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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Ti-West-Triple im Kino: X, Pearl & MaXXXine

Ti-West-Triple im Kino: X, Pearl & MaXXXine
Fotos (v.l.n.r.): capelight Pictures (X), Universal Pictures International Germany (PEARL, MAXXXINE)Fotos (v.l.n.r.): capelight Pictures (X), Universal Pictures International Germany (PEARL, MAXXXINE)

Als Teil des Ti-West-Triples zusammen mit den beiden anderen Ablegern der Reihe im Leipziger Luru Kino geschaut. Was besonders deutlich wird, wenn man die drei Filme so geballt sieht, ist, wie detailversessen Ti West ist und wie das niemals reiner Selbstzweck bleibt, sondern auch immer wieder dafür genutzt wird, die drei Filme und ihre Themen miteinander in Beziehung zu setzen, sie zu verweben.

Beim ersten Mal X habe ich vor allem auf die Auseinandersetzung mit Moral und Gesellschaft geachtet. Nun, beim zweiten Mal, ist mir vor allem die krankhafte Obsession der Figuren mit der ewigen Jugend, dem Ekel vor dem Alter, dem Schein und nur selten dem Sein, das letztlich auch wortwörtlich unter die Räder kommt, ins Auge gesprungen.

Die Kraft des Technicolor-Idylls ist mir selbstverständlich bereits beim ersten Mal PEARL aufgefallen. Nachgedacht habe ich hingegen vor allem über das Verhältnis zwischen Sexualität und Selbstermächtigung. Nun, beim zweiten Mal, bin ich wieder auf die Farben zurückgekommen. Denn es sind diese komplett übersättigten, sich intensiv einbrennenden Farben, die so eng verknüpft sind mit Filmen wie THE SOUND OF MUSIC (1965) oder THE WIZARD OF OZ (1939) und damit auch mit Hoffnung und einem so implizierten Aufstiegsversprechen, mit dem PEARL radikal bricht.

Gesehen: Pearl (2022)
PEARL ist ein wunderbares Companion Piece zu X, das viele Themen des Vorgängers aufgreift, sie jedoch in die jeweils fast schon entgegengesetzte Richtungen laufen lässt. ️ Im Geiste vereint sind beide Figuren bei Film. Für X-Mia Goth eine Möglichkeit, aus ihrem Leben, also von etwas zu fliehen. Für PEARL-Mia Goth ein

MAXXXINE habe ich beim ersten Mal vor allem durch die Brille des Spiels mit der eigenen Medialität und die einer Reflexion der Frauenrolle in Kunst und Gesellschaft gesehen. Jetzt war es die Flüchtigkeit von Ruhm, die Austauschbarkeit des Menschen im Gefüge der (Kultur-)Industrie und die Erotik bzw. Erotifizierung von Gewalt. Auch die zahlreichen Giallo-Anleihen sind mir jetzt erst so richtig bewusst geworden.

Gesehen: MaXXXine (2024)
Es ist schon ganz cool, wie der Film mit seiner eigenen Medialität spielt, dabei drei Ebenen – den Film im Film, den eigentlichen Film und wir vor der Kinoleinwand/dem Bildschirm – aufzieht und so auch Querverbindungen zur Gegenwart sichtbar macht. Denn die heutigen Bestrebungen evangelikaler Christ*innen, vor allem in den
Fotos (v.l.n.r.): capelight Pictures (X), Universal Pictures International Germany (PEARL, MAXXXINE)

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Gesehen: Das freiwillige Jahr (2019) - Vater vs. Freiheit

Gesehen: Das freiwillige Jahr (2019) - Vater vs. Freiheit
Maj-Britt Klenke // © Grandfilm

Ein beachtliches Kunststück, derartige vermeintliche Banalitäten durch unendlich viele subtile Spitzen mit Spannung aufzuladen.

Freiheit ist eine Illusion und realistisch betrachtet ein Gefängnis – jedenfalls, wenn wir der Vaterfigur dieser Geschichte folgen.

Seine Vorstellung von Freiheit dreht sich nur um seine eigene Freiheit und nicht die seines Umfeldes. Unter diesen Umständen ist ein „Bitte" niemals eine ehrliche Bitte und ein „Zusammen" immer das Ziehen einer anderen Person an deren Hand.

Freiwilliges soziales Jahr in Südamerika? Klar, da kann sich die Tochter frei entfalten, zu ihrem eigenen Menschen heranwachsen und an sich und ihren Aufgaben wachsen.

