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Filmkritik

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Gesehen: My Girl (1991)

Gesehen: My Girl (1991)
(c) Plaion Pictures

Anna Chlumskys Vada steckt in einem Leben, das seit dem Moment ihrer Geburt von Unsicherheit und Tod geprägt ist – nicht ganz ungleich den USA des hier abgebildeten 1972 nach ersten sexuellen Befreiungsschlägen, einer „überlebten“ Amtszeit Richard Nixons und der weiterhin realen Einzugsgefahr wegen des nach wie vor wütenden Vietnamkrieges. Die Geschichte der USA resoniert in Vadas Erleben. Das mag hier zwar sehr einfach angeordnet sein, aber niemals einfältig. Dafür aber auch sehr schwülstig inszeniert.

Wirklich beeindruckt hat mich Anna Chlumsky, die hier in ihrer ersten richtigen Rolle auftritt. Keine*r in diesem Film ist ihrer schauspielerischen Leistung gewachsen. Sie wartet mit einer erstaunlichen Bandbreite auf und findet auch durch sehr kleine Gesten nuancierten Ausdruck. Dagegen sehen der furchtbar von Mark zu Mark staksende Macaulay Culkin, die noch sehr flache Jamie Lee Curtis und Clown Dan Aykroyd einfach ziemlich blass aus.

★★★☆☆

US, R: Howard Zieff, D: Anna Chlumsky, Macaulay Culkin, Dan Aykroy, Jamie Lee Curtis, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Ingeborg Bachmann - Reise in die Wüste (2023)

Gesehen: Ingeborg Bachmann - Reise in die Wüste (2023)
(c) MFA+ Filmdistribution

Für einen sehr kurzen Moment war ich von der Ästhetik dieses Films fasziniert. Wie hier die Bilder konstruiert und die Figuren durch eben jene Szenerie geschoben werden, das hat etwas Dioramahaftes an sich. Doch es dauert nicht lange, bis genau das nur noch irritiert. Der Film schafft es nie zu mehr als einer Art unbeholfenem (literatur)historischen Tabletop, ein Warhammer mit Vicky Krieps und Ronald Zerfeld, die auch nicht so richtig wissen, warum sie nun eigentlich in dieser Szenerie herumstehen müssen.

Beide bekommen zu wenig an die Hand, um zwei greifbare Figuren zu erschaffen – und sie lassen es die Kamera spüren. Die Auslassungen und Leerstellen sind einfach zu groß, den Figuren Ingeborg Bachmann und Max Frisch wird eine dritte Dimension verwehrt. Stattdessen wächst mit jeder Minute die keinesfalls gerechtfertigte Verliebtheit in die eigene Ästhetik und eine beschämende Gleichgültigkeit gegenüber dieser Gigantin der deutschsprachigen Lyrik.

★½☆☆☆

DE/AT/LU/CH, R: Margarethe von Trotta, D: Vicky Krieps, Ronald Zerfeld, Tobias Resch, Basil Eidenbenz, Trailer, Wikipedia
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Kinotagebuch: Kinds of Kindness (2024)

Kinotagebuch: Kinds of Kindness (2024)
Ich muss schon sagen, dass ich den alten Yorgos Lanthimos vermisse. Eben den Filmemacher, der viel fragmentarischer gearbeitet und versucht hat, Form anders zu denken. Der mit Sprache und nicht quirky Wes-Anderson-Sets Welten konstruiert und geformt hat. Den mit avantgardistischer Ambition.

Das habe ich vor einem guten halben Jahr geschrieben, als ich aus POOR THINGS kam. Und ja, mit KINDS OF KINDNESS bewegt sich Yorogos Lanthimos wieder mehr in diese Richtung.

Es fühlt sich an wie ein Sturm in drei aus derselben Karaffe gefüllten Wassergläsern, angefacht durch Lanthimos, der mit seinem Föhn draufhält. Jedes dieser drei Gläser habe ich als Versuchsanordnung zur Betrachtung von Systemen der Unterdrückung gelesen.

  1. Die herrschende Klasse im Kapitalismus und die von eben jener induzierten Unterwerfungssucht der Arbeiter*innen.
  2. Das „Ruhigstellen“ von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Aus diesem System der Ignoranz folgt unweigerlich ein System der Unterdrückung, solange psychisch Erkrankte derart mit einem Stigma belegt sind, dass sie zwangsläufig an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.
  3. Patriarchale Machtstrukturen und Gewalt, gepaart mit Erlösungsversprechen eines pseudoreligiösen kultischen Gefüges, das wiederum eng mit Elementen des Kapitalismus verzahnt ist.

Die erste Episode etabliert sinngemäß die Regel „Traue nichts, was du siehst“. Und so lässt sich argumentieren, dass alles, was wir sehen, eine für uns von der herrschenden Klasse im Kapitalismus hinkonstruierte Wirklichkeit ist, in der freier Wille nie wirklich existieren kann und Aufstiegsversprechen niemals eingelöst, sondern auf ewig einer Karotte an der Angel gleich immer nur in vermeintlicher Reichweite hingehalten werden.

