Skip to Content

André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1355 posts

Posts by André Pitz

Gesehen: Madonnen (2007)

Gesehen: Madonnen (2007)
Sandra Hüller als Rita // © Filmgalerie 451

Dieser Film hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Eigentlich hätte Marie Speths Werk den Titel tragen müssen, den Sandra Wollner 13 Jahre später für ihren Film nutzte: THE TROUBLE WITH BEING BORN. Es gibt kaum einen Satz, der all das mit nur so wenigen Worten beschreibt. Der die unglaubliche Ungerechtigkeit beim Ziehen aus dem Lostopf der Lebenswege so präzise beschreibt. Kein Kind der Welt kann sich aussuchen, in welche Umstände es hineingeboren wird.

Auch Sandra Hüllers Rita konnte das nicht. Sie kennt kein funktionierendes Familienleben, geschweige denn ihren eigenen Vater und offenbar auch keine sicheren ökonomischen wie sozialen Umstände.

Ihren Kindern will sie nun ein Fundament bieten. Doch sie befindet sich längst auf einem selbstzerstörerischen Weg hinein in eine Sackgasse. Sie glaubt, ihre reine Anwesenheit schafft Sicherheit. Weil sie die Abwesenheit von Menschen und Dingen für sie die Wurzel aller Unsicherheit ist. Aber sie hat nie gelernt, wie man für sich einsteht, Sicherheit erkämpft, kultiviert und anderen bietet. Rita strebt nach einem unerreichbaren Ideal, das in ihrer zerfressenen Psyche herumwabert.

Sie probiert es einfach immer und immer wieder. Brute Force. Sie versteht nicht, warum einfach nichts besser wird und weiß gleichzeitig, dass ihr Handeln alles schlimmer macht. Weil sie es nie anders gelernt hat. Weil ihr nie jemand eine Hand gereicht hat. Deshalb kann sie einfach nicht raus aus ihrer Haut. Und darin ist die unendlich tiefe Traurigkeit dieser Geschichte begründet.

★★★★½

🇨🇭/🇧🇪/🇩🇪, R: Marie Speth, D: Sandra Hüller, Luisa Sappelt, Coleman Swinton, Susanne Lothar, Gerti Drassl, Olivier Gourmet, Isabella Soupart, Jérémie Segard, Peter Moltzen, Trailer, Wikipedia, Foto: Filmgalerie 451

Madonnen - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Madonnen” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.

Firlefänzchen № 11 - Walter Benjamin versteht mich

Firlefänzchen № 11 - Walter Benjamin versteht mich
© Jackie Hope / Unsplash

Hideo Kojimas Death Stranding gehört immer noch zu den faszinierendsten Spieleerlebnissen, die ich jemals hatte. Nun, sechs Jahre nach Release, steht die On the Beach getaufte Fortsetzung in den Startlöchern. Wieder mit dabei sind Léa Seydoux, Norman Reedus, Nicolas Winding Refn und Guillermo del Toro. Dazu gesellen sich George Miller, Fatih Akin, Elle Fanning, Luca Marinelli und Shioli Kutsuna. Irre Liste. Erscheinungstag ist der 26. Juni. Bis dahin kann man sich die Zeit mit dem neuen, knapp zehnminütigen Trailer vertreiben.


Ich fühle mich von Walter Benjamin gesehen und verstanden.

Screenshot ohne persönliche Details, da der Bluesky-Account sich für nicht eingeloggte Nutzer:innen nicht sichtbar gestellt hat.

Als ich die Tage über einen Trump-sicheren Tech Stack schrieb, waren Browser natürlich auch schon mal Thema. Martin Schwarzbeck hat dazu passend grade bei netzpolitik.org eine schöne Übersicht samt Einschätzung von Alexander Paul von resist.berlin zusammengestellt.

Sicher surfen: Gute Browser, schlechte Browser
Datenschutzfreunde nutzten zum Internetsurfen bislang Firefox. Doch dessen Hersteller agiert zunehmend im Sinne der Werbewirtschaft. Mit was kann man dann surfen, wenn die eigene Privatsphäre wirksam geschützt werden soll?

Jeff Bezos demontiert derzeit nicht nur die journalistische Schlagkraft seiner Washington Post, er bemüht sich auch redlich, zu jeder sich ihm bietenden Gelegenheit so viel Speichel wie nur irgend möglich zu lecken. Dazu gehört auch die Entscheidung, ein Contentpiece über Melania Trump zu drehen – ausgerechnet und lustigerweise mit Brett fucking Ratner.

