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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Speak No Evil (2024)

Gesehen: Speak No Evil (2024)
James McAvoy // © Universal Pictures International Germany

Vor gut fünf Monaten habe ich das dänische Original gesehen und deshalb komme ich nicht umhin, die Parallelen zu ziehen und miteinander zu vergleichen.

  • Das Original lebt von einer zunehmend entrückten Figurenzeichnung, die erst mit vielen kleinen irritierenden Momenten vorbereitet wird, bis sie sich in Transgressionen überschlägt. Diese Entwicklung geht dem Remake etwas ab. James McAvoys Figur reitet eine von Beginn an kaum in ihrer Höhe variierende Prollwelle. Dadurch verpuffen viele Momente, im Original noch zur Irritation angelegte Momente, im Nichts, weil sie sich nicht ausreichend abheben.
  • Immerhin: Das Remake versucht etwas Neues und durch das Original bestehende Elemente für sich neu zu deuten. Trotzdem fehlt es dem daraus entstehenden Horror einfach an Intensität. Wo die Taten im Original in genau dem richtigen Maße unerklärt blieben, präsentiert James Watkins seine Entscheidungen regelrecht auf einem Silbertablett.

So verkommt die 2024er-Version zu stumpfem Backwoods-Horror, der sich letztlich vom rechten Kulturkampf vor sich hertreiben lässt und in jede von dessen Fallen tappt.

Ein bisschen musste ich an James Watkins' EDEN LAKE (2008) denken. Dazu schrieb ich unter anderem:

Der Film lässt ökonomische Perspektivlosigkeit, Eskapismus im Drogenrausch, eine weit geöffnete soziale Schere, fehlende soziale Auffangmechanismen, Gentrifizierung und Abdrängung an den Rand der Gesellschaft aufeinanderkrachen und bietet mit dem zentralen Konflikt einen horrormäßig überzeichneten Ausblick auf den bevorstehenden Bruch im gesellschaftlichen Gefüge. Diese Komplexität lässt sich jedoch wirklich nur finden, wenn man permanent in Metaphern denkt und damit aufhört, sich mit dem tatsächlich Gezeigten auseinanderzusetzen.

So lässt sich auch seine Version von SPEAK NO EVIL betrachten.

★★½☆☆

🇺🇸, R: James Watkins, D: James McAvoy, Mackenzie Davis, Scoot McNairy, Aisling Franciosi, Alix West Lefler, Dan Hough, Kris Hitchen, Motaz Malhees, Jakob Højlev Jørgensen, Trailer, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany

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Gesehen: Dead Girls Dancing (2023)

Gesehen: Dead Girls Dancing (2023)
Luna Jordan, Katharina Stark und Noemi Nicolaisen // © Mubi

Was Anna Roller wirklich gut einfängt, ist das erdrückende Gefühl der Freiheit. Diese Dichotomie von dem Befreiungsschlag nach zwölf oder 13 Jahren Schule und jetzt erst so richtig beginnendem Erwartungsdruck.

Denn die Erzählung, dass mit dem Abitur in der Tasche die Welt offen steht und sich die eigene Zukunft eigenmächtig gestalten lässt, fällt schnell in sich zusammen. Denn statt ehrlicher Neugier dafür, was diese nun angeblich freien jungen Menschen nun vorhaben, wird eigentlich erwartet, einen wasserdichten Plan für die kommenden Jahrzehnte vorgelegt zu bekommen.

Unter diesen Umständen ist der Mensch frei – frei, um zu versagen und zu erkennen, dass man eben plötzlich ganz alleine in seinem Boot sitzt.

Dieses Sujet lädt Anna Roller mit einer Handvoll biblischer Motive auf, die erst verlockend und dann irritierend sind.

„Hast du Angst vor Schlangen?", fragt die während des Roadtrips aufgegabelte Zoe, bevor sie den jungen Frauen ihre Entdeckung präsentiert: ein Dorf, aus dem alle Menschen scheinbar von einer Sekunde auf die anderen verschwunden sind. Ein Ort, eingefroren in der Zeit, ohne drohende Konsequenzen und Grenzen des Handelns. Es ist die Wiederkehr des Sündenfalls.

All das jedoch am Ende „in den Armen" Gottes zusammenlaufen zu lassen und dort wieder Zuversicht aufkeimen zu lassen, ist eine abtörnend wilde Entscheidung.

So bleibt der Film doch recht blass und irgendwie auch komisch inkonsequent.

