Weil auch Großbritannien in Folge der Klimakatastrophe mit immenser Trockenheit zu kämpfen hat, gibt es von der dortigen Regierung jetzt ein paar hilfreiche Handreichungen, wie man auch als kleines Zahnrädchen im großen Getriebe knapper werdendes Wasser sparen kann.
In der Pressemitteilung heißt es unter anderem von Helen Wakeham („Environment Agency’s Director of Water and NDG chair"):
We are grateful to the public for following the restrictions, where in place, to conserve water in these dry conditions. Simple, everyday choices – such as turning off a tap or deleting old emails – also really helps the collective effort to reduce demand and help preserve the health of our rivers and wildlife.
Und weiter unten dann noch mal ganz konkret:
Delete old emails and pictures as data centres require vast amounts of water to cool their systems.
Warum das natürlich scheinheiliger Quatsch und das Abwälzen von eigentlich regulativ zu tragender Verantwortung auf Individuen ist, bringt Matthew Gault bei 404 Media auf den Punkt:
Downing Street announced plans in January to “turbocharge AI” in the U.K. The plan includes billions of pounds earmarked for the construction of massive water-hungry datacenters, including a series of centers in Wales that will cost about $16 billion. The announcement about the AI push said it will create tens of thousands of jobs. It doesn’t say anything about where the water will come from.
Ich werde niemals nicht davon gerührt sein, wie Agnès Varda über ihren verstorbenen Ehemann Jacques Demy spricht.
Foto: Ciné-Tamaris
So eine Retrospektive in eigenen Worten, eigenen Bildern und selbst orchestrierten Arrangements aller Elemente, das hat schon was – eben, weil es sehr persönlich, dadurch anders emotional ist und noch einmal ganz anders berühren kann. Auch die Unzuverlässigkeit in der Erzählung durch Erinnerungsfehler, die in der Retrospektive vielleicht sogar nie stattgefundene Realitäten konstruieren können, finde ich total spannend.
Ähnlich produktiv war es für mich, darüber nachzudenken, in welchem Verhältnis dieser Film zu seinem eigenen Medium steht. Dass Film ein inhärent nostalgisches Medium ist, weil er – unabhängig vom Gegenstand seiner Erzählung – immer nur bereits Vergangenes abbilden kann. Für mich ist das ein sehr bittersüßer Gedanke.
Außerdem werde ich niemals nicht davon gerührt sein, wie Agnès Varda über ihren verstorbenen Ehemann Jacques Demy spricht – wie sie augenblicklich von immenser Trauer und erfüllendem Glück gleichzeitig überwältigt zu werden scheint. Das ist auch für mich von außen so schön und so schmerzlich zugleich.
Beeindruckende zehn Stunden, in denen wir als Publikum niemals aus der Verantwortung entlassen werden, in Dilemmas schmoren müssen und mit unserer eigenen Abgründigkeit konfrontiert werden
Lange habe ich mich nicht an den DEKALOG von Krzysztof Kieślowski herangewagt, obwohl ich seine Drei-Farben-Trilogie in höchsten Ehren halte. Doch jetzt kann ich behaupten, auch diesen zehnteiligen Zyklus in selbigen Ehren zu halten.
Der aktuell in der Wikipedia formulierte Einstieg erschien mir vorher recht schwülstig und vielleicht sogar überzogen.
Bei Kieślowski ja eigentlich eine Kritik an fundamentalistischen Denkstrukturen. Denn: Wo ist dein Gott, wenn das unsagbare geschieht? Wo war dein Laplacescher Dämon, als sich plötzlich doch der Boden unter den Füßen auftat?
In seinem Streben nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme manövriert sich der Mensch in (moralische) Sackgassen. Das Denken in Absoluten, das Verlangen nach lückenlosen Erklärungen, das Träumen von einer dogmatischen Welt und das Herbeisehnen einer einfachen Existenz in einer immer komplexeren Welt sind nachvollziehbar menschlich, fatalistisch und selbstzerstörerisch zugleich.
