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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 11

Gesehen: Kneecap (2024) - Kopfnickende Fußwipper

Energiegeladen, aber zuweilen auch schlicht in der Argumentation

Gesehen: Kneecap (2024) - Kopfnickende Fußwipper
Bild: Atlas Film

Ein paar Kopfnicker und Fußwipper sind schon dabei, aber diese musikalisch nach vorn treibende Energie schafft es dann doch nie so ganz, wirklich alles tight beisammenzuhalten.

Was funktioniert, ist die Beschreibung moderner imperialistischer Mechanismen, die unter anderem durch eine Art kulturelle Hegemonie greifen. Es ist nicht unbedingt die Sprache an sich, mit der Geschichte ausgelöscht wird. Es sind die Geschichten, die mit dieser Sprache erzählt werden. Und mit diesen Geschichten verschwinden Gemeinschaften. Mit diesen Gemeinschaften verschwinden Menschen.

KNEECAP verklärt die „Troubles" nicht. (Das tut die Bezeichnung irgendwie selbst schon ein bisschen.) Der Film zeigt vielmehr, mit welchen Waffen derartige Konflikte heute ausgefochten werden.

Aber auch: Antiimperialismustrunken ist Nationalismus offenbar ein immer geringeres Problem. Und das scheint mir hier wirklich nicht ausreichend problematisiert. Sex mit der „Gegenseite" zu haben, scheint mir im Kontext des Films zwar eine adäquate Metapher für das Überwinden dieses Lagerdenkens, aber eben auch für die Schlichtheit der Argumentation insgesamt zu sein.

★★★☆☆

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Gesehen: Härte (2015) - Vorabendliche Abgründe

Leider kommen die beiden Ebenen des Films nicht so gut zusammen

Gesehen: Härte (2015) - Vorabendliche Abgründe
Bild: rbb, Rosa von Praunheim Filmproduktion

Die Form der dramatisierten Szenen schwankt zwischen verstörendem Homevideo und krampfhaft auf Harmonie gebürsteter Vorabendserie. Rosa von Praunheim schafft es, die Abgründe hinter dieser uns allen so bekannten Ästhetik sichtbar zu machen, und erzählt mit diesen Mitteln eine der Geschichten, vor denen entweder nur zu gern die Augen verschlossen, oder die mit krudem Humor überspielt wurden.

Schade ist, dass die Verschränkung mit den dokumentarischen Szenen nicht wirklich gelingt. Denn Andreas Marquardt bleibt in denen als Mensch relativ farblos und durch das Framing des Films eine Figur der Vergangenheit, deren gegenwärtiges Schaffen zu einer Randnotiz verkommt.

★★★☆☆

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Wo fängt es an? am 06. Januar 2026 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: Béla Tarr, Filmgenretheorie und Hildegard Knef

Wo fängt es an? am 06. Januar 2026
Bild: zafree pinano / Unsplash

Barbara Kaufmann widmet sich in einem großartigen collagenhaften Audioessay für SWR Kultur der Frage, welche Rolle die Kunst beim zementieren von patriarchalen Rollenbildern und einem Umfeld, in dem Femizide an der traurigen Tagesordnung sind, gespielt hat und spielt.

Fast jeden Tag wird in Deutschland ein Femizid begangen, die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Weil sie zu selbständig ist. Sich getrennt hat. Dinge tut, die der Mann für sie nicht vorgesehen hat. Das Innenministerium fordert „mehr Aufmerksamkeit“ für die Opfer… Das tut Barbara Kaufmann in ihrem Essay, auf eine andere Weise. Sie durchkämmt die Kunst der vergangenen Jahrhunderte nach Rolemodels von eifersüchtigen, rachsüchtigen, gewalttätigen Männern. Und findet einen erschreckenden patriarchalischen Blick, der das Frauenbild geprägt hat. Sie fragt: „Wo fängt es an?“
Podcast: I’m gonna kill that woman
Fast jeden Tag wird in Deutschland ein Femizid begangen, die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist. Weil sie zu selbständig ist. Sich getrennt hat. Dinge tut, die der Mann für sie nicht vorgesehen hat. Das Innenministerium fordert „mehr Aufmerksamkeit“ für die Opfer… Das tut Barbara Kaufmann in ihrem Essay, auf eine andere Weise. Sie durchkämmt die Kunst der vergangenen Jahrhunderte nach Rolemodels von eifersüchtigen, rachsüchtigen, gewalttätigen Männern. Und findet einen erschreckenden patriarchalischen Blick, der das Frauenbild geprägt hat. Sie fragt: „Wo fängt es an?“ Essay von Barbara Kaufmann

Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

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Freya Herrmann und Vera Klocke sprechen in meiner liebsten Podcast-Neuentdeckung Fashion the Gaze die (meine Worte) Ausbeutung Wohnungs- und Obdachloser auf Tiktok. Zu Gast ist Janita-Marja Juvonen, die selbst 14 Jahre obdachlos war und heute darüber schreibt.

Gefakte Spendenaufrufe, performative Hilfsaktionen und Verfolgung von obdachlosen Personen in der Innenstadt. In diesem Live-Podcast analysieren wir – gemeinsam mit der Autorin Janita-Marja Juvonen – die Ästhetiken und Inszenierungsstrategien von Obdach- und Wohnungslosigkeit in den sozialen Medien. Dabei interessieren wir uns insbesondere für TikTok-Videos, in denen Content Creatoren Obdach- und Wohnungslosigkeit inszenieren, um ihre Reichweite zu vergrößern. Welche Bilder entstehen hier, wie werden sie politisch und emotional wirksam, und was verraten sie über Machtverhältnisse und die Ästhetisierung und Kommodifizierung sozialer Ungleichheit – gerade jetzt, in der Weihnachtszeit?
TIKTOK KOLLOQUIUM @Volksbühne: Wohnungslosigkeit zwischen Content Strategie und Selbstinszenierung - FASHION THE GAZE
Gefakte Spendenaufrufe, performative Hilfsaktionen und Verfolgung von obdachlosen Personen in der Innenstadt. In diesem Live-Podcast analysieren wir – gemeinsam mit der Autorin Janita-Marja Juvonen – die Ästhetiken und Inszenierungsstrategien von…

Béla Tarr ist gestorben. Bisher habe ich mich von ihm nur an WERCKMEISTER HARMONIES (den es auch mit vielen Bibliotheksmitgliedschaften bei Filmfriend zu sehen gibt) herangetraut, aber SÁTÁNTANGÓ und THE TURIN HORSE sind wortwörtlich schon seit Jahren auf meiner Watchlist.

Europäisches Autorenkino: Ungarischer Filmemacher Béla Tarr ist tot
“Satanstango”, “Das Turiner Pferd” und “Die Werckmeisterschen Harmonien”: Der ungarische Regisseur Béla Tarr ist gestorben. Bekannt war er für seine kunstvollen Filme.

Marcus Stiglegger spricht in den Projektionen mit Andreas Rauscher über Filmgenretheorie.

Gemeinsam diskutieren sie, warum Genretheorie bei weitem kein überholtes Konzept der Filmwissenschaft ist, sondern gerade in der aktuellen Film- und Serienlandschaft spannende Analyseergebnisse hervorbringen kann. Diskutiert werden u.a. THE SUBSTANCE, SINNERS und NOSFERATU.
Projektionen Kinogespräche: Was ist Filmgenretheorie?
Marcus hat vor einigen Jahren das Handbuch Filmgenre herausgegeben. Prof. Dr. Andreas Rauscher ist seit seiner Habilitation über Genres in Computergames ebenfalls als Experte in Genrefragen zu sehen. Gemeinsam diskutieren sie, warum Genretheorie bei weitem kein überholtes Konzept der Filmwissenschaft ist, sondern gerade in der aktuellen Film- und Serienlandschaft spannende Analyseergebnisse hervorbringen kann. Diskutiert werden u.a. THE SUBSTANCE, SINNERS und NOSFERATU.

Außerdem gerne gehört: die anlässlich des 100. Todestages von Hildegard Knef gesendete Lange Nacht.

Hildegard Knef genügte ein Leben nicht - immer wieder erfand sie sich neu
Immer wieder musste Schauspielerin Hildegard Knef als Projektionsfläche herhalten: Sie galt als “Trümmermädchen”, als “Sünderin” oder als Symbol der Republik.

