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Filmkritik

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Gesehen: Anonymous (2011) - Nobles Herumopfern

Dringt in die politische Dimension von Urheber*innenschaft vor, überhöht sich dabei jedoch unangenehm

Gesehen: Anonymous (2011) - Nobles Herumopfern
Foto: Sony Pictures

Eigentlich ja ein nobles Unterfangen, der Kunst im Allgemeinen und dem Theater im Speziellen diese politische und vielleicht auch agitatorische Macht zuzuschreiben. Auch die politische Dimension von Urheber*innenschaft verkennt der Film klugerweise nicht.

Denn wer darf und kann überhaupt Kunst schaffen? Wer hat nicht nur die monetären und materiellen Mittel dazu, sondern auch Zugang zu entsprechender Bildung? Alphabetisierung ist (im Film) Ausdruck von Privilegien und keine Selbstverständlichkeit. Sind Künstler*innen und damit die Kunst wirklich frei, wenn sie ökonomisch von wenigen mächtigen Gönner*innen abhängig ist?

Aber: Der Film öffnet mit einem Typen, der vom Gesetz festgehalten und gefragt wird, ob er schon mal festgenommen worden sei. Natürlich, er sei schließlich Autor, so die sinngemäße Antwort. Und ich komme einfach nicht umhin, darin weniger einen Beschreibungsversuch des politischen Drucks auf Shakespeare und Co., als mehr einen billigen Versuch des von der Kritik (zu Recht) gescholtenen Emmerich zu sehen, sich selbst im Film zu verewigen.

Das trieft nur so vor Selbstüberhöhung und selbstgefälligem Herumopfern.

★★☆☆☆

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Gesehen: Die Unbeugsamen 2 - Guten Morgen, ihr Schönen! (2024) - Ausgebügelt

Wird seinen Protagonistinnen deutlich gerechter als der Vorgänger

Gesehen: Die Unbeugsamen 2 - Guten Morgen, ihr Schönen! (2024) - Ausgebügelt
Foto: ZDF, Anne Misselwitz

Klar darum bemüht, die zahlreichen Unzulänglichkeiten des Vorgängers auszubügeln. Hier bekommen wir eine tolle Perspektivenvielfalt serviert, weil der Film den Themenkorridor nicht mehr so unfassbar eng anlegt. Wie im Vorgänger geht es hier natürlich auch ums große Ganze, aber eben auch um die vielen kleinen, ganz individuellen Kämpfe. So werden die Frauen, die dort vor der Kamera sprechen, zu immer greifbareren Protagonistinnen, die so viel mehr sind, als nur eine Reaktion auf Sexismus im Parlament.

Formal bewegt sich der Film jedoch weiterhin auf keinem sonderlich hohen Niveau. Die deskriptiven Lieder, immer wieder die ins Bild drängende sozialistisch-realistische Kunst, das alles wird nie zu einer geschwungenen Schleife zusammengebunden. Das Ziel, damit Widersprüche zu den Berichten der Frauen zu produzieren und so das DDR-Narrativ zu brechen, gelingt nur selten. Eher mehr als weniger trägt das zu einer gewissen Verkitschung bei.

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Gesehen: Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) - Trostloser Sturm

Absolute Einsamkeit in Abwesenheit sämtlicher Elternfiguren

Gesehen: Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) - Trostloser Sturm
Foto: Eurovideo Medien

Absolut trostlose und damit einfach gelungene Inszenierung dieses „perfekten" Sturms aus sozialer Randständigkeit, ökonomischer Abgeschlagenheit, und instabilen Familienverhältnissen als Ergebnis von unter anderem viel zu grobmaschigen sozialen Fangnetzen. Das alles zusammen ist einfach fruchtbarster Boden, auf dem Suchtmechanismen besonders gut Wurzeln schlagen und dann sowohl einander als auch die Bodenbedingungen weiter befeuern können.

Über weite Strecken nie so ganz freimachen kann sich der Film von seiner SCHULMÄDCHEN-REPORT-Ästhetik und Attitüde. Aber Uli Edel gelingt es schließlich doch, damit zu brechen – und zwar mit jeglicher gebotener Drastik.

Ich habe das Buch damals™ in der Schule lesen müssen. Aber ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, wie es im Text war. Jedenfalls ist hier im Film total die Abwesenheit von Christianes Mutter bzw. überhaupt Elternfiguren bemerkenswert. Das ist einerseits als Symptom der ökonomischen Bedingungen, mit denen Familie F. klarkommen muss, zu begreifen und unterstreicht andererseits die erschreckende Einsamkeit dieser Generation.

