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Feuilleton & Firlefanz

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Gesehen: Have You Seen This Woman? (2022) - Existenzielles Erinnern

Wie Menschen zu Geistern werden, ohne zu sterben

Gesehen: Have You Seen This Woman? (2022) - Existenzielles Erinnern
Foto: Non-Aligned Films

Der Titel ist als direkte Frage an uns als Publikum zu verstehen: Haben Sie diese Frau gesehen? Um die Antwort zu formulieren, müssen wir uns mitunter unbequemen Wahrheiten stellen. Denn wortwörtlich eine Frau wie die Protagonistin(nen) gesehen hat bereits jede*r von uns. Doch wie oft haben wir – als Individuen und als Gesellschaft – schon durch Frauen wie sie entweder hindurchgesehen, oder sie gar (vor)verurteilt, bemitleidet oder belächelt?

Die Protagonistin ist den ganzen langen Tag damit beschäftigt, nicht endgültig zu entschwinden, sich irgendwie noch an der Welt festzuklammern. Sie muss permanent an ihre Existenz erinnern – durch das Verteilen von

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Gesehen: This Closeness (2023) - Entfernte Nähe

Von Räumen, die Verhalten diktieren

Gesehen: This Closeness (2023) - Entfernte Nähe
Foto: Mubi

Ein beklemmendes Spiel mit Nähe, Distanz und komplett entrückten Orten. Drei, manchmal auch vier Menschen sind in dieser Wohnung, und damit auf engstem Raum, ganz nah beieinander – und gleichzeitig (innerlich) unendlich weit voneinander entfernt. Diesem Ort haftet etwas irritierend Klinisches und Kaltes an. Es scheint, als ob die Wohnung durch ihre Eigenschaften das Verhalten der Menschen diktiert – genau wie die virtuellen Räume, in denen Protagonisten wesentliche Teile ihres Lebens verbringen, vom Drehen von ASMR-Videos, über Super Smash Brothers bis zu Tinder.

★★★½☆

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Gesehen: i hate myself :) (2013) - Nie endende Selbstvergewisserung

Strukturell erstaunlich nahe am aktuellen Youtube-Meta

Gesehen: i hate myself :) (2013) - Nie endende Selbstvergewisserung
Foto: Joanna Arnow

Spannend, wie hier die Kamera als Instrument des Zweifels zum Einsatz kommt. Joanna Arnow lässt sich von der Kamera die eigene Wahrnehmung bezeugen. Die Kamera ist die zweite eingeholte Meinung nach einer schmerzhaften Diagnose. Das gesammelte Bildmaterial wird zur Überprüfung als vermeintlich fertiger Film immer mehr Menschen gezeigt, deren gefilmte Reaktionen dann wiederum Teil des Films werden. Es ist, ab ob sich Joanna Arnow wie heute das Publikum Reaction-Youtuber*innen die (ihre) Welt nur durch einen Filter wahrnehmen kann, weil sie verlernt hat, sich selbst und ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.

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Gesehen: Bugonia (2025) - Getrieben im Weitwinkel

Die Eskalation ist im Plattformkapitalismus ein Feature, kein Bug

Gesehen: Bugonia (2025) - Getrieben im Weitwinkel
Foto: Universal Pictures International Germany

Durch die mit Weitwinkelobjektiven ausgestatteten Handkameras strahlt dieser Film etwas Getriebenes, manchmal auch Desorientierendes aus. Damit rückt der Film über seine Ästhetik unser Filmerleben als Publikum nah an das des von Jesse Plemons gespielten Verschwörungsideologen heran.

Ein traumatisches Erlebnis, eine traumatische Phase hat diese Figur mit aller Gewalt aus der Bahn gestoßen. In Ermangelung an funktionierenden Fangnetzen befindet sie sich seitdem im Fall ins Bodenlose, in einen algorithmisch gesteuerten Strudel.

Dass große (Tech-)Konzerne mit ihren Plattformen wissentlich nicht nur psychische Schäden anrichten und sogar an der Eskalation von Gewalt teilhaben, ist offenkundig keine Verschwörungstheorie, sondern belegte Tatsache.

Die Eskalation

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Gesehen: Both Sides of the Blade (2022) - Der dünne Firnis der Liebe

Claire Denis findet überall Schnittmengen mit dem Kolonialismus

Gesehen: Both Sides of the Blade (2022) - Der dünne Firnis der Liebe
Foto: Arsenal Filmverleih

Wie dünn doch der Firnis der Liebe ist und wie unangenehm wahrhaftig sich das alles anfühlt... Ständig wird geschwiegen, aber die Blicke und vorsichtigen Berührungen sprechen unüberhörbare Worte. Menschen verdrängen, verweigern, versprechen, vergessen und versagen. Sie verlieren sich in sich selbst, in einem anderen Menschen, immer im falschen, nie im richtigen. Die Scham hüllt den Mantel des Schweigens um jeden Konfliktherd.

Genau diese Dynamik hat – wie soll es bei Claire Denis auch anders sein – eine bemerkenswert große Schnittmenge mit der Kolonialgeschichte Frankreichs, die hier immer wieder mit den Figuren verwoben wird. Es wird lieber geschwiegen, verdrängt, verklärt, verwaschen, solange die

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Gesehen: Love Me (2024) - Falsche Perspektive

Kann man schon von oben herab machen, ist dann halb nicht produktiv...

Gesehen: Love Me (2024) - Falsche Perspektive
Foto: AgX, 2AM, Shivhans Pictures

In seiner Analyse, den formulierten Botschaften und den Gedanken darüber, was es heißt, Mensch zu sein in einer Welt, die (scheinbar) permanente Performance abverlangt, ist dieser Film nahezu unerträglich selbstgefällig.

Natürlich ist da etwas dran, dass wir irgendwann den Zugang zu uns selbst, unseren Gefühlen und auch unseren Gegenübern verlieren, wenn wir den lieben langen Tag damit beschäftigt sind, eine Illusion aufrechtzuerhalten.

Aber wie blindlings die Komplexität der zahlreichen hier ineinandergreifenden Abhängigkeiten ignoriert wird, führt nicht etwa dazu, dass das Wesentliche hervortritt. Es banalisiert so lange, bis von der vielleicht noblen Idee nur noch ein paar Kalendersprüche übrig bleiben.

Letztlich

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