★★½☆☆

🇩🇪/🇫🇷, R: Anna Roller, D: Luna Jordan, Noemi Nicolaisen, Katharina Stark, Sara Giannelli, Trailer, Wikipedia, Foto: Mubi

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Wie der deutsche Journalismus in die Trumpismusfalle tappt

Wie der deutsche Journalismus in die Trumpismusfalle tappt
© Christian Lue / Unsplash

Seit einigen Woche höre ich nun eigentlich weitestgehend zufrieden Anne Wills wöchentlichen Politikpodcast. Denn der profitiert von der Ruhe, dem verfügbaren Raum, den bereichernden Gäst:innen und einem ehrlichen Erkenntnisinteresse. Man könnte sagen: Politik mit Anne Will ist die Gegenthese zu ihrer einstigen Talkshow im Ersten.

Dennoch lässt sich auch in diesem Format beobachten, welches Unvermögen deutsche Journalist:innen an den Tag legen, wenn es um die Analyse von Trump in den USA und trumpartige Moves in der deutschen Politik geht.

Im Gespräch mit der Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook etwa, war es mehr als deutlich: Hier wird noch in Grenzen gedacht, in denen Trump und sein Umfeld längst nicht mehr operieren. Welchen Wert hat eine Analyse, die verkennt, dass dort jemand sitzt, der im Zweifelsfall auf Gerichtsentscheidungen und Rechtsauslegungen müde lächelnd nur „I know and I don't care. What are you gonna do about it?" antwortet – und dann wirklich niemand etwas tut. Das ist derzeit im Lager der völlig hilflosen US-Demokraten sehr gut zu beobachten, aber eben auch bei eigentlich schlagkräftigen Medien wie der New York Times, die offenbar nicht anders können, als dem Staatsstreich unter Trump mit Sanewashing zu begegnen und die Dinge nicht als das zu benennen, was sie sind.

Anflüge dessen gab es auch im deutschen Politikjournalismus wahrscheinlich schon immer. Offensichtlicher ist das im Umgang mit der AfD geworden. Wer das offenbar recht aufmerksam beobachtet hat und nun für sich und den eigenen Machtanspruch benutzt: die Union aus CDU und CSU mit Friedrich Merz und seinen Lakai:innen an der Speerspitze.

Wie das dann aussieht – oder in diesem Fall: anhört –, demonstriert Alisha Mendgen, Hauptstadtkorrespondentin des Redaktionsnetzwerks Deutschland, nun bei Anne Will im Podcast, was mir hier als Beispiel dienen soll:

Anne Will: Hat die Union, hat Friedrich Merz die Wähler belogen?

Alisha Mendgen: Sie hat die Wähler getäuscht, würde ich sagen. Also Lüge ist ein sehr großes Wort. Damit tue ich mich schwer, weil man will die Demokratie auch nicht verächtlich machen. Aber sie hat schon etwas behauptet, wo sie wusste, so kann es eigentlich nicht laufen. (Zur Stelle im Podcast springen.)

Keine drei Minuten später:

Alisha Mendgen: Und wenn ich auch sage, er hat was behauptet, wo er wusste, dass das nicht stimmt, ist das ja eigentlich eine Lüge, muss man sagen. Ich möchte nur immer nicht so gerne die, die sowas ständig behaupten von den demokratischen Parteien, also AfD, dann irgendwie unterstützen.

Was bei Friedrich Merz glaube ich hinzukommt und bei der Union insgesamt: Die sind im ganzen Wahlkampf ja einer Versuchung erlegen, Dinge zu versprechen, wo sie wussten, das kommt nicht.
(Zur Stelle im Podcast springen.)

Wo genau liegt jetzt das Problem, eine Lüge als eine Lüge zu bezeichnen – ob sie nun aus einer demokratischen Partei zu hören ist oder nicht? Als Journalist:in hat man nicht die Aufgabe, eine demokratische Partei vor den Angriffen einer undemokratischen, sondern die Demokratie an sich zu schützen. Auch Alisha Mendgen betont, wie wichtig es ist, demokratisches Gebahren nicht erodieren zu lassen. Dazu gehört jedoch nun mal, die Mächtigen (Demokraten) zur Rechenschaft zu ziehen.

Ich bin müde und etwas fassungslos, dass so wenig aus den Fehlern anderer Medien gelernt wird.