Die Welt, in der sich die Menschen zunehmend ins Private zurückziehen, findet zwingend eine Entsolidarisierung, Entfremdung voneinander und Vereinsamung statt. Gemeinschaft ist etwas, das simuliert wird und immer weniger tatsächlich existiert. Und wer sich ins falsche Leben zurückgezogen hat, wird irgendwann feststecken, weil der Weg zurück in die solidarischen Arme einer Gemeinschaft längst versperrt ist.
Hier wird auf transgressive Art und Weise der Familienbegriff auf die Probe gestellt. Wo verlaufen dessen Grenzen? Welche Faktoren bestimmen, wer zu einer Familie wird, wer Familie ist und wer aufhört, Familie zu sein? Und welche Rolle spielt darin die Moral?
Die Nummer IV lässt mich nun zum ersten Mal innerhalb der Reihe ohne klaren Gedanken zurück. Vielmehr wirkt es so, als ob Kieślowski eine Bombe in den Raum wirft, verschwindet und uns als Publikum mit der Explosion und dem anschließenden Chaos zurücklässt.
Ein kurzer Satz zu EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN: Krzysztof Kieslowski ringt hier eindrücklich mit der Natur des Menschen, dessen Trieben, Recht und Gerechtigkeit. (Und ich mit der Vignettierung.)
Wahrscheinlich hat mir das dabei geholfen, meinen Blick nun für weitere Aspekte zu weiten und andere Themen auf mich wirken zu lassen.
Jedenfalls ging mir jetzt die starke Vignettierung viel weniger auf den Geist, weil sie mich nun ein wenig an die Verengung der Perspektive hat denken lassen, die jeder Mensch automatisch vornimmt, wenn er etwas in den Blick nimmt. Eine Entscheidung, etwas bestimmtes wahrzunehmen ist gleichzeitig auch immer eine Entscheidung, andere Dinge nicht wahrzunehmen. Ein Teil der Welt wird immer ausgeblendet.
Außerdem ist mir jetzt viel mehr der symbolische Einsatz der Farbe Rot aufgefallen. Da ist die junge Lieferantin, die mit ihrer roten Jacke im grau-braunen Einheitsbrei der heruntergekommenen Sozialsiedlung total hervorsticht. Da ist das Mädchen – ebenfalls mit roter Jacke –, das durch das Fenster des Cafés dabei zu sehen ist, wie es herzlich lacht wie niemand sonst im Film.
Diese Verknüpfung der Farbe Rot mit Sehnsucht, Hoffnung und Wehmut ist später popkulturell etwa auch in SCHINDLER'S LIST oder THE MATRIX verhaftet.
Die längere Schnittfassung, A SHORT FILM ABOUT LOVE, kannte ich schon:
Ein zynisches und vielleicht auch gerade deswegen so tolles voyeuristisches Machtspiel über Begierde, Verführung, Sex, Sehnsucht, Liebe, Hoffnung und Träume. Krzysztof Kieślowski setzt das Kaninchen vor die Schlange und nimmt Wetten an.
Der Fernsehfassung fehlt es eindeutig etwas an Raum zum Atmen. Die Anordnung fühlt sich so viel forcierter und behaupteter an.
Trotzdem hat sich für mich noch mal eine Facette hervorgetan, die ich zumindest beim letzten Mal nicht schriftlich festgehalten habe: Hier geht es natürlich auch um Geschlechterrollen und -verhältnisse.
Wie wird man Mutter – qua Blut oder qua Handeln entsprechend einer Mutter? Oder gibt es hier am Ende gar keine eindeutige Antwort?
Letztlich geht es hier doch um die Absolutheit von Regeln, Normen und Erwartungen. Über das endgültige Verwehren von Chancen, Rehabilitation und dem Übernehmen von Verantwortung im Widerspruch zu einer Welt, in der Ethik und Moral eigentlich permanent neu verhandelt werden bzw. werden müssen.
