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Filmkritik

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Gesehen: No Dogs Allowed (2024)

Gesehen: No Dogs Allowed (2024)
Foto: ZDF, Jolanda Selting

Es mag wie der „perfekte" Sturm wirken, der hier herbeikonstruiert wurde. Doch eigentlich beschreibt der Film eine naheliegende und folgerichtige Situation.

Ein 15 Jahre alter Junge, der erkennt, pädophil zu sein, wird in unserer Gesellschaft wohl nur selten sofort Präventions- und Behandlungsangebote in Anspruch nehmen. Nicht nur gibt es davon nicht sonderlich viele, auch das gesellschaftliche Stigma ist kaum zu überwinden.

Wo also Halt suchen? Wahrscheinlich bei anderen Betroffenen. Aber da das alles im Schatten stattfindet, können jugendliche Pädophile selbst zum manipulierten Opfer, gleichzeitig aber auch Täter*in im Sinne von Mitwisser*in oder gar Kompliz*in werden.

„Alles, was ich tun kann, ist nichts zu tun."

Dieser Satz des Protagonisten sollte nachhallen. Denn er ist Ausdruck dessen, worauf das krasse Stigma die Sicht trübt: Pädophilie ist eine Störung der Sexualpräferenz, also eine Krankheit und kein Synonym für den sexuellen Missbrauch von Kindern. Wer krank ist, kann Hilfe bekommen, um diese klare Grenze nicht zu überschreiten.

Letztlich bindet mir der Film das Geschehen etwas zu lückenlos zusammen. Es bleiben fast keine Fragen offen, und darum ist das Drehbuch spürbar bemüht. Ein offeneres Ausfasern wäre der Komplexität dieser Anordnung, in der es keine simplen Antworten gibt, angemessener gewesen.

P.S.: Ich empfehle, unbedingt Heike Fallers herausragenden Text „Der Getriebene" von 2012 bei der Zeit zu lesen. Der Teaser: „Kann ein Mensch seine Sexualität sein Leben lang unterdrücken? Wenn Jonas ein guter Mensch sein will, wird er es müssen – er ist pädophil. Wir haben ihn bei seiner Therapie begleitet."

★★★½☆

🇩🇪, R: Steve Bache, D: Carlo Krammling, Robin Sondermann, Katharina M. Schubert, Sean Douglas, Bineta Hansen, Sithembile Menck, Trailer, Wikipedia

Der Film steht noch bis zum 18. November 2025 kostenlos in der ZDF-Mediathek:

No Dogs Allowed
Seine pädophile Neigung hält Gabo (15) vor Familie und Freunden geheim. Aus Angst vor Verurteilung sucht er Unterstützung in Onlineforen.
No Dogs Allowed - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★½ review of No Dogs Allowed (2024)
Es mag wie der „perfekte” Sturm wirken, der hier herbeikonstruiert wurde. Doch eigentlich beschreibt der Film eine naheliegende und folgerichtige Situation. Ein 15 Jahre alter Junge, der erkennt, pädophil zu sein, wird in unserer Gesellschaft wohl nur selten sofort Präventions- und Behandlungsangebote in Anspruch nehmen. Nicht nur gibt es davon nicht sonderlich viele, auch das gesellschaftliche Stigma ist kaum zu überwinden. Wo also Halt suchen? Wahrscheinlich bei anderen Betroffenen. Aber da das alles im Schatten stattfindet, können jugendliche Pädophile selbst zum manipulierten Opfer, gleichzeitig aber auch Täter*in im Sinne von Mitwisser*in oder gar Kompliz*in werden. „Alles, was ich tun kann,

Gesehen: Lovely Rita (2001)

Gesehen: Lovely Rita (2001)
Barbara Osika, Karina Brandlmayer und Karina Brandlmayer (c) good!movies

Rita wird kaum wie ein real existierender Mensch behandelt. Gesprochen wird fast nie direkt mit ihr, sondern immer nur über sie – sei es die lästernden Schulkameradinnen oder ihre Eltern zu Hause hinter der zugeschlossenen Tür, die Ritas Zimmer zum Gefängnis macht. Letztlich geht sie wie auf Eierschalen durchs Leben und kann vor allen ihren Eltern nicht trauen – dem autoritären Vater sowieso nicht und ihrer Mutter, die wohlwollend tut und sie hinter ihrem Rücken „verpetzt" erst recht nicht. In dieser Anordnung scheint Rita ein Problem, das niemand lösen möchte.

