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Filmkritik

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Gesehen: Mouchette (1967) - Poesie schlägt Zynismus

Vom Nachteil, geboren zu sein...

Gesehen: Mouchette (1967) - Poesie schlägt Zynismus
Foto: Argos films, Parc Film

Gäbe es nicht die finale Einstellung, der etwas extrem Poetisches, eine kindliche Unschuld und eine gewisse Verspieltheit innewohnt, die mit der Erlösung von der Qual, geboren zu sein, einhergeht, wäre das alles ganz schön zynisch.

Aber so besteht noch Hoffnung auf Befreiung von etwas, für das man sich nie entschieden hat, in das man hineingezwungen wurde und für das man nun ungerechterweise auch noch die Konsequenzen tragen muss.

Es hat etwas von katholischer Schuld, die hier Mouchette gegen ihren Willen aufgebürdet wird – einfach, weil sie existiert.

★★★½☆

🇫🇷, R: Robert Bresson, D: Nadine Nortier, Jean-Claude Guilbert, Marie Cardinal, Paul Hébert, Jean Vimenet, Marie Susini, Marine Trichet, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Argos films, Parc Film

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A ★★★½ review of Mouchette (1967)
Gäbe es nicht die finale Einstellung, der etwas extrem Poetisches, eine kindliche Unschuld und eine gewisse Verspieltheit innewohnt, die mit der Erlösung von der Qual, geboren zu sein, einhergeht, wäre das alles ganz schön zynisch. Aber so besteht noch Hoffnung auf Befreiung von etwas, für das man sich nie entschieden hat, in das man hineingezwungen wurde und für das man nun ungerechterweise auch noch die Konsequenzen tragen muss. Es hat etwas von katholischer Schuld, die hier Mouchette gegen ihren Willen aufgebürdet wird – einfach, weil sie existiert.

Gesehen: Eight Postcards from Utopia (2024) - Capitalismus Romanus

Das ist einfach total clever kuratiert.

Gesehen: Eight Postcards from Utopia (2024) - Capitalismus Romanus
Foto: Saga Film, Heretic

Faszinierend, wie durch gezieltes und cleveres Kuratieren die Strategien und politischen, gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Ziele von Konzernen hervortreten. Denn die Vorstellung, dass Kapitalismus und Konsum patriotische Akte sind oder gar in einer Traditionslinie mit etwa dem Römischen Reich stehen, ist natürlich hanebüchen. Aber es ist wie mit so vielen anderen Dingen: Wenn sie nur oft genug wiederholt werden, werden sie zwar nicht wahrer, aber eben trotzdem als Wahrheit abgespeichert.

Gleichzeitig darf es sich der Kapitalismus nicht erlauben, eine utopische Zukunft zu zeichnen. (Die Frage ist letztlich auch, ob es im Kapitalismus überhaupt eine utopische Zukunft geben kann...) Die Menschen müssen daran glauben, dass sie Kraft ihres eigenen Konsums ihre Gegenwart zur Utopie werden lassen können. Denn die Zukunft ist das Problem von Zukunftsmenschen.

Dabei wird verschleiert: Bedingungsloser Konsum versichert, dass die Dinge bleiben, wie sie sind. Bedingungsloser Konsum zementiert gesellschaftliche, politische und ökonomische (Macht-)Verhältnisse und verklärt Klassenbewusstsein. Es wird suggeriert: Der Mensch ist nur, wenn er konsumiert. Klassenbewusstsein und Moral stören da nur.

🇷🇴, R: Radu Jude, Christian Ferencz-Flatz, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Saga Film, Heretic

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A review of Eight Postcards from Utopia (2024)
Faszinierend, wie durch gezieltes und cleveres Kuratieren die Strategien und politischen, gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Ziele von Konzernen hervortreten. Denn die Vorstellung, dass Kapitalismus und Konsum patriotische Akte sind oder gar in einer Traditionslinie mit etwa dem Römischen Reich stehen, ist natürlich hanebüchen. Aber es ist wie mit so vielen anderen Dingen: Wenn sie nur oft genug wiederholt werden, werden sie zwar nicht wahrer, aber eben trotzdem als Wahrheit abgespeichert. Gleichzeitig darf es sich der Kapitalismus nicht erlauben, eine utopische Zukunft zu zeichnen. (Die Frage ist letztlich auch, ob es im Kapitalismus überhaupt eine utopische Zukunft geben kann...) Die Menschen müssen

Gesehen: Babygirl (2024) - Inversionsplattitüde

Der Kerngedanke stimmt, die Umsetzung ist jedoch viel zu kurzsichtig.

