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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 154

Gesehen: Le genou de Claire (1970)

Gesehen: Le genou de Claire (1970)
(c) Studiocanal

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in den vergangenen Wochen immer mal wieder mit den Vorwürfen gegen Anissa Baddour und Simon Unge(€) beschäftigt habe. Jedenfalls erzählt LE GENOU DE CLAIRE immens viel über unsere Gegenwart samt Internet als Erweiterung des öffentlichen Raums und das Influencer*innen-Milieu.

Wir bekommen hier die Charakterstudie eines Mannes präsentiert, der – wie man heute im Internet sagen würde – unter dem Main-Character-Syndrom leidet. Diese Figur ist ein krasser Narzisst, der durch seine Überintellektualisierung jedes noch so banalen Halbgedankens vor sich selbst und anderen zu verstecken versucht, was für verkommener Mensch er eigentlich ist. Er rechtfertigt sein

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Zum 10. Todestag: „Frank Schirrmacher - Ein Unersetzlicher des Feuilletons“

Zum 10. Todestag: „Frank Schirrmacher - Ein Unersetzlicher des Feuilletons“
(c) Mike Herbst unter CC BY-NC 2.0

Frank Schirrmacher hat mich als damals angehender Journalist schwer beeindruckt. Mit seinem in meiner Blase umstrittenen Buch Payback drängte er 2009 in meine Welt. Ich teilte seine Analyse nicht, mochte aber seine Art, diese Debatte zu führen. Als FAZ-Herausgeber verstand er es wie kaum eine anderer, großen und wichtigen Debatten eine Plattform in seinem Feuilleton zu geben und dafür auch ihm diametral entgegengesetzte Stimmen sprechen zu lassen.

Mit 29 Jahren Feuilleton-Chef, mit 34 Jahren Herausgeber der FAZ: Frank Schirrmacher wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem prägenden und mächtigen Mann im deutschen Kulturbetrieb. Als er mit nur 54
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Gesehen: Romeo + Juliet (1996)

Gesehen: Romeo + Juliet (1996)
(c) Walt Disney, Leonine

Ich mag diese völlig entrückten Welten, die Baz Luhrmann entwerfen kann und das auch hier tut. Dieser visuelle und overactete Fiebertraum funktioniert einfach als Kulisse dieser hormonschwangeren Turboromanze. Nur finde ich, dass sich der Film durch seine strenge Texttreue selbst zu sehr im Weg steht. So verkommt die Verschränkung von shakespeareschem Text mit einer modernen Welt samt dystopischen Einschlägen nur bedingt.

Da gibt es etwa den Cop, der Romeo aus der Stadt verbannt, was aus unserer Perspektive auf diese unserer nicht unähnlichen Welt Hinweise auf eine ausgehebelte Gewaltenteilung und totalitäre Strukturen birgt. Aber weil das der Shakespeare nicht passend

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Franz Pökler: Daniele Ganser - die große Analyse

Franz Pökler: Daniele Ganser - die große Analyse
Foto: A. Savin

Es ist eine weitere Predigt zum Chor, aber ich liebe umfassende Takedowns dieser Art, die sich auch in vermeintliche Kleinigkeiten hineinbohren, einfach.

Daniele Ganser ist ein Historiker für Menschen, die keine Ahnung haben, was ein Historiker eigentlich ist. Würde man ihn auf die Medizin übertragen, wäre er kein Arzt. Er trägt nur einfach einen weißen Kittel und ein Stetoskop, das nicht funktioniert. Er ist der Heiland für Leute, die keinen Wert auf das Fundament der Geschichtswissenschaft legen, denen Quellenanalyse und eine logische, ausgewogene Interpretation egal sind, solange ihre Anti-Establishment-Nerven getriggert werden.

Seine Fans bezeichnen sich als kritisch, freie Denker, aufgewacht,
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Gesehen: The Holdovers (2023)

Gesehen: The Holdovers (2023)
(c) Universal Pictures International Germany

Mit seinem Nachdenken über die Bedeutung von Zugehörigkeit, Freundschaft und Familie hat mich der Film gekriegt. Dieses Kreisen um familienartige Bindungen, die jenseits von Blut und Gesetz passieren, das hat mich sehr berührt – genauso wie der Film Wissbegierde und Neugierde auf die Welt hochhält.

So der Welt und Menschen zu begegnen, bewahrt einen nämlich in den allermeisten Fällen davor, ein komplettes Arschloch zu werden. Klar, diese Kinder und jungen Männer werden ökonomisch betrachtet wohl niemals eine schwere Zeit erleben. Aber psychisch sieht es schon ganz anders aus. Wer kein Interesse an der Welt hat, hat kein Interesse an Bildung.

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Ein Abgesang auf „Star Trek: Discovery“

Ein Abgesang auf „Star Trek: Discovery“
(c) Paramount Pictures Deutschland

Ich habe gerade die letzte Episode Star Trek: Discovery geschaut und das Gefühl, ein paar Gedanken zur Serie niederschreiben zu müssen.

„The crew to Discovery is family“, sagt Doug Jones in seiner Rolle als Saru. Es gibt dabei nur ein Problem: Es trifft einfach nicht zu. Für viele Fans – auch für mich – gehört das sogenannte Crew-Gefühl zur Essenz von Star Trek. Nur dieses Gefühl wollte sich bei Discovery für mich einfach nicht einstellen. Die Crew wird regelmäßig auseinandergerissen und/oder mit neuen Charakterköpfen aufzupeppen versucht, die ebenso schnell wieder ausgetauscht werden. Nicht alle Entscheidungen waren schlecht. Callum Keith Rennie etwa

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