Dieser Umstand, dieser immense Druck von außen, diese katholische Schuld provozieren eine ebenso starke Gegenreaktion. Man könnte es als einfache Physik bezeichnen, die in extremer Transgression gipfelt.

Am Ende bleibt die Frage, ob sich Rita wirklich befreien konnte oder ob sie schon zuvor hoffnungslos verloren war, das selbst jedoch schon gar nicht mehr wahrnehmen konnte. Denn vielleicht ist das, was über Ritas fleischliche Hülle hinausgeht, schon längst verkümmert.

★★★★☆

🇩🇪/🇦🇹, R: Jessica Hausner, D: Barbara Osika, Christoph Bauer, Peter Fiala, Wolfgang Kostal, Karina Brandlmayer, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Paranoid Park (2007)

Gesehen: Paranoid Park (2007)
Gabe Nevins // (c) MK2 Films, Meno Film Company

Hat sich angefühlt wie das STAND BY ME für die Post-9/11-Welt. Die selbst in den trostlosen Ecken des Landes immer zu einem gewissen Grad mitschwingende Freiheit ist einer radikalen Verengung gewichen. Das Leben in all seinen Ausprägungen hat sich zurückgezogen in Kammern, Nischen und Risse, traut sich kaum mehr an der Oberfläche zu existieren.

Letztlich habe ich mich gefragt, ob es gut oder schlecht war, dass der Film Stück für Stück das einschneidende Ereignis in seinem Zentrum offenbart. Wäre es nicht noch eindrücklicher gewesen, diese immense, über allem liegende Last zu spüren, ohne zu wissen, worum es eigentlich geht? Jedenfalls finde ich, dass dieses uns mitgeteilte Wissen den Film etwas übers Ziel hinausschießen lässt und dadurch ein bisschen emotionale Wucht verpufft.

★★★½☆

🇫🇷/🇺🇸, R: Gus Van Sant, D: Gabe Nevins, Dan Liu, Jake Miller, Taylor Momsen, Lauren McKinney, Scott Patrick Green, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Winner (2024)

Gesehen: Winner (2024)
Emilia Jones als Reality Winner // (c) Big Beach, ShivHans Pictures, 1Community, Scythia Films

Das lässt mich alles ein bisschen ratlos zurück. Dieser Film investiert unglaublich viel Zeit darin darzulegen, wie früh Reality Winner bereits ein immenses Gerechtigkeitsempfinden entwickelt hat. Als ob ihre Whistleblowerei nur dadurch zu erklären sei und die Aktion für sich selbst stehend noch nicht genügend Gewicht und Aussagekraft in sich hat.

Was auch nicht sonderlich gut funktioniert, ist die stilistische Annäherung an den von Adam McKay totgespielten Shtick wie in THE BIG SHORT. Denn hier gipfelt das alles irgendwie in einer ziemlich spröden Fernsehfilm-Ästhetik und einem Schnitt, der nicht unbedingt mit dem besten Rhythmusgefühl gesetzt wurde.

Irritierend ist, wie der Film ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden in die Nähe einer Zwangsstörung rückt – als ob Menschen nicht so sein könnten, ohne „krank" zu sein.

★★½☆☆

🇨🇦/🇺🇸, R: Susanna Fogel, D: Emilia Jones, Connie Britton, Zach Galifianakis, Danny Ramirez, Kathryn Newton, Shannon Berry, Sam Duke, Adam Hurtig, Trailer, Wikipedia

Der Film steht noch bis zum 21. Februar 2025 in der ZDF-Mediathek:

Winner
Starbesetzte Tragikomödie und Biopic: Während der ersten Amtszeit von Donald Trump wird die junge NSA-Angestellte Reality Winner zur Whistleblowerin.
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Gesehen: Dahomey (2024)

Gesehen: Dahomey (2024)
(c) Mubi

Was für ein klug und uneitel inszenierter Film, der konsequent im Dienst seiner Themen in den richtigen Momenten unstrittig im Vorfeld gefasste bildästhetische Vorstellungen über Bord wirft, dabei die Diskrepanzen zwischen Denken und Selbstverständnis des sogenannten Westens und den Beniner*innen freilegt – und zwar völlig richtig ohne auch nur eine*n einzige*n französische*n Stichwortgeber*in oder Archivmaterial getroffener Aussagen mit einzuflechten.