Gesehen: Eddington (2025) - Besserwisserkino

Ari „Hufeisen“ Aster

Gesehen: Eddington (2025) - Besserwisserkino
Bild: Leonine Distribution

Eine besonders im letzten Akt wunderbar zynische Groteske darüber, wie Gesellschaft in tausend Teile zersplittert, wie sie durch ihre eigene Hand zugrunde geht. Aber es ist eben auch elendes, anmaßendes Besserwisserkino. Ari Aster scheint nicht in der Lage oder daran interessiert, sich wirklich grundlegenden Phänomenen und Dynamiken zu stellen, sondern gefällt sich stattdessen sehr darin, die Oberfläche, den Schein zu beschreiben. Das Drehbuch ist eher eine hufeisentheoretische Ausführung, die fälschlicherweise davon überzeugt ist, nuancierte Graustufen anzubieten.

★★☆☆☆

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Gesehen: Mission Impossible: The Final Reckoning (2025) - Theatralisch plump

„Mission: Impossible“ ist wohl das Franchise, dem ich am meisten verzeihe

Gesehen: Mission Impossible: The Final Reckoning (2025) - Theatralisch plump
Bild: Sony, Paramount

An Plot war die MISSION: IMPOSSIBLE-Reihe noch nie sonderlich groß und mit jedem Teil der Reihe noch ein bisschen weniger interessiert, aber meinem Gefühl nach noch nie so deutlich wie in THE FINAL RECKONING.

Die einzelnen Set Pieces werden zusammengehalten von Mono- und Dialogen in regelrecht shakespearischer Ausprägung. In aller Epik wird erklärt, wie die Weltherrschaft an sich gerissen werden wird, wie eine Figur die andere hintergangen hat, wie nicht nur ein, sondern gleich alle(!) Leben auf dem Spiel stehen, wie nur ein „Wir gegen die Unmöglichkeit" den Fortbestand des Planeten noch retten kann. Das wird mit einer derartigen Theatralik, einer überbordenden Schwulst vorgetragen, dass es unglaublich lächerlich und unglaublich cool zugleich ist.

Die Locations waren okay. Es scheint jedoch unübersehbar durch, dass die Reihe die Welt einfach durchgespielt hat. Die Teammomente sind nett, aber besonders im Kontext der Reihe ziemlich redundant. Das Bemühen von ein paar historischen Gesichtern ist sympathisch, das Durchschneiden durch Momente aus allen Teilen der Reihe in einer fehl am Platz wirkenden Reihe ist einfach nur irritierend. Was fehlt, ist noch mal ein Banger-Einsatz des Themes, das den gesamten Film über ausbleibt.

Warum der Film trotz dieser lauwarmen Worte von mir dreieinhalb Sterne bekommt? Weil ich MISSION: IMPOSSIBLE einfach verdammt viel verzeihe. Weil ich es mag, wie theatralisch plump diese Figuren ausgestellt werden. Weil die Stuntsequenzen immer noch herausstechen. Und weil es nie schmalzige Epiloge gab, die das Team zurückgezogen auf eine einsame tropische Insel zeigen.

★★★½☆

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Gesehen: Risse im Fundament (2022) - Kontrastprogramm

Es ist ein ständiger Kampf um, mit und gegen Grenzen

Gesehen: Risse im Fundament (2022) - Kontrastprogramm
Bild: DFFB, Francisco MeCe

Die Erfahrungen der Protagonistin stehen in spannendem Kontrast zu ihrem Beruf. Als Architektin arbeitet sie mit klaren Formen und Konstruktionen, die oftmals Innen und Außen voneinander abgrenzen.

Doch mit dem beruflichen Aufstiegsversprechen kommt offenbar die Erwartung der Aufgabe ihrer persönlichen Grenzen einher. Die werden ignoriert, überschritten, gewaltsam verrückt oder manipulativ verschoben.

Letztlich ist die Protagonistin ziemlich gut darin, persönliche Grenzen zu erkennen und oftmals auch zu formulieren. Doch das hilft ihr innerhalb einer Gesellschaftsordnung nicht, die Menschen genau dafür abstraft.

Privat und beruflich den eigenen Wert zu kennen, spielt keine Rolle, wenn das System ausschließlich auf maximalen Machtmissverhältnissen und patriarchaler Klüngelei fußt.

★★★☆☆

Der Film steht kostenlos noch bis zum 14. März 2026 in der ARD-Mediathek.

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