Kurz und bündig: Hier sind meine (oftmals auf blind getätigten) Tipps (blau) und meine Wunschsieger:innen (grün) in den Kategorien, in den ich mir eine halbwegs fundierte Meinung bilden konnte, für die Oscars 2025.


Kurz und bündig: Hier sind meine (oftmals auf blind getätigten) Tipps (blau) und meine Wunschsieger:innen (grün) in den Kategorien, in den ich mir eine halbwegs fundierte Meinung bilden konnte, für die Oscars 2025.


Viele Motive und Sujets dieses Films erscheinen mir doch ziemlich verbraucht – jedenfalls in dieser Form. Dieser Bruch mit unserem Laienverständnis von Raum und Zeit über eine Liebe, die unerwartete Bahnen sucht, an den seltsamsten Orten Wurzeln schlägt und anderes aus zunächst unerfindlichen Gründen hinter sich lässt berührt ohne Frage. Aber es berührt dann eben auch schon zum Xten Mal.
Dennoch hat mich der Film auf eine gewisse Art und Weise in seinen Bann gezogen. Der Grund: Das unvergleichliche Casting der noch unvergleichlicheren Simone Bär. Was dort zwischen Saskia Rosendahl, Edin Hasanović und Julius Feldmeier passiert, ist so subtil wie faszinierend. Zwischen ihnen steht etwas Unausgesprochenes in der Luft, das für uns als Publikum vielleicht nicht in jedem Moment greifbar, dafür umso mehr spürbar sein mag.
Simone Bär hat diesen Film gerettet.
★★½☆☆
Der Film stehet noch bis zum 24. März 2025 in der ARD-Mediathek:

THE BRUTALIST-Macher Brady Corbet war zu Gast im Criterion Closet und hat es sich wirklich gutgehen lassen: Italienischer Neorealismus, monumentales tschechisches und polnisches Kino, Tarkowski, Pasolini, eine Anekdote zu Michael Haneke, nach diesen Picks überraschenderweise Mia Hansen-Løve und natürlich das lakonisch-sehnsüchtige Werk von Wong Kar-Wai.
In den USA machen gerade Tech-Medien die beste Arbeit beim Beackern des Staatsstreichs von Trump und Musk. Dass etwa Wired ganz vorne mit dabei ist und mit Dickschiffen wie der New York Times den Boden aufwischt, hatte ich an anderer Stelle schon mal aufgeschrieben. Ebenfalls immer gut war The Verge, wenn es um Policy-Berichterstattung ging. Dort wird jetzt noch einmal journalistisch aufmunitioniert und Tina Nguyen als Reporterin speziell für die Trump-Regierung an Bord geholt. Nguyen war zuvor bei Vanity Fair, Politico und schließlich Puck, das mich in Ton und Zielsetzung an das einstige The Outline von Verge-Mitgründer Joshua Topolsky erinnert.

Den stabilen Rechtsanwält:innen Chan-jo Jun und Jessica Flint schaue ich irgendwie immer gerne zu. Nun haben die beiden einmal juristisch auseinandergenommen, wie die kleine Anfrage der CDU-Fraktion in Sachen Finanzierung verschiedener gemeinnütziger Organisationen (die ich als Einschüchterungsversuch werden würde) und worauf diese abzielt, juristisch zu bewerten ist.
Die New York Times hat ein kleines Spielchen gebaut. Darin gilt es, in fünf Kategorien jeweils vier von insgesamt 20 für einen Oscar nominierten Filme der Headline zuzuordnen, die die NYT-Kritik trägt. Fand's jetzt nicht sonderlich schwer, habe alle 20 richtig zugeordnet. Aber Newsgames finde ich immer interessant.
Annika Brockschmidt fasst in Fazit auf Deutschlandfunk Kultur zusammen, was mit Kunst und Kultur unter Trump passiert – von Buchverboten bis zur Kaperei des gesamten Kunstbegriffs. Es ist einfach bitter, dass ihre deutlichen Worte als Journalistin auch in großen Medien hierzulande immer noch eine derartige Seltenheit sind. Faschismus und faschistisches Gehabe muss auch so bezeichnet werden. Das ist keine Wertung, das ist Fakt. Du weißt schon, Rudolf Augstein, „Sagen, was ist", diesdas.

