Dekonstruiert Psychoanalyse, entlarvt patriarchale Strukturen und strengt übermäßig an
Foto: Universal Pictures Germany
Der Film macht keinen Hehl aus dem, was wir heute wissen: Die Psychoanalyse ist sehr viel näher an der Philosophie als an Psychiatrie und Psychologie. Außerdem produziert Cronenbergs Anordnung klar die Erkenntnis, dass auch die Psychoanalyse ihre Ableitungen ausgehend von eigenen patriarchalen Vorstellungen getätigt und soziale Konstrukte als naturgegeben wahrgenommen hat.
Das macht A DANGEROUS METHOD wiederum auch zu einem Film über Macht und Kontrolle, die Psychoanalyse zu einem Instrument, mit dem Frauen kontrolliert, geformt und geführt werden und die patriarchale Gesellschaftsordnung erhalten wird. Männer zehren parasitär von der von Frauen verrichteten Arbeit – sei es fachlicher Natur oder Care-Arbeit.
Unterm Strich war der Film also durchaus interessant, aber leider auch ein ziemlich krampfhaftes Erlebnis. Denn thematisch erreicht der Film durchaus ein vielschichtiges Niveau. Nur den Figuren fehlt es letztlich an psychologischer Tiefe, was versucht wird, durch möglichst intensives Spiel zu kompensieren – was jedoch durchweg angestrengt und praktisch nie natürlich wirkt.
★★★☆☆
🇨🇭/🇬🇧/🇩🇪, R: David Cronenberg, D: Keira Knightley, Viggo Mortensen, Michael Fassbender, Sarah Gadon, Vincent Cassel, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures Germany
Vor 15 Jahren ist der Künstler gestorben. Die Zeit überdauert hat nicht nur sein Werk, sondern auch seine Themen. Die scheinen heute relevanter denn je.
Christoph Schlingensief bei der Berlinale 2010 (Foto: Siebbi unter CC BY 3.0)
Christoph Schlingensief ist heute vor 15 Jahren gestorben. Was ihn immer noch – oder: schon wieder – so gegenwärtig macht, hat Thomas Wortmann von der Uni Mannheim im Gespräch mit Ulrich Biermann bei Corso im Deutschlandfunk erklärt.
Gegenwärtig macht ihn, dass die Gegenwart ihn in gewisser Weise eingeholt hat. Also Schlingensief hat ja in den 90ern schon Themen gesetzt wie Rassismus, Extremismus, Rechtsextremismus, auch Geschichtsrevisionismus. Fragen wie Inszenierung von Politik, inwiefern Oberfläche wichtiger wird als die Inhalte. Und das wirkt natürlich alles heute erschreckend aktuell.
Aus gegebenen Anlass steht derzeit auch Bettina Böhlers großartige Annäherung an Christoph Schlingensief, IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN, kostenlos bis zum 20. November 2025 in der ARD-Mediathek. Ich habe den Dokumentarfilm 2020 tatsächlich im ersten Corona-Sommer im Kino gesehen und war sehr inspiriert.
Jetzt will ich auch mal Stefan Niggemeiers Kolumne über die verwirrende und irritierende Untertitel-Praxis bei Arte hier ins Blog heben, weil der Text bei Übermedien mittlerweile auch ohne Paywall verfügbar ist. Und ich will doch einfach nur meinen Film genießen 😫:
Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!
The monolith is in 2001 was supposed to be a transparent trapezoid, as Kubrick worked out with Arthur C Clarke during the story writing phase. The props company he hired in London could not make such a thing from lucite, so they made a rectangular object that was ultimately spray-painted black.
Applaus für Dänemark! (jedenfalls in dieser Hinsicht)
Um wieder mehr Menschen zum Lesen zu bringen, will Dänemark die Mehrwertsteuer auf Bücher abschaffen. Das kündigte am Mittwoch Kulturminister Jakob Engel-Schmidt an, der das Land in einer "Lesekrise" sieht. Dänemark hat mit 25 Prozent die europaweit höchste Mehrwertsteuer auf Bücher.
Mascha Schilinskis IN DIE SONNE SCHAUEN ist zum deutschen Oscarbeitrag auserkoren worden. Seit die Filmemacherin damit bereits in Cannes viel Lob einheimsen konnte, bin ich sehr gespannt auf den Film. Kinostart in Deutschland ist der 28. August 2025, vereinzelte Premierevorführungen finden bereits vorher statt.
