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Filmkritik

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Gesehen: The Other Lamb (2019)

Gesehen: The Other Lamb (2019)
(c) Plaion Pictures

Ich mochte die klare ästhetische Vision dieses Films und deren konsequente Verfolgung. THE OTHER LAMB sieht wirklich wunderschön aus, ist ganz großartig fotografiert. Die gestochen scharfen Bildern funktionieren sehr elegant im Zusammenspiel mit der kontrastreichen Farbwahl.

Darüber hinaus hatte ich ständig das Gefühl, diesen Film schon hundertmal gesehen zu haben. Das mag daran liegen, dass dem auch so ist. Denn wie er sich christlicher Ikonografie bedient, um darüber Religions- und gewissermaßen auch Kirchenkritik zu fahren und darüber hinaus im Mikrokosmos Kult patriarchale Machtstrukturen seziert, haben wir schon zur Genüge gesehen. Der Film macht seine Sache nicht schlecht oder gar falsch. Er fügt der Sache nur eben nicht sonderlich viel Neues bzw. Interessantes hinzu und wirkt dadurch zuweilen doch eher uninspiriert.

★★★☆☆

BE/IE/US, R: Małgorzata Szumowska, D: Raffey Cassidy, Michiel Huisman, Denise Gough, Trailer, Wikipedia
The Other Lamb - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Tulitikkutehtaan tyttö (1990)

Gesehen: Tulitikkutehtaan tyttö (1990)
(c) Pandora Film Verleih

Noch nie hat mich der Anblick von ein paar leeren Limoflaschen derart tief getroffen.

Aki Kaurismäki arbeitet hier noch viel wortkarger als sonst. Dabei hätte diese Figur so viel zu sagen, doch sie ist alleine, einsam und isoliert. Sie sehnt sich nach Liebe, geistiger Erfüllung und einem Leben, das nicht nur das Monotone für sie parat hält.

Kaurismäki offenbart hier den gesellschaftlichen und marktwirtschaftlichen Fehlschluss, dass arme Menschen und/oder das sogenannte Proletariat ungebildet sind und gar kein Interesse an Kultur haben bzw. sogar zu dumm dafür sind. Sie tanzt zur Musik, liest bei jeder Gelegenheit und weint im Kino – wenn sie es sich eben leisten kann, was nicht allzu oft zu sein scheint. Stattdessen muss sie einer maximal stumpfen Arbeit nachgehen, die das Kapital Menschen ihrer Schicht gerade zu noch zutraut.

Dieser Film untersucht Ignoranz als Wurzel großen gesellschaftlichen Übels und hat – Kaurismäki eben – ein riesengroßes Herz für die Menschen, die aus ungerechtfertigten Gründen am Rande der Gesellschaft stehen.

★★★★☆

FI/SE, R: Aki Kaurismäki, D: Kati Outinen, Trailer. Wikipedia
Das Mädchen aus der Streichholzfabrik - Stream: Online
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Gesehen: Dumb Money (2023)

Gesehen: Dumb Money (2023)
(c) Leonine Studios Spielfilm

Wenn es darum geht, einen Blick auf die ethisch und moralisch (und teilweise auch rechtlich) fragwürdigen Machenschaften großer Hedgefonds zu werfen, leistet dieser Film wirklich nur das absolute Minimum. Er ist oberflächlich, versteigt sich in Klischees und ist gerade deshalb auch einfach nur mäßig lustig. Die satirische Seite dieses Films scheitert nahezu auf ganzer Linie.

Die menschliche Perspektive, abseits von Börsenvoodoo, Aktienkursen, (unfairen) Marktmechanismen und den reinen, kalten Zahlen, gelingt DUMB MONEY jedoch ziemlich gut. Er ergründet, welchen fruchtbaren Boden die Corona-Pandemie dieser Markt-Anomalie geboten hat. Es war der perfekte Sturm: In Zeiten noch größerer ökonomischer Unsicherheit und noch unabsehbarerer Zukunft als sonst, in denen die Menschen tragische Verluste hinnehmen und in Isolation leben mussten, war die Gamestop-Aktion ein funken Hoffnung, das Versprechen einer besseren Zukunft, ein Quell ansteckenden Gemeinschaftsgefühls.

Was mir jedoch massiv gegen den Strich geht: DUMB MONEY ist unter anderem von Cameron und Tyler Winklevoss produziert worden und damit wird auch klar, warum der Film an manchen stellen doch sehr unterkomplex ist. Es liegt nicht daran, dass man eben nur unterhalten und nicht belehren möchte. Es liegt sehr wahrscheinlich auch nicht an Unvermögen. Es liegt daran, dass die Winklevoss-Brüder ihren Kryptoschrott als einzige Alternative zu einem kaputten System positionieren wollen und diesen Film damit zu Backdoor-Propaganda werden lassen.

★★☆☆☆

US, R: Craig Gillespie, D: Paul Dano, Seth Rogan, Shailene Woodley, America Ferrara, Pete Davidson, Nick Offerman, Sebastian Stan, Trailer, Wikipedia

Gesehen: Boiling Point (2021)

Gesehen: Boiling Point (2021)
(c) Plaion Pictures

Natürlich ist es nicht die Küche, die der wahre Hexenkessel ist, sondern der Kapitalismus. Wenn das versprochene Produkt nur mit (Selbst-)Ausbeutung, zulasten persönlicher Beziehungen und regelmäßiger Grenzüberschreitung zu liefern ist und diese Mechanismen dazu noch glorifiziert, aber auch erwartet werden, dann können wir die Bude hier echt zumachen. Lediglich Christian Lindner und seine Zirkusgenoss*innen würden darin kein Problem sehen und mit debil grinsenden Clownsgesichtern den Laden krachend vor die Wand fahren.