Wie konnte mir das bitte entgehen? Der großartige Louis Theroux hat schon seit fast zwei Jahren einen Interview-Podcast. (Könnte sein, dass der als Spotify Original mal in deren Silo gefangen war und mir das deshalb durchgerutscht ist. Was Spotify mit dem Medium Podcast macht, ist verachtenswert. Immerhin gibt es die meisten Originals jetzt auch öffentlich über RSS. So, wie es sein muss.)

...oder habe ich irgendwas vergessen? Dann her damit! Bis dahin: Danke für die Aufmerksamkeit 🙌
P.S.: Du kannst du Firlefänzchen auch ganz bequem als Newsletter abonnieren.
Joan Westenbergs Blogpost darüber, wie man sich in Sachen Software unabhängig von den USA aufstellt, hat dieser Tage ziemlich die Runde gemacht. Viele wahre Worte stecken in ihrem Text.
Apple, Microsoft, Google, Meta, and other tech companies operating on American soil can talk a big game about their sovereignty, independence, and encryption. But talk may be all it is; there can be no guarantee that an authoritarian U.S. government will not compel American cloud, email, productivity, and messaging providers to open their databases and records to partisan law enforcement.
Even the tech you can trust is eventually going to run up against Trump and his crime family sooner or later. And there is no guarantee that they will have the resources, the recourse or the legal infrastructure to stare him down.
Die aktuelle Situation erinnert mich ein bisschen an die Zeit, in der die Massenüberwachung von Internetnutzer:innen weltweit durch die NSA mit dem von Edward Snowden geleakten Programm PRISM aufflog. Mein technisches Wissen reichte damals (wie heute) nicht aus, um die Lage im Detail nachvollziehen zu können. Das reichte mir damals, um nach mehreren Jahren Chrome zurück zu Firefox zu kehren. Mein damals vielleicht naiver und einfältiger Gedankengang: Steckt in Chrome eine Backdoor für Regierungsorganisationen, werden wir das wohl nie erfahren – oder erst, wenn es längst zu spät ist. Firefox ist wenigstens Open Source.
Dieser Tage stehen wir wieder vor einem ähnlichen Problem. Der politische Druck auf Unternehmungen, die Verschlüsselung von Nutzer:innendaten und vornehmen, wächst. Apple stellt etwa in Großbritannien ihre sogenannte Advanced Data Protection auf dem iPhone direkt ganz ein, weil die Regierung Behördenzugang zu den eigentlich verschlüsselten Daten fordert. Signal ist bereit, Schweden auszusperren, falls sie durch neue Gesetze zur Herausgabe verschlüsselter Daten gezwungen werden sollten.
The only way you can ever be truly confident in your data is to use e2e encrypted products, no matter where they're built or who is building them. And in the midst of the Global Backslide, there is no guarantee that any European nation can be counted on forever.
Wie also kann man sich davon ein bisschen unabhängiger machen, ohne gleich besserwissender Linuxprogrammierer:in zu werden?
I've long been a proponent of simple tech. So I'm not looking to build a complex productivity stack with all the bells and whistles; all I want, all I need, is tech that works and does the job. And while in the past, privacy was a major concern, I'm taking that up a notch, trying to move as much of the technology I use off U.S. big tech platforms and servers and onto European / Canadian owned, operated, and hosted platforms, or open-source, encrypted, distributed software maintained by international teams who aren't driven by a growth-at-all-costs mentality.
Joan Westenberg geht schließlich näher auf ein paar Tools in ihrem Arsenal ein.
In Sachen Taskmanagement setzt sie auf ToDoist, auch weil die Bude ihren Firmensitz in Europa hat. Das ist schon ein mächtiges Tool, aber ich bin längst kein Freund mehr von Cloud-Zwang, weil der aus jedem Produkt eine Software-as-a-Service macht und ein Abomodell nach sich zieht. Wichtig: Ich bin kein Gegner davon, für gute Software Geld zu bezahlen – auch Summen, die die durch die App-Stores dieser Welt etablierten Kleinstpreise deutlich übersteigen. Wenn es jedoch keine Abo-Alternative gibt, bin ich in der Regel raus.
Wahrscheinlich habe ich auch Glück, mit viel schmaleren Toolsets in Sachen Taskmanagement über die Runden zu kommen. Ich nutze aus verschiedenen Gründen Structured aus Berlin und fahre damit ziemlich gut. Und es wird neben monatlichen und jährlichen Abo-Zahlungen auch eine Lifetime-Lizenz angeboten 🙌

