Mein Lieblings-(Deutschrap-)Historiker auf Youtube, Franz Pökler, hat in den vergangenen Monaten die Corona-Pandemie im Deutschrap aufgearbeitet. Ich habe extra mit diesem Post gewartet, bis alle drei Teile erschienen sind.
Streng mit Pöklers Publikum vor Augen, sind diese insgesamt stolzen 140 Minuten aus inhaltlicher Sicht sicherlich selten mehr als eine Predigt zum Chor.
Für mich liegt der große Wert von seinen Videos jedoch darin: Was hier passiert, ist Wissenschaftskommunikation und das Vermitteln von Werkzeugen für tatsächliches kritisches Denken durch die Brille der popkulturellen Realität junger Menschen.
Seit ein paar Wochen ist der Name Timothy Snyder wieder öfter zu lesen. Der Grund sind die Aktionen von Donald Trump und seiner Regierung, wegen denen der Historiker seine Professur an der renommierten Yale University im US-Bundestaat Connecticut aufgibt und mit seiner Familie nach Kanada zieht, wo er das Institut für Moderne Europäische Geschichte der Munk School of Global Affairs and Public Policy an der University of Toronto leiten wird.
Snyder ist einer der klügsten Köpfe ist, wenn es um Autoritarismus geht. Sein Buch On Tyranny: Twenty Lessons from the Twentieth Century (dt. Titel: Über Tyrannei: 20 Lektionen für den Widerstand) erschien 2017 und wurde nicht nur unter Historiker:innen, sondern auch von einer breiteren Öffentlichkeit rezipiert.
Deshalb hat die Entscheidung, die USA zu verlassen und nach Kanada zu ziehen, Gewicht und kann gewissermaßen nur als weiteren Warnschuss wahrgenommen werden.
Sozusagen zurück lässt er 20 Lektionen für den Umgang mit dem, was er als Tyrannei betitelt. Und der charismatische John Lithgow hat sie nun vor der Kamera vorgelesen. Weil, warum eigentlich nicht?
I'm going to read you 20 Lessons on Tyranny by Timothy Snyder. You may have already heard these, but it's time you heard them again.
Hier reihen sich Moment an Moment an Moment an Moment an Moment, bei denen nur vom geschriebenen Wort ausgehend man nur zu dem Schluss kommen kann: Das ist Satire! Nur scheint das niemand Patricia Riggen mitgeteilt zu haben, die hier wirklich einen bierernsten Actionthriller inszeniert hat, der sich wirklich mit extrem wenig zufriedengibt.
Wenn man verschwörungsverbreitenden Terroristen aufs Maul geben kann, ist das schon einen selbstzufriedenen Schulterklopfer wert. Schön zeitgeistig kann man sich dabei fühlen – und progressiv mit, einer Schwarzen Frau in der Rolle der US-Präsidentin, sowieso. Dass man dabei jedoch trotzdem im übertragenen und teilweise auch direkten Sinne das verfassungsrechtlich verankerte Recht, sich zu bewaffnen, um gegen Feinde von außen wie innen vorzugehen, fast schon fetischisiert, ist dann offenbar auch egal.
Außerdem fällt es mir doch schwer, den hier so zelebrierten Erhalt bestehender Machtstrukturen abzufeiern. Staaten bzw. Regierungen sind keine Fußballteams. G20 ist inhaltlich regelrecht regressiv und inszenatorisch ambitionslos. Die black·ish-Reunion habe ich mir sowieso anders vorgestellt.
½☆☆☆☆
🇺🇸, R: Patricia Riggen, D: Viola Davis, Anthony Anderson, Marsai Martin, Antony Starr, Ramón Rodríguez, Douglas Hodge, Elizabeth Marvel, Sabrina Impacciatore, Gideon Emery, Clark Gregg, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon MGM Studios
Das Programm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes ist gerade präsentiert worden. Dass der Bums zwar live und simultanübersetzt gestreamt wurde und dazu vor einer riesigen Kinoleinwand stattfand, aber es statt Einblendungen immer noch nur Festivaldirektor Thierry Frémaux ohne Punkt und Komma mit seinem Zettel in der Hand gibt, is still one of the most french things ever.
...Richard Linklater, der mit NOUVELLE VAGUE einen Stoff über die Entstehung von Jean-Luc Godards legendärem Langfilmdebüt BREATHLESS (1960) präsentiert. Derartige Metafilme lassen mich in der Regel kalt.
...Wes Andersons THE PHOENICIAN SCHEME, weil spätestens mit ASTEROID CITY die Ermüdung bei mir eingesetzt hat.
In der Un Certain Regard läuft außerdem ONCE UPON A TIME IN GAZA von Arab und Tarzan Nasser, deren zärtlichen GAZA MON AMOUR ich sehr mochte. Ebenfalls in dieser Rubrik wechseln Harris Dickinson und Scarlett Johansson auf den Regiestuhl – was in mir ebenfalls ein masochistisches Interesse auslöst.
Ein Coming-of-Age gegen binäre Geschlechterkonstrukte
Bild: Nice Picture, Wondaland
Toll, diesen Missstand der von cis Männern dominierten und daher für cis Männer gedachten Medizin aufzugreifen und daraus ein Coming-of-Age gegen binäre Geschlechterkonstrukte zu inszenieren.
Direkt von seinem Gynäkologen wie ein Auto behandelt zu werden, dessen Getriebe nicht ganz rund läuft. Umgehend den vermeintlich einzigen Weg aufgezwungen bekommen, das angeblich kaputte Getriebe zu reparieren. Wie ein Gebrauchsgegenstand mit Macke behandelt zu werden. Das ist engstirnig, kurzsichtig, fahrlässig und entmenschlichend – kurz: menschenfeindlich.
So „erfrischend" ich das Aufgreifen dieses Themas finde, so zwiegespalten und skeptisch lässt mich dieser Film zurück. Denn viele Szenarien werden mit angezogener Handbremse durchfahren. Alles ist unter einer Käseglocke gespielt und in Watte verpackt. Den Figuren wird weder Ekstase gegönnt, noch werden wirklich tiefe Abgründe erforscht.
Dieser Wattebausch schiebt sich leider immer und immer wieder vor den sehr ehrlichen emotionalen Kern des Films, der Geschichte und Figuren.
Eine kleine, herzerwärmende Geschichte – nicht nur für Filmfans und in typisch weichgespülter Frühstücksfernsehen-Art:
When the "Video Stop" in Idaho closed, its owner made sure Christina Cavanaugh, a loyal customer with Down syndrome, could still "rent" her movies every afternoon – thanks to a new section just for her.
Videotheken mögen Relikte der Vergangenheit sein, wenn man sie rein aus einer filmbeschaffenden Perspektive betrachtet. Aber als soziale Orte, als Räume der Zusammenkunft für Gemeinschaften sowie Instrumente der Inklusion und Teilhabe werden sie (in meiner Generation) nur selten in Erwägung gezogen.
Ich selbst war irgendwie immer neidisch auf meine Freund:innen, die hier und da mal mit einem krassen Film aus der Videothek nach Hause kamen. Denn ich bin ohne VHS aufgewachsen und auch DVDs hielten erst vergleichsweise spät bei uns Einzug. Aus heutiger Sicht hätte ich damals natürlich gerne schon den Austausch über Filme mit Gleichgesinnten erlebt. (Realistisch betrachtet wäre ich dafür auf jeden Fall zu schüchtern gewesen. Zum Glück gibt es heute Letterboxd 😅)
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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