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Filmkritik

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Gesehen: The Pianist (2002)

Gesehen: The Pianist (2002)
Foto: Studiocanal, Arthaus

Es ist durchaus beachtlich, dass sich der Film trotz des unsagbaren Elends nicht zu einem Elendsporno auswächst. Ja, Polański zeigt schlechte Menschen, die anderen Menschen Unsägliches antun. Aber er suhlt sich mit seinen Bildern letztlich nie darin.

Es sind Bilder, die zeigen, wie ein ganzes Volk von der Bildfläche verschwindet. Wie Adrien Brody als Władysław Szpilman durch das praktisch komplett menschenleere Warschauer Ghetto läuft, durch Straßen, die von vereinzelten Leichen und den letzten zurückgelassenen Habseligkeiten derer, die kurz zuvor in den Zug nach Treblinka gesteckt wurden. Später durch die grauen Ruinen einer in Folge des Warschauer Aufstandes zerstörten Stadt.

Das sind wahnsinnig eindrückliche Momente, die von einer unbegreiflichen Vereinzelung erzählen.

Außerdem ist der Film ziemlich gut darin, zu transportieren, wie die Welt um Władysław Szpilman herum mit jeder Sekunde enger wird – natürlich einerseits durch unser Hintergrundwissen um die Shoah, andererseits durch viele Momente, die ob dessen zu Nebensächlichkeiten zu werden drohen. Die Frau, die aus Angst vor den Nazis ihr eigenes schreiendes Kind erdrosselt hat. Ein Lebensmitteldieb, der vor Verzweiflung Eintopf wortwörtlich von der Straße isst. Menschen, die auf Gnade von den Nazis hoffen und sich deshalb gegen ihre Mitmenschen richten.

Abschließend wie immer: Fuck Roman Polański.

★★★★☆

🇫🇷/🇩🇪/🇵🇱/🇬🇧, R: Roman Polański, D: Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Frank Finlay, Maureen Lipman, Emilia Fox, Ed Stoppard, Julia Rayner, Jessica Kate Meyer, Michał Żebrowski, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal, Arthaus

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A ★★★★ review of The Pianist (2002)
Es ist durchaus beachtlich, dass sich der Film trotz des unsagbaren Elends nicht zu einem Elendsporno auswächst. Ja, Polański zeigt schlechte Menschen, die anderen Menschen Unsägliches antun. Aber er suhlt sich mit seinen Bildern letztlich nie darin. Es sind Bilder, die zeigen, wie ein ganzes Volk von der Bildfläche verschwindet. Wie Adrien Brody als Władysław Szpilman durch das praktisch komplett menschenleere Warschauer Ghetto läuft, durch Straßen, die von vereinzelten Leichen und den letzten zurückgelassenen Habseligkeiten derer, die kurz zuvor in den Zug nach Treblinka gesteckt wurden. Später durch die grauen Ruinen einer in Folge des Warschauer Aufstandes zerstörten Stadt. Das

Gesehen: Rosa Luxemburg (1986)

Gesehen: Rosa Luxemburg (1986)
Barbara Sukowa in „Rosa Luxemburg" // (c) Studiocanal, Arthaus

Schon ein bisschen spröde und behäbig, aber Margarethe von Trotta tut trotzdem einiges dafür, hier nicht nur ein ultrakonventionelles, glatt gezogenes Biopic zu inszenieren.

Der Verzicht auf eine streng lineare Erzählweise kontrastiert immer wieder neu die Ideale Rosa Luxemburgs und die Notwendigkeit dieser mit der Welt im Wandel, der Gesellschaft im Wandel, der Sozialdemokratie im Wandel.

Ein bisschen Behäbigkeit ist schließlich verschwunden, als klar wurde, dass von Trotta hier keinen Wert darauf legt, möglichst opulentes historisches Puppentheater zu spielen. Mit unter anderem Karl Liebknecht, Clara Zetkin und August Bebel tauchen zwar auch andere „Titan*innen" der deutschen Sozialdemokratie auf, aber niemand wird hier überlebensgroß inszeniert – auch Rosa Luxemburg nicht. Das sind halt der Karl, die Clara und der August.

Aus heutiger Sicht ist es von Trotta außerdem besonders gut gelungen, sehr klar- und weitsichtig die Probleme linker Bewegungen einzufangen: Mackerprobleme, innere Grabenkämpfe bis zur Selbstzerfleischung und die Erkenntnis, dass ein Sieg der Sozialdemokratie noch längst kein Sieg über das Patriarchat bedeutet.

★★★½☆

DE/CZ/SK, R: Margarethe von Trotta, D: Barbara Sukowa, Daniel Olbrychski, Otto Sander, Hannes Jaenicke, Karin Baal, Winfried Glatzeder, Charles Regnier, Hans-Michael Rehberg, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Lee (2023)

Gesehen: Lee (2023)
Kate Winslet in „Lee" // (c) Studiocanal

Wie dieser Film im Abspann noch einmal selbst betont, war Lee Miller eine der wichtigsten Kriegsberichterstatter*innen unserer Zeit. Und dann erzählt ihr mit dieser Engstirnigkeit ihre Geschichte?

Die Filmfigur Lee Miller ist eine getriebene Frau – jedoch über weite Strecken nicht von ihren eigenen Überzeugungen, sondern weil sie auf Männer reagiert. Das schmälert letztlich auch ihre Arbeit, der dieser Film kaum gerecht wird und die auch nur selten wirklich nachempfunden wird.

