Skip to Content

Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 205

Gesehen: Letzter Abend (2023) - Napalmgetränkter Ameisenhaufen

...und Lukas Nathrath hat die Lupe schon in der Hand.

Gesehen: Letzter Abend (2023) - Napalmgetränkter Ameisenhaufen
Foto: Filmwelt Verleih

Wie dieser Film sich selbstbewusst über die Grenzen des Bildausschnittes hinwegsetzt, in den umliegenden Raum übergreift und den konsequent unter Strom setzt… Chapeau! LETZTER ABEND gehört damit, obwohl ich gar nicht so viele Vergleichswerte habe, zu den guten Corona-Filmen. Er verortet sich explizit in einem dieser Pandemie-Sommer, spielt offensiv mit den Eigenheiten dieser kurzen Momente der Unbeschwertheit zwischen den kälteren Jahreszeiten mit explodierenden Inzidenzen und lässt dann die Hölle losbrechen.

Die Anordnung des Films gleicht einem in Napalm getränkten Ameisenhaufen, der mit Hilfe einer Lupe unter gleißendem Sonnenlicht in Brand gesetzt wird. In diesem Flammeninferno kommen aufgestaute und verdrängte Gefühle sowie schmerzhafte Wahrheiten zum Vorschein. Eine Flucht ist ausschließlich nach unangenehmen, quälenden und existenziellen Entscheidungen möglich.

Der Film erzeugt immens viel Reibung und das ist prinzipiell eine sehr gute Sache. Nur sehe ich mich eher in dem Lager, das die Mittel zum Erreichen dieses Zwecks nicht immer gut ausgewählt findet. Denn eingangs fußt die Gemengelage vor allem auf sehr schablonenartiger Figurenzeichnung, derer sich der Film später zwar zunehmend entledigt, aber Geschehenes damit eben nicht vergessen machen kann.

★★★½☆

🇩🇪, R: Lukas Nathrath, D: Sebastian Jakob Doppelbauer, Pauline Werner, Susanne Dorothea Schneider, Nikolai Gemel, Isabelle von Stauffenberg, Valentin Richter, Julius Forster, Nils Rovira-Muñoz, Amelle Schwerk, Pascal Houdus, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Filmwelt Verleih

Letzter Abend - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Letzter Abend” heute auf Netflix, Prime Video & Co. sehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★★★½ review of One Last Evening (2023)
Wie dieser Film sich selbstbewusst über die Grenzen des Bildausschnittes hinwegsetzt, in den umliegenden Raum übergreift und den konsequent unter Strom setzt… Chapeau! LETZTER ABEND gehört damit, obwohl ich gar nicht so viele Vergleichswerte habe, zu den guten Corona-Filmen. Er verortet sich explizit in einem dieser Pandemie-Sommer, spielt offensiv mit den Eigenheiten dieser kurzen Momente der Unbeschwertheit zwischen den kälteren Jahreszeiten mit explodierenden Inzidenzen und lässt dann die Hölle losbrechen. Die Anordnung des Films gleicht einem in Napalm getränkten Ameisenhaufen, der mit Hilfe einer Lupe unter gleißendem Sonnenlicht in Brand gesetzt wird. In diesem Flammeninferno kommen aufgestaute und verdrängte Gefühle

Gesehen: Documenteur (1981) - Poetischer Feminismus

Mehr als 40 Jahre nach Erscheinen immer noch bereichernd

Gesehen: Documenteur (1981) - Poetischer Feminismus
Foto: Ciné-Tamaris

Hat sich für mich mehr nach narrativem Essay statt nach Spielfilm angefühlt. Das wertet DOCUMENTEUR natürlich nicht automatisch ab. Denn Agnès Vardas Ergründung der Begriffe von Heimat, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Zuhause aus weiblicher und feministischer Perspektive findet nicht nur poetische Bilder, sondern lässt sich auch mehr als 40 Jahre nach Erscheinen sehr erkenntnisbringend schauen: Wie bedingen sich diese Begriffe gegenseitig? Wo und wie verlaufen die Grenzlinien? Welche Rolle spielen Sprache, ökonomischer Status, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, romantisches und sexuelles Begehren sowie Kinder- und Familienwunsch?