Donald Trump’s ‘The Apprentice’ Seasons 1-7 to Stream on Amazon Prime Video
Amazon announced on Monday that The Apprentice will be available to stream on Prime Video

Drei schmale Absätze braucht Alexander Matzkeit, um zu beschreiben, was den frisch oscarprämierten FLOW so außergewöhnlich macht. Er war sowieso schön längst auf meiner Liste, aber jetzt kann ich es nur noch weniger abwarten, ihn endlich zu sehen. Und ich habe es sonst eigentlich nicht so mit Animationsfilm.

Raum und Flow
Zu meiner großen und unerwarteten Begeisterung habe ich am Wochenende im Kino die beste Umsetzung meines Wunsches seit vielen Jahren erlebt.

TIL: Jack Conte of Pomplamoose-Fame ist Gründer und bis heute CEO des Social-Payment Services Patreon.

Jack Conte - Wikipedia

...oder habe ich irgendwas vergessen? Dann her damit! Bis dahin: Danke für die Aufmerksamkeit 🙌


P.S.: Du kannst die Firlefänzchen auch ganz bequem als Newsletter abonnieren.

Gesehen: Wicked (2024)

Gesehen: Wicked (2024)
Cynthia Erivo als Elphaba und Ariana Grande als Galinda // © Universal Pictures International Germany

Der Film ist super wirr und es ist extrem anstrengend zu ordnen, wonach hier alles ausgeholt, geschlagen und gegriffen wird – was aber nicht unbedingt schlecht ist. Denn viele Themen sind recht klug verwoben. Klug heißt hier nicht unbedingt subtil, aber man muss sich eben auch immer wieder bewusst werden, dass Musicals und arthousige Nuancierung nicht unbedingt Hand in Hand gehen und das auch gar nicht das Ansinnen ist. Deshalb gibt es den Rassismusdiskurs eben durchgehend dick aufgetragen.

Was sonst noch auf dem Brot landet, wie meine Gedanken zu THE WIZARD OF OZ, als Liste:

  • Hier wird auch miterzählt, wie problematisch es ist, nach der Maxime „Also ich sehe ja keine Hautfarbe" zu leben, weil das genau gar nichts an den Verhältnissen ändert.
  • Wie im WIZARD läuft hier ein zumindest bisexueller Subplot ab. Denn was Elphaba und Galinda in der ersten Nacht im gemeinsamen Penne-Zimmer an körperlichen Reaktionen durchlaufen, hat nicht unbedingt viel mit der von ihnen diagnostizierten, füreinander empfundenen Ablehnung zu tun. Darauf angespielt wird immer und immer wieder.
  • Ich bin eigentlich kein Fan davon, wenn ein Sequel versucht, bekannte Figuren umzuschreiben. In der Regel trägt das nichts zur Tiefe der Figuren bei, sondern wirft alles für einen billigen Effekt sinnlos über den Haufen. Hier geht die Nummer aber auf, denn letztlich verleiht sie insbesondere dem Zauberer mehr sinnvollen Kontext. Es wird klarer: Eigentlich ist er wie europäischer ein Kolonialherr, der Oz annektiert und die Indigenen unter anderem mit Feuerwasser gefügig bzw. von ihm abhängig macht.
  • Der Zauberer ist ein lupenreiner Faschist, der an seiner Idealvorstellung eines Reichs schraubt und mit Mengele-Experimenten an Affen sowie der Ausgrenzung der Tiere seine Herrschaft über alles Lebende zu behaupten versucht.
  • Der Film verschiebt vor dieser Kulisse die Perspektive auf viele bekannte Figuren des Universums und nutzt das, um davon zu erzählen, wie Gesellschaften in den Faschismus kippen und darin auch gar kein Problem sehen.
  • Das Entschwinden des Zauberers zurück in seine Welt im letzten Akt von THE WIZARD OF OZ ist nun als Warnung zu verstehen: Der Faschismus kehrt zurück in unsere Welt und wir sind nicht dafür gewappnet.
  • Der Kulissenaufwand ist auch hier absurd, trifft jedoch leider auf eine nur selten in dessen Dienste arbeitende Cinematography, die trotzdem die Hälfte wie Greenscreen aussehen lässt.

★★★☆☆

🇺🇸, R: John M. Chu, D: Cynthia Erivo, Ariana Grande, Jeff Goldblum, Michelle Yeoh, Jonathan Bailey, Ethan Slater, Marissa Bode, Peter Dinklage, Andy Nyman, Trailer, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany

Wicked - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Wicked” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.

