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Filmkritik

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Gesehen: Old Joy (2006) - Alternde Freundschaft

Wortloses Verstehen, betretenes Schweigen und vertrautes Nichtssagen

Gesehen: Old Joy (2006) - Alternde Freundschaft
Foto: Washington Square Films, filmscience, Van Hoy/Knudsen Productions

Ein Film über jung geschlossene Freundschaften, die nun alt geworden sind. Menschen wachsen in ihre eigenen Leben hinein, verlieren aus den Augen, was sie einst einmal verbunden hat, und spüren dennoch, dass es da etwas gibt.

Aus dem Autoradio dringt die Analyse einer gesellschaftlich und politisch im Argen liegenden Welt, während die beiden Freunde durch Orte fahren, die es wirtschaftlich bereits hinter sich haben.

Alles scheint trost- und aussichtslos. Es wäre ein Leichtes, diese Spannung durch das Hervorbrechen politischer Grabenkämpfe zwischen den beiden alten Freunden eskalieren zu lassen. Doch einer Kelly Reichardt ist das zu zynisch. Ihr sind wortloses Verstehen, betretenes Schweigen und vertrautes Nichtssagen viel wichtiger.

Es sind die Momente, in denen geschwiegen wird, in denen die kleinen Gesten nachhallen, durch die Reichardt hier Bände sprechen lässt. Und es sind die Momente, in denen die Angst vor dem endgültigen Zertrennen des dünner gewordenen Bandes zueinander die Stimmen lähmt.

Sich einerseits dieser alten Verbindung fast schon bedingungslos sicher zu sein und sie andererseits kaum noch spüren zu können – mit dieser gnadenlosen Ambivalenz lässt uns Kelly Reichardt zurück, verweigert jede konventionelle Katharsis und zieht sich stattdessen auf zutiefst menschliche Muster zurück.

★★★★☆

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Gesehen: Truth (2015) - Verlag vs. Redaktion

Tappt in viele Pathosfallen, glänzt aber bei der Betrachtung der ökonomischen und unternehmerischen Spannungsfelder im Journalismus

Gesehen: Truth (2015) - Verlag vs. Redaktion
Foto: Leonine Studios

Bei Journalist*innenfilmen habe ich wirklich IMMER ein krasses Problem. Einerseits lasse ich ihnen viel zu viele Ungenauigkeiten durchgehen, weil ich dieser (meiner) Profession bei aller notwendigen (Selbst-)Kritik wirklich jedes „Denkmal" gönne. Paradoxerweise bin ich andererseits aber auch aufgrund meines beruflichen Hintergrunds besonders penibel.

Klar, der Film tappt links und rechts in haufenweise Pathosfallen – besonders in Kombination mit dem wirklich lächerlich manipulativen Score. Das passiert jedoch vor allem dann, wenn es um die eigentlichen journalistischen Prozesse und Ideale geht. Doch das steht tatsächlich gar nicht im Zentrum des Films. Es geht viel mehr um unternehmerische Interessen, die den Journalismus von innen heraus zersetzen. Es geht um die zunehmend durchlässige Grenze zwischen Redaktion und „Verlag", die unlautere Einflussnahme vor dem Hintergrund ökonomischen Drucks und gewinn- und nicht gemeinwohlorientierten Interessen. Und das ist tatsächlich ganz und gar nicht trocken, sondern verhältnismäßig schmissig inszeniert.

Darüber hinaus kann sich der Film auch vieler Anachronismen nicht entledigen. Er spielt 2004, lässt seine Figuren jedoch Phänomene mit dem Wissen aus 2015 analysieren. Das macht die Beobachtungen und Schlussfolgerungen nicht weniger richtig, sie finden nur auf der falschen Erzählebene statt. So versucht der Film ein paar Mal zu oft, eine Geschichte über unsere Gegenwart zu erzählen, vergisst dabei jedoch, erst mal eine solide Geschichte über seine Gegenwart zu erzählen.

Außerdem: Dass dazu die Figuren mehr stereo- als archetypisch inszeniert sind, macht ab einem gewissen Punkt sogar Spaß.

★★★☆☆

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Gesehen: When Lightning Flashes Over the Sea (2025) - Regression der Träume

Im fortwährenden Kriegszustand gibt es nur wenig, was sich wirklich mit abschließender Sicherheit sagen lässt

Gesehen: When Lightning Flashes Over the Sea (2025) - Regression der Träume
Foto: déjà-vu film
[...] Denn im fortwährenden Kriegszustand gibt es nur wenig, was sich wirklich mit abschließender Sicherheit sagen lässt.