🤯 Das Universum als Matrjoschka

🤯 Das Universum als Matrjoschka
Das erste Foto eines schwarzen Lochs, „geschossen" mit dem Event Horizon Telescope // © Event Horizon Telescope/European Southern Observatory unter CC BY 4.0

Mit dem James-Webb-Teleskop haben Wissenschaftler:innen entdeckt, dass große Teile der noch jungen Galaxien im sichtbaren Universum alle in die selbe Richtung rotieren. In einem wahrlich zufällig aufgebauten Universum habe man jedoch erwartet, dass etwa die Hälfte dieser Galaxien in die andere Richtung rotieren würden.

"It is still not clear what causes this to happen, but there are two primary possible explanations," team leader Lior Shamir, associate professor of computer science at the Carl R. Ice College of Engineering, said in a statement. "One explanation is that the universe was born rotating. That explanation agrees with theories such as black hole cosmology, which postulates that the entire universe is the interior of a black hole.
Is our universe trapped inside a black hole? This James Webb Space Telescope discovery might blow your mind
“I think that the simplest explanation of the rotating universe is the universe was born in a rotating black hole.”

Unser Universum könnte demnach also innerhalb eines schwarzen Lochs existieren, dessen Ereignishorizont gleichzeitig der Horizont des von uns aus sichtbaren Universum ist. Das wiederum liest sich wie das astronomische Äquivalent zur einer Matrjoschka. Denn nicht nur würde das bedeuten, dass unser Universum in der Tasche eines noch größeren Universums existiert, sondern das potenziell wiederum in der Tasche eines noch größeren steckt und so weiter und so fort. Gleiches gilt natürlich auch für die „Gegenrichtung": Sind Universum in den schwarzen Löchern unseres Universums versteckt?

Null Plan, ob und wie weit weg das von einem wissenschaftlichen Mainstream ist. Aber es ist ein auch Schwarzschild-Kosmologie genannter, faszinierender Mind-bender, von dem ich heute zum ersten Mal gelesen habe.

Gesehen: Nie wieder schlafen (1992)

Gesehen: Nie wieder schlafen (1992)
Gabi Herz, Christiane Carstens und Lisa Kreuzer // © Filmgalerie 451

Nicht nur eine bloße Antwort auf andere Berlinfilme, die um die Wendezeit herum spielen, sondern ein vollumfänglicher Gegenentwurf zu den Herr Lehmanns, die durch die Berlins in den Paralleluniversen zu Pia Frankenbergs schlurfen. Denn wer in diesem Berlin – entweder kurz vor oder kurz nach der Wende – auf Sinnsuche gehen darf, sind vor allem Männer. Sie dürfen sich ziellos durch die Straßen, in die Arme des Zufalls und vielleicht auch des Glücks treiben lassen.

Aber was tun die Frauen? Den Männern verfallen, ihre Herzen von Männern gebrochen bekommen, zur Randnotiz in den Lebensgeschichten der Herr Lehmanns verkommen – und schließlich sich zu Hause um Kinder kümmern, in toxischen Beziehungen feststecken und eingetrichtert bekommen, Erwartungen an ihre Rolle als Frau und an ihr Aussehen gerecht werden zu müssen.

Die Realität dieser Frauen erkennt Pia Frankenberg an, gibt diesen Frauen eine Plattform und eine Gelegenheit, aus dem Stillstand auszubrechen, ein Momentum zu entwickeln, sich einer Dynamik hinzugeben, die mehr aus einer Intuition statt einer intellektuellen Entscheidung heraus entsteht – trotz der Ketten, die sie weiterhin mit sich schleppen.

★★★★☆

🇩🇪, R: Pia Frankenberg, D: Lisa Kreuzer, Gabi Herz, Christiane Carstens, Ernst Stötzner, Michael Altmann, Leonard Lansink, Trailer, Letterboxd, Foto: Filmgalerie 451

Nie wieder schlafen - Nie mehr zurück - Stream: Online
Wie man “Nie wieder schlafen - Nie mehr zurück” auf Netflix & anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.
A ★★★★ review of Never Sleep Again (1992)
Nicht nur eine bloße Antwort auf andere Berlinfilme, die um die Wendezeit herum spielen, sondern ein vollumfänglicher Gegenentwurf zu den Herr Lehmanns, die durch die Berlins in den Paralleluniversen zu Pia Frankenbergs schlurfen. Denn wer in diesem Berlin – entweder kurz vor oder kurz nach der Wende – auf Sinnsuche gehen darf, sind vor allem Männer. Sie dürfen sich ziellos durch die Straßen, in die Arme des Zufalls und vielleicht auch des Glücks treiben lassen. Aber was tun die Frauen? Den Männern verfallen, ihre Herzen von Männern gebrochen bekommen, zur Randnotiz in den Lebensgeschichten der Herr Lehmanns verkommen – und

Firlefänzchen № 13 - The Newsletter That Eats Its Young

Firlefänzchen № 13 - The Newsletter That Eats Its Young
© Urban Vintage / Unsplash

Im Wiki-Kosmos gibt es das Projekt „Stolpersteine goes Wikidata", das ich ziemlich cool finde. Mal schauen, ob ich noch was von vor meiner Haustür beitragen kann.