Die Affäre hat das Verhältnis ihrem Mann gebeichtet? Das ist jetzt irgendwie zu viel Stress.

Es wird klar, dass ehrliche, wahrhaftige und echte Freiheit nur miteinander und nicht aneinander vorbei funktioniert. Ansonsten ist die Freiheit des einen immer das Gefängnis eines anderen Menschen.

★★★★½

🇩🇪, R: Ulrich Köhler, Henner Winckler, D: Maj-Britt Klenke, Sebastian Rudolph, Thomas Schubert, Stefan Stern, Katrin Röver, Margarita Breitkreiz, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Grandfilm

Das freiwillige Jahr - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Isabelle Caldarts treffende „Girls"-Bilanz und lebende Kunst

Isabelle Caldarts treffende „Girls"-Bilanz und lebende Kunst
© Oleksandra Bardash / Unsplash

Isabelle Caldart arbeitet in einem Text für 54books umfassend die zahlreichen Ambivalenzen hinsichtlich Lena Dunhams HBO-Serie Girls (2012-2017) heraus. Mir gefällt dieser unaufgeregte Blick, der weit entfernt von jeglicher Glorifizierung und prinzipieller Verteufelung geworfen wird.

Für mich bringt Caldart mit diesem Text auf den Punkt, was Kunst für mich so faszinierend macht. Denn Girls war während der 2010er nicht nur ein beeindruckend authentisches Zeitdokument. Wer aus unserer Gegenwart heraus mit den sechs Staffeln in Dialog tritt, wird merken, dass die Serie nicht nur für ihre Zeit spricht, sondern uns auch viel über unsere Zeit, mehr als zehn Jahre nach Serienstart, erzählt.

Dann gibt es wiederum Situationen innerhalb der Serie und im echten Leben der Autor:innen und Darsteller:innen, auf die sich unser Blick als Gesellschaft mindestens verändert, in Teilen auch geschärft hat.

Die Kunst lebt, kann und muss sogar ständig neu bewertet werden. Das fasziniert mich immer und immer wieder.

Zudem war Dunham auf gewisse Weise ihrer Zeit voraus: „Girls“ ist eine der ersten Serien, die Frauen, die als eher unsympathisch dargestellt werden, in den Fokus nimmt. Das war auch immer eine gängige Beschwerde über die Serie: Man würde die Charaktere nicht mögen. Aber die Sehgewohnheiten haben sich verändert, inzwischen stehen unliebsame Frauen öfter im Zentrum von Filmen und Serien. Hinzu kommt, dass sich Dunham in „Girls“ als nicht normschöne Frau häufig nackt zeigte. Was in den frühen 2010er Jahren teilweise für Empörung sorgte, lässt sich heute als Female Empowerment interpretieren.
Grauzonen - Die Problematische Brillanz der Serie „Girls“ - 54books
von Isabella Caldart CN: Dieser Artikel enthält Schilderungen sexualisierter Gewalt. Seit einigen Jahren lässt sich eine richtiggehende „Girls“-Renaissance ausmachen. In sozialen Netzwerken werden…

Gesehen: Queen of Earth (2015) - In Bergmans Tradition

Gesehen: Queen of Earth (2015) - In Bergmans Tradition
Elisabeth Moss // © Faliro House Productions, Washington Square Films, Her Majesty September, Forager Film

Steht gefühlt in der Tradition eines Ingmar Bergman, an dessen Film THE SILENCE (1963) ich jedenfalls hier und da denken musste. Auch Alex Ross Perry entwickelt viel über die – vage, provokative, wütende, herablassende – Art der Kommunikation seiner Figuren untereinander.

Durch präzisen Schnitt lässt er Zeit und Raum ineinander fließen und taucht so immer tiefer ein in eine Psyche, die entgleitet und die Umwelt nur noch verzerrt wahrnehmen lässt. Du snackst Chips? Ohrenbetäubender Lärm, den du vorsätzlich erzeugst, um mich zu provozieren! Jede Frage dient plötzlich einzig und allein dem Ziel, mich herabzusetzen. Mein eigener Kopf beginnt damit, gegen mich zu arbeiten. Und du stehst grinsend an der Seitenlinie und feuerst ihn auch noch an!

Das erzeugt zuverlässig ein durchgehend unangenehmes Gefühl. Letztlich finde ich jedoch, dass der Film sich zu sehr und zu affektiert auf diesen Entrückungseffekt verlässt und dabei vergisst, was darunter eigentlich liegen soll.

