The Big Shit: Filmreleases im digitalen Zeitalter

Zum ersten Mal bin ich, wie viele andere auch, zum diesjährigen Sundance Film Festival im Januar auf THE BIG SICK aufmerksam geworden. Früher wäre auch schwierig geworden, denn der Film feierte dort Premiere. Meine Twitter-Timeline war gefüllt mit überschwänglichem Lob und auch Amazon schien die kleine Rom-Com zu gefallen. Der Studio-Arm des Handelsriesen (u. a. THE NEON DEMON, MANCHESTER BY THE SEA) zog schließlich den zwölf Millionen Dollar schweren Distributionsdeal an Land. Bis Juni dauerte es, bis der Film schließlich im Limited Release über ein paar US-Leinwände flackerte. Der Wide Release folgte einen Monat später, seit Anfang September kann man den Streifen digital erwerben – vorausgesetzt, man lebt in den USA. Deutschland sitzt immer noch auf dem Trockenen. Hierzulande ist der Kinostart erst für Mitte November geplant. Und wer weiß, wann der Film danach auf iTunes und Co. landet.

Dem durchschnittlichen Kinogänger mag das egal sein. Vermutlich hat er noch nie von THE BIG SICK gehört. Für Filmnerds wie mich ist diese Release-Politik jedoch mehr als frustrierend. Denn während sich das US-Publikum den Film bereits bequem und vor allen Dingen völlig legal ins Wohnzimmer holen kann, sind mir die Hände gebunden. Klar könnte ich mir einen amerikanischen iTunes-Account organisieren oder einfach auf illegale Downloads zurückgreifen. Wirkliche Hürden sind das nicht. Aber das kann und sollte doch nicht die Lösung sein. In einem mittlerweile völlig durchdigitalisierten Zeitalter der Filmdistribution kann ich diese verzögerte und vor allem regionalisierte Veröffentlichungspolitik nicht verstehen. Es spielt für mich auch keine Rolle, welche Deals im Hintergrund Auslöser dieser Situation sein könnten. Was zählt, ist das, was bei mir ankommt. Und das ist gerade einfach gar nichts. Am Ende des Tages fühle ich mich etwas auf den Arm genommen.

Shelfd und das Synchro-Dilemma

Shelfd ist ein tolles Projekt. Das Team behält die Mediatheken der TV-Sender im Blick und präsentiert daraus die besten Stücke – im Newsletter und seit ein paar Wochen auch auf einer schicken Webseite. Auf dem Papier ist das für On-Demand-Konsumenten wie mich wahnsinnig hilfreich und unverzichtbar. Und trotzdem habe ich mir bisher leider kaum eine der Mediatheks-Empfehlungen angeschaut. Shelfd trifft dabei jedoch keine Schuld.

Ich möchte damit keine Diskussion über die Qualität oder Notwendigkeit von Synchronfassungen usw. anzetteln. Aber ich bevorzuge Filme und Serien mittlerweile einfach mit Originalton. Services wie Netflix, Amazon Prime Video und iTunes kommen mir deshalb ganz gelegen, denn dort kann ich größtenteils selbst entscheiden, welche Sprachfassung (mit optionalen Untertiteln) abgespielt werden soll.

In den Mediatheken deutscher Fernsehsender kann ich das entweder gar nicht oder nur sehr selten. Technisch kann es dafür eigentlich keine Ursachen geben. Also entweder wird diese Option bewusst nicht implementiert (unverständlich) oder es hat lizenztechnische Gründe (zusätzliche Sprachfassung = 💰💰💰). Die Details spielen für Konsumenten wie mich am Ende des Tages aber einfach keine Rolle. Die Empfehlung von Shelfd nehme ich trotzdem gerne mit, ziehe damit aber an den Mediatheken vorbei und gehe direkt zu kostenpflichtigen VOD-Anbietern. Die wird’s freuen, die Ad-Server privater Sender nicht.