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Filmkritik

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Gesehen: Monkey Man (2024)

Gesehen: Monkey Man (2024)
(c) Universal Pictures Germany

Mir gefällt die Progression, die in den Kämpfen zu erkennen ist. Wie sich die Figuren zunächst von roher Gewalt bestimmt, fast schon unbeholfen durch ihre Choreografie holpern, weil man eben nicht jeden Tag um Leben und Tod kämpft, der Überlebensinstinkt aber schließlich die Kontrolle übernimmt. Wie dann mit der Erfahrung die Fähigkeit kommt, Wut und Kraft zu kanalisieren und nicht zu „verschwenden“.

Und ich muss sagen, dass Dev Patel das alles ganz schmissig in Szene setzt. Wer sich bei seinem allerersten Langfilm für Action dieses Kalibers entscheidet, darf sich von mir aus auch gerne ein paar Kniffe bei anderen Genregrößen abschauen. Dass Patel sehr viel von Matthew Vaughns KINGSMAN-Reihe, Quentin Tarantinos KILL BILL und die von Chad Stahelski inszenierte JOHN WICK-Reihe in MONKEY MAN steckt, ist offensichtlich*. Bei JOHN WICK macht der Film selbst nicht mal einen Hehl daraus und kommentiert die Parallelen selbstironisch.

Nur findet Dev Patel weitestgehend keine eigene Sprache, sondern durchmischt lediglich diese Versatzstücke. Vor MONKEY MAN hat Patel zwei Kurzfilme – beide keine Action – inszeniert. Von meinem Gefühl her hätte MONKEY MAN wunderbar als sein dritter Kurzfilm, in dem er sich auch in diesem Genre ausprobiert und eine eigene Handschrift entwickelt, funktioniert.

Ebenfalls nicht unbedingt gut angefühlt hat sich die gewissermaßen paternalistische Haltung des Films und seiner Hauptfigur gegenüber der Hijra-Community. „Na gut, dann räche ich die eben auch noch mit“, ist die sinngemäße Entwicklung von Patels Protagonist. Dass die Hijras das jedoch auch aus eigener Kraft gekonnt hätten, zeigt der Film sogar. Aber der Schritt zur Selbstkritik oder der Kritik am eigenen Protagonisten wird nicht gegangen.

*Dass auch diese Genrevertreter auf den Schultern anderer Giganten stehen, ist auch klar. Aber sie scheinen mir nicht nur zu kopieren.

★★½☆☆

CA/SG/US, R: Dev Patel, D: Dev Patel, Sikandar Kher, Pitobash, Adithi Kalkunte, Makrand Deshpande, Ashwini Kalsekar, Vipin Sharma, Sobhita Dhulipala, Sharlto Copley, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: What Do We See When We Look at the Sky? (2021)

Gesehen: What Do We See When We Look at the Sky? (2021)
(c) Grandfilm

Ich bin total verzaubert davon, wie dieser Film seinen magischen Realismus nicht nur mit den Sujets, sondern auch der Ästhetik der Romantik verschränkt.

Der Film befreit seine Figuren von den Zwängen ihrer Leben, löst an sie gestellte Erwartungen auf und ermöglicht ihnen damit eine für sie völlig neue und ironischerweise gleichzeitig völlig natürliche Art und Weise, sich selbst, ihre Umgebung und andere Menschen wahrzunehmen, Empfindungen nicht mehr durch den abschwächenden Filter einer immer unempathischer werdenden Welt machen zu müssen – ohne die erdrückende Last von Karriere, Brot und Spiele (aka Fußball-WM) sowie den alles zerfressenden Kapitalismus.

Spannend finde ich außerdem, wie der Film mit sich selbst bzw. über den gezeigten Film im Film mit der eigenen Kunstform in Dialog tritt und darüber zur Debatte stellt, ob die Kunst zu diesem Selbstfindungsprozess beitragen kann oder ihn verunmöglicht, weil ihr „Eingreifen“ bereits eine neue Realität konstruiert, die bereits einen Schritt von den Menschen entfernt ist.