★★★☆☆

🇬🇷/🇺🇸, R: Alex Ross Perry, D: Elisabeth Moss, Katherine Waterston, Patrick Fugit, Kentucker Audley, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Faliro House Productions, Washington Square Films, Her Majesty September, Forager Film

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Das „Alice im Wunderland"-Manuskript ist voller schöner Illustrationen von Lewis Carroll selbst

Das „Alice im Wunderland"-Manuskript ist voller schöner Illustrationen von Lewis Carroll selbst

Die British Library birgt einen ganz besonderen Schatz: das von Lewis Carroll handgeschriebene Manuskript, aus dem später Alice im Wunderland werden sollte.

Carroll presented the fictional Alice’s namesake with the manuscript, according to the British Library, as an early Christmas present in 1864. When his friends encouraged him to publish it, he performed a few revisions, “removing some of the family references included for the amusement of the Liddell children,” adding a couple of chapters (the beloved Cheshire Cat and the Mad Hatter’s tea party being among their new material), and enlisting John Tenniel, a Punch magazine cartoonist known for his illustrations of Aesop’s Fables, to create professional art to accompany it. The result, retitled Alice’s Adventures in Wonderland, came out in 1865 and has never gone out of print. (Openculture)

John Tenniel hat die Geschichte also zum ersten Mal „professionell" illustriert. Doch das Manuskript kam bereits mit einigen Zeichnungen – und zwar von Lewis Carroll höchstselbst. Selbst die Kapitelköpfe sind träumerisch kalligraphiert und es gibt auch ein paar textästhetische Spielereien.

Das Manuskript ist gemeinfrei und kann bei der British Library oder noch bequemer bei Archive.org eingesehen werden.

Alice’s Adventures Under Ground : Carroll, Lewis, 1832-1898 : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive
Low def facsimile of the original manuscript, maid from British Library’s Virtual books Add. MS 46700 (see at…
Behold Lewis Carroll’s Original Handwritten & Illustrated Manuscript for Alice’s Adventures in Wonderland (1864)
Almost exactly 155 years ago, Lewis Carroll told three young sisters a story. He’d come up with it to enliven a long boat trip up the River Thames, and one of the children aboard, a certain Alice Liddell, enjoyed it so much that she insisted that Carroll commit it to paper.

Meine Lieblingsstellen habe ich gescreenshottet.

Gesehen: Rumble Fish (1983)

Gesehen: Rumble Fish (1983)
© Plaion Pictures

Für mich war es die so oft von unten aufblickende Kamera, mit der diese Figuren in Szene gesetzt werden, was diesen und dem ganzen Geschehen eine regelrechte Larger-than-life-Optik, eine Art theatralische Überhöhung verleiht, die sich Ästhetisch an Musicalverfilmungen wie etwa WEST SIDE STORY annähert. Diese Stilisierung geschieht selbstbewusst und nie den Bogen überspannend.

Coppola zeichnet mit diesen Mitteln ein vielschichtiges Bild einer vergessenen oder vielleicht sogar verlorenen Generation.

Eine Generation, die unter von Kriegstraumata verschiedenster Art geprägten Eltern aufgewachsen ist. Diese Eltern versuchen, im Sinnbild des Films, ihre inneren Dämonen mit Alkohol verstummen zu lassen. Doch diese Menge an Hochprozentigem zersetzt nicht nur die Leber, sondern auch das eigene Herz und folglich die Beziehung zu allen nahestehenden Menschen.

Diese Eltern ziehen eine Generation heran, die keinen funktionierenden Zugang zu ihren Gefühlen mitgegeben bekommen hat. Gefühle überfordern, sind vielleicht sogar peinlich und müssen um jeden Preis verdrängt werden – etwa durch vermeintlich hypermaskulines Verhalten und die Ablehnung von allen als autoritär empfundenen Strukturen wie die Schule, die eigene Familie und Liebesbeziehungen auf Augenhöhe, weil einer Frau diese Gerechtigkeit nicht zugestanden und deshalb als Ungleichgewicht in der natürlichen Ordnung wahrgenommen wird.

★★★★☆

🇺🇸, R: Francis Ford Coppola, D: Matt Dillon, Mickey Rourke, Diane Lane, Dennis Hopper, Diana Scarwid, Vincent Spano, Nicolas Cage, Chris Penn, Laurence Fishburne, William Smith, Trailer, Wikipedia, Foto: Plaion Pictures

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