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Filmkritik

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Gesehen: Zielona granica (2023)

Gesehen: Zielona granica (2023)
(c) Alive AG

Agnieszka Holland redet nicht um den heißen Brei herum, benennt kaputte Mechanismen, Fehler im System, rechtsextreme Arschlöcher und den menschenfeindlichen Diktator Alexander Lukaschenko, ohne dabei auch nur eine Sekunde in sperriger Didaktik zu versumpfen. Gleichzeitig schafft es Holland auch weitestgehend, die Geflüchteten und deren Geschichten nicht für eine Art geopolitischen Thriller auszubeuten.

Stattdessen fokussiert sie die Energie ihres Films darauf, wozu Menschen fähig sind – zu Empathie, Rechtschaffenheit, Reue und großes Leid für geliebte Mitmenschen auszuhalten, trotz aller Widrigkeiten zu überdauern, aber auch zu Gewissenlosigkeit, Sadismus, Neid und Hass.

Durch die multiperspektivische Erzählung von Geflüchteten, Zivilgesellschaft und Grenz-"Schutz" braucht der Film jedoch ziemlich lang, um in die Gänge zu kommen, bis der Dominostein am großen Motiv angekommen, der Rhythmus gefunden ist und sich aus dem Wirrwarr der Katastrophen ein produktives Bild ergibt.

Außerdem: Ich kann mit bewussten Entscheidungen für Schwarz-Weiß-Bilder in der Regel viel anfangen. Aber hier ist das der Erzählung irgendwie nicht gerecht geworden. Es hat sich für mich angefühlt, als ob dadurch jede Menge Energie einfach verpufft ist – besser kann ich es noch nicht in Worte fassen.

★★★½☆

BE/CZ/FR/PL/US, R: Agnieszka Holland, D: Jalal Altawil, Maja Ostaszewska, Behi Djanati Atai, Tomasz Włosok, Mohamad Al Rashi, Dalia Naous, Jaśmina Polak, Monika Frajczyk, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Bis zur Wahrheit (2024)

Gesehen: Bis zur Wahrheit (2024)
(c) NDR / Boris Laewen / Roland Stuprich

Ich glaube, dieser Film ist für eine ganz bestimmte Zielgruppe gemacht und von daher entsprechend inszeniert und erzählt. Ich bin nicht Teil dieser Zielgruppe, da Pi mal Daumen 30 Jahre zu jung. Also erkenne ich an, dass hier akribisch ein so drängendes Thema allumfassend bearbeitet wird, mit dem ich mich vielleicht schon länger auseinandersetzen mag, besagte Zielgruppe aber nicht den ganzen Tag kluge Stimmen in Podcasts und auf [Soziales Netzwerk] hört bzw. liest.

Wenn ich den Film jedoch losgelöst von jeglicher statistischer Erhebung bezüglich des Durchschnittsalters linearer Programme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk betrachte, bleibt für mich sehr schnell nicht mehr viel übrig.

Ästhetisch rangiert der Film auf dem Niveau eines Vorabendkrimis – mit aalglatten Bildern, abgegriffenen Motiven und untermalt von durchgehend profillos vor sich hinsäuselnder Musik.

Keine Figur hat eine wirkliche Agency. Weitestgehend wird wie an Marionettenfäden vor sich hin reagiert, aber bis auf einen großen Moment praktisch nie agiert. Das mag im Fall der Protagonistin vor allem auf einer metaphorischen Ebene aufgehen. Aber es sind aus unerfindlichen Gründen einfach alle Figuren betroffen.

Als wirklich filmischer Moment ist mir lediglich eine Szene im Kopf geblieben – die, in der sich Maria Furtwänglers Martina auf die Tanzfläche des Clubs begibt, den ihr Vergewaltiger kurz zuvor verlassen hat. Sie erobert sich hier nicht ihren Raum zurück. Sie entreißt ihrem Täter einen vermeintlichen Rückzugsort, macht klar, dass er immer weniger Raum hat, in dem er sich mit seinen Lügen sicher fühlen kann.

Nach SCHWEIGEND STEHT DER WALD habe ich mir mehr davon erhofft.

