Die Kolleg:innen von Indiewire haben zusammengetragen, welche bisherigen erwähnenswerten Releases und Festival-Premieren tatsächlich noch auf richtigen Film von Kodak gebannt worden sind.
Luca Guadanignos William-S.-Burroughs-Film QUEER mit Daniel Craig
Brady Corbets THE BRUTALIST über den Auschwitz-überlebenden Architekten László Tóth
Robbert Eggers' NOSFERATU als Neuinterpretation von Murnaus Klassiker
Ich bin wirklich kein Esoteriker, der auf das Bild von analogem Film nichts kommen lässt. Letztlich gibt es sicherlich kaum ein analoges Bild, das nicht auch digital erzeugt werden könnte. Aber mit analogem Film zu drehen, ist natürlich die Entscheidung für einen bestimmten Prozess des Filmens. Und über den Prozess des Kunstschaffens habe ich selbst erst kürzlich im Rahmen von MY FIRST FILM nachgedacht.
Über analogen Film als Mittel der künstlerischen Gestaltung hat zum Beispiel der geschätzte Lucas Curstädt in seinem Essay über Christopher Nolans OPPENHEIMER ein paar sehr spannende Gedanken festgehalten.
Vor 15 Jahren veröffentlichte David Lynch eine von ihm produzierte Doku-Reihe unter Regie seines Sohnes Austin auf seiner Website. Der schlichte Titel: Interview Project.
„Interview Project is a 20.000 mile road trip over 70 days across and back the United States. The team found the people driving along the roads, going into bars, going into different locations and there they were. The people told their story. It’s so fascinating to look and listen to people. What I hope people will get out of Interview Project is a chance to meet these people. It’s something that’s human and you can’t stay away from it.“
121 Menschen erzählten Lynchs Team ihre Geschichte. Als David Lynch jedoch irgendwann seine Seite dichtmachte, verschwand auch das Projekt – bis heute. Jetzt sind alle Episoden wieder verfügbar – und zwar in HD aufbereitet und auf Youtube. (Aus unerfindlichen Gründen ist das Einbetten des Trailers ausgestellt, deshalb hier direkt die Playlist.)
Ein sehr bereichernder Deep-Dive von Benjamin Johann und Marcus Stiglegger in die Filme und den Stil der Safdie-Brüder, die auch mich immer wieder faszinieren.
Die Filme der Brüder Josh und Benny Safdie sind voll von Spielern, Süchtigen, Kriminellen, Außenseitern - Figuren, denen alle Zeit der Welt oder überhaupt keine Zeit mehr bleibt. Es sind Erzählungen vom Fliehen und Hetzen, die in hochdynamische Ästhetiken übersetzt werden. Forderndes bis überforderndes Kino, das voller filmhistorischer Spuren (New Hollywood, nouvelle vague, italienischer Neorealismus) ist und zugleich neue Routen für ein Kino von morgen schafft. Kino als audio-visuelles Ereignis, das sich ebenso bewusst den komplexen Verhältnissen der Gegenwart und menschlicher Erfahrung darin stellt.
Wir müssen uns natürlich nicht darüber unterhalten, was für ein fantastisches Meisterwerk PARASITE (2019) ist. Aber ich bin auch ein sehr großer Fan von OKJA (2017), den Bong Joon-ho zuvor für Netflix inszenierte. Und genau so weird scheint mir nun MICKEY 17, eine Adaption von Edward Ashtons Roman Mickey7, zu werden. Im Januar 2025 soll der Film in die Kinos kommen. Ich hab Bock!
Stefan Stuckmann of Eichwald, MdB-Fame hat eine neue Serie namens Jugend - es ist kompliziert. Seit ein paar Tagen steht sie bereits beim ZDF in der Mediathek und ich habe sie mir komplett angesehen. Thomas Schubert ist sowieso immer ein gutes Argument für etwas. Seine Figur ist mein Highlight der Serie – und das nicht nur, weil ich viel von ihm bei aller Überzeichnung auch in mir sehe. Zuallererst macht es nämlich einen Heidenspaß, ihm beim Spielen zuzuschauen. Schubert bewegt sich mit einer unglaublichen Leichtigkeit zwischen einer intentionalen Künstlichkeit und lockeren Natürlichkeit hin und her. Eigentlich gilt das auch für den restlichen Cast – Sarah Gailer, Eli Riccardi und Leon Ulrich –, der wirklich spot on ist.
