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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 220

Gesehen: Mutter (2022) - Einfach existieren?

Eine intelligente Aneinanderreihung von komplexen Herausforderungen

Gesehen: Mutter (2022) - Einfach existieren?
Foto: WDR, Tom Trambow

Intelligente Aneinanderreihung von komplexen Herausforderungen, denen man sich als Frau und Mutter zu stellen hat, wenn man einfach nur existieren will. Durch seinen etwas gekünstelten Stil schafft es der Film, ein wirklich unangenehmes Gefühl der Isolation aufziehen zu lassen und damit die Erfahrungen seiner Frauenfiguren formal zu spiegeln.

Letztlich habe ich mich jedoch gefragt, ob dieses Arrangement von Vignetten und Schlaglichtern als Film funktioniert. Denn die Form zeigt relativ schnell Abnutzungserscheinungen und beginnt, ermüdend zu werden. Wäre das Theater mit diesen formellen Werkzeugen nicht der viel bessere Ort? Ich glaube schon. Und ja, ich bin mir der Ironie sehr bewusst,

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Gesehen: Sörensen fängt Feuer (2023) - Distinktiv albern

Runde zwei für Sörensen

Gesehen: Sörensen fängt Feuer (2023) - Distinktiv albern
Foto: NDR, Michael Ihle

Runde zwei für Sörensen und auch hier ist Bjarne Mädel wieder hoch anzurechnen, dass er sich inmitten des deutschen Krimi-Einheitsbreis so sehr um visuelle Distinktion bemüht. Auch hier findet er wieder aus spannenden Winkeln heraus schöne Motive, spielt in der Bildsprache gekonnt mit Architektur. Aber genauso gibt es visuelle Gags wie die zum Heiligenschein werdende Deckenlampe, die einfach nur albern sind.

Den Fall habe ich als adäquat zeitgeistig empfunden, nur will er sich nicht richtig in das entworfene Universum einfügen. Ein Geschmäckle haben ein paar Randbemerkungen zu Sexismus und Feminismus, weil doch gerade einem Film mit psychisch erkrankter Hauptfigur klar

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Gesehen: Swan Song (2021) - Schmerzraum

Ob des unendlichen Schmerzes nicht zu verbittern, ist eine Kunst

Gesehen: Swan Song (2021) - Schmerzraum
Foto: Plaion Pictures

Es ist sehr bemerkenswert, wie dieser Film auf Bilder und Beschreibungen von Tod, Leid und Elend verzichtet, obwohl der Schmerz der AIDS-Epidemie so tief sitzt, die hinterlassene Schneise der Zerstörung so gewaltig ist. Und trotzdem transportiert SWAN SONG dieses Gewicht immer spürbar mit und geht mit weit geöffneten Armen auf seine Figuren und allen anderen zu, die durch diese Zeit gegangen sind, in der Familie, Freunde und Partner wie die Fliegen weggestorben sind, während Politik und Gesellschaft nicht viel mehr als die eiskalte Schulter übrig hatten. SWAN SONG erzählt ohne Verbitterung oder gar Rachegelüste, sondern gibt dem Schmerz und der

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Gesehen: Pickpocket (1959) - Filmhistorisches Destillat

Ein Film des Zehrens

Gesehen: Pickpocket (1959) - Filmhistorisches Destillat
Foto: BFI

Moral, Schuld, Verantwortung, Grenzen, Notwendigkeiten, Lebensgründe – Robert Bressons Film ist auch 14 Jahre nach Kriegsende noch geprägt von den drängenden Fragen und gesellschaftlichen Realitäten dieser und der Nachkriegszeit. Mit einem Film, der selbst noch von Elementen des Poetischen Realismus und Einflüssen des italienischen Neorealismus zehrt, arbeitet sich Bresson in eine neue Zeitrechnung vor. Denn aus den Trümmern des Krieges ist wieder eine Gesellschaft auferstanden, in der Wohlstand zwar existiert, jedoch nicht für alle da ist – was wiederum auch Teil des Nährbodens der beginnenden Nouvelle Vague war.

All das macht PICKPOCKET für mich zu einem großartigen (film-)historischen Destillat.

★★★★☆

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Gesehen: Misery (1990) - Hoheitskämpfe

Im Kern geht es um die Kunst

Gesehen: Misery (1990) - Hoheitskämpfe
Foto: Capelight Pictures

Dieses Bild des gottgleichen kosmopolitischen Literaten, der vom einfältigen Landei hochstilisiert wird, ist selbstverständlich eine im Kern misogyne Erzählung. MISERY jedoch ausschließlich über diesen Kamm zu scheren, scheint mir dann aber doch zu einfach. Denn gelesen werden kann aus dem Film tatsächlich auch ziemlich viel über das Verhältnis von Kunstschaffenden zu ihrer Kunst zu den Rezipient*innen. So ließe sich durchaus argumentieren, dass die Figur des Paul Sheldon sein eigenes Leid immer größer werden lässt, weil er so verbissen auf der Kontrolle der Protagonistin seiner Bücher und ihrer Geschichte beharrt. Doch sobald Kunst™ einmal in der Welt ist, gehört die

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Gesehen: Following (1998) - Abschluss ohne Schule

Manchmal kann Arroganz auch ganz produktiv sein

Gesehen: Following (1998) - Abschluss ohne Schule
Foto: Pandastorm Pictures

Das hat sich nach dem Debüt eines Filmhochschulabsolventen angefühlt, obwohl Nolan nie eine Einrichtung dieser Art besucht hat. So sehr kreist FOLLOWING um die eigene Kunstform, denkt über das Parasitäre, Übergriffige und Invasive von Film im Speziellen und Kunst im Allgemeinen nach, lotet die Grenzen zur Aneignung aus. Das geht mit einer gehörigen Portion Eitelkeit und Arroganz daher, die der Nolan mit diesem Film jedoch dermaßen selbstbewusst und cocky vor sich herträgt, dass das dabei Zusehen wieder Spaß macht.

★★★☆☆

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