Dass Varda diesen Prozess in den Umzug ihrer Protagonisten von Frankreich an die US-Westküste nach Los Angeles einbettet, kann nur als sehr persönlich gelesen werden, ist diese Stadt für Filmschaffende im Grunde genommen ein mystischer Verheißungsort – der hier mit klarem Blick demystifiziert und dekonstruiert wird.

🇫🇷, R: Agnès Varda, D: Sabine Mamou, Mathieu Demy, Lisa Blok-Linson, Tina Odom, Gary Feldman, Charles Southwood, Chris Leplus, Andrew Meyer, Barry Farrell, Tom Taplin, Delphine Seyrig, Suzanne Finn, Gerard Jullian, Fred Ricker, Kelly Ricker, Agnès Varda, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Ciné-Tamaris

Menschengesichter - Stream: Jetzt Film online anschauen
Wo und wie heute “Menschengesichter” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A review of Documenteur (1981)
Hat sich für mich mehr nach narrativem Essay statt nach Spielfilm angefühlt. Das wertet DOCUMENTEUR natürlich nicht automatisch ab. Denn Agnès Vardas Ergründung der Begriffe von Heimat, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Zuhause aus weiblicher und feministischer Perspektive findet nicht nur poetische Bilder, sondern lässt sich auch mehr als 40 Jahre nach Erscheinen sehr erkenntnisbringend schauen: Wie bedingen sich diese Begriffe gegenseitig? Wo und wie verlaufen die Grenzlinien? Welche Rolle spielen Sprache, ökonomischer Status, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, romantisches und sexuelles Begehren sowie Kinder- und Familienwunsch? Dass Varda diesen Prozess in den Umzug ihrer Protagonisten von Frankreich an die US-Westküste nach Los Angeles

Mein Podcastjahr 2023

Mein Podcastjahr 2023
Foto: Mohammad Metri / Unsplash

Die Podcast-App meines Vertrauens, Pocket Casts, bastelt mir auch jedes Jahr ein #Wrapped im Stil von Spotify zusammen. Das so geballt zu sehen, gibt mir schon zu denken – muss ich wirklich jeden Fußweg mit Podcasts beschallen und auch in anderen freien Minuten die Stille verdrängen? Vermutlich werde ich das 2024 etwas zurückschrauben – auch aus psychohygienischen Gründen. Dafür werden sicherlich ein paar langjährige Abos über die Klinge springen müssen. Kein Angst haben muss natürlich mein absoluter Lieblings-Podcast: CUTS - Der kritische Film-Podcast von und mit Christian Eichler. Ich habe schon immer viel zu Filmen gelesen und gehört, aber nichts davon hat in den vergangenen Jahren meinen Blick auf bewegte Bilder so nachhaltig bereichert wie CUTS mit all den tollen Gäst:innen.

Mein Bücherjahr 2023

Mein Bücherjahr 2023
Foto: Ed Robertson / Unsplash

Hinter mir liegt ein Jahr, in dem ich es mir vorgenommen und auch geschafft habe, wieder regelmäßig zu lesen. Da ich im Gegensatz zu Filmen wirklich keine Ahnung habe, welchen Stimmen ich vertrauen kann, habe ich einfach queerbeet „viel“ ausprobiert. Nicht fehlen durften dabei Der Mauersegler von Jasmin Schreiber und Vor dem Fest von Saša Stanišić. Ihr Marianengraben und sein Herkunft haben mich damals™ durch die ersten Pandemiewochen begleitet. Hier im Blog habe ich zu beiden und auch allen anderen gelesenen Büchern meine Gedanken niedergeschrieben. Für 2024 bin ich als großer Freund dieser Art des Medientrackings noch auf der Suche nach einer guten Goodreads-Alternative. Aktuell finde ich The StoryGraph ganz okay und probiere das mal aus.