Auch im siebten Kapitel des Dekalogs bleibt es beeindruckend, wie viel hier auf einem derart engen Raum zusammenkommt, ohne dass ein Schleudertrauma produziert wird. Stattdessen entfaltet sich sie Figurenanordnung vor uns wie das Fraktal einer Mandelbrot-Menge mit immer neuen Details in immer neuen Schichten hinter immer neuen Ecken.
Ein verzwacktes Was-wäre-wenn-Spiel in Kombination mit Rückschaufehlern und gewissermaßen auch einem Präventionsparadox. Kieślowski zelebriert den Zustand des Unauflösbaren, aber auch das Anerkennen des Menschseins des jeweiligen Gegenübers. Denn darin liegt die zukunftsgerichtete Hoffnung.
Und ich habe den Eindruck, dass sich das auch im Color-Grading dieser Episode spiegelt. Zum ersten Mal im Dekalog hatte ich das Gefühl, mich nicht in einer grauen und folglich ausweglos elenden Welt wiederzufinden. Hier sind die Farben viel gesättigter, intensiver, klarer und breit gefächerter als bisher.
Ein gelungenes Venn-Diagramm aus Liebe, Eifersucht und Obsession. Und die Erzählung von einem Mann, der alle drei Teilmengen als ein und dasselbe begreift. Der emotionale Gewalt anwendet, der manipuliert und seine Frau in eine psychische Abhängigkeit treibt. Das ist keine Liebe, sondern Versklavung.
Einem Leben nachzutrauern, das einem angeblich vorenthalten wurde, ist vergiftete Trauer. Es ist keine Trauer nach dem Tod eines Menschen, sondern die Wut darüber, dass angebliche Ansprüche verwehrt wurden.
Aus dieser Wut wird schließlich Neid – Neid auf die Version seiner selbst, die vielleicht hätte sein können. Dieser Neid verunmöglicht es, mit der Vergangenheit Frieden zu schließen, im Moment zu leben oder sich selbstwirksam eine Zukunft vorzustellen.
Der Kern des Gesprächs scheint mir tatsächlich im Grundrauschen der tagesaktuellen Politik(-Berichterstattung) sehr oft unterzugehen. Wie oft werfen Parteifunktionäre direkt das scharfe Schwert des Rechtsweges in den Raum, ohne sich um eine tatsächlich politische Lösung, die dann mitunter auch diplomatisches Geschick abverlangt, zu kümmern? Es scheint mir immer öfter vorzukommen. Aber ist das gewissermaßen nicht auch ein geworfenes Handtuch im demokratischen Ring?
„Das müssen jetzt die Gerichte entscheiden", sollte letztlich doch am Ende jeder demokratischen Bemühung stehen. Stattdessen scheint es immer mehr als Abkürzung zu einem gewünschten Ergebnis begriffen zu werden. Doch darin liegt eine extreme Gefahr – nämlich dass Gerichte fälschlicherweise zunehmend als politische Akteure wahrgenommen werden und das Vertrauen in den demokratischen Prozess immer weiter abnimmt, weil es immer weniger gibt, was öffentlich und zivilisiert ausdebattiert wird.
Die (Almost) Dialies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
Katharina Rustler schreibt im Standard darüber, ob und wie sich ein Museumsbesuch mit Kleinkind bewältigen lässt.
Bevor Kleinkinder mehr Action und Bewegungsfreiheit brauchen und das Technische oder Naturhistorische Museum zu klassischen Schlechtwetter-Ausflugszielen in Wien werden, können sich Eltern mit Babys ihre kulturelle Me-Time an einem ruhigen, wohltemperierten Ort gönnen. Zumindest in der Theorie.
Klar, viel dreht sich um Wien, aber das übergeordnete Thema vom Spannungsfeld zwischen Elternschaft und kultureller Teilhabe ist natürlich universell.
Willkommen fühlt man sich aber nicht immer: In fast allen Museen ist das Trinken (auch Leitungswasser) und Essen mitgebrachter Lebensmittel (auch trockenes Brot) strengstens verboten – eine nachvollziehbare Maßnahme, um die ausgestellten Kunstwerke zu schützen. Wird einem aber wie in der Albertina oder im KHM das Stillen des eigenen Säuglings in einer Ausstellung untersagt – da dies unter Nahrung falle, so die Erklärung –, kommen Zweifel an der Auslegung dieser Regelung auf. Was genau soll denn passieren?
