Konsum ist unser Untergang. Exzentrische Tech-Milliardär*innen werden uns nicht retten. Xenophobie verhindert zivilisatorischen Fortschritt. In fast 50 Jahren hat sich wenig geändert 🤷♂️
★★★½☆

Konsum ist unser Untergang. Exzentrische Tech-Milliardär*innen werden uns nicht retten. Xenophobie verhindert zivilisatorischen Fortschritt. In fast 50 Jahren hat sich wenig geändert 🤷♂️
★★★½☆

Die Menschen, die hier sprechen, haben alle eine Sache gemeinsam. Damit meine ich jedoch nicht ihre Erfahrungen mit postpartalen psychischen Erkrankungen, sondern ihre soziale und ökonomische Klasse. Wer hier spricht, übt entweder einen kreativen Beruf aus oder ist Doktorin bzw. Professorin. Der Faktor der finanziellen Absicherung scheint hier praktisch keine Rolle zu spielen. Dabei erscheint mir das ein nicht unwesentlicher Umstand zu sein. Doch dieses Privileg wird nur ganz am Rande reflektiert. So wirkt WITCHES stellenweise doch ein bisschen wie ein Youtube-Essay, das an der Überhöhung der eigenen Perspektive krankt. Das macht den Inhalt, die Erfahrungen dieser Frauen jedoch nicht weniger wahr oder weniger wichtig, gehört zu werden. Nur tut die Form wenig dafür, diese Schilderungen noch besser in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu setzen.
Aber der Film hat mir auch eine Perspektive eröffnet, über die ich so konkret tatsächlich noch nie nachgedacht habe. Denn die sogenannten Hexenverfolgungen waren natürlich nicht nur frauenfeindlich, sondern obendrauf auch noch antiaufklärerisch. Es muss sich um einen immensen Berg von Wissen handeln, der damals wortwörtlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Das wirft dann die Frage auf, inwieweit dieser Rückschritt bis in unsere Zeit nachhallt und was das für unseren gesellschaftlichen sowie zivilisatorischen Fortschritt bedeutet. Wo wären wir heute ohne kirchliche Indoktrination und fragile Männeregos?

Wie Christos Nikou hier gewissermaßen mit Negativen von Vereinsamung und Vereinzelung arbeitet, hat mich sehr berührt. Denn es ist nicht die Amnesie, die in der gezeigten Welt aus mysteriösen Gründen immer mehr Menschen erwischt, die den Protagonisten isoliert. Hier ist es der Umstand, dass gefühlt alle um ihn herum ihr Gedächtnis verlieren, nur er nicht, obwohl er sich fast nichts mehr als das wünscht. Er will vergessen, was nicht zu vergessen ist.
Der Film erkundet, wie man wieder dazu kommt, zu tanzen, als ob niemand zuschauen würde. Er umreißt soziale Konstrukte vom "erfüllten" Leben und "tollen" Zeiten, offenbart die Banalität dahingehend verankerter Vorstellungen und bricht schließlich mit diesem Trott.
Dass sich APPLES zum Schluss dann jedoch wieder mehr von seinem dekonstruktivistischen Kern entfernt und eine konventionelle Auflösung sucht, ist schade, aber auch nicht schlimm.
★★★½☆
Der Film steht noch bis zum 03. Februar 2025 in der Arte-Mediathek:

Im absoluten Wortsinne Wahnsinn.
Vielleicht am klarsten im Vordergrund ist das Verhandeln des japanischen Kriegstraumas, das auch 30 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch tief in der Bevölkerung und besonders bei den Frauen verankert ist. Und wer Traumata nicht verarbeitet, sorgt dafür, dass sich das Grauen – hier kondensiert in Form des Hauses – durch eine Generation nach der anderen frisst.
Das spiegelt gewissermaßen ach die Form wider. Das extrem Fragmentarische, Aufgewühlte und Überdrehte, das hier versucht wird, zusammenzuhalten, ist wie das Ringen um Kohärenz einer in Trümmern liegenden Gesellschaft nach dem Niedergang des faschistischen Staates.
Die Auseinandersetzung mit der faschistischen Vergangenheit Japans durchdringt den ganzen Film – und lässt sich schließlich auch in der vermeintlich absurd zweidimensionalen Figurenzeichnung erkennen.
Jedes Mädchen der Freundinnengruppe füllt eine ganz klare Rolle aus – mal aus freien Stücken, mal, weil sie von den anderen hineingedrängt werden. Am Ende ist es jedoch dieses krampfhafte Festhalten an den jeweiligen Rollenbildern, dem ein Mädchen nach dem anderen zum Opfer fällt.
Hier bietet der Film eine enorme Reibungsfläche. Denn liest man dieses tödliche Spiel mit den Rollen als Individualismuskritik, ließe sich dem Film auch eine gewisse Nostalgie für den an der Ausrottung des Individuums interessierten Faschismus unterstellen. Oder es bezieht sich auf die vom Individualismus geprägte westliche Kultur, die im Japan der 1970er zunehmend in die Gesellschaft drängte und sie veränderte. Oder eben irgendwie beides. Und das finde ich extrem spannend.
★★★★☆

Indigene Völker werden unter dem Vorwand der Landrückgabe rechtlich abgekapselt und so letztlich in einer Spirale aus Armut, Gewalt und Drogen gefangen gehalten. Es profitiert weiterhin ein über Jahrhunderte gewachsenes, rassistisches und ausbeuterisches System.
Ohne das lässt sich auch diese Geschichte über Familie, kulturelle Verbundenheit, Beharrlichkeit und das Streben nach Gewissheit, um überhaupt wieder nach vorne blicken zu können, nicht erzählen.
Und da es sich hier um ein von Apple eingekauften Film handelt, muss ich ihm schon zugute hießen, dass er durchaus Momente von harter Konsequenz hat, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet habe.
Aber da es sich hier um ein von Apple eingekauften Film handelt, wundert es wiederum auch nicht, dass es mit der Stiefoma eine Figur gibt, anhand deren bestimmt nie böse gemeintem (🤨) Alltagsrassismus Erklärungen für die Traditionen und Bräuche des indigenen Volkes entlangkonstruiert werden können – als ob sich das nicht klar aus den Bildern und den Beziehungen der Figuren zu ihnen ergeben würde...
★★★½☆

Der Film öffnet mit Trojan, wie er sich die Handschuhe überstreift, um beim folgenden Einbruch keine Spuren zu hinterlassen. Es ist ein Sinnbild für die gesamte Figur, die sich einem Geist gleich durch die Welt bewegt. Ist er überhaupt noch ein Mensch oder hat er schon die Ebene der physischen Existenz in Teilen verlassen, würde schon gar keine Spuren mehr hinterlassen?
Es ist eine Gratwanderung zwischen Dies- und Jenseits, die hier vollzogen wird. Doch Trojan, so scheint es, hat sich bereits für eine Seite entschieden. Die Welt der Lebenden ist keine Option mehr für ihn. Weil er die klar helfende Hand, die ihn wieder zurück ins Licht ziehen will, ausschlägt, da er nicht mehr weiß, wie man lebt. Weil er innerlich so weit vom zentralen Beutestück der Geschichte, einem Gemälde von Caspar David Friedrich, entfernt ist, dass ihn das Licht des Bildes nicht mehr erreicht.
Er ist dem Menschsein mit derart kraftvoller Kunst im Beutekoffer gleichzeitig so nah und so fern wie selten zuvor.
★★★★½