Klar ist, dass sich die Dinge verschieben. Denn die vielen, vermeintlich einfachen, banalen und kindlichen Dinge, die sich der Junge zu Beginn des Films ausmalt, sind plötzlich gar nicht mehr so kindlich. Die Erwachsenen sprechen plötzlich von ganz ähnlichen Wünschen. Ohne zusätzliche Worte macht der Film klar: Der Krieg hat dem Kindlichen die Unschuld geraubt und in den Köpfen der erwachsenen Menschen eine regelrechte Regression der Wünsche, der Träume, der Vorstellungskraft herbeigeführt.

Meine ganze Kritik gibt's bei Kino-Zeit!

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Gesehen: Pitch Black (2000) - Kubistische Aliens

Das eindeutige Fahrwasser kann der Film nicht unerkannt machen

Gesehen: Pitch Black (2000) - Kubistische Aliens

Ein Gedanke ging mir einfach nicht aus dem Kopf: Das ist doch einfach nur CUBE, aber mit Aliens. Also klar, auch vor CUBE gab es natürlich schon Filme, die sich an vergleichbaren Anordnungen versucht haben. Aber dieses Zusammenspiel aus Figuren, aus Arche- und Stereotypen und Bildästhetik, das ist schon ein relativ eindeutiges Fahrwasser. Darüber lässt sich dann auch nicht mit einer derart pseudocoolen Verkultung von Kriegergehabe und entsprechenden Codes hinwegtäuschen.

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Gesehen: The Peasants (2023) - Widerstand gegen Ikonen

Ein bisschen wie von Michael Haneke...

Gesehen: The Peasants (2023) -  Widerstand gegen Ikonen
Foto: Plaion Pictures

An einem kunstgeschichtlichen Zugang versuche ich mich hier erst gar nicht, daran kann ich nur scheitern und maximal mit sehr dünnem Halbwissen glänzen. Deshalb möchte ich einen eher persönlichen Zugang wählen:

Die eine Hälfte meiner Großeltern war in der Landwirtschaft – wie der ganze Zweig dieser Familie über Generationen hinweg. Im Haus meiner Großeltern hingen Bilder in einem THE PEASANTS nicht unähnlichen Stil. Heute würde ich sagen, dass diese Bilder ein entbehrungsreiches Leben nicht nur verkitscht, sondern fast schon in religiöse Sphären gehoben und diesen Motiven etwas Ikonenhaftes verliehen haben. Das Zugrunderichten des eigenen Körpers samt Verkrüppelung der eigenen Psyche als Religion.

Und genau diesen Ikonen liefert der Film Widerstand. Er greift diese Motive auf, bricht die Rahmen auf und schaut, was vor und nach diesen eingefangenen Momenten passiert (ist), wie sich diese Welt zusammenfügt. Und das erinnert sehr an Michael Hanekes DAS WEISSE BAND. Wir erleben eine autoritäre Gemeinschaft, die die Gegebenheiten nicht infrage stellt, sondern stattdessen Schuldige in den eigenen Reihen sucht und konsequent nach unten tritt.

Vermeintliche Momente der Solidarität, wie der Ring von wissenden Frauen um eine Braut, die nun nicht gerade eine Liebeshochzeit begehen soll, sind an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Denn später sind es genau diese Frauen, die die Braut als Hure beschimpfen und ihr die Schuld nicht nur für die Verfehlungen ihrer Männer, sondern auch für die Verschlechterung der Zustände allgemein geben.

★★★★☆

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Gesehen: Opus (2025) - Farblose Pinselstrich

Gemeinplätze sind einfach nicht so schön anzusehen...

Gesehen: Opus (2025) - Farblose Pinselstrich
Foto: Universal Pictures International Germany

Der Film bleibt einfach super farblos – (vielleicht) ironischerweise, weil er lediglich mit extrem groben und breiten Pinselstrichen arbeitet. Es bleibt bei einem grob ausformulierten Konzept und kommt nie zu einer detaillierteren Ausarbeitung. Deshalb kann sich der Film in der Kritik bestimmter Milieus auch nur auf Gemeinplätze zurückziehen.

Superreiche und -berühmte haben die Bodenhaftung und damit den Kontakt zu „normalen" Menschen verloren. Wir leben in einer Zeit, in der das (Ver-)Formen der eigenen Erzählung für eine permanente digitale Öffentlichkeit zu einer regelrechten Kulturtechnik geworden ist. Große Teile der Gesellschaft verhalten sich zu Kulturschaffenden wie zu Sportteams; es geht nicht mehr um die Kunst, sondern nur noch um irgendwelche tribalistischen Grabenkämpfe, um das eigene „Team", das gegen ein anderes gewinnen muss.

All das steckt potenziell in OPUS. Dennoch bekommen wir nur selten mehr als "reicher Exzentriker = komisch" serviert. Die gesamte Struktur des Films scheint ohne jegliche Ambition zusammengezimmert.

★★☆☆☆

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