★★★★☆

GE, R: Alexandre Koberidze, D: Ani Karseladse, Giorgi Botschorischwili, Oliko Barbakadse, Giorgi Ambroladse, Wachtang Pantschulidse, Sofio Tschanischwili, Irina Tschelidse, David Koberidse, Sofio Scharaschidse, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: A Quiet Place: Day One (2024)

Gesehen: A Quiet Place: Day One (2024)
(c) Paramount Pictures Germany

Eigentlich ein unnötiger Film, denn hier wird praktisch nichts diesem Universum hinzugefügt. Es gibt keine weiteren Details, die diese Welt zu einer vielschichtigeren, abgerundeteren machen würden. Stattdessen werden altbekannte Mechaniken wiederholt. Das macht er nicht unbedingt schlecht, es ist schon ein ganz okayer Action-Horror-Thriller, der dazu auch durch seine wahnsinnig blassen Figuren keinen wirklichen Eindruck hinterlassen kann.

★★½☆☆

US, R: Michael Sarnoski, D: Lupita Nyong’o, Joseph Quinn, Alex Wolff, Djimon Hounsou, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Smoke Sauna Sisterhood (2023)

Gesehen: Smoke Sauna Sisterhood (2023)
(c) NEUE VISIONEN

Ein wunderschöner und zutiefst berührender Dokumentarfilm, der so viele Momente hat, die über das Gesagte hinausgehen – in einem Raum, in dem es keiner Worte mehr bedarf, um Solidarität zu bekunden. Wenn die Frauen über sehr persönliche, traumatische Erlebnisse sprechen, dann streichelt ihnen niemand mitfühlen übers Haar, dann bedarf es keiner Töne/Worte der Anerkennung, dann bekommen die erzählenden Frauen einfach den Raum, den sie brauchen.

Ob die hier abgebildete Saunakultur dafür einen besonders sicheren Rahmen schafft? Möglich, aber zu einem abschließenden Urteil komme ich nicht. Die Sauna ist hier vor allem Vehikel, um über die Rolle der Frau in der Gesellschaft, das Selbstbild der Frau und Erwartungen an Frauen zu erzählen. Wer es noch nicht weiß, erfährt im Abspann, dass diese Saunakultur Teil des immateriellen Kulturerbes nach der UNESCO ist.

Ich weiß, dass ein Dokumentarfilm nicht zwingend journalistischen Kriterien folgen muss. Dennoch bleiben diese Kriterien die Brille, durch die ich auf viele Dokumentarfilme blicke. Mir geht es nicht um ein ausführliches Darlegen aller Eigenschaften dieser Saunakultur, die eine Aufnahme auf die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes rechtfertigen. Das ist im Kontext dieses Films gar nicht so interessant. Aber wie oft kommen diese Frauen zusammen? Wo liegt diese Sauna – irgendwo im Wald, wie hier ein bisschen insinuiert wird, am Rande des kleinen Örtchens, in dem die Frauen alle Leben? Für mich sind das Punkte, anhand derer ich die hier porträtierte Intimität noch umfassender hätte verstehen können.

Außerdem eine große Frage bleibt: Wie sind diese Gespräche zustande gekommen, wie wurden diese Themen angestoßen? Es scheint mir absurd zu behaupten, dass die Frauen auf Ansage extra für die Kamera nochmal ihre Traumata durchschleifen mussten. Auch mit einem LOVEMOBIL (2019) haben wir es hier schon gar nicht zu tun. Aber wie groß ist hier das, was Werner Herzog die „ekstatische Wahrheit“ nennt? (Aus Werner Herzogs „Minnesota declaration“: There are deeper strata of truth in cinema, and there is such a thing as poetic, ecstatic truth. It is mysterious and elusive, and can be reached only through fabrication and imagination and stylization.)

