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Feuilleton & Firlefanz

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Gesehen: i hate myself :) (2013) - Nie endende Selbstvergewisserung

Strukturell erstaunlich nahe am aktuellen Youtube-Meta

Gesehen: i hate myself :) (2013) - Nie endende Selbstvergewisserung
Foto: Joanna Arnow

Spannend, wie hier die Kamera als Instrument des Zweifels zum Einsatz kommt. Joanna Arnow lässt sich von der Kamera die eigene Wahrnehmung bezeugen. Die Kamera ist die zweite eingeholte Meinung nach einer schmerzhaften Diagnose. Das gesammelte Bildmaterial wird zur Überprüfung als vermeintlich fertiger Film immer mehr Menschen gezeigt, deren gefilmte Reaktionen dann wiederum Teil des Films werden. Es ist, ab ob sich Joanna Arnow wie heute das Publikum Reaction-Youtuber*innen die (ihre) Welt nur durch einen Filter wahrnehmen kann, weil sie verlernt hat, sich selbst und ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.

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Gesehen: Bugonia (2025) - Getrieben im Weitwinkel

Die Eskalation ist im Plattformkapitalismus ein Feature, kein Bug

Gesehen: Bugonia (2025) - Getrieben im Weitwinkel
Foto: Universal Pictures International Germany

Durch die mit Weitwinkelobjektiven ausgestatteten Handkameras strahlt dieser Film etwas Getriebenes, manchmal auch Desorientierendes aus. Damit rückt der Film über seine Ästhetik unser Filmerleben als Publikum nah an das des von Jesse Plemons gespielten Verschwörungsideologen heran.

Ein traumatisches Erlebnis, eine traumatische Phase hat diese Figur mit aller Gewalt aus der Bahn gestoßen. In Ermangelung an funktionierenden Fangnetzen befindet sie sich seitdem im Fall ins Bodenlose, in einen algorithmisch gesteuerten Strudel.

Dass große (Tech-)Konzerne mit ihren Plattformen wissentlich nicht nur psychische Schäden anrichten und sogar an der Eskalation von Gewalt teilhaben, ist offenkundig keine Verschwörungstheorie, sondern belegte Tatsache.

Die Eskalation

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Gesehen: Both Sides of the Blade (2022) - Der dünne Firnis der Liebe

Claire Denis findet überall Schnittmengen mit dem Kolonialismus

Gesehen: Both Sides of the Blade (2022) - Der dünne Firnis der Liebe
Foto: Arsenal Filmverleih

Wie dünn doch der Firnis der Liebe ist und wie unangenehm wahrhaftig sich das alles anfühlt... Ständig wird geschwiegen, aber die Blicke und vorsichtigen Berührungen sprechen unüberhörbare Worte. Menschen verdrängen, verweigern, versprechen, vergessen und versagen. Sie verlieren sich in sich selbst, in einem anderen Menschen, immer im falschen, nie im richtigen. Die Scham hüllt den Mantel des Schweigens um jeden Konfliktherd.

Genau diese Dynamik hat – wie soll es bei Claire Denis auch anders sein – eine bemerkenswert große Schnittmenge mit der Kolonialgeschichte Frankreichs, die hier immer wieder mit den Figuren verwoben wird. Es wird lieber geschwiegen, verdrängt, verklärt, verwaschen, solange die

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Gesehen: Love Me (2024) - Falsche Perspektive

Kann man schon von oben herab machen, ist dann halb nicht produktiv...

Gesehen: Love Me (2024) - Falsche Perspektive
Foto: AgX, 2AM, Shivhans Pictures

In seiner Analyse, den formulierten Botschaften und den Gedanken darüber, was es heißt, Mensch zu sein in einer Welt, die (scheinbar) permanente Performance abverlangt, ist dieser Film nahezu unerträglich selbstgefällig.

Natürlich ist da etwas dran, dass wir irgendwann den Zugang zu uns selbst, unseren Gefühlen und auch unseren Gegenübern verlieren, wenn wir den lieben langen Tag damit beschäftigt sind, eine Illusion aufrechtzuerhalten.

Aber wie blindlings die Komplexität der zahlreichen hier ineinandergreifenden Abhängigkeiten ignoriert wird, führt nicht etwa dazu, dass das Wesentliche hervortritt. Es banalisiert so lange, bis von der vielleicht noblen Idee nur noch ein paar Kalendersprüche übrig bleiben.

Letztlich

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Kinotagebuch: Sehnsucht in Sangerhausen (2025) - Bresson, Kiarostami, Novalis, Radlmeier

Ein Film voller Zitate und doch geprägt von einer eigenen Handschrift

Kinotagebuch: Sehnsucht in Sangerhausen (2025) - Bresson, Kiarostami, Novalis, Radlmeier
Foto: Grandfilm

Julian Radlmeier ist hier wirklich ein tolles Amalgam verschiedenste künstlerischer Ansätze gelungen, ohne dabei die eigene Handschrift aus den Augen zu verlieren. Die fast schon Puppenhaftigkeit der Figuren erinnert etwa an Robert Bresson. Die absolute Leichtigkeit in der Inszenierung bei gleichzeitig in Teilen ziemlich abgründigem Geschehen weckt Erinnerungen an den auch (nach)namentlich im Film referenzierten Abbas Kiarostami. Und der ebenfalls im Film mehrfach erwähnte Novalis drängt durch zitierte Motive immer wieder in die Erzählung.

Radlmeier ist sich dabei immer der Klasse seiner Figuren bewusst, genau wie die Figuren selbst – weil sie sich nicht mal eben ein paar Kirschen aus

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Gesehen: Pulse (2001) - Digitales Unbehagen

Wer Jane Schoebrun verstehen will, muss Kiyoshi Kurosawa schauen

Gesehen: Pulse (2001) - Digitales Unbehagen
Foto: Daiei Film, Nippon Television Network Corporation, Hakuhodo, IMAGICA

Es ist richtig toll unangenehm, wie Kiyoshi Kurosawa hier das urbane mit dem digitalen Unbehagen zusammenbringt und ineinander verschränkt. Aus beiden Dimensionen drängen letztlich Erzählungen radikaler Vereinzelungserfahrungen, die ihren Ursprung in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft haben. Nirgendwo ist man gleichzeitig von so vielen Menschen umgeben und dennoch so isoliert, einsam und vielleicht auch eingeschüchtert wie in der Großstadt. Digitale Räume tun sich mit dem Versprechen auf, Orte der Gemeinschaft zu schaffen, entpuppen sich jedoch als unauthentische Theaterbühnen, auf denen das „wahre" Ich nur zu einem Teil existieren kann und einem performten Ich immer mehr den Vorrang lassen muss.

Unter diesen

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