung und die Reformen der psychiatrischen Medizin, aufgehängt an Miloš Formans ONE FLEW OVER THE CUCKOO’S NEST, zu hören bei den Zeitfragen im Deutschlandfunk Kultur.

Lobotomie als Symbol psychiatrischer Kontrolle: Der Filmklassiker „Einer flog über das Kuckucksnest“ machte diese Praxis sichtbar und prägte das Bild der Psychiatrie. Die Antipsychiatriebewegung forderte offene Kliniken und Therapie statt Zwang.
Psychiatrie im Film: „Einer flog über das Kuckucksnest“ und die Kritik an Zwangsmaßnahmen
Lobotomie als Symbol psychiatrischer Kontrolle: Formans Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ prägte das Bild von Zwang und Antipsychiatrie.

Gert Scobel über generative KI als lehrreicher Spiegel

„Die wahre menschliche Alphabetisierung im KI-Zeitalter bedeutet also gerade nicht, unsere Begrenztheit zu überwinden, Code und Programm als Quelle der Bedeutung zu verstehen[...]."

Gert Scobel über generative KI als lehrreicher Spiegel
Foto: Rishabh Dharmani / Unsplash

Es freut mich wirklich sehr, dass Gert Scobel das mit der Rente nur so halb ernst gemeint hat und jetzt auf Youtube weitermacht. Seine Videos stoßen mir bisher immer neue Türen auf und bieten Perspektiven, die im „Tagesgeschäft" vom Schaum vor den Mündern eher verdeckt werden.

Auch sein Video über generative KI war für mich in dieser Hinsicht sehr bereichernd:

Die Frage der Zukunft ist daher, ob und wie wir KI wirklich nutzen können, um selber weise zu werden. Shukai Matsumoto sagt: Eine KI zeigt uns nicht, wie wir werden sollen, sondern wer wir jetzt sind. Sie fungiert als ein philosophisches Kontrastmittel, das unsere eigene Natur und unsere eigene Perspektive erst sichtbar macht. Und das ist sehr lehrreich, aber auf eine ganz andere Weise, als wir normalerweise glauben.

Die wahre menschliche Alphabetisierung im KI-Zeitalter bedeutet also gerade nicht, unsere Begrenztheit zu überwinden, Code und Programm als Quelle der Bedeutung zu verstehen, selber coden und programmieren zu können. Wir sind es, die einem Phänomen Bedeutung geben. Wir. Und wir geben auch der KI ihre Bedeutung.

Was wir brauchen, ist in seinen Augen ein neuer Humanismus, der nicht auf der Überlegenheit über andere Wesen basiert, sondern unser eigenes Bewusstsein kultiviert und transparent macht für die Einzigartigkeit und Zerbrechlichkeit unserer eigenen, aber relativen Existenzweise.

Jochen Wegners „Kinderfragen" gibt's jetzt als eigenständigen Podcast

Zum Start von „Nur eine Frage" spricht Jochen Wegner mit dem Neurowissenschaftler Anil Seth und der oberen Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer.

Jochen Wegners „Kinderfragen" gibt's jetzt als eigenständigen Podcast
Porträt: Andreas Chudowski/Die Zeit, Cover: Lea Dohle/Die Zeit, Montage: Ich

Eigentlich ein No-Brainer von Spin-off: Bei Alles gesagt? ist Zeit-Co-Chefredakteur Jochen Wegner auch dafür bekannt, in seinen Worten, „Kinderfragen" zu stellen. Daraus ist jetzt das eigene Podcastformat Nur eine Frage entstanden.

"Können Maschinen denken?", "Ist Demokratie die beste Staatsform?", "Ist Armut erblich?". Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Video- und Audio-Podcast Nur eine Frage stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner sie der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten.

Zum Start gibt es ein Gespräch mit dem Neurowissenschaftler Anil Seth zur Frage „Gibt es mich wirklich?" und mit Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (aka die Wirtschaftsweisen), zur Frage „Ist die Rente sicher?"

Nur eine Frage
In dem neuen ZEIT-Video- und Audio-Podcast “Nur eine Frage” stellen wir den besten Experten die großen Fragen der Zeit – so lange, bis wir klare Antworten bekommen.

Bisher jedoch misslich: Wenn ich den Podcast mit dem Podcatcher meiner Wahl, Pocket Casts, abonniere, wird mir lediglich die natürlich eher nicht so speicherfreundliche Videoausgabe angeboten. Nur das Audio bekomme ich gerade beim Testen nur über die Podcast-App von Apple. (Keine Ahnung, was Spotify macht. Dort höre ich Podcasts aus Prinzip nicht.)