Die Vision des Vorhabens ist es, alle Stolpersteine und die Informationen zu Personen und Lage sowie die Bilder digital verfügbar zu machen und miteinander zu verbinden.
Digitale Stolpersteine – Erinnerungskultur trifft auf Innovation
Das Projekt „Stolpersteine nach Wikidata“ vernetzt Gedenkorte digital. Erfahren Sie, wie Wikipedia, Wikidata und Commons zur Erinnerungskultur beitragen.

(gefunden bei VeGaNGoTH aus der UberBlogr-Nachbarschaft)


Apple arbeitet an einem tatsächlichen Babelfisch. Eigentlich ein No-Brainer, wo Simultanübersetzung durch Software schon längst in vielen gängigen Kommunikationstools verfügbar ist. Aber auch hier heißt es: erst mal abwarten. Denn bei Apple läufts in Sachen Software gerade alles andere als rund. John Gruber hat das diese Woche gut zusammengefasst.

AirPods Getting Live Translation Feature Later This Year
Apple is working on q feature that will let the AirPods translate in-person conversations from one language to another, reports Bloomberg. The…

Jason Kottke schreibst seit nunmehr 27 Jahren kottke.org. Diese Ausdauer und dieser anhaltende frische Blick, mit dem Jason uns seine Perspektive auf die Welt präsentiert, ist für mich praktisch täglich eine Bereicherung.

This One Goes to 27
On this day 27 years ago, on March 14, 1998, I started this here website. I’m not sure what there is to say about the ridi

Die Barkley Marathons liegen wieder in der Luft! Den Hashtag werde ich auf jeden Fall in einer Spalte offen haben. So egal mir Wettkampfsport ist, so spannend finde ich gerade diesen Höllenritt doch, seit ich zufällig über den Dokumentarfilm THE BARKLEY MARATHONS: THE RACE THAT EATS ITS YOUNG (2014) gestolpert bin. Vergangenes Jahr habe ich außerdem zwei knackige Kurzdokus geschaut, während das Rennen noch lief, das später auch Jasmin Paris als erste Frau überhaupt finishen sollte.

Barkley Marathons 2025: How to follow and who’s taking part in infamous race
After an epic - and groundbreaking - 2024 edition, what lies in store at ultrarunning’s most infamous event this time around?

Die Co-Chefredakteurin der taz, Ulrike Winkelmann, prognostiziert die finsteren publizistischen Abgründe, in die sich Julian Reichelts Nius nun nach der Bundestagswahl begeben könnte.

Damit zeichnet sich ab, wie Nius die neue Regierung bald vor sich hertreiben wird. Friedrich Merz als Kanzlerkandidat und seine Union waren kurzsichtig genug, einen Antiasylwahlkampf mit rechtspopulistischen Erwartungen zu betreiben. Genau daran werden sie von Nius und dessen Kon­su­men­t:in­nen nun gemessen werden.
Der Onlinekanal Nius: Dreckschleuder für anti-rot-grüne Ressentiments
Multimillionär Frank Gotthardt fördert das rechtspopulistische Onlineportal Nius. Inzwischen hat er auch eine TV-Lizenz.

Elon Musk ist ganz offensichtlich dabei, glaubhafte Abstreitbarkeit vorzubereiten und in den Köpfen der armen Menschen zu verfestigen, die noch auf dem zugrunde gerichteten Twitter unterwegs sind, während er weiter mit am Staatsstreich in den USA arbeitet.

Der ursprüngliche Post behauptet, Hitler, Stalin und Mao seien nicht selbst für die Millionen Tote verantwortlich – sondern lediglich „ihre öffentlichen Bediensteten“. [...] Die Botschaft: Hitler habe ja gar nicht aktiv gemordet – das waren nur die Beamten.
Musk verharmlost den Holocaust - wann verlassen deutsche Politiker Twitter?
Faschist Elon Musk hat einen Post geteilt, der Hitler vor der Verantwortung des Holocaust in Schutz nimmt. Warum sind die deutschen Politiker noch auf Twitter?

...oder habe ich irgendwas vergessen? Dann her damit! Bis dahin: Danke für die Aufmerksamkeit 🙌


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