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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 166

Gesehen: The Dreamers (2003)

Gesehen: The Dreamers (2003)
(c) Plaion Pictures

Das ist ein Film, der sich für mich nicht so angefühlt hat, als ob er selbst als Argument in eine Debatte mit einsteigen will, sondern vielmehr selbst das Spielfeld einer Debatte darstellt. Es scheint, als ob der Film stets damit beschäftigt ist, Beweise für die eigenen Behauptungen zu sammeln und gleichzeitig immer darum bemüht ist, sich selbst zu widerlegen.

Es ist ein Film, der aufreibt und die französischen Kinogötter in Frage stellt. War das Kino der 1960er nicht mehr als ein Papiertiger? Waren Godard und Co. letztlich mehr damit beschäftigt, Wasser auf die eigenen Mühlen zu geben, statt wirkliche Dinge zu bewegen? Hat Film überhaupt realpolitische Macht? Diese mit einem Vorwurf verbundene Frage ausgerechnet in filmischer Form zu stellen, produziert natürlich eine gewisse selbstironische Widersprüchlichkeit und darin liegt für mich auch der Wert von THE DREAMERS.

★★★★☆

BE/FR/IT/GB/US, R: Bernardo Bertolucci, D: Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel, Trailer, Wikipedia
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The Canvas: „The Art of Interpreting Art“

The Canvas: „The Art of Interpreting Art“
(c) Sean Grenier, The Canvas

Ein paar meiner Deutschlehrer*innen würden ob dieses Videos bestimmt ein paar Synapsen durchbrennen, so streng haben sie sich an den horizontbeschränkten Vorgabenkatalog bei Interpretationen gehalten.

Meine Philosophie heute: Natürlich kann das Wissen um die Lebensumstände Kunstschaffender eine neue Verständnisebene bei der Rezeption des Kunstwerks öffnen. Aber genauso gut gibt es eine Ebene, auf der die Intentionen der Schöpfer*innen völlig egal und es viel interessanter ist, was uns die Kunst etwa über unsere Gegenwart sagen kann.

Gesehen: In My Room (2018)

Gesehen: In My Room (2018)
(c) Pandora Film Verleih

Ulrich Köhler treibt Trauer als isolierende Erfahrung auf die Spitze. Seine Hauptfigur sieht sich dadurch jedoch in einer Situation, in der ökonomische Zwänge, gesellschaftliche Erwartungen und familiäre Verpflichtungen plötzlich gar keine Rolle mehr spielen. Er ist frei, kann loslassen – und verpasst es dabei, seine Trauer wirklich zu verarbeiten, seine Rolle als Mensch und Mann zu reflektieren.

Denn als plötzlich die Frau auftaucht, scheint für ihn klar zu sein, dass sie bei ihm bleibt. Es steht gar nicht zur Debatte, sich gemeinsam ein neues Domizil zu suchen. Sie lernt Deutsch, obwohl beide auch Englisch können. Sie ist es, die schwanger werden kann und das jedoch gar nicht möchte. Er übergeht ihren Willen wiederholt und steht am Ende wieder dort, wo er sich auch eingangs befand: in Isolation und Einsamkeit.

★★★½☆

DE/IT, R: Ulrich Köhler, D: Hans Löw, Elena Radonicich, Trailer, Wikipedia
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Book of Counter-Strike: So GEIL war die ESL Pro Series in CS 1.6

Book of Counter-Strike: So GEIL war die ESL Pro Series in CS 1.6
(c) Book of Counter-Strike

Als alter Nerd schaue ich gerne die Videos vom Book of Counter-Strike, schwelge in Erinnerungen und finde es auch ein bisschen bizarr, wie tief ich mal in der Szene steckte und was für eine Blackbox sie heute für mich ist.

Oft geht es da um bestimmte Maps oder einzelne Spieler*innen. Manchmal zoomen Videos aber auch ein Stück hinaus – wie hier über die ESL Pro Series, eine mittlerweile eingestellte Liga, die das Nonplusultra in Deutschland war.