Gesehen: Babygirl (2024) - Inversionsplattitüde
Foto: Constantin Film

Der Kerngedanke, sich von anachronistischen Vorstellungen in Sachen Sexualität und Beziehungsmodellen lösen zu wollen, ist natürlich erst mal nicht abzulehnen. Ganz und gar nicht. Aber darüber hinaus gelingt dem Film nur sehr wenig gut oder überhaupt.

Das psychologische Setup: Die taffe Geschäftsfrau, die ihren Laden, ihr Leben und ihre Familie im Griff hat und insgeheim beim Sex mit dem Kopf ins Kissen gedrückt werden will, trifft auf den leicht manchmal schüchternen, manchmal unbeholfenen und manchmal mit seinem plötzlichen Selbstbewusstsein überforderten jungen Mann. Aber bei ihm, da kann sie Kontrolle abgeben. Bei ihr, da kann er ausnahmslos alle Zügel in der Hand halten.

Doch diese Inversion ist nicht interessant, sie ist eine bereits bis zum Erbrechen durchexerzierte Plattitüde, aus der fast überhaupt nichts Produktives mehr zu gewinnen ist.

Der Film scheitert außerdem daran, glaubhaft zu vermitteln, dass für die Protagonistin auch nur eine Sekunde lang wirklich etwas auf dem Spiel steht. Alle vermeintlichen Fallstricke lösen sich durch ihre ökonomische Machtposition in Wohlgefallen auf.

★★½☆☆

🇺🇸/🇳🇱, R: Halina Reijn, D: Nicole Kidman, Harris Dickinson, Antonio Banderas, Esther-Rose McGregor, Sophie Wilde, Vaughan Reilly, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Constantin Film

Babygirl - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★½ review of Babygirl (2024)
Der Kerngedanke, sich von anachronistischen Vorstellungen in Sachen Sexualität und Beziehungsmodellen lösen zu wollen, ist natürlich erst mal nicht abzulehnen. Ganz und gar nicht. Aber darüber hinaus gelingt dem Film nur sehr wenig gut oder überhaupt. Das psychologische Setup mit der taffen Geschäftsfrau, die ihren Laden, ihr Leben und ihre Familie im Griff hat und insgeheim beim Sex mit dem Kopf ins Kissen gedrückt werden will, trifft auf den leicht manchmal schüchternen, manchmal unbeholfenen und manchmal mit seinem plötzlichen Selbstbewusstsein überforderten jungen Mann. Aber bei ihm, da kann sie Kontrolle abgeben. Bei ihr, da kann er ausnahmslos alle Zügel in

Kinotagebuch: In die Sonne schauen (2025) - Sehen und gesehen werden

Mascha Schilinskis zum deutschen Oscarbeitrag gewordener Film ist eindrücklich inszeniert und bewegt sich bei Subtext wie Motiven in ähnlichem Fahrwasser wie etwa Céline Sciammas PORTRAIT OF A LADY ON FIRE.

Kinotagebuch: In die Sonne schauen (2025) - Sehen und gesehen werden
Foto: Neue Visionen

Ich habe die ganze Zeit so oft an Céline Sciammas PORTRAIT OF A LADY ON FIRE denken müssen – weil Mascha Schilinskis IN DIE SONNE SCHAUEN für mich nicht nur fast schon folkloristische Qualitäten hat, sondern vor allem eine Erzählung über Zeuginnenschaft und das Sehen ist.

Wer wird gesehen? Wer darf etwas sehen? Wer wird beobachtet? Wer verschränkt vor was seinen Blick? Wie bestimmen Blicke die Rollen, die wir – oder hier: diese Mädchen und Frauen – ausfüllen?

Dieses Spiel wird wirklich exzellent gespielt und auch durch eine Grenzen auslotende Kameraarbeit unterstrichen – wie durch sie Blicke geworfen, verfolgt, verfälscht, verengt und geweitet werden, ganze Szenen außerhalb des Fokus verweilen und mit einem Schlag scharfgezogen werden, begleitet von einem radikalen Sounddesign, das mit harten Kontrasten zwischen ohrenbetäubend, laut, leise und stumm arbeitet. In Momenten wird die Kamera selbst zum Schreckgespenst, das durch den Film spukt und irgendwann von den Figuren entdeckt wird. Und da die Kamera auch unser Auge ist, wird das Publikum stellenweise selbst Akteur*in, muss sich zwangsläufig zum Geschehen verhalten und kann nicht passiv danebenstehen.