★½☆☆☆

DE, R: Saralisa Volm, D: Maria Furtwängler, Damian Hardung, Pasquale Aleardi, Uwe Preuss, Margarita Broich, Luna Winter, Trailer

Der Film steht noch bis zum 20. November 2025 in der ARD-Mediathek:

Bis zur Wahrheit - hier anschauen
Zwei befreundete Paare, ein gemeinsamer Nordsee-Urlaub mit ihren Kindern: Was als Idyll beginnt, wird zur Tragödie, als die Chirurgin Martina (Maria Furtwängler) von dem Sohn ihrer besten Freundin vergewaltigt wird. Martina versucht, ihre Erinnerungen an das Geschehene zu verdrängen. Als sie endlich zu sprechen beginnt, reagiert ihr Umfeld wütend. Ihre Freundin Jutta (Margarita Broich) versucht ihren Sohn Mischa (Damian Hardung) zu verteidigen. Sie will Martinas Erzählung keinen Glauben schenken. Martina kämpft sich in ihr Leben zurück – mit allen Mitteln. Bewegendes Familiendrama von Regisseurin Saralisa Volm.
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Gesehen: Megalopolis (2024)

Gesehen: Megalopolis (2024)
(c) Constantin Film

Ich habe das Gefühl, vorab noch einmal extra betonen zu müssen, dass ich das wirklich ohne jeden Funken Sarkasmus meine: MEGALOPOLIS wirkt wie das Projekt einer Gruppe von Highschoolern, die einen Film von Baz Luhrmann zu viel gesehen haben und schließlich total inspiriert unbedingt eine Oper in seinem Stil als Abschlussstück des Schuljahres inszenieren wollten. Aus Budgetgründen mussten jedoch viele Hintergründe mit OpenAIs Sora hergestellt werden. Am Tag der Premiere, als alles zum ersten Mal zusammengerührt funktionieren muss, sind die Darsteller:innen ob des Clusterfucks, durch den sie sich bewegen sollen, vor allem damit beschäftigt, grenzdebile Lachanfälle zu unterdrücken. Ich schwöre, Laurence Fishburne war in einer Szene wirklich so 🤏 kurz davor.

Dass gerade heute niemand substanzielle Summen in diese Produktion stecken wollte, wundert mich nicht wirklich. Denn es scheint, als ob Coppola seit den 1980ern nur sehr wenig dafür getan hat, das Drehbuch zu entstauben.

Denn wenn der verkommene Exzess dieser herrschenden Klasse New Romes in ach so skandalösen Bildern wie Männer in Kleidern, sich küssende Frauen und ein paar Lines Koks auf der Party Ausdruck findet, dann ist das an verinnerlichter Prüderie und Kontaktverlust mit der tatsächlichen gesellschaftlichen Realität nur schwer zu überbieten.

Das einzige Update des Stoffes scheinen mir die klar trumpesken Züge einzelner Figuren zu sein. Aber das geschieht auf einer super einfältigen, fast schon infantilen und nie produktiven Ebene.

Es ist absolut wild, dass dieser Film so existiert. Und es ist absolut wild, wie ernst er sich nimmt. „So schlecht, dass es schon wieder gut ist" lehne ich als Zuschreibung ab. Aber das hier ist wirklich einfach a beautiful mess. Denn dass dem ganzen auch eine gewisse Musik innewohnt, kann ich auch nicht abstreiten.

★★☆☆☆

US, R: Francis Ford Coppola, D: Adam Driver, Nathalie Emmanuel, Giancarlo Esposito, Aubrey Plaza, Shia LaBeouf, Jon Voight, Laurence Fishburne, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Il Buco (2024)

Gesehen: Il Buco (2024)
(c) Doppio Nodo Double Bind / Rai Cinema / Essential Films / Société Parisienne de Production / ZDF / Arte France Cinéma

Die Klarheit der Bilder ist eine Illusion. Die Klarheit dieser Bilder ist eine Illusion.

Der Versuch etwas zu verstehen, zu durchdringen ist auch immer mit einem Eindringen verbunden und hat invasive sowie übergriffige Qualitäten. Das löst unweigerlich eine Gegenreaktion des Gegenstands der Betrachtung aus, provoziert sie mitunter auch bewusst – und zieht so bereits die erste Ebene der Diffusion ein.

Werden wir jemals die reine Essenz einer Entität beschreiben können? Denn letztlich ist ein klarer Blick unmöglich. Der Blick an sich ist bereits Akt der Zerstreuung, Erzählungen, Zeichnungen, Fotos, Filmaufnahmen erst recht. Und ihnen wohnt auch immer etwas Ausbeuterisches Inne, was nie ohne Reaktion bleiben wird.

Das ging mir hier durch den Kopf. Ein Fass ohne Boden.