BOILING POINT fährt für dieses Bild natürlich den perfekten Sturm auf, der ist der „echten“ Welt eher unwahrscheinlich scheint. Aber es ist dennoch unglaublich wahrhaftig gespielt und sehr nahbar inszeniert. Wahrscheinlich hätte es den One-Shot nichtmal gebraucht, um diesen tragischen Abend und die absolute Hochspannung einzufangen.

★★★★☆

GB, R: Philip Barantini, D: Stephen Graham, Vinette Robinson, Alice May Feetham, Jason Flemyng, Trailer, Wikipedia
Yes, Chef! - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Kinotagebuch: Challengers (2024)

Kinotagebuch: Challengers (2024)

Erstmal finde ich, dass wir alle vor David Fincher auf die Knie fallen sollten, weil er es geschafft hat, Trent Reznor (und Atticus Ross) zu überreden, es doch noch einmal mit FilmMusik zu versuchen. Was die beiden hier abgeliefert haben, macht praktisch den halben Film aus. Es war für mich unmöglich, mich nicht von der Energie des treibenden Scores anstecken zu lassen.

Aber ich glaube, dass es auch an ein paar inszenatorischen (vielleicht gar nicht bewusst gewählten) Kniffen lag, die im Zusammenspiel mit dem elektrisierenden Synth-Pop ungefähr alle meine Gaming-Knöpfe gedrückt haben. Jedes Match, jede Unterhaltung, jeder Streit, jeder Blick ist in Szene gesetzt wie ein irgendwann unweigerlich stattfindender Bosskampf: mit bedeutungsschwangeren Blicken, einer strengen Kamerachoreografie, viel Zeitlupe, vor Schweiß triefende Körper, die einer Waffe gleich eingesetzt werden, die überdrehte Intensität, mit der auf alle Sinne eingedroschen wird und so weiter und so fort.

Ansonsten ist Guadagninos Blick auf Begehren abseits heteronormativer Strukturen absolut gelungen. Er hat hier außerdem einen der wenigen Filme geschaffen, in denen zwei Männer ihrer Freundschaft auch durch eine herzliche physische Nähe und Verspieltheit Ausdruck verliehen, ohne dabei (permanent) sexuelle Orientierungen, sehr wohl aber gesellschaftlich konstruierte Erwartungen an Männerfreundschaften™ infrage zu stellen. Das war einfach eine sehr erfrischende Note.

Nur mit interessanten neuen Perspektiven kann Guadagnino hier nach meinem Dafürhalten nicht aufwarten. Er betritt nicht wirklich neues Terrain, sondern wandelt auf bereits befestigten Wegen, macht das aber mit einem herausragenden Selbstbewusstsein und einer ganz eigenen Eleganz. Dazu ist der Film absolut horny und trägt das mit erfrischendem Stolz vor sich her.

★★★½☆

IT/US, R: Luca Guadagnino, D: Zendaya, Josh O'Connor, Mike Faist, Trailer, Wikipedia
Challengers - Rivalen - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: La Chimera (2023)

Gesehen: La Chimera (2023)
(c) Piffl Medien

Der ganze Vibe, die zeitweilige Dekonstruktion von Ort, Raum und Zeit hat mich im allerbesten Sinne oft an Angela Schanelecs MUSIC (2023) erinnert. Von dieser fantastischen Entrückheit habe ich mich gerne in Beschlag nehmen lassen – genauso wie von dem Sujet des Menschen, der irgendwo, irgendwann und irgendwie seinen Platz im Leben verloren hat, der mit dem Verlust zweier großer Lieben leben muss, der dem ewigen Fegefeuer gleich für immer mit diesem Ort verbunden sein wird, obwohl es dort nichts mehr gibt, dem er sich verbunden fühlen kann.

Davon abgesehen habe ich auch viel über das Erstarken des italienischen Postfaschismus nachdenken müssen. Der offensichtlichste Anhaltspunkt dafür war natürlich die von Alba Rohrwacher gespielte Figur, die wahrscheinlich nicht komplett zufallslos Meloni-blonde Haare hat. Sie beutet ohne mit der Wimper zu zucken die ökonomisch und gesellschaftlich sowieso schon Benachteiligten aus und verscherbelt wortwörtlich ohne jeden Respekt und jede Achtung die Vermächtnisse der italienischen Geschichte.

Das Bild der instrumentalisierten Grabräuber*innen, die den Ausverkauf der (zivilisatorischen) Errungenschaften ihrer Vorfahr*innen betreiben bzw. ökonomische Zwänge keine Alternative zulassen, passt natürlich auch auf die Bestrebungen der Faschistinnen und Postfaschist*innen. Die Nähe zum industriellen Großkapital, das ob sicherer Profite liebend gerne mit Menschenfeind*innen anbandelt und das moderne Äquivalent zu Brot und Spielen finanziert, sowieso.

Das ist alles eigentlich ziemlich finster. Aber Alice Rohrwacher lässt sich ihren Glauben an eine bessere Zukunft, an die Möglichkeit der Utopie nicht verbieten. Dafür trägt sie mit der – zugegebenermaßen nicht unbedingt subtil „Italia“ getauften Figur – Sorge, die sich letztlich in einem verwaisten Bahnhofsgebäude, das „der Öffentlichkeit, allen“ gehört zusammen mit anderen Frauen und ihren bzw. deren Kindern ein eigenes kleines Paradies aufbaut.

★★★★☆

FR/IT/CH, R: Alice Rohrwacher, D: Josh O'Connor, Carol Duarte, Alba Rohrwacher, Isabella Rossellini, Vincenzo Nemolato, Trailer, Wikipedia
La Chimera - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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