Zeit ist ein flacher Kreis in der Wüste von New Mexico
Bild: Pedro Reyes, SITE Santa Fe, Mubi
Vor allen Dingen formal haben mich diese gut 20 Minuten beeindruckt. Denn dieser Parallelschnitt, die Parallelisierung der Bilder und Themen, das hat innerhalb kürzester Zeit eine enorme visuelle und inhaltliche Tiefe erzeugt.
Vergangenheit und Gegenwart werden im besten Sinne gleichzeitig erfahrbar gemacht. Nicht nur offenbart die direkte Gegenüberstellung innerhalb eines Frames die Widersprüche in der Geschichtsschreibung, sondern auch den zyklischen Ablauf von Geschichte und die sich wiederholenden oder nachhallenden Muster. Und all das mit einer beeindruckenden Leichtigkeit.
Benny Safdie wagt Understatement, aber ohne emotionales Gewicht
Bild: Leonine
Mir gefällt das Understatement, mit dem Benny Safdie all das inszeniert hat. So physisch riesig und brachial die Figur Mark Kerr ist, so zurückhaltend wird sie in Szene gesetzt und so überraschend kontrastarm wirkt sie vor dem Geschehen.
THE SMASHING MACHINE wirkt wie ein Arbeiter*innenfilm. Hier steht nicht gleich die ganze Welt auf dem Spiel. Klar, viel läuft bei diesem einen großen Turnier zusammen. Aber das ist eben nicht dieser eine überlebensgroße Rocky-Kampf. Es fügt sich stattdessen ein in die immer gleichen Arbeitsabläufe an der Stanze, in die routiniert ertragene Selbstausbeutung, ins fließbandartige Auf-die-Fresse-bekommen, in den Zirkus der immer selben Gesichter.
Was Safdie nicht schafft, ist, den zentralen Beziehungen in seiner Geschichte ein wirkliches emotionales Gewicht zu verleihen. Die große Liebe, die enge Freundschaft, das wird hier als Label auf eine Anordnung gepappt. Den Rest muss dann jedoch unser Gehirn ausfüllen, da wird uns auf der filmischen Ebene nicht viel an die Hand gegeben.
Überhaupt lässt sich nur sehr schwer sagen, ob Dwayne Johnson diesen gleichzeitig in sich ruhenden und brodelnden Stoiker tatsächlich gut spielt, oder ob die Gesichtsprosthetiks nicht viel mehr Regung zulassen und auch deshalb extrem viel abgeht, was sonst auf den emotionalen Kern mit einzahlen würde.
War für mich letztlich nicht konsequent bis zum Schluss gedacht
Bild: Studiocanal
Lässt ein bisschen Kohärenz vermissen und versucht das immer wieder durch Wrestlingeinlagen mit Roddy Piper zu kaschieren. Das Entkleiden der ästhetisierten Konsumbotschaften ist in seiner grotesken Zuspitzung ganz nett, aber letztlich konsequenzlos hinsichtlich einer systemischen Betrachtung. Diese behauptete Welt, die uns immer wieder ausschnittsweise durch die Sonnenbrille gezeigt wird, ist stets immer genau so unscharf, dass sie mich komplett kaltlässt.
Für mich hat sich der Film wie eine Partie Dame entfaltet. Mal wird vorsichtig nach vorne gezogen, dabei der ein oder andere Stein geschlagen, und plötzlich wird eine ganze Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt, bei der innerhalb eines Zuges die Hälfte der gegnerischen Steine abgeräumt wird, nur um kurz danach dennoch eine herannahende Niederlage abwehren zu müssen. Denn gezogen werden darf nur nach vorne.
Der Film versucht die Gratwanderung zwischen fast schon klinisch-kalter politikwissenschaftlicher Analyse und spannungsgeladenem Unabhängigkeitsthriller. Es ist ein ständiges Ringen damit, welcher Zweck welche Mittel heiligt, heiligen muss und heiligen darf; um die Notwendigkeit und die vielschichtigen Kosten des Widerstands.
Eine bemerkenswerte Entscheidung: Der gesamte Film kippt mit dem Generalstreik der unterdrückten algerischen Bevölkerung. Es sind nicht die Attentate und der Guerillakrieg auf den Straßen, die die örtliche Verwaltung der Kolonialmacht Frankreich ins Wanken bringen. Es ist der Sand im wirtschaftlichen/kapitalistischen Getriebe der ausbeutenden Maschinerie, der das Pulverfass sprengt. Das spricht Bände.
Noémie Merlant erklärt sich selbst den Boden unter den Füßen weg
Bild: Progress, barnsteiner-film
Die Variation des REAR WINDOW-Motivs, das Spiel mit dem, was hinter den Türen und Vorhängen passiert, das hat jüngst auch Chloe Okuno mit WATCHER ganz ähnlich versucht. Okuno und auch hier Noémie Merlant wischen den über der patriarchalen Gewalt liegenden Schleier jeweils auf eigene Art und Weise weg.
Merlant arbeitet mit dem Spannungsverhältnis zwischen Anspruchsdenken ohne Schuldbewusstsein auf der einen, und der gewissenhaften Verschleierung von Gewalt auf der anderen Seite. Sie legt Schicht um Schicht frei und eskaliert das Geschehen sowie die Drastik der Bilder konsequent. Und sie findet dafür besonders gegen Ende des Film auf einem Boot im Meer ein total schönes wie absurdes und skurriles Bild der Solidarität und der Schwesternschaft.
Warum sich also der Film dann noch mal nach all dem in aller Ausführlichkeit selbst erklären muss, ist mir ein absolutes Rätsel. Als ob hier Zweifel an etwas ausgeräumt werden müssten, woran die Inszenierung aber eigentlich gar keine Zweifel lässt – also für Zuschauer:innen, die den Film nicht auf dem Second Screen durchlaufen lassen. Es reißt die im Vergleich dazu nicht unbedingt total subtile, aber ausreichend feingliedrige Vorarbeit mit einem monströsen Vorschlaghammer wieder ein bzw. lässt sie im Nachhinein nach vergeblicher Liebesmüh aussehen.
Das ist mehr Bewerbungsfilm als eigenständiges Werk
Bild: The Walt Disney Company Germany
Die Erkenntnis, die Forderung, die sich aus dem ästhetischen Erleben dieses Films ableiten lässt: Jetzt gebt Dan Trachtenberg seinen Star-Wars-Film, dann haben wir Ruhe. In diesem Universum wäre die Art und Weise, wie hier Machtstrukturen und Rollenbilder hinterfragt werden, deutlich besser aufgehoben.
BADLANDS versucht viel zu unterlaufen, bemüht sich aber um keinen Funken Subversion. So ist das Ergebnis eine in der dargereichten Form schon längst durchgespielte Übung, die jedenfalls mich deshalb komplett gelangweilt hat.
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
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