Mascha Schilinski war mit dabei in der Premierenvorstellung, in der ich den Film gesehen habe. Vorab hat sie dem Publikum erklärt, was dieser Film alles nicht ist – unter anderem keiner, der zum permanenten Miträtseln einlädt, welche der Figuren der drei Zeitebenen denn nun wie miteinander verwandt sind. Und so sehr aus meiner Perspektive die Autor*in meistens tot ist, muss ich ihr hier recht geben. Die individuellen transgenerationalen Stränge sind meiner Meinung nach gar nicht so wichtig für die Erzählung. Es geht hier viel mehr um kollektive Erfahrungen von Frauen, die selbstverständlich durch die Generationen getragen werden, aber eben allgemeingültigere Qualitäten haben.

V.r.n.l.: Regisseurin Mascha Schilinski, ihre Co-Autorin Louise Peter, Produzent Lucas Schmidt, die Darsteller*innen Laeni Geiseler, Konstantin Lindhorst, Martin Rother, [kann ich leider nicht zuordnen] und zwei Kolleg*innen vom Verleih Neue Visionen

Ein enormes Risiko ist sicherlich die absolute Dunkelheit, die Schilinski und ihre Co-Autorin Louise Peter hier auch den Kinderfiguren ihres Films zugestanden haben. Aber es geht auf. Denn diese Finsternis ist universell. Kindern fehlt vielleicht das entsprechende Vokabular und Wissen, diese Abgründe zu beschreiben, aber sie verstehen sie ganz intuitiv. Und das nehmen Schilinski und Peter ernst.

★★★★☆

🇩🇪, R: Mascha Schilinski, D: Lena Urzendowsky, Laeni Geiseler, Zoë Baier, Hanna Heckt, Lea Drinda, Luise Heyer, Greta Krämer, Filip Schnack, Helena Lüer, Anastasia Cherepakha, Susanne Wuest, Gode Benedix, Luzia Oppermann, Bärbel Schwarz, Liane Düsterhöft, Martin Rother, Florian Geißelmann, Konstantin Lindhorst, Claudia Geisler-Bading, Andreas Ankel, Ninel Geiger, Lucas Prisor, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Neue Visionen

In die Sonne schauen - Stream: Jetzt Film online anschauen
Wo und wie heute “In die Sonne schauen” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★★ review of Sound of Falling (2025)
Ich habe die ganze Zeit so oft an Céline Sciammas PORTRAIT OF A LADY ON FIRE denken müssen – weil Mascha Schilinskis IN DIE SONNE SCHAUEN für mich nicht nur fast schon folkloristische Qualitäten hat, sondern vor allem eine Erzählung über Zeuginnenschaft und das Sehen ist. Wer wird gesehen? Wer darf etwas sehen? Wer wird beobachtet? Wer verschränkt vor was seinen Blick? Wie bestimmen Blicke die Rollen, die wir – oder hier: diese Mädchen und Frauen – ausfüllen? Dieses Spiel wird wirklich exzellent gespielt und auch durch eine Grenzen auslotende Kameraarbeit unterstrichen – wie durch sie Blicke geworfen, verfolgt, verfälscht,

Gesehen: Wick is Pain (2025) - Dudebros über Grenzen

Stunt ist Schauspiel ist künstlerischer Ausdruck – aber eben auch sehr testosteronlastig

Gesehen: Wick is Pain (2025) - Dudebros über Grenzen
Foto: Leonine Studios Spielfilm

Ich kann nicht einschätzen, wie viel Behind-the-Scenes-Material von irgendwelchen DVD-Extras usw. hier zweitverwertet wurde. Aber mir hat es gefallen, dass es eben nicht nur Talking Heads waren, die hier mit Szenen der vier Filme quergeschnitten wurden, sondern dass vor allem super viel Material aus dem Produktionsprozess des ersten Kapitels seinen Weg hier hereingefunden hat. Das hat ein schönes Gesamtkompositum ergeben.