EE/FR/IS, R: Anna Hints, Trailer, Wikipedia

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A review of Smoke Sauna Sisterhood (2023)
Ein wunderschöner und zutiefst berührender Dokumentarfilm, der so viele Momente hat, die über das Gesagte hinausgehen – in einem Raum, in dem es keiner Worte mehr bedarf, um Solidarität zu bekunden. Wenn die Frauen über sehr persönliche, traumatische Erlebnisse sprechen, dann streichelt ihnen niemand mitfühlen übers Haar, dann bedarf es keiner Töne/Worte der Anerkennung, dann bekommen die erzählenden Frauen einfach den Raum, den sie brauchen. Ob die hier abgebildete Saunakultur dafür einen besonders sicheren Rahmen schafft? Möglich, aber zu einem abschließenden Urteil komme ich nicht. Die Sauna ist hier vor allem Vehikel, um über die Rolle der Frau in der

Gesehen: Les Amours d'Astrée et de Céladon (2007)

Gesehen: Les Amours d'Astrée et de Céladon (2007)
(c) Studiocanal

Zu dieser Ästhetik finde ich oft nur sehr schwer Zugang – dieses „Kommt, schmeißt euch schnell die Lumpen aus dem Theaterfundus über, dann gehen wir in den Wald und ich halte mit der Kamera drauf“, das hier außerdem sehr anachronistisch anmutet.

Dadurch wurde mir auch nochmal bewusst, wie klug in den „typischen“ Rohmers die Welt gezeichnet wird. Darin fügt sich alles sehr organisch zusammen, wir verstehen sie ohne viele Worte, weil sie der unseren so nah ist. Aber in LES AMOURS D'ASTRÉE ET DE CÉLADON bleiben weite Teile nur mit sehr groben Pinselstrichen aufs Zelluloid gemalte, abstrakte Ideen. Bei mir ist einfach kein räumliches Gefühl für diese Welt entstanden.

Aber filmisch über die Liebe nachdenken, das können nur wenige wie Éric Rohmer. Ihr in seinem letzten Film noch einmal ein derartiges Denkmal zu setzen, ist tragisch schön. Hier transzendiert die Liebe als reine Kraft alle Klassen, Ränge, Geschlechter und sexuelle Orientierungen – nicht immer klar ausgesprochen, aber unmissverständlich gezeigt.

★★★½☆

FR/IT/ES, R: Éric Rohmer, D: Andy Gillet, Stéphanie Crayencour, Cécile Cassel, Véronique Reymond, Rosette, Jocelyn Quivrin, Trailer, Wikipedia
Astrée und Céladon - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: MaXXXine (2024)

Gesehen: MaXXXine (2024)
(c) Universal Pictures International Germany

Es ist schon ganz cool, wie der Film mit seiner eigenen Medialität spielt, dabei drei Ebenen – den Film im Film, den eigentlichen Film und wir vor der Kinoleinwand/dem Bildschirm – aufzieht und so auch Querverbindungen zur Gegenwart sichtbar macht. Denn die heutigen Bestrebungen evangelikaler Christ*innen, vor allem in den USA, bergen dieselben regressiven Vorstellungen von Kunst, medialer Gewalt und Sexualmoral wie der von Satanic Panic in Beschlag genommene Teil der 1980er MAXXINES. Ein Salto zurück in die gesellschaftliche Steinzeit als fundamentalistische Utopie aufklärungsfeindlicher religiöser Fanatiker*innen mit einem Faible für Autokratien.

Darüber hinaus lässt sich der Film auch noch dankbar als Reflexion der Rolle der Frau in Kunst und Gesellschaft, als Metapher auf die gnadenlose Maschinerie Hollywoods oder als Sektion patriarchaler Gewalt lesen. Das ist alles nicht schlecht, aber hier eben auch nur auf dem Niveau eines einer aufgeklärten Gesellschaft angemessenen Minimalkonsenses. Der Film reibt sich in meinen Augen letztlich an weniger, als es zunächst scheinen mag.

★★★½☆

US, R: Ti West, D: Mia Goth, Elizabeth Debicki, Moses Sumney, Michelle Monaghan, Bobby Cannavale, Halsey, Lily Collins, Giancarlo Esposito, Kevin Bacon, Trailer, Wikipedia
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