Für Textverarbeitung setzt Westenberg auf den iA Writer aus der Schweiz. Den habe ich auch sehr lange sehr gerne benutzt – bis ich auf Obsidian gestoßen wurde. Diese Tool ist wirklich die eierlegende Wollmilchsau: kostenlos, O̶p̶e̶n̶ ̶S̶o̶u̶r̶c̶e̶ (Obsidian ist gar nicht Open Source, verschließt aber immerhin die Dateien nicht in einem Silo. Danke an Joël für den Hinweis!), arbeitet ausschließlich mit Markdown-Files, ist (jedenfalls auf meinem Macbook) extrem energiesparend, super schnell und durch unzählige Plugins erweiterbar. Ich nutze Obsidian zum Beispiel für Notizen aller Art, um alle Posts für dieses Blog vorzuschreiben und sie dann mit einem einfach Click ins CMS zu transportieren, als Read-it-Later-App mit Hilfe des Web Clippers, für Sprachnotizen und kostenloses TTS-Tool für längere Texte.

Bei Mails kann ich es kurz machen: Die liegen bei mir bei meinem Webhoster. Joan Westenberg empfiehlt Proton aus der Schweiz. Zwar ist Proton-Chef Andy Yen offenbar auch – zumindest ein bisschen – auch dem Trumpismus verfallen, aber immerhin ist er kein Alleinherrscher in dem Laden, der mittlerweile mehrheitlich einer Stiftung gehört.
Durchs Netz bewege ich mich immer noch mit Firefox und einer Reihe von diversen Addons – darunter der Privacy Badger der EFF, Decentraleyes und der Facebook Container. Außerdem teste ich parallel Zen, der auf Firefox-Basis einen ähnlichen Weg wie die Browser Company mit Arc zu gehen versucht – nur eben nicht mit Chromium unter der Motorhaube und bisher auch ohne jeglichen Feature-Bloat.

Wenn ich mit LLMs herumspielen möchte, setze ich entweder lokal auf Jan oder treibe mich auf Hugging Face bzw. bei HuggingChat herum. RSS-Feeds abonniere und lese ich sowohl auf dem Rechner als auch am Handy mit NetNewsWire. VLC ist immer noch ein treuer wie zuverlässiger Begleiter in Sachen Videowiedergabe und meine E-Book-Bibliothek verwalte ich mit dem, wenn auch total hässlichen, Goldstandard Calibre.
Die abschließenden Worte überlasse ich dann wieder Joan Westenberg.
It's easy to laugh at people who "choose the mountain" - deliberately making their lives harder and more complicated to pursue their values. We laugh because we've been taught, we've been convinced that sincerity and idealism are cringeworthy, embarrassing to the point of pornographic discomfort.
But that cynicism didn't help us stave off the last gasps of bigoted, white supremacist power, and it won't help us fight against it.
We need the idealism that pushes ordinary people to make better decisions and stick to them.
Yes, even if that looks like switching email providers.
Auf jeden Fall ist SAD JOKES der lustigste Film, den ich in jüngster Zeit und vielleicht auch einer der lustigsten bzw. humorvollsten, die ich je gesehen habe. Ich finde es genial, wie Fabian Stumm einen geschützten Raum inszeniert, in dem gelacht werden kann – und zwar ohne plattes Herbeikonstruieren filigran zurechtgelegter Pointen, vielleicht mit Setup, aber immer ohne Punchline.
Humor ist etwas, das tiefer geht als die Blaupause eines Jokes.
Es ist ausgerechnet die vielleicht am radikalsten überzeichnete Szene des gesamten Films, in der die tatsächliche Wahrheit versteckt ist. Es ist die Premierenfeier eines Films des Protagonisten. Dort unterhalten sich Menschen affektiert über den eben gesehenen, augenscheinlich tieftraurigen Film. Niemand hat dort einen Zugang zu seinem Innenleben. Was zählt, ist, was andere an der Oberfläche erkennen können. Schnell ließe es sich als Worthülse abtun, wenn das Publikum auf der Premierenfeier davon spricht, wie „universell" die Geschichte doch sei.
Doch das ist die wichtigste Wahrheit des gesamten Films. Universell ist nicht der Witz, wahrscheinlich auch nicht der Humor. Universell ist der Schmerz. Die finsteren Momente unserer Leben, die Verluste, die gebrochenen Herzen und die tiefen Täler, die es zu durchlaufen gilt. Universell ist aber auch das Wissen, dass das kein Dauerzustand sein muss, wenn man bereit ist, Hilfe anzunehmen. In diesem Wissen und den damit bald absurd scheinenden Momenten steckt das Herz des Humors. Wer es findet, wird wieder lachen – über sich selbst und dem Leben ins Gesicht.
P.S.: Der Metagag, für den Fabian Stumm den ihm doch sehr ähnlich sehenden Sebastian Schipper in eine kurze Szene holt, hat mich schon gekriegt 😅 Können wir wirklich sicher sein, dass Stumm und Schipper nicht dieselbe Person sind? Hat man die beiden schon mal zusammen in einem Raum gesehen? Nun, ja, haben wir jetzt 😄
★★★★½