★★★★☆

DE/FR/IT, R: Michelangelo Frammartino, Trailer, Wikipedia

Der Film steht noch bis zum 23. Dezember 2024 in der Arte-Mediathek:

Il Buco - Ein Höhlengleichnis - Film in voller Länge | ARTE
Die 1960er Jahre sind für Italien wie für den größten Teil Westeuropas eine Zeit des Aufschwungs. Doch in den Bergen Kalabriens, an der Südspitze des italienischen Stiefels, wirkt die Zeit wie stillgestanden. Eine Gruppe von Höhlenforschern macht sich hierher auf, um den Abisso del Bifurto zu erkunden. - Eine dokumentarische Fiktion (2021) und eine Meditation über das Leben.
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Kinotagebuch: The Outrun (2024)

Kinotagebuch: The Outrun (2024)

Es ist unheimlich, wie nah sich Nora Fingscheidt mit Saoirse Ronan in der Hauptrolle an die brutale Vereinzelungserfahrung vor dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung heraninszeniert. Der Film zeigt eine längst aufgerissene Wunde, die nie wieder verheilen wird. Das ist die bittere Wahrheit des Films und unseres Lebens. Kein Glücksbringer, kein Kampf mit den Elementen wird diese Wunde jemals verheilen lassen. Es gibt Dinge, die sich einfach niemals bewältigen lassen, und damit einen Umgang zu finden, ist eine lebenslange Aufgabe. Verklärter Optimismus liegt dem Film also fern. Aber er macht Mut und schürt Hoffnung – für die Protagonistin Rona, für uns, für mich. Ob auch für dich, kann ich mir nicht anmaßen zu sagen.

★★★★☆

DE/GB, R: Nora Fingscheidt, D: Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: My First Film (2024)

Gesehen: My First Film (2024)
(c) Mubi

Was dieser Film ziemlich gut beherrscht, ist eine durchgängig unangenehme Stimmung zu halten – und zwar letztlich nicht unbedingt nur durch das Geschehen, sondern alleine durch die zeitliche Einordnung. Diese Figuren, allesamt ältere Millennials, wurden gerade erwachsen, als 9/11 passierte. Schickten sich an, endlich die Zügel ihres Lebens in die Hand zu nehmen, als die Weltwirtschaft vor die Wand fuhr. Wie ist das, wenn man live im Fernsehen dabei zusieht, wie 3.000 Menschen sterben und danach die Welt immer und immer enger wird? Wie damit umgehen, ohne komplett dem Nihilismus zu verfallen?

Auch gefallen hat mir, dass mir der Film wieder mehr ins Bewusstsein gerückt hat, dass nicht nur das Ergebnis die Kunst ist. Mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar den größten Anteil hat doch der eigentliche Prozess, sein Innerstes nach außen zu kehren. Und wenn dabei dann auch noch ein gutes Kunstwerk rumkommt, ist das ein cooles Addon, aber eben längst nicht alles. Es fällt mir schwer, das immer und immer wieder beim Durchdringen von Kunstwerken in Erinnerung zu rufen. Denn letztlich lässt sich ein Werk meistens nur für sich stehend betrachten und der Schaffensprozess bleibt weitestgehend im Dunkeln.

Hier drängt außerdem schon die digitale Welt mit ins Bild. Sämtliche Kunst und Kultur jederzeit nur einen Klick, einen Fingerwisch entfernt in der Hosentasche zu haben, ist Fluch und Segen zugleich. Wie seinen eigenen Weg finden, seine eigene Geschichte mit seinen eigenen Mitteln erzählen, wenn auf Youtube zu sehen ist, wie vermeintlich insignifikant die eigene Idee ist und wie andere genau diese Idee schon in unzählbar vielen Varianten versucht haben umzusetzen?

Sehr berührt hat mich, wie Zia Anger hier mit ihrem realen und fiktionalisierten jüngeren Ich in Dialog tritt, stets warm und wohlwollend, niemals resigniert, immer verzeihend und ermutigend.

Was mich jedoch beim Schauen nicht losgelassen hat, ist der Eindruck, dass diesem Film (und vielen vergleichbaren Stoffen, vor allem von Männern) ein Hauch von Anmaßung anhaftet. Denn vor der Verspielfilmung gab es bereits eine Version des Stoffes. Dieses Innere wurde bereits nach außen gekehrt. Und daran ändert auch ein Distribution-Deal nichts. Aber vielleicht ist tatsächlich was dran, als Zia Anger in ihrem eigenen Film Jean Renoir heranzieht, der einst „A director makes only one movie in his life. Then he breaks it up and makes it again“ sagte.

★★★☆☆

GB/US, R: Zia Angers, D: Odessa Young, Devon Ross, Cole Doman, Sage Ftacek, Jane Wickline, Seth Steinberg, Abram Kurtz, Jackson Anthony, Eléonore Hendricks, Eamon Farren, Philip Ettinger, Sarah Michelson, Ruby Max Fury, Trailer, Wikipedia
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