Vom fotojournalistischen Prozess, dem künstlerischen Aspekt und dem Idealismus dahinter ist im ganzen Film kaum auch nur ein Hauch zu spüren.

Völlig bizarr ist auch der regelrecht publikumsverachtende Geschichtsunterricht, der hier wie für noch unwissende Fünftklässler*innen betrieben wird. Aber es muss noch mal erklärt werden, dass ja aus allen Ecken des Kriegsgebiets Menschen verschleppt und nie zurückgekehrt sind. Dass das Vernichtungslager Dachau auch wirklich von den Nazis war – denn wofür braucht es sonst diesen Schwenk über einen Torbogen mit Hakenkreuz und Reichsadler?

Der Film treibt konsequent unfokussiert an der Oberfläche und tut wirklich rein gar nichts dafür, auch nur mal kurz den Kopf unter die Wasseroberfläche zu tauchen.

★½☆☆☆

AU/SG/US/HU/GB, R: Ellen Kuras, D: Kate Winselet, Andy Samberg, Alexander Skarsgård, Marion Cotillard, Andrea Riseborough, Noémie Merlant, Josh O’Connor, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: The Last Stop in Yuma County (2023)

Gesehen: The Last Stop in Yuma County (2023)
Jim Cummings und Jocelin Donahue in „The Last Stop in Yuma County" // (c) Pandastorm Pictures

Nicht sonderlich viel mehr als eine Stilübung. Zwar eine gute Stilübung, aber eben nur eine Stilübung. Die satirische Überhöhung dieser Figuren, dieser Ästhetik, dieser Dramaturgie fügt sich eher nicht zu einem wirklich dichten Werk. Ja, Francis Galluppi hat offenkundig sehr scharf beobachtet, wie die Filme der Tarantinos, der Coens, der Schießmichtots in Teilen funktionieren. Aber letztlich ist unter diesem Kommentar auf die Kolleg*innen wenig eigene Substanz zu finden.

Der für mich interessanteste Betrachtungswinkel war der durch das junge Paar (Sierra McCormick und Ryan Masson) eröffnete. Er betet ihr einen vermeintlichen genialen Plan für den Einbruch bei einem Diamanthändler herunter und sie zerlegt ihn lauthals, weil sich herausstellt, dass er nicht viel mehr tut, als einen Film zu zitieren.

Ab diesem Punkt blickt der Film nicht mehr nur nach innen, sondern auch nach außen – auf das Publikum. Ein Publikum, das mit 16 PULP FICTION gesehen und sich danach nie wieder richtig herausgefordert hat. Nie den Drang verspürt hat, hinter diesen Horizont zu blicken, aber anderen erzählen wollen, man habe die ganze Welt gesehen.

Und deswegen müssen Francis Galluppis Figuren auch sterben, weil es da draußen noch viel mehr als nur diese Art des Kinos gibt.

★★★☆☆

US, R: Francis Galluppi, D: Jim Cummings, Jocelin Donahue, Sierra McCormick, Nicholas Logan, Michael Abbott Jr., Connor Paolo, Alex Essoe, Robin Bartlett, Jon Proudstar, Sam Huntington, Ryan Masson, Gene Jones, Faizon Love, Richard Brake, Barbara Crampton, Trailer, Wikipedia
The Last Stop in Yuma County - Stream: Online anschauen
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Gesehen: Leaving Las Vegas (1995)

Gesehen: Leaving Las Vegas (1995)
Nicolas Cage und Elisabeth Shue in „Leaving Las Vegas" // (c) Studiocanal, Arthaus

Braucht für meinen Geschmack sehr lang – vielleicht auch zu lang –, um wirklich aus dem Knick zu kommen. Viel Zeit geht für selbstmitleidige Rührseligkeit drauf, bis dann auf den letzten Metern tatsächlich noch die emotionale Dampframme ausgepackt wird.

Wie wunderschön und gleichzeitig schmerzhaft ist es bitte, diesen beiden Figuren zuzusehen. Die beschlossen haben, dass ihr jeweiliges Leben nichts mehr für sie ist. Die sich gegenseitig sehen, akzeptieren, stützen, stärken und schließlich lieben. Die wissen, dass es zu dieser Liebe ein bereits geschriebenes Ende gibt. 💔

★★★½☆

FR/GB/US, R: Mike Figgis, D: Nicolas Cage, Elisabeth Shue, Julian Sands, Trailer, Wikipedia
Leaving Las Vegas: Liebe bis in den Tod - Stream: Online
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Gesehen: Control (2007)

Gesehen: Control (2007)
Sam Riley in „Control" // (c) capelight pictures

Ach, ich weiß auch nicht. Natürlich sieht das alles wahnsinnig gut aus, gerade Sam Riley und Samantha Morton spielen wirklich exzellent und die Musik ist selbstverständlich großartig.

Es fühlt sich irgendwie schmutzig an, aber ich habe an diesen Clip von Matt Stone und Trey Parker vor Student:innen an der New York University denken müssen: „[...]and if the words ‚and then' belong between those beats, you got something pretty boring. What should happen between every beat that you've written down is either the word ‚therefore' or ‚but'."

Und für meinen Geschmack hat Anton Corbijn hier einfach zu viel „and then" in sein Regiedebüt gesteckt. Hier entfaltet sich nur Starre und das finde ich einfach schade.

★★★☆☆

AU/GB/US, R: Anton Corbijn, D: Sam Riley, Samantha Morton, Alexandra Maria Lara, Joe Anderson, Toby Kebbell, Craig Parkinson, James Anthony Pearson, Harry Treadaway, Trailer, Wikipedia
Control - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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