Die veränderte Wahrnehmung von Stuntperformer*innen hin zu Künstler:innen und weg von rein stumpfen Werkzeugen von Künstler*nnen findet hier guten Ausdruck. Keanu Reeves formuliert es in einer kurzen Szene eigentlich ziemlich gut auf den Punkt. Er sagt sinngemäß, dass es eben nicht nur darum geht, sich (manchmal wortwörtlich) vor den Bus zu werfen. Denn wenn die Stuntperformer:innen selbst die Figur nicht verstehen und dafür keinen körperlichen Ausdruck bzw. Zugang finden, beginnt das Kartenhaus gefährlich zu schwanken.

Stunt ist Schauspiel ist künstlerischer Ausdruck.

Eher gar nicht reflektiert WICK IS PAIN, die männliche Dominanz in der Branche – nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Wie viele Dudebro-Seilschaften von einem Film zum nächsten wandern und Frauen nur in ihrer Rolle als (Ex-)Ehefrauen darüber sprechen können, wie hart es doch ist, mit einem so sehr seiner Kunst verschriebenem Typen zusammenzuleben.

Außerdem ist der Film etwa anderthalb Silben davon entfernt, die elende wie hanebüchene Mär von großer Kunst, die nur aus großem Leid entstehen kann, weiterzutragen. Es ist bemerkenswert, wie körperliche Grenzerfahrungen und -überschreitungen hier rationalisiert statt hinterfragt werden.

🇺🇸, R: Jeffrey Doe, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Leonine Studios Spielfilm

Wick Is Pain - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Wo und wie heute “Wick Is Pain” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A review of Wick Is Pain (2025)
Ich kann nicht einschätzen, wie viel Behind-the-Scenes-Material von irgendwelchen DVD-Extras usw. hier zweitverwertet wurde. Aber mir hat es gefallen, dass es eben nicht nur Talking Heads waren, die hier mit Szenen der vier Filme quergeschnitten wurden, sondern dass vor allem super viel Material aus dem Produktionsprozess des ersten Kapitels seinen Weg hier hereingefunden hat. Das hat ein schönes Gesamtkompositum ergeben. Die veränderte Wahrnehmung von Stuntperformer:innen hin zu Künstler:innen und weg von rein stumpfen Werkzeugen von Künstler:innen findet hier guten Ausdruck. Keanu Reeves formuliert es in einer kurzen Szene eigentlich ziemlich gut auf den Punkt. Er sagt sinngemäß, dass es eben

Gesehen: City of Women (1980) - Psychosexueller Kater

Pasolini und Brass werden in diesen Film mit hineingezogen – ob sie nun wollen oder nicht.

Gesehen: City of Women (1980) - Psychosexueller Kater
Foto: Studiocanal

Für mich hat sich das angefühlt, als ob Fellini hier versucht hat, die Qualitäten eines Pier Paolo Pasolini und die eines Tinto Brass irgendwie in einem mehr oder weniger latent freudianischen, psychosexuellen Fiebertraum zusammenzubringen.

Herausgekommen ist meinem Gefühl nach ein brutal nihilistischer Film, der aus welchen Gründen auch immer vor einer zu moralischen Position zurückschreckt und einfach alles für nichts einzureißen versucht.

17 Jahre nach dem manischen Hoch von folgt der psychosexuelle Kater – inklusive einer selbstironischen Demontage von Marcello Mastroianni.

★★★☆☆

🇫🇷/🇮🇹, Federico Fellini, D: Marcello Mastroianni, Anna Prucnal, Bernice Stegers, Jole Silvani, Donatella Damiani, Ettore Manni, Fiammetta Baralla, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Studiocanal

Fellinis Stadt der Frauen - Stream: Jetzt online anschauen
Wo und wie heute “Fellinis Stadt der Frauen” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★ review of City of Women (1980)
Für mich hat sich das angefühlt, als ob Fellini hier versucht hat, die Qualitäten eines Pier Paolo Pasolini und die eines Tinto Brass irgendwie in einem mehr oder weniger latent freudianischen, psychosexuellen Fiebertraum zusammenzubringen. Herausgekommen ist meinem Gefühl nach ein brutal nihilistischer Film, der aus welchen Gründen auch immer vor einer zu moralischen Position zurückschreckt und einfach alles für nichts einzureißen versucht. 17 Jahre nach dem manischen Hoch von 8½ folgt der psychosexuelle Kater – inklusive einer selbstironischen Demontage von Marcello Mastroianni.