★★★½☆

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Gesehen: Shin Ultraman (2022) - Nostalgisches Chaos

Will zu vieles gleichzeitig sein

Gesehen: Shin Ultraman (2022) - Nostalgisches Chaos
Foto: Plaion Pictures

Wie hier inmitten dieses spielerischen Chaos' zwar nostalgische Rückgriffe zugelassen werden, sich aber nie darauf ausgeruht wird und Variationen der Motive und Bilder von GODZILLA über KING KONG bis ATTACK OF THE 50 FT. WOMAN möglich werden. Und dieses trashige wie schnittig-moderne Augenzwinkern ist erst mal grundsympathisch.

Doch letztlich übernimmt sich der Film bei dem Versuch, all diese verschiedenen Themen und Motive zu variieren, zu remixen und neu zueinander in Bezug zu setzen. Durch unzählige Wendungen, die hier schier endlos aneinandergereiht werden, wird alles immer egaler – weil es sowieso mit der nächsten Wendung über den Haufen geworfen wird, und weil alles derart zerfasert, dass es kaum noch zusammengehalten werden kann.

SHIN GODZILLA war in seiner politischen Dimension ausgefeilter und klarer, SHIN KAMEN RIDER stringenter und stilsicherer in seiner Action, SHIN ULTRAMAN will irgendwie alles davon sein und ist deshalb kaum etwas davon.

★★★☆☆

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Gesehen: Lights Out (2013) - Proof of Concept

Ein Spiel mit elementaren Ängsten

Gesehen: Lights Out (2013) - Proof of Concept
Foto: David F. Sandberg

Wirkt alles natürlich ein bisschen hemdsärmelig zusammengeschustert, aber als Proof of Concept hat es ja ganz offensichtlich sehr gut funktioniert. Also solches hat mir der Kurzfilm auch sehr gefallen. David F. Sandberg orchestriert schon recht effektiv den der Dunkelheit innewohnenden Terror durch die Schemen, die wir in ihr auszumachen glauben. Das spielt mit absolut elementaren, manchmal kindlichen Ängsten und vereint sie mit dem Umstand, als Erwachsener nun selbst für sein „Überleben" in der Dunkelheit verantwortlich zu sein.

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Gesehen: Possessor (2020) - Blutige Spitze

Im Turbokapitalismus sind Körper wortwörtlich Austauschware und Brandon Cronenberg inszeniert das selbstgefällig durch

Gesehen: Possessor (2020) - Blutige Spitze
Foto: Kinostar Filmverleih

Im Turbokapitalismus sind Körper wortwörtlich Austauschware; Wegwerfwerkzeuge zur Maximierung von Profit um jeden Preis und wider jede Moral. Aktienkurs go up ist die oberste Maxime. Was Brandon Cronenberg hier auf die blutige Spitze treibt, hat mich doch an verschiedene Auswüchse denken lassen, die nach dem Antritt von Trump II schnell die Runde machten.

Hier werden Konzerne als das beschrieben, was sie tatsächlich sind: opportunistische, ausschließlich im Dienste der Gewinnmaximierung für Shareholder stehende Konstrukte. Konzerne haben keine Moral. Wer sich im Pride Month eine Regenbogenflagge aufs Logo klatscht, tut das nicht aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus. Das zeigt, wie schnell all die vermeintlich mächtigen Konzerne mit Trump II direkt alles, was zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen soll, aus den Unternehmensrichtlinien und -zielen gestrichen haben.

Die Analogie dazu in POSSESSOR ist auch das Spiel mit dem Körper als theoretisch austauschbare Hülle, der man sich entledigen und in die man hineinschlüpfen kann. Denn damit einher geht auch das Lösen vom biologischen Geschlecht. Das Überwinden dieser Geschlechterordnung, das Spiel mit einer zumindest begrifflichen Transgeschlechtlichkeit wird hier als Werkzeug im großkapitalistischen Machtkampf um Marktherrschaft genutzt – also heruntergebrochen wie die Regenbogenflagge im Insta-Profil.

Brandon Cronenberg gefällt sich letztlich jedoch auch sehr darin, durch die Rollen- und Hüllenwechsel, durch die Unzuverlässigkeit der Erzählperspektive ein mehrschichtiges Verwirrspiel aufzuführen – und ruht sich nach meinem Geschmack dann doch zu oft auf dieser mitunter effekthascherischen Popcornebene aus.

★★★½☆

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