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Filmkritik

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Posts tagged with Filmkritik

Gesehen: Train Dreams (2025) - Muss das so?

Der Film sucht nach Spuren, die er nicht richtig ausfüllen kann

Gesehen: Train Dreams (2025) - Muss das so?
Bild: Netflix

Das ist schon eine verführerische Aneinanderreihung von eleganten, in sich ruhenden, manchmal ausharrenden und oft kontemplativen Einstellungen, in denen der Mensch in einem positiven Möglichkeitsraum gezeigt wird, in dem er nicht zwingend Gegenspieler sein muss, sondern auch als Symbiont eine lebenswerte Existenz bestreiten kann.

Gravierendes habe ich an diesem Film gar nicht auszusetzen. Und dennoch frage ich mich, ob der nun genau so sein musste... Als würden sich in der von hier aus noch gut überblickbaren Filmgeschichte – von einem Hauch Tarkowski über jede Menge Malick bis zu Einschlägen à la Reichardt – nicht bereits entsprechende Spuren finden, in die dieser Film hier mehrfach hineinpasst.

Dazu die gewählte Erzählperspektive, die mich in dieser Form doch sehr schulterzuckend zurückgelassen hat. Selbstverständlich braucht das Genre auch weiterhin sensible und empathische Typen, die mit alten Mustern, Schablonen und Motiven brechen. Aber hier scheint es, als wäre man sich seines filmischen Umfeldes so gar nicht bewusst gewesen. Auch deshalb fühlt es sich ziemlich ausbeuterisch, wenn nicht sogar etwas parasitär an, wenn der rassistische Mord eines asiatischen Mannes dazu genutzt wird, gut 100 Minuten die zarte, leidende (und weiße) Männerseele in Szene zu setzen.

TRAIN DREAMS führt irgendwie nirgendwo so richtig hin – jedenfalls in keinen Bahnhof. (Hehe.)

★★★☆☆

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Gesehen: Kneecap (2024) - Kopfnickende Fußwipper

Energiegeladen, aber zuweilen auch schlicht in der Argumentation

Gesehen: Kneecap (2024) - Kopfnickende Fußwipper
Bild: Atlas Film

Ein paar Kopfnicker und Fußwipper sind schon dabei, aber diese musikalisch nach vorn treibende Energie schafft es dann doch nie so ganz, wirklich alles tight beisammenzuhalten.

Was funktioniert, ist die Beschreibung moderner imperialistischer Mechanismen, die unter anderem durch eine Art kulturelle Hegemonie greifen. Es ist nicht unbedingt die Sprache an sich, mit der Geschichte ausgelöscht wird. Es sind die Geschichten, die mit dieser Sprache erzählt werden. Und mit diesen Geschichten verschwinden Gemeinschaften. Mit diesen Gemeinschaften verschwinden Menschen.

KNEECAP verklärt die „Troubles" nicht. (Das tut die Bezeichnung irgendwie selbst schon ein bisschen.) Der Film zeigt vielmehr, mit welchen Waffen derartige Konflikte heute ausgefochten werden.

Aber auch: Antiimperialismustrunken ist Nationalismus offenbar ein immer geringeres Problem. Und das scheint mir hier wirklich nicht ausreichend problematisiert. Sex mit der „Gegenseite" zu haben, scheint mir im Kontext des Films zwar eine adäquate Metapher für das Überwinden dieses Lagerdenkens, aber eben auch für die Schlichtheit der Argumentation insgesamt zu sein.

★★★☆☆

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Gesehen: Härte (2015) - Vorabendliche Abgründe

Leider kommen die beiden Ebenen des Films nicht so gut zusammen

Gesehen: Härte (2015) - Vorabendliche Abgründe
Bild: rbb, Rosa von Praunheim Filmproduktion

Die Form der dramatisierten Szenen schwankt zwischen verstörendem Homevideo und krampfhaft auf Harmonie gebürsteter Vorabendserie. Rosa von Praunheim schafft es, die Abgründe hinter dieser uns allen so bekannten Ästhetik sichtbar zu machen, und erzählt mit diesen Mitteln eine der Geschichten, vor denen entweder nur zu gern die Augen verschlossen, oder die mit krudem Humor überspielt wurden.

Schade ist, dass die Verschränkung mit den dokumentarischen Szenen nicht wirklich gelingt. Denn Andreas Marquardt bleibt in denen als Mensch relativ farblos und durch das Framing des Films eine Figur der Vergangenheit, deren gegenwärtiges Schaffen zu einer Randnotiz verkommt.

