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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 73

Gesehen: Grand Tour (2024) - Unendlicher Walzer

Groteske meets Epik

Gesehen: Grand Tour (2024) - Unendlicher Walzer
Crista Alfaiate als Molly // © Mubi

Für mich ein ganz zauberhafter und stellenweise magischer Film, der verführerisch Groteske und Epik zusammenbringt und dabei eine Aneinanderreihung komischer Momente – mal lustig, mal weird, mal total entrückt – schafft.

GRAND TOUR wird damit zur Hommage an das große Geschichtenerzählen mit Versatzstücken und Bildern, die ihren Ursprung klar bei Namen wie François Truffaut, Jean-Luc Godard, Fritz Lang, Robert Bresson und Werner Herzog haben.

Doch die zahlreichen strukturellen und bildlichen Referenzen sind bei Miguel Gomes niemals reiner Selbstzweck. Sie sind der fruchtbare Boden, auf dem etwas Eigenes, davon losgelöstes gedeiht.

Gomes erzählt die Geschichte zweier Menschen, die die Welt ausschließlich in Kreisbewegungen

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Kein Hobbit für Nazis: Tolkien verweigerte Ariernachweis

Kurze Beine und trotzdem da, die Hobbit-Antifa!

Kein Hobbit für Nazis: Tolkien verweigerte Ariernachweis
© Madalyn Cox / Unsplash

Dass Faschist:innen heute gerne J.R.R. Tolkiens The Lord of the Rings lesen, war mir schon länger geläufig. Dass jedoch selbst die Nazis hinter einer deutschen Übersetzung von The Hobbit her waren, war auch mir neu.

1938 hat Rütten & Loening Tolkien angefragt. Bereits zwei Jahre zuvor wurden die Verleger Wilhelm Ernst Oswalt und Adolf Neumann bereits durch die Nürnberger Gesetze in Nazideutschland dazu gezwungen, ihr Unternehmen an einen „arischen" Verleger zu verkaufen. Unter der Fuchtel dieses Verlegers wurden dann die Verhandlungen mit Tolkien angestrengt.

In diesem Zuge versuchten die Deutschen auch, sich einen sogenannten Ariernachweis von Tolkien

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Gesehen: No Home Movie (2015) - Erodieren im Sturm der Zeit

„I am not gone, yet."

Gesehen: No Home Movie (2015) - Erodieren im Sturm der Zeit
© Fondation Chantal Akerman

CN Suizid

Vor allem vor dem Hintergrund, dass Chantal Akerman etwa anderthalb Jahre nach dem Ende der Aufnahmen für diesen Film und dem Tod ihrer Mutter im Veröffentlichungsjahr von NO HOME MOVIE Suizid beging, ist das ein sehr bedrückender Film.

In diesem Zusammenhang fällt auf, dass Akerman selbst kaum im Film zu sehen ist – und wenn, dann fast immer von hinten oder in einer Spiegelung. Sie macht sich nur selten zum Teil des Motivs, bleibt damit immer nur Zuschauern und Besucherin dieses Lebens ihrer Mutter.

Diese Bilder haben außerdem etwas Beklemmendes und fast schon Lauerndes an sich, wie man es

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Gesehen: Almayer’s Folly (2011) - Kolonialisierung der Frau

Chantal Akerman 🤝 Claire Denis

Gesehen: Almayer’s Folly (2011) - Kolonialisierung der Frau
Aurora Marion als Nina // © Fondation Chantal Akerman

Chantal Akerman versucht sich an einer komplexen Parallelstellung von Patriarchat, Kolonialismus und Rassismus – und es gelingt. Der Film zeigt auf, dass diese Begriffe mitunter nicht ohneeinander gedacht werden können, sich also durchaus auch gegenseitig bedingen.

In seiner kontemplativen, fast schon meditativen Art und nicht nur den Themen ähnelt dieser Film sehr denen von Claire Denis.

Doch Akerman legt ein viel größeres Augenmerk auf die Kolonialisierung des weiblichen Körpers, der Frau. Die folgt einer völlig entmenschlichenden Verwertungslogik. Es ist wie ein Aussortieren der aussichtsträchtigsten Früchte – nur, dass es hier um Mädchen, um Frauen geht, die ihrer Herkunft und letztlich ihres Selbst

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Gesehen: Persepolis (2007) - Aufgehen in Strukturen

Ein großartiges Spiel mit Formen und Kontrasten.

Gesehen: Persepolis (2007) - Aufgehen in Strukturen
© Studiocanal

Alleine bildästhetisch ist PERSEPOLIS eine im wahrsten Wortsinne fantastische Erfahrung. Durch die klaren Formen und den so starken Kontrast von Schwarz und Weiß ergeben sich großartige Spielmöglichkeiten. Formen und letztlich Menschen gehen ineinander auf, verschwinden im Nichts, werden verschluckt oder Teil von Strukturen. Alleine das erzählt so viel, ohne dabei ein einziges Wort zu verlieren.

Diese melancholische Schwere in Kombination mit einem zuweilen auch mal albernen Galgenhumor hat mich total in ihren Bann gezogen. Es ist eine bittersüße Geschichte über das Mädchen Marjane, das überlebt, während das Potenzial ihrer Heimat in Iran stirbt.

Es ist das Porträt einer Summe an

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Marvels selbstvergessenes Marketing

From the artists who brought you...

Marvels selbstvergessenes Marketing
© The Walt Disney Company Germany

Während ich gerade endlich mal die dritte Staffel The Bear nachhole, muss ich zwangsläufig mit den Werbespots auf Disney+ umgehen. Also ich muss das natürlich eigentlich nicht. Aber hier liegt gerade eben nur der Zugang zu einem Lower-Tier-Account herum und das ist immer noch bequemer als andere Methoden. Anyways, so muss ich gerade jedenfalls immer und immer wieder einen Trailer zu Marvels kommendem Meisterwerk™ THUNDERBOLTS* ertragen und darf mich darüber wundern.

Diese Marketingstrategie finde ich faszinierend und irritierend zugleich. Aus Filmsicht ist Marvel schon lange nicht mehr on a roll. ANT-MAN AND THE WASP: QUANTUMANIA, THE MARVELS, DEADPOOL & WOLVERINE

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