Moritz Baumstieger scheibt in der Süddeutschen (€), in welchen Fällen entblößte Brüste im Museum wiederum sehr willkommen sind – und in diesem Zusammenhang im NRW-Forum Düsseldorf für eine sicherheitshalber selbstgewählte Altersbeschränkung geführt hat.
Die Folge: eine selbstauferlegte Einschränkung, erst ab 18 Jahren. Und eine enorme Steigerung des Interesses, denn nichts lockt verlässlicher als der Reiz von Verboten. Obwohl: Jeder Halbwüchsige weiß, wo er im Netz Videobeweise für all die Explizitäten findet, die im NRW-Forum ausgestellt sein werden. Wenn also Minderjährige versuchen werden, mit gefälschten Ausweisen ins Museum zu kommen, dann wohl nur, um echte Kunst zu sehen[...].
Simon Berlin und Martin Fehrensen schreiben im aktuellen Briefing ihres Social Media Watchblogs sinngemäß davon, dass OpenAI mit GPT-5 erschreckend vielen Menschen sozusagen eine Bezugsperson weggepatcht hat.
Eine Personengruppe hatten wir nicht auf dem Schirm: Menschen, die 4o als Freund, Gefährtin oder Partner empfanden. Für sie war der Modellwechsel kein funktionales Upgrade, sondern eine emotionale Katastrophe. Tausende beschweren sich bitterlich über OpenAI und klingen dabei, als trauerten sie um einen liebgewonnenen Menschen.
we should fund hallmark movies where a lady returns home for Christmas and her high school sweetheart looks like shit because he’s been worn down by the mundanity of small town life
Sehr Nische aber vielleicht findet es ja jemanden : ich würde unheimlich gerne einen Roman aus dem POV eines Influencers wie hubs . life lesen. Das hat für mich das Potenzial für Bret Easton Ellis Romane für das 21. Jhd.
Verdauen oder verdaut werden, das ist hier die Frage!
Foto: Alamode Filmverleih
Mišel Matičević spielt einen Menschen, der als Reaktion auf gemachte Erfahrungen nicht unbedingt blind geworden ist für den Kontext, in dem er lebt, sondern ihn aus Selbstschutz und einer Art Selbstverteidigungsreflex ausblendet – bewusst und unbewusst.
Daraus entwächst eine Paranoia inmitten eines Umfelds, in dem Matičevićs Figur die Wände aus allen denkbaren Richtungen immer näher kommen sieht – auch, weil er zunehmend davon überzeugt ist, mit seiner bloßen Existenz andere zu provozieren und herauszufordern.
Genial damit Hand in Hand geht die Szenerie, gehen die schier endlosen, verzweigten, tristen, trostlosen, labyrinthartigen (und offensichtlich unklimatisierten) Gänge dieses Pharma-Komplexes, die sich zunehmend albtraumhafter anfühlen – oder sogar wie die Eingeweide eines viel größeren Monstrums, in denen sich die Menschen ihrem Schicksal ergeben durch die Windungen drängen lassen.
Doch bei aller Bildstärke verstolpert sich der Film an anderer Stelle auch. Der Versuch, den uns zuvor aufgezeigten Erfahrungshorizont noch einmal aufzubrechen, verfolgt das Ziel, die Komplexität der Welt aufzuzeigen und sich einer Erzählung ohne Zwischentöne zu verweigern. Doch auf diesem engen Raum, der schließlich noch zur Verfügung steht, nimmt das fast schon relativierende Züge hinsichtlich Diskriminierungs- und Mobbingerfahrungen an.
Das ist besonders schade, weil ich nicht den Eindruck habe, dass der Film darauf hinaus möchte. Aber der Effekt hat sich für mich nun mal eingestellt.
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
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