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Filmkritik

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Posts tagged with Filmkritik

Gesehen: No God No Father (2025) - Alte Idee, neuer Spin

Generative KI ändert auch den Desktop-Film

Gesehen: No God No Father (2025) - Alte Idee, neuer Spin
Bild: Yukunkun Productions

Neuer Spin einer alten Idee, aber recht clever durchkomponiert. Letztlich erzählt der Kurzfilm viel über die Fragmentierung digitalen Lebens, virtuell rekonstruierbare Abbilder unserer Selbst und Scheinrealitäten, in denen das Gemeinschaftsversprechen des Internets zu krassen Vereinzelungserfahrungen umschlägt – nun nur noch heftiger befeuert durch generative KI.

Der Kurzfilm steht noch kostenlos bis zum 29. Januar 2027 bei Arte in der Mediathek.

Weder Gott noch Vater - Film in voller Länge | ARTE
Ein junger Mann pflegt eine enge Beziehung zum Internet. Da ihm aufgrund der Abwesenheit einer Vaterfigur Antworten fehlen, findet er in Google einen unerwarteten Mentor. Vom Erlernen alltäglicher Aufgaben wie Rasieren
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Gesehen: We Were the Scenery (2025) - Flucht ins Trauma

Eine Geschichte über Zufall, Aneignung und Ausbeutung

Gesehen: We Were the Scenery (2025) - Flucht ins Trauma
Bild: Christopher Radcliff

Da überlebst du einen blutigen Krieg in deinem Land, musst danach flüchten, landest in einem Lager des Roten Kreuzes und wirst dort von einer megalomanischen (und offenbar auch völlig gewissenlosen) Filmproduktion aufgegabelt, damit du als Statist*in in genau den Krieg zurückkehren darfst, den du eigentlich hinter dich gebracht hast.

Das ist einerseits natürlich eine absurde Geschichte eines ziemlich unwahrscheinlichen Zufalls. Andererseits erzählt es auch davon, wie Hollywood sich der Schicksale, der Geschichten und des Leidens von Opfern und Überlebenden aneignet, sie zu unscharfen, gesichtslosen Massen verwäscht und dabei Retraumatisierung billigend in Kauf nimmt.

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Gesehen: Honey Don't! (2025) - Please don't

Hätte man auch lassen können...

Gesehen: Honey Don't! (2025) - Please don't
Foto: Universal Pictures International Germany

Hier verpufft wirklich alles irgendwie im Nichts. Das liegt vor allem daran, dass dem Film der Spagat zwischen Archetypen und Stereotypen nicht gelingt. Die markigen Figuren verkommen zum Selbstzweck, das Bedienen statt Unterlaufen von Klischees zur ermüdenden Leier, die Persiflage zu etwas, an dem man konsequent scheitert.

★½☆☆☆

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Meine 20 Lieblingsfilme in 2025

Gratulation an die zweifache Leonie Benesch!

Meine 20 Lieblingsfilme in 2025

Zwölf von 20 Filmen konnte ich im Kino sehen. (Mein gesamtes Kinojahr habe ich hier abgelegt.) Ein bisschen für mich (wieder)entdeckt habe ich die Sondervorführungen inklusive Filmgesprächen mit den Macher*innen. So konnte ich dieses Jahr Fragen loswerden an: Mascha Schilinski, Burhan Qurbani und Julian Radlmeier.

Wieder hat es ein Dokumentarfilm auf die Liste geschafft, den ich beim DOK Leipzig gesehen habe.

Ein Filmland, das ich mir erst dieses Jahr zum ersten Mal richtig bewusst erschlossen habe, ist Georgien.

Drei zentrale Erkenntnisse meines Filmjahres habe ich drüben bei Kino-Zeit aufgeschrieben. Dort durfte ich auch das Scheinwerferlicht

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Gesehen: Ich war neunzehn (1968) – Sprache, Licht und Schatten

Von Männern, die die Welt mit Krieg überzogen haben...

Gesehen: Ich war neunzehn (1968) – Sprache, Licht und Schatten
Foto: DEFA-Stiftung, Werner Bergmann, Wolfgang Ebert, Bernd Sperberg

Herkunft, Identität und kollektive Schuld werden hier verhandelt über die Sprache und das Spiel mit Licht und Schatten, das immer wieder elegant mit dem Geschehen verwoben wird – etwa durch die durch hartes Gegenlicht kontrastierten Fetzen Kriegsgeschehen oder die wie Geister an den Wänden entlang gleitenden Schatten der SS-Offiziere.

Dass die Rote Armee hier ziemlich gönnerhaft inszeniert ist, sollte natürlich bei einem DEFA-Film nicht unbedingt wundern. Dennoch unterläuft Konrad Wolf zumindest stellenweise die heroischen Motive.

Da ist etwa die traumatisierte junge Deutsche zu Beginn des Films, deren Bernauer Bleibe von den Russen beschlagnahmt wird und sie daraufhin fragt, ob sie in

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Gesehen: The Loneliest Planet (2011) - Ökonomische Fußfesseln

Selbstfindung ist Ausbeutung

Gesehen: The Loneliest Planet (2011) - Ökonomische Fußfesseln
Foto: The Match Factory

Diesem Bild der Tourist*innen, die in die von ihnen aus betrachtet entlegensten Winkel der Erde reisen und dort von armem Land zu noch ärmerem Land ziehen, haftet schon vielleicht etwas Bösartiges, auf jeden Fall aber etwas Ausbeuterisches an. Jede vermeintliche Erweiterung der eigenen Perspektive gipfelt in Selbstvergessenheit. Sie können diesen Ort, diese Lebensumstände jederzeit wieder verlassen, ein Großteil der Einwohner*innen sitzt durch die ökonomische Realität jedoch fest – wortwörtlich und im übertragenen Sinne.

Wie unbewusst sich Menschen wie sie (und überhaupt) ihrer eigenen Privilegien sind, zeigt letztlich der erste richtige Realitätsabgleich, der ihnen aufgezwungen wird. Der den Selbstfindungstrip zu

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