Ich bin ein großer Fan von Sprachmemos an mich selbst. So entlade ich etwa meinen Bewusstseinsstrom nach einem Film direkt in mein Smartphone, um diese Gedanken später am Rechner zu ordnen und sie halbwegs lesbar hier zu veröffentlichen. Oder wenn ich mit Podcast auf den Ohren unterwegs bin und ich zu dieser einen Stelle jetzt wirklich Meinung loswerden muss. All das transkribiere ich mit dem Tool Macwhisper und das ist gerade noch einmal um längen besser geworden:
Tobias Nowak berichtet bei @mediasres im Deutschlandfunk über den Stellenwert, den Games in der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben: „[...]aber die Spiele selbst, die stehen nur selten journalistisch im Mittelpunkt. Und bei den öffentlich-rechtlichen schon gar nicht." Ich finde unter anderem, dass guter Spielejournalismus auch immer guter Kultur- und Wirtschaftsjournalismus sein muss:
So. Sabbatical Übereinkunft unterschrieben, in der Zeiterfassung für den September ausgeplant.
Ich schreibe im September ein Buch darüber, wie der Tech Sektor uns die Zukünfte geraubt hat.
Kommt dann 2026 raus.
Kerstin Schweighöfer und Jan-Christoph Kitzler haben sich für den Hintergrund im Deutschlandfunk damit beschäftigt, wie unter anderem Buchungsportale wie Booking.com Geschäfte mit Vermittlungen im von israelischen Siedler:innen völkerrechtswidrig besetzten Westjordanland machen. Mehrere NGOs haben den niederländischen Konzern deshalb nun angezeigt.
Claire Denis spielt mit einer zentralen begrifflichen Doppeldeutigkeit.
Foto: Arena Films, France 2 Cinéma
Claire Denis fängt schon ganz gut das Gefühl ein, nicht von der Stelle zu kommen, gefangen zu sein, stecken zu bleiben, in Geiselhaft seiner eigenen Entscheidungen zu sein, in seinem eigenen Leben zu versauern.
Das zentrale Thema ist die Doppeldeutigkeit von Perspektivlosigkeit. Einerseits beschreibt sie einen hoffnungslosen Blick in die Zukunft, andererseits einen Mangel an Perspektive auf das eigene Leben, einen Mangel an Selbstvergewisserung.
Ich bin nur nicht der allergrößte Fan davon, all das in diese Verkehrsinfarkt-Metapher einzubetten. Das ist mir irgendwie zu platt.
★★★½☆
🇫🇷, R: Claire Denis, D: Valérie Lemercier, Vincent Lindon, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Arena Films, France 2 Cinéma
Jetzt will ich auch mal Stefan Niggemeiers Kolumne über die verwirrende und irritierende Untertitel-Praxis bei Arte hier ins Blog heben, weil der Text bei Übermedien mittlerweile auch ohne Paywall verfügbar ist.
Es mag ein vergleichsweise kleines Problem sein, aber auch ich ärgere mich immer wiede enorm über die Untertitelungspolitik bei meinem doch so sehr geliebten europäischen öffentlich-rechtlichen Sender.
Niggemeier schreibt mit Bezug zur US-amerikanischen Serie Mad Men, die gerade mit allen sieben Staffeln bei Arte in der Mediathek steht:
Aber Untertitel in anderen Sprachen als Französisch sind bei arte Mangelware, und das betrifft auch „Mad Men“. Deutsche oder englische Subtitles zur deutschen oder englischen Version? Fehlanzeige.
Auch zu ertragen ist das leider bei Ramy oder Top of the Lake. Dass die (Web-)App eine oft einfach nicht funktionierende Option zum Deaktivieren von Untertiteln anbietet, habe ich mittlerweile zähneknirschend akzeptiert.
Warum das so ist, hat Niggemeier bei der Arte-Pressestelle erfragt:
Das war, auch wenn es so wirkte, kein technischer Fehler. arte hatte nach Angaben der Pressestelle von den Rechteinhabern „lediglich Originalfassungen mit eingebrannten französischen Untertiteln zur Verfügung gestellt“ bekommen. „Eine Originalfassung ohne Untertitel lag uns nicht vor und war von unserem Vertrag auch nicht umfasst.“
So weit, so halbwegs nachvollziehbar, aber noch lange nicht akzeptabel. Mir besonders wichtig ist es nicht, englische Inhalte mit deutschen Untertiteln schauen zu können – die brauche ich auch dieser Stelle nicht. Aber ich will französische, spanische, finnische oder japanische Inhalte in der Originalfassung schauen! Dass die in der Regel angeboten wird, hebt Arte auch immer wieder gerne hervor. Doch auf ein europäisches Publikum ist das dann eher nicht zugeschnitten, wenn die Untertitel in meiner gewünschten Sprache einfach nicht eingekauft werden.
Arte hat Niggemeier noch ein bisschen mehr über Sehgewohnheiten usw. erzählt. Mir ist also klar, dass ich als tendenziell cinephiler Mensch eher einer Minderheit angehöre. Aber ich will doch einfach nur meinen Film genießen und wie oft habe ich schon die Original-Tonspur ausgewählt und dann bei den Untertiteln in die Röhre geschaut? 😫
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
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