★★★☆☆

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Gesehen: Eddington (2025) - Besserwisserkino

Ari „Hufeisen“ Aster

Gesehen: Eddington (2025) - Besserwisserkino
Bild: Leonine Distribution

Eine besonders im letzten Akt wunderbar zynische Groteske darüber, wie Gesellschaft in tausend Teile zersplittert, wie sie durch ihre eigene Hand zugrunde geht. Aber es ist eben auch elendes, anmaßendes Besserwisserkino. Ari Aster scheint nicht in der Lage oder daran interessiert, sich wirklich grundlegenden Phänomenen und Dynamiken zu stellen, sondern gefällt sich stattdessen sehr darin, die Oberfläche, den Schein zu beschreiben. Das Drehbuch ist eher eine hufeisentheoretische Ausführung, die fälschlicherweise davon überzeugt ist, nuancierte Graustufen anzubieten.

★★☆☆☆

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Gesehen: Mission Impossible: The Final Reckoning (2025) - Theatralisch plump

„Mission: Impossible“ ist wohl das Franchise, dem ich am meisten verzeihe

Gesehen: Mission Impossible: The Final Reckoning (2025) - Theatralisch plump
Bild: Sony, Paramount

An Plot war die MISSION: IMPOSSIBLE-Reihe noch nie sonderlich groß und mit jedem Teil der Reihe noch ein bisschen weniger interessiert, aber meinem Gefühl nach noch nie so deutlich wie in THE FINAL RECKONING.

Die einzelnen Set Pieces werden zusammengehalten von Mono- und Dialogen in regelrecht shakespearischer Ausprägung. In aller Epik wird erklärt, wie die Weltherrschaft an sich gerissen werden wird, wie eine Figur die andere hintergangen hat, wie nicht nur ein, sondern gleich alle(!) Leben auf dem Spiel stehen, wie nur ein „Wir gegen die Unmöglichkeit" den Fortbestand des Planeten noch retten kann. Das wird mit einer derartigen Theatralik, einer überbordenden Schwulst vorgetragen, dass es unglaublich lächerlich und unglaublich cool zugleich ist.

Die Locations waren okay. Es scheint jedoch unübersehbar durch, dass die Reihe die Welt einfach durchgespielt hat. Die Teammomente sind nett, aber besonders im Kontext der Reihe ziemlich redundant. Das Bemühen von ein paar historischen Gesichtern ist sympathisch, das Durchschneiden durch Momente aus allen Teilen der Reihe in einer fehl am Platz wirkenden Reihe ist einfach nur irritierend. Was fehlt, ist noch mal ein Banger-Einsatz des Themes, das den gesamten Film über ausbleibt.

Warum der Film trotz dieser lauwarmen Worte von mir dreieinhalb Sterne bekommt? Weil ich MISSION: IMPOSSIBLE einfach verdammt viel verzeihe. Weil ich es mag, wie theatralisch plump diese Figuren ausgestellt werden. Weil die Stuntsequenzen immer noch herausstechen. Und weil es nie schmalzige Epiloge gab, die das Team zurückgezogen auf eine einsame tropische Insel zeigen.

★★★½☆

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Gesehen: Risse im Fundament (2022) - Kontrastprogramm

Es ist ein ständiger Kampf um, mit und gegen Grenzen

Gesehen: Risse im Fundament (2022) - Kontrastprogramm
Bild: DFFB, Francisco MeCe

Die Erfahrungen der Protagonistin stehen in spannendem Kontrast zu ihrem Beruf. Als Architektin arbeitet sie mit klaren Formen und Konstruktionen, die oftmals Innen und Außen voneinander abgrenzen.

Doch mit dem beruflichen Aufstiegsversprechen kommt offenbar die Erwartung der Aufgabe ihrer persönlichen Grenzen einher. Die werden ignoriert, überschritten, gewaltsam verrückt oder manipulativ verschoben.

Letztlich ist die Protagonistin ziemlich gut darin, persönliche Grenzen zu erkennen und oftmals auch zu formulieren. Doch das hilft ihr innerhalb einer Gesellschaftsordnung nicht, die Menschen genau dafür abstraft.

Privat und beruflich den eigenen Wert zu kennen, spielt keine Rolle, wenn das System ausschließlich auf maximalen Machtmissverhältnissen und patriarchaler Klüngelei fußt.

★★★☆☆

Der Film steht kostenlos noch bis zum 14. März 2026 in der ARD-Mediathek.

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