Klar, Jugend - es ist kompliziert soll in erster Linie locker unterhalten. Aber sollte nicht ausschließen, gleichzeitig auch größere Ambitionen zu verfolgen. Unterm Strich eignet sich die Serie ein bisschen zu sehr die Ziellosigkeit ihrer Figuren an.
Die Beobachtungen hinsichtlich der Untiefen permanenter Selbstreflexion, der Hyperpolitisierung jedes Lebensbereiches und ganz besonders der Lebensrealität zahlreicher Millennials sind treffend und klug. Für mich entwächst der Humor hier auch nicht aus einem abschätzigen Blick auf diese Tatsachen, sondern aus dem Spannungsfeld zwischen dem Erkennen der eigenen und systemischen Unzulänglichkeiten auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Erkenntnis, trotzdem nicht aus seiner Haut zu können.
P.S.: Die Serie benutzt offenkundig mithilfe von generativer KI generierte Bilder, um Szenen zu trennen. Die Vermutung würde aufgrund der Ästhetik der Bilder auch nicht sonderlich fern liegen. Nur ist das hier keine Vermutung, sondern ein Fakt. Macher Stefan Stuckmann hat im Juni bei Vollbild im Deutschlandfunk Kultur mit Patrick Wellinski auch darüber gesprochen, wie und warum sie DALL·E von OpenAI für diese Bilder benutzt haben.
Patrick Wellinski: In der Serie gibt es KI-generierte Schnittbilder, also Bilder von Tauben mit aufgerissenen Augen, torkelnde Menschen, Geister, kopflose Wesen über abgestellten Sofas. Wieso diese KI-Bilder?
Stefan Stuckmann: Tatsächlich ganz platt haben wir einfach nur nach Bildern gesucht, mit denen wir die Szenen trennen können, weil das einfach ein klassisches Problem in Sitcoms ist. Man ist immer nur im Studio, man ist fast nie draußen, selbst wenn man draußen ist, ist es eigentlich Studio. Und wir haben ewig drauf rumgekaut, wie geht man damit um. Bei uns war klar, wir haben zu wenig Geld.
Die eigentliche Antwort ist noch etwas länger, aber ich habe sie hier auf das eingekürzt, was mir extrem sauer aufstößt. Aus Budgetgründen ein System zu nutzen, für dessen Konstruktion unentgeltlich und ungefragt Werke anderer Kunstschaffender genutzt worden sind und wahrscheinlich immer noch werden, ist moralisch verwerflich. Die letztlich doch sehr einfache Rechnung geht so: Künstler*in erschafft Werk -> OpenAI „klaut“ Werk, um DALL·E zu trainieren -> Dritte nutzen mit DALL·E generierte Bilder für eine Serie, für die sie bezahlt werden. Hier wird sich an den Werken anderer bereichert.
Stefan Stuckmann erzählt bei Vollbild noch mehr darüber, warum diese Bilder so gut in seine Serie passen. Und ich gebe ihm da absolut recht. Aber der Zweck heiligt nicht die Mittel. Und diese Mittel schon gar nicht.
Stuckmann zufolge könnte es eine zweite Staffel geben, wenn genug Menschen unter 35 Staffel 1 sehen. Ich drücke ihm und dem ganzen Team die Daumen und im Falle eines grünen Lichts mehr besonnenheit hinsichtlich des Einsatzes von DALL·E und Co.
DE, C: Stefan Stuckmann, D: Thomas Schubert, Sarah Gailer, Eli Riccardi, Leon Ullrich, Trailer
Die Serie steht noch bis zum 06. September 2025 in der ZDF-Mediathek:
Ich bin endlich mit Succession durch und möchte explizit zur letzten Episode ein paar Gedanken festhalten, die es aus Spoilergründen erst nach dem Ausklappen gibt.
+++Spoiler+++
Logan Roy hat gewonnen, weil er selbst nach seinem Tod das Spiel immer noch besser spielte als Kendall, Shiv und Roman. Seine drei Kinder kämpfen letztlich bis zur letzten Sekunde darum, sich gegenseitig auszusTechen, in den Rücken zu fallen und unten zu halten. Logan Roy hat bekommen, was er mit seiner „Erziehung“ von Anfang an bezweckte – und zwar keine Nachfolgerin für den Chefposten, sondern die eigene Zementierung als Gottkaiser. Er ist die Company. Stirbt er, stirbt auch die Company. Und das ist so gewollt.
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
Recommendations
Shelfd
Keine Zeit für schlechte Streams. Bei Shelfd findet ihr jede Woche handverlesene Empfehlungen und Kolumnen – von echten Menschen, nicht vom Algorithmus.