Gesehen: A Swedish Lovestory (1970) - Schwedische Einsamkeit

Roy Anderson trifft humoristische Noten inmitten eines ernsten Arrangements.

Gesehen: A Swedish Lovestory (1970) - Schwedische Einsamkeit
Foto: Europa Film

Spannend, ich erinnere nicht, jemals einen Film gesehen zu haben, der sich im Kern mit dem schwedischen Problem der Einsamkeit und den daraus resultierenden Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit auseinandersetzt. Roy Andersson spielt dafür viele humoristische Noten, trifft aber gleichermaßen auch die ernsteren Töne und verpackt einen in die Magengrube schlagenden Alb- im Sommernachtstraum, dem die optimistische Grundstimmung jedoch nie gänzlich verloren geht. Denn dass sich junge Menschen immer noch für die Liebe entscheiden, obwohl ihnen nur deren Scheitern vorgelebt wird, ist doch ein Bild voller Hoffnung. Denn wenn man nicht nur beieinander, sondern auch miteinander ist, ist die Welt und das Leben ein bisschen besser.

Die Grenze zur Naivität überschreitet der Film dabei nie, das stellt Andersson sicher – etwa, indem er seinen Film in einer (wahrscheinlich psychiatrischen) Klinik eröffnet. Dort meint ein Patient zum anderen, dass bald alles anders werde, weil ja nun die Sozialdemokraten kämen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Der Film erschien in einer Zeit, in der die Regierung erst kurz vorher von einem Sozialdemokraten an den nächsten weitergereicht wurde. Alles ändert sich und bleibt doch gleich. Es bleibt aussichtslos und erzeugt gleichermaßen ein wohliges Gefühl von sicherer Beständigkeit. Nur dieser eine Halbsatz des Patienten macht diese schwedische Liebesgeschichte auch zu einer gesellschaftspolitischen Kritik.

★★★½☆

🇸🇪, R: Roy Andersson, D: Rolf Sohlman, Ann-Sofie Kylin, Bertil Norström, Lennart Tellfelt, Anita Lindblom, Margreth Weivers, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Europa Film

Eine schwedische Liebesgeschichte - Stream: Online
Wo und wie heute “Eine schwedische Liebesgeschichte” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★½ review of A Swedish Love Story (1970)
Spannend, ich erinnere nicht, jemals einen Film gesehen zu haben, der sich im Kern mit dem schwedischen Problem der Einsamkeit und den daraus resultierenden Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit auseinandersetzt. Roy Andersson spielt dafür viele humoristische Noten, trifft aber gleichermaßen auch die ernsteren Töne und verpackt einen in die Magengrube schlagenden Alb- im Sommernachtstraum, dem die optimistische Grundstimmung jedoch nie gänzlich verloren geht. Denn dass sich junge Menschen immer noch für die Liebe entscheiden, obwohl ihnen nur deren Scheitern vorgelebt wird, ist doch ein Bild voller Hoffnung. Denn wenn man nicht nur beieinander, sondern auch miteinander ist, ist

Mein Filmjahr 2023

Mein Filmjahr 2023
Foto: Denise Jans / Unsplash

Weiterhin gehören Filme fest zu meiner (nahezu täglichen) Routine. Ich liebe es, von guten Werken herausgefordert zu werden und darüber nachzudenken, warum die schlechten Werke nicht funktionieren. Gefreut habe ich mich darüber, Angela Schanelec und Alice Rohrwacher für mich entdeckt zu haben, über ganz viel Aki Kaurismäki bei Mubi und Yasujirō Ozu bei Arte. Klar geprägt sind die Zahlen davon, dass ich mich in diesem Jahr dazu entschieden habe, alle Teile von Rocky, Creed und Rambo nachzuholen. Das war nicht immer einfach 😅 Alles habe ich bei Letterboxd geloggt und dort zu allen 335 Filmen meine Gedanken aufgeschrieben.