★★★★☆

IE/GB/US, R: Yorgos Lanthimos, D: Jesse Plemons, Emma Stone, Willem Dafoe, Margaret Qualley, Hong Chao, Mamoudou Athie, Joe Alwyn, Hunter Schafer, Yorgos Stefanakos, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: We’re All Going to the World’s Fair (2021)

Gesehen: We’re All Going to the World’s Fair (2021)
(c) Dweck Productions, Flies Collective

Hier lässt sich sicherlich ein Feuerwerk der Interpretationen abbrennen. Meins geht so:

Wir sehen das Porträt einer Jugend in Trumps Amerika. Anna Cobbs Casey ist die einzige Überlebende eines Amoklaufes an ihrer Schule – darauf lässt sich von einem ihrer Videos, das einen Titel à la „Rundgang durch meine Highschool“ trägt, sie aber tatsächlich über einen Friedhof gehend zeigt, schließen.

Ihr gesamtes Umfeld ist aus dem Leben gerissen worden und jetzt ist sie alleine, macht Videos gegen das eigene Verschwinden in der verzweifelten Hoffnung gehört zu werden, schreit unablässig in den schier endlosen Äther hinein, aus dem heraus nichts und niemand antwortet.

Zu ihrem Vater scheint sie kein Verhältnis zu haben, ihre Mutter ist vermutlich kein Teil ihres Lebens mehr, wenn sie nicht mehr schlafen kann, lässt sie sich von einem ASMR-Video in den Schlaf säuseln. Irgendwo da draußen im digitalen Dickicht sucht sie nach Trost, muss letztlich mit einer flüsternd die Kamera streichelnden Frau vorliebnehmen. Wenn Einsamkeit der Horror ist, ist das die Hölle.

Terminally online sein, um erst überhaupt noch so etwas wie Verbundenheit mit der Welt zu spüren, während die andere Hälfte der Gesellschaft keine Grenze zwischen 4chan-Thread und Realität mehr zu kennen scheint, überall geheime Hinweise vermutet.

★★★★☆

US, R: Jane Schoenbrun, D: Anna Cobb, Michael J Rogers, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Vesper (2022)

Gesehen: Vesper (2022)
(c) Plaion Pictures

Wie der Film es mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln schafft, eine glaubhafte Welt mit organisch ineinandergreifenden Elementen zu konstruieren, hat mir sehr gefallen. Vieles hat mich an das Half-Life-Universum erinnert – nicht nur, weil es ein undurchsichtiges Bauwerk gibt, das Zitadelle genannt wird und dieser Ort eben auch als Zentrum der Macht und Unterdrückung gezeichnet wird, der seine Fühler in alle Richtungen und Köpfe ausstreckt, sondern auch in der Flora und Fauna habe ich viele Parallelen erkennen können.

Dem gegenüber stehen dann Themen, die eher einfältig beackert werden oder unausgegoren zerfasern – von der Rolle künstlich erschaffenen Lebens über Transhumanismus bis zu Gesellschaft und Gesellschaftsordnungen. VESPER verfolgt zwar klar andere Ansätze, aber ich musste trotzdem oft an Gareth Edwards’ ein Jahr später erschienenen, aber von mir zuerst gesehenen THE CREATOR (2023) denken. Dessen große Stärke war auch das klare visuelle Konzept, dass dann mit eher lauwarm aufgegossenen Fragen zu unterfüttern versucht wurde.

★★★☆☆

BE/FR/LT, R: Kristina Buozyte, Bruno Samper, D: Raffiella Chapman, Eddie Marsan, Rosy McEwen, Richard Brake, Trailer, Wikipedia
Vesper Chronicles - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Club Zero (2023)

Gesehen: Club Zero (2023)
(c) NEUE VISIONEN

Hat für mich als Allegorie auf das elendige Märchen von der Rettung des Planeten durch das Ändern von Individualverhalten eigentlich ganz gut funktioniert. Von Autoritätspositionen aus beschworen wird immer die Gemeinschaft und eine angeblich in ihr schlummernde Kraft, während bei genauerem Hinsehen das Verhalten von Individuen für systemische Fehler verantwortlich gemacht wird. Das Klima fliegt uns um die Ohren? Das liegt auf jeden Fall daran, dass du und nur du zu viel Fleisch gegessen hast. Hättest du dieses eine Steak nicht gegessen, dann hätten wir alle noch gerettet werden können. Aber nun müssen wir leider alle sterben. Wegen dir. (Und nicht wegen Konzernen, die Dinge wie den CO₂-Fußabdruck in die Welt setzen, um von den durch sie selbst verursachten strukturellen Problemen abzulenken.)

★★★☆☆

AT/DK/FR/DE/TR/GB/US, R: Jessica Hausner, D: Mia Wasikowska, Sidse Babett Knudsen, Elsa Zylberstein, Mathieu Demy, Luke Barker, Ksenia Devriendt, Florence Baker, Samuel D. Anderson, Gwen Currant, Andrei Hozoc, Sade McNichols Thomas, Amir El-Masry, Amanda Lawrence, Sam Hoare, Keeley Forsyth, Lukas Turtur, Camilla Rutherford, Laoisha O’Callaghan, Trailer, Wikipedia
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