Firlefänzchen № 10 - Alle Tassen im Schrank?!

Firlefänzchen № 10 - Alle Tassen im Schrank?!
© Praveen kumar Mathivanan / Unsplash

Florian Zandt findet es nicht gut, dass Youtube demnächst die Videos aller Teilnehmer:innen des hauseigenen Partnerprogramms standardmäßig mit Hilfe generativer KI übersetzen wird – also die Ton-, nicht die Untertitelspur. Dass die ganze Nummer bisher auch noch nach dem Opt-out-Prinzip funktionieren soll, geht mir auch gewaltig gegen den Strich. Florian meint:

Prinzipiell kann es in manchen Fällen gut sein, zusätzliche Audiospuren bereitzustellen. Gerade für Leute, die sich eben hauptsächlich über Youtube informieren, aber beispielsweise kein Englisch können. Aber so wie das gerade abläuft, ist das nicht aus Nutzer:innensicht gedacht, sondern allein auf Profitmaximierung durch größere Reichweite ausgerichtet.

P.S.: Sein Kommentar beginnt mit den Worten „Ich gebe es zu: Ich bin ein Sprachsnob." Deshalb ist es umso lustiger, dass im Teaser tatsächlich „[...]ist die Katastrophe vorprogrammiert[...]" (Fettung von mir) steht. Gut, das hat wahrscheinlich die Redaktion so geschrieben. Aber ich als wahrscheinlich etwas anderer Sprachsnob finde das ziemlich lustig 😅

Youtubes automatische Synchronisierung zeigt, wie man generative KI besser nicht einsetzt - t3n – digital pioneers
Vlogs, Serien und Filme in mehr als nur der ursprünglichen Sprache verfügbar zu machen, erleichtert den Zugang für Nichtmuttersprachler:innen. Wenn man wie Youtube generative KI dafür einsetzt, ist die Katastrophe vorprogrammiert, findet unser Autor. Ich gebe es zu: Ich bin ein Sprachsnob. Ob Games, Bücher, Filme oder Serien: Wenn ich die Ausgangssprache des jeweiligen Medienprodukts […]

Friedrich Merz meinte neulich ja, dass alle, die gegen seine rechte Politik (und die von den anderen Parteien getragenen), zu mehr als einer Million auf die Straße gegangen sind, nicht mehr alle Tassen im Schrank hätten. Silke Burmester rief daraufhin zuerst dazu auf, die ein oder andere Tasse an die Parteizentrale der CDU zu schicken. Bis zum 07. März sind nach Schätzung der taz 5.000 Tassen im Konrad-Adenauer-Haus eingetroffen.

Protestaktion gegen CDU-Chef Merz: Alle Tassen im Konrad-Adenauer-Haus?
Ein Aufruf, aus Protest gegen Friedrich Merz Tassen in die CDU-Zentrale zu schicken, war offenbar erfolgreich: Containerweise stapeln sich dort Pakete.

Meine Faszination mit GeoCities ist hier bereits das ein oder andere Mal durchgeschienen. Richard MacManus hat nun für Cybercultural aufgeschrieben, wie das Internet damals im Jahr nach GeoCities-Gründung eigentlich so drauf war und welchen wegbereitenden Stellenwert der Dienst eingenommen hat.

GeoCities in 1995: Building a Home Page on the Internet
GeoCities, known throughout most of 1995 as Beverly Hills Internet, was one of the first commercial internet services to make it easy for people to publish a home page on the World Wide Web.

Unter anderem die New York Times hat ein bisschen Zeit damit verbracht, archivierte Varianten US-Regierungsseiten mit den aktuell öffentlichen zu vergleichen und daraus auf eine Liste von nun „verbotenen" Wörtern im Verwaltungsapparat geschlossen. Wahrscheinlich sind Liste und Zahl schon längst überholt.

The total number of web pages identified by The Times as having changed is an undercount. The analysis involved searching for changes on more than 5,000 total pages, but it did not capture the entire universe of the federal government’s web presence. In addition, the pages were captured for comparison in early February, and more changes may have been made between then and now.

...oder habe ich irgendwas vergessen? Dann her damit! Bis dahin: Danke für die Aufmerksamkeit 🙌


P.S.: Du kannst die Firlefänzchen auch ganz bequem als Newsletter abonnieren.