Die habe ich so intensiv verfolgt, dass ich sogar den SMS-Ticker einer damaligen Szeneseite abonniert hatte, um sogar während meines Abiballs mich und ähnlich interessierte Freunde auf dem aktuellen Stand der Playoffs zu halten.

Gesehen: Eileen (2023)

Gesehen: Eileen (2023)
(c) Universal Pictures Germany

Auch dieser Twist kann meiner Meinung nach nicht darüber hinwegtäuschen, dass es schon arg transparent ist, mit welcher Strategie Eileen hier über das Schachbrett gezogen wird. Die junge in sich gekehrte Frau, die von ihrem traumatisierten und alkoholkranken Vater kleingehalten wird und sich dann verständlicherweise mit dem Auftauchen der hochgebildeten Kosmopolitin Rebecca in diesem verschlafenen Nest zu ihr hingezogen fühlt, das haben wir in jeder möglichen Variation bereits tausendmal gesehen. Eileen ist nicht unbedingt von der Frau betört, sondern von dem, für was sie steht: Freiheit, Unabhängigkeit und das Frausein. Der Plottwist fühlt sich dann wie ein billiger Knalleffekt an. Eine stetige Eskalation hätte der Hauptfigur wahrscheinlich besser getan.

Interessanter wird es dann schon, wenn man sich anschaut, warum Thomasin McKenzie eine herausragende Wahl für Eileen ist. Durch ihre äußere Erscheinung mit einem extrem jungen Gesicht und dem Körper einer Frau Anfang 20 kann sie ihrer Figur perfekt ein Leben über jede Dialogzeile hinausgehend einhauchen. Gepaart wird das damit, dass Eileen zunächst etwa weite Strickklamotten und später figurbetonte Kleider trägt – nicht, weil ein männliches Publikum dann „Jetzt ist sie eine richtige Frau“ grunzen kann, sondern weil sich Eileen Zugang zu ihren Bedürfnissen und ihrem Begehren findet und sich damit immer wohler fühlt und selbstsicherer fühlt.

Was meiner Meinung nach nur halbherzig Beachtung findet, ist das Machtgefälle zwischen Thomasin McKenzies Eileen und Anne Hathaways Rebecca sowie Eileens soziopathische Tendenzen, die möglicherweise aus einer Schutzreaktion auf den emotionalen Missbrauch durch den Vater erwachsen sind. Der von Erlösungs- und Rachefantasien gepflasterte Weg zum großen Befreiungsschlag fühlt sich leer an, weil er es wahrscheinlich tatsächlich ist.

★★★☆☆

GB/US, R: William Oldroyd, D: Thomasin McKenzie, Anne Hathaway, Shea Whigham, Marin Ireland, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Barbarella (1968)

Gesehen: Barbarella (1968)
(c) Paramount Pictures Deutschland

Was für ein trashiger Fiebertraum, der über weite Strecken alleine dadurch unterhält, Rollenbilder zu unterlaufen und mit Erwartungen zu brechen. Sexualität und Sex müssen von jeglicher Scham befreit werden. Es handelt sich hier nicht um unkontrollierbare Triebe, die überwunden werden müssen. Vielmehr bedarf es eines enttabuisierten Umgangs damit, da auch dadurch gesellschaftliche Machtstrukturen offengelegt werden können.

Gleichzeitig kann sich der Film natürlich auch selbst nie wirklich freimachen von der männlichen Kamera, weird sexualisierten Momenten und holpriger Provokation, die mitunter ausbeuterische Züge annimmt. Die Exploitation-Gratwanderung will nicht immer gelingen.

★★½☆☆

FR/IT/US, R: Roger Vadim, D: Jane Fonda, John Phillip Law, Anita Pallenberg, Marcel Marceau, Claude Dauphin. Milo O’Shea, Trailer, Wikipedia
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