Christoph Hochhäusler bloggt zum Vermächtnis des am Mittwoch gestorbenen Gene Hackman. In diesen zwei Absätzen steckt wirklich ein ganzes Universum. Hackman war wirklich ein Ausnahmeschauspieler, dessen Gesamtwerk von mir selbst noch relativ unerschlossen ist. Wird also Zeit.

In der neuen Folge von Lakonisch Elegant war mal wieder das Internetfeuilleton 54books in Personen von Berit Glanz, Johannes Franzen und Simon Sahner zu Gast bei Christiane Watty. Das Thema treibt mich derzeit auch ziemlich um: „Welche Literatur hilft gegen Doomscrolling, Nachrichten-Burnout oder schlicht Angst und Stress, die aktuelle News auslösen können?"

Emily Atef arbeitet an einem neuen Spielfilm – und zwar über das Leben von Farah Pahlavi, der letzten Kaiserin und Ehefrau des letzten Shahs von Iran. „It is a story of grace and humility, ambition and loss, a heart in conflict at the center of one of the most dramatic shifts in modern world history. Today, many still view her as a symbol of Iranian identity—one tinged in nostalgia, pride, anger, and longing", teilte Atef gegenüber Deadline mit. Mein Atef-Einstieg war der herausragende 3 TAGE IN QUIBERON und ihr jüngster Film, IRGENDWANN WERDEN WIR UNS ALLES ERZÄHLEN, war sowieso fantastisch. Ich bin gespannt, welchen Zugang die Filmemacherin mit familiären Wurzeln in Iran wählen wird.

Musiktechnisch gesehen bin ich längst ein Boomer und habe seit Jahren keine richtige Ahnung mehr, was der heiße Shit™ ist. Ist mir auch gar nicht (mehr) so wichtig, weil ich einfach für mich festgestellt habe, mich gar nicht so sehr für Musik zu interessieren. Trotzdem, manchmal funktionieren Podcasts beim Arbeiten einfach nicht. Dann wird eben doch mal Spotify angeschmissen. Heute habe ich die Playlist The New Alt für mich entdeckt, die mir ganz gut gefallen hat.
Microsoft zieht Skype den Stecker und hofft, dass die letzten verbleibenden Nutzer:innen zu Teams rüberziehen. Bevor Sprach- und Videochat einfach überall integriert war, war Skype bei mir und in meinem Umfeld echt essenziell. Also geht damit schon irgendwie eine weitere Internet-Ära zu Ende. Wirklich leid tun mir jetzt aber die Menschen, die nun um den Müllkippenbrand namens Teams nicht drumrumkommen.

Weil es noch nicht genügend Filmpodcasts gibt, machen die Kolleg:innen des Branchenmagazins Spot neben den „Filmfrauen" jetzt auch „Irgendwas mit Popcorn". Ich konnte noch nicht reinhören, erwähne es aber trotzdem mal, weil dafür Patrick Heidmann mit an Bord geholt wurde, den ich für seine Perspektiven schätze. Und so breit ist das Angebot an Podcasts, die sich mit der Branche selbst und nicht nur deren Erzeugnissen auseinandersetzen, dann auch wieder nicht.

...oder habe ich irgendwas vergessen? Dann her damit! Bis dahin: Danke für die Aufmerksamkeit 🙌
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