Mati Diop hebt die verschiedenen, teilweise auch gegensätzlichen, Perspektiven der Beniner*innen hervor und klärt dadurch sozusagen im Vorbeigehen Fragen, die westlich geprägte Menschen eventuell haben und/oder bereits in rassistische Vorurteile verpackt formulierten. Mati Diop lässt einfach die Fakten bzw. die Beniner*innen für sich sprechen und weigert sich, den bei diesen Fragen mitschwingenden Unterstellungen auch nur den Hauch von Legitimation zu gewähren.

Super spannend war für mich zu sehen, wie das Grundverständnis musealer Arbeit infrage gestellt wird. Ist alleine das Konzept „Museum" bereits ein rein westliches und mit historischer Arbeit und der Geschichte Benins bzw. des ehemaligen Königreichs Dahomey gar nicht vereinbar? Und welche Macht hat die ehemalige Kolonialmacht Frankreich überhaupt über die Rezeption der wenigen restituierten und der noch zu Tausenden in Europa befindlichen, einst geraubten Artefakte?

Ich finde den Gedanken spannend, dass ein „Wegschließen" kulturhistorischer Schätze in Museen – sei es im Lager oder in Vitrinen – unstrittig zur materiellen Erhaltung beitragen kann oder sie erst sicherstellt, aber damit auch eine unüberwindbare Barriere zu Menschen und kulturell zentralem Nutzen einzieht.

Mati Diop setzt mit ihrem Film auch Gedanken über die Orte, an denen Kunst und Kulturschätze ausgestellt werden, in Bewegung. In einem französischen Museum: dreist zur Schau gestellte Raubkunst. Nach der Ankunft in Benin: Teil einer politischen Inszenierung, direkt in den Räumen des Präsidentenpalastes. Das ist natürlich spitz formuliert, aber es zeigt doch die Komplexität einer vom Kolonialismus aus den Angeln gehobenen Welt.

🇫🇷/🇸🇳 R: Mati Diop, Trailer, Wikipedia

Dahomey - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: The Order (2024)

Gesehen: The Order (2024)
Jude Law und Jurnee Smollett // (c) Amazon Studios

Natürlich fällt der Film gerade auf sehr, sehr fruchtbaren Boden. Aber das bedeutet nicht, dass er sich in irgendeiner Art und Weise anbiedert. Justin Kurzel inszeniert sich mit einem bestechenden Selbstbewusstsein und erstaunlicher Präzision an diesen Stolperfallen vorbei und zaubert nebenbei noch eine vereinnahmend dichte Atmosphäre.

Der Film zeichnet gekonnt nach, was nicht erst 1983 aus dem Ruder gelaufen ist, sondern schon längst seit Jahrzehnten unter den Augen von Teilen der Gesellschaft und Staat immer breiter Fuß fasste.

Neonazis sind weder Pfadfinder:innenverein noch Faschingsclub und schon gar keine gesellschaftliche Randerscheinung. Sie sitzen in den Kirchen, in den Amtsstuben und in der Legislative und infiltrieren Stück für Stück gesellschaftliche Strukturen. Und irgendwann hat dieser Parasit eben den kompletten Brunnen verseucht.

Die Blaupause für diesen Inlandsterrorismus lag die ganze Zeit in greifbarer Nähe. Nur hat sich niemand gefunden, der wirklich darin blättern wollte – außer Typen wie hier Jude Law, der seinen FBI-Agenten eigentlich nur als wandelnden Jagdinstinkt spielt.

★★★½☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Justin Kurzel, D: Jude Law, Nicholas Hoult, Tye Sheridan, Jurnee Smollett, Alison Oliver, Morgan Holmstrom, Odessa Young, Marc Maron, Trailer, Wikipedia

The Order - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★½ review of The Order (2024)
Natürlich fällt der Film gerade auf sehr, sehr fruchtbaren Boden. Aber das bedeutet nicht, dass er sich in irgendeiner Art und Weise anbiedert. Justin Kurzel inszeniert sich mit einem bestechenden Selbstbewusstsein und erstaunlicher Präzision an diesen Stolperfallen vorbei und zaubert nebenbei noch eine vereinnahmend dichte Atmosphäre. Der Film zeichnet gekonnt nach, was nicht erst 1983 aus dem Ruder gelaufen ist, sondern schon längst seit Jahrzehnten unter den Augen von Teilen der Gesellschaft und Staat immer breiter Fuß fasste. Neonazis sind weder Pfadfinder:innenverein noch Faschingsclub und schon gar keine gesellschaftliche Randerscheinung. Sie sitzen in den Kirchen, in den Amtsstuben und in