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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 134

Lucas Curstädt fragt: „Ist Yorgos Lanthimos bereits am Ende?“

Lucas Curstädt fragt: „Ist Yorgos Lanthimos bereits am Ende?“
(c) Studiocanal

Filmwissenschaftler Lucas Curstädt bringt für die zweite produktion auf den Punkt, warum der frühere Yorogos Lanthimos gerade durch seine vermeintliche Sperrigkeit für mich so interessant ist und wie er das mittlerweile aus dem Blick verloren hat. Curstädt argumentiert viel an DOGTOOTH (2009) entlang. Stand heute ist das auch mein Lieblingsfilm von Lanthimos.

Nur sehe ich Lanthimos' jüngste Umtriebe weniger als Endpunkt oder Kunst am Rande der Selbstgefälligkeit. Sie sind aber klar eine Abkehr von einstigen Perspektiven und Fragen, denen man – so auch ich – klar nachtrauern kann.

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Gesehen: Sometimes I Think About Dying (2023)

Gesehen: Sometimes I Think About Dying (2023)
(c) Plaion Pictures

Was dem Film sehr gut gelingt, ist die feinen Nuancen der Sicht einer depressiven Person auf sich selbst und die Welt einzufangen. Es sind die negativen Grundüberzeugungen, die in letzter Konsequenz zu sozialer Isolation und Vereinsamung führen. Es ist die Angst, für vermeintliche Fehler gehasst zu werden, aus der krankhafte Vermeidung entwächst und eine selbst erfüllende Prophezeiung wird.

Der Stoff widmet sich dazu der „Theorie“, dass die depressive eher einer realistischen Weltsicht entspricht und die „normale“ Sicht eine verklärte ist. Wir sehen diese Hamsterräder, diese Mühlen, in denen die Menschen einfach den Großteil ihres Lebens stecken. Einen selbstwirksamen und

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Gesehen: Battle for the Planet of the Apes (1973)

Gesehen: Battle for the Planet of the Apes (1973)
(c) 20th Century Studios

„Who knows about the future? Perhaps only the dead…“ Mit diesen, zugegebenermaßen schon ziemlich kalenderspruchartigen, aber dennoch eindrücklichen Sätzen schließt der Film. Die ganzen Anspielungen auf das sogenannte Dritte Reich lassen eigentlich keinen anderen Schluss zu.

Aber meine Güte, das ist alles so lieblos zusammengedengelt. Ein weiteres Mal diese Welt neu zu erfinden, ist schon mutig. Aber wirklich Muse, sie auch zu unterfüttern, ist nicht übrig geblieben. Die einzelnen Elemente werden hier einfach on the go zusammengeklebt, aber kohärent ist das nur selten. Letztlich dient vieles nur alles Mittel zu Zweck, um ein paar Actionsequenzen zu rechtfertigen. Drängende Fragen werden

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Gesehen: Als wir träumten (2015)

Gesehen: Als wir träumten (2015)
(c) Rommel Film, Pandora Film, Peter Hartwig

Ich finde schon, dass diesem Film ein gewisses Fieber innewohnt. Der Zusammenbruch der DDR legt frei, was das SED-Regime mit aller Macht vertuschen und verschweigen wollte, die Baseballschlägerjahre brechen an. Und es wird klar, dass die rechtsextremen Strukturen nicht auf absolut unfruchtbarem Boden doch noch irgendwie gewachsen sind, sondern dass Xenophobie und Rassismus ein gesamtgesellschaftliches Problem sind.

Gleichzeitig liegt nicht nur die DDR als Staat, sondern auch die Existenzen von Menschen und Familien in Trümmern. Mütter wachen auf und sind plötzlich mit ihren Kindern alleine, die Väter sind in Nacht und Nebel in den Westen abgehauen. Es gibt keine

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Gesehen: Evil Does Not Exist (2023)

Gesehen: Evil Does Not Exist (2023)
(c) Pandora Film, NEOPA, Fictive

Dass dieser Film wunderschön fotografiert ist, steht wohl außer Frage. Die durch die Klarheit der Bilder mögliche Kontrastarbeit, die hier in Verbindung mit Umgebungsgeräuschen und Score vollzogen wird, ist wirklich bemerkenswert. So spiegelt die Form auch die Weltbilder und Werte, die hier aufeinander krachen und Widersprüche erzeugen.

Es geht um die vermeintlich kosmopolitischen Städter*innen, die von oben herab auf die Landbevölkerung blicken und ihnen letztlich nur abschätzig begegnen, gleichzeitig aber genau diese Welt abseits der urbanen Betonhölle romantisieren und als Sehnsuchtsort stilisieren – und zwar so sehr, dass sie daraus wieder Kapital schlagen wollen, womit sie letztlich aber genau

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Gesehen: U.S. Go Home (1994)

Gesehen: U.S. Go Home (1994)
(c) SFP, IMA Productions

U.S. GO HOME hat dafür gesorgt, dass sich vor meinem geistigen Auge eine Kontinuitätslinie von der Nouvelle Vague bis zu Steve McQueens LOVERS ROCK (2020) aus dessen Filmreihe Small Axe aufgetan hat. Claire Denis inszeniert hier mit der Unerschrockenheit des französischen Kinos der 1960er und geht inhaltlich Hand in Hand mit Godard, indem sie ähnliche politische Diskurse nicht nur im Subtext austrägt, sondern sie furchtlos an der Oberfläche verhandelt.

Dafür wählt sie, wie Steve McQueen in LOVERS ROCK, eine Party als Debattenfeld, auf dem es dann um das Politische zwischen Mann und Frau, um Geschlechterrollen, um Machtverhältnisse, um

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