Gesehen: The Truth vs. Alex Jones (2024)

Gesehen: The Truth vs. Alex Jones (2024)
© Amos Pictures, HBO Documentary Films

Als Dokumentarfilm ist das alles leider durch und durch fürchterlich. THE TRUTH VS. ALEX JONES ist praktisch nicht zu unterscheiden von dieser einen Ecke, in der Youtuber:innen ihre Inhalte als Dokumentation bezeichnen, aber dann letztlich nie mehr als ein „Was bisher geschah und bereits berichtet wurde" liefern.

Dan Reed liefert hier kaum mehr als eine auch ohne ihn gründlich dokumentierte Timeline of Events, was per Definition nur an der Oberfläche kratzen kann.

Wo sind die Medienwissenschaftler:innen, die Psycholog:innen, die Verschwörungsexpert:innen? Aber der Film hat kein Interesse daran, die Mechanismen, denen sich Alex Jones und seine Truppe bedienen, zu erklären.

Grauenhaft ist auch die gesamte Ästhetik des Films, die Verhochglanzung des Banalen, was ein inhaltliches Gewicht vorgaukeln soll, das einfach nicht gegeben ist. (Wichtig: Ich spreche hier nicht vom emotionalen Gewicht!)

Wie blind die Macher:innen dieser Doku sind, zeigt eine bereits früh im Film zu Wort kommende Frau – eine Frau mit Reinigungsbusiness, die ein Buch geschrieben hat, in dem sie den Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule leugnet und ihre angebliche Expertise mit „I'm watching a lot of true crime" begründet.

DAS ist die Geschichte – eine Geschichte über mediale Mechanismen, Social Media, zu lasche Regulierung und den Dunning-Kruger-Effekt. Aber noch ein paar absurde Infowars-Schnipsel und die astronomische Schadensersatzsumme zu zeigen, knallt halt mehr.

🇺🇸, R: Dan Reed, Trailer, Wikipedia, Foto: Amos Pictures, HBO Documentary Films

The Truth vs. Alex Jones - Stream: Jetzt online anschauen
Wie und wo du “The Truth vs. Alex Jones” online auf Netflix & anderen Anbietern ansehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.

Gesehen: Problemista (2023)

Gesehen: Problemista (2023)
Tilda Swinton und Julio Torres // © Universal Pictures International Germany

Diese affektiert-infantile Art, wie sich Julio Torres selbst erzwungen komisch inszeniert – unter anderem darin, wie er wortwörtlich durch die Welt läuft – finde ich unglaublich ermüdend.

Gefallen hat mir hingegen, wie sich Julio Torres mit seinem Film zur Kunst verhält: Künstler:in zu sein bzw. Kunst zu schaffen, das ist aus einer Position der Überprivilegiertheit, aus größtmöglicher Sicherheit heraus nur schwer möglich. Ein bisschen Gegenwind, eine kleine Steigung beim Rollen des Steins, etwas weniger Bodenhaftung beim Waten durch den Schlamm braucht es mindestens.

Kunst ist letztlich auch ein Prozess des Überwindens und dabei Infragestellens. Es gibt keine Kunst ohne Widerstände. Alles andere ist lediglich Ästhetik.

Was zunächst anklingt, aber dann auch nur halbgar mitgeschleift wird, ist die Auseinandersetzung mit einer Gesellschaft, die sehenden Auges den Planeten abfackelt und sich in die Tasche lügt, dass die technische Lösung des Problems bereits hinter der nächsten Ecke bereitsteht.

(Die deutsche Perspektive wäre: eine FDP, die irgendwas von tEcHnOlOgIeOfFeNhEiT predigt, weil uns in naher Zukunft schon irgendwas einfallen wird, innerhalb kürzester Zeit das gesamte Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre zu ziehen. CDU und SPD, die nach Sondierungsgesprächen nun (03/2025) in Koalitionsverhandlungen treten wollen und anscheinend Kernfusion als in Kürze in großem Maßstab mögliche Art der Energiegewinnung betrachten.)

Wer das als Lösung anbieten möchte, lügt nach Strich und Faden. Denn der Gleichung fehlt noch der zweite Teil zur Lösung und das ist kein Geheimnis. Auch Julio Torres zeigt am Ende, dass kaum eine Technologie der alleinige Heilsbringer ist, wenn die Menschen selbst nicht zu Veränderungen bereit sind. Aber eben alles ziemlich halbgar.

★★½☆☆

🇺🇸, R: Julio Torres, D: Julio Torres, Tilda Swinton, RZA, Isabella Rossellini, Catalina Saavedra, James Scully, Laith Nakli, Spike Einbinder, Logan J. Alarcon-Poucel, Greta Lee, Larry Owens, Kelly McCormack, Trailer, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany

Problemista - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Problemista” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.