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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gert Scobel über generative KI als lehrreicher Spiegel

„Die wahre menschliche Alphabetisierung im KI-Zeitalter bedeutet also gerade nicht, unsere Begrenztheit zu überwinden, Code und Programm als Quelle der Bedeutung zu verstehen[...]."

Gert Scobel über generative KI als lehrreicher Spiegel
Foto: Rishabh Dharmani / Unsplash

Es freut mich wirklich sehr, dass Gert Scobel das mit der Rente nur so halb ernst gemeint hat und jetzt auf Youtube weitermacht. Seine Videos stoßen mir bisher immer neue Türen auf und bieten Perspektiven, die im „Tagesgeschäft" vom Schaum vor den Mündern eher verdeckt werden.

Auch sein Video über generative KI war für mich in dieser Hinsicht sehr bereichernd:

Die Frage der Zukunft ist daher, ob und wie wir KI wirklich nutzen können, um selber weise zu werden. Shukai Matsumoto sagt: Eine KI zeigt uns nicht, wie wir werden sollen, sondern wer wir jetzt sind. Sie fungiert als ein philosophisches Kontrastmittel, das unsere eigene Natur und unsere eigene Perspektive erst sichtbar macht. Und das ist sehr lehrreich, aber auf eine ganz andere Weise, als wir normalerweise glauben.

Die wahre menschliche Alphabetisierung im KI-Zeitalter bedeutet also gerade nicht, unsere Begrenztheit zu überwinden, Code und Programm als Quelle der Bedeutung zu verstehen, selber coden und programmieren zu können. Wir sind es, die einem Phänomen Bedeutung geben. Wir. Und wir geben auch der KI ihre Bedeutung.

Was wir brauchen, ist in seinen Augen ein neuer Humanismus, der nicht auf der Überlegenheit über andere Wesen basiert, sondern unser eigenes Bewusstsein kultiviert und transparent macht für die Einzigartigkeit und Zerbrechlichkeit unserer eigenen, aber relativen Existenzweise.

Kinotagebuch: Miroirs No. 3 (2025) - Echo des Schmerzes

Christian Petzold inszeniert eine in tausend Teilen zersprungene Vase und die Frage, wie die wieder zusammenzusetzen ist.

Kinotagebuch: Miroirs No. 3 (2025) - Echo des Schmerzes
Foto: Schramm Film, Piffl Medien

Ein ganzer Film als Summe unendlich vieler Echos einer unwiederbringlichen Vergangenheit, in der scheinbar nur Schmerz begraben liegt. Dieser Schmerz, dieser damit zusammenhängende Verlust bricht sich Bahn in vielen, kleinen unscheinbaren Momenten – durch das Knarzen der Holzdielen an dieser einen bestimmten Stelle, durch die zufällige Berührung, wenn man sich beim Aufräumen der Küche aneinander vorbeidrückt, durch ein abgewetztes T-Shirt und diese verstimmte Saite des Klaviers.

Christian Petzold weiß, wie er das auf den Punkt genau inszeniert. Er watet nicht im Trauma umher, er wehrt sich gegen jegliche Rührseligkeit und legt eine ganz wesentliche emotionale Ebene frei – völlig in sich selbst und damit in absoluter Sicherheit ruhend; eingefangen in unglaublich warmen Bildern, die sich wie eine tröstende Umarmung um die Figuren schmiegen.

Sehr klug und feinsinnig beobachtet ist hier außerdem, wie und warum es für Heilung unabdingbar ist, durch den Schmerz zu gehen. Mir erschien vor dem inneren Auge das Bild einer in tausend Teile zersprungenen Vase, die man in mühsamster Bastelarbeit wieder zusammenklebt, nur um dann das eine wichtige Stück nicht mehr zu finden und es mit einem billigen Stück Plastik zu ersetzen.

Die Vase sieht nicht mehr wie zuvor aus und wird es auch nie wieder tun. Des Pudels Kern ist das Ringen um und mit dieser Erkenntnis.

★★★★½

🇩🇪, R: Christian Petzold, D: Paula Beer, Barbara Auer, Matthias Brandt, Enno Trebs, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Piffl Medien

Den Film streamen:

Miroirs No. 3 - Stream: Jetzt Film online anschauen
Wo und wie heute “Miroirs No. 3” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!

Die Kritik auf Letterboxd:

A ★★★★½ review of Miroirs No. 3 (2025)
Ein ganzer Film als Summe unendlich vieler Echos einer unwiederbringlichen Vergangenheit, in der scheinbar nur Schmerz begraben liegt. Dieser Schmerz, dieser damit zusammenhängende Verlust bricht sich Bahn in vielen, kleinen unscheinbaren Momenten – durch das Knarzen der Holzdielen an dieser einen bestimmten Stelle, durch die zufällige Berührung, wenn man sich beim Aufräumen der Küche aneinander vorbeidrückt, durch ein abgewetztes T-Shirt und diese verstimmte Saite des Klaviers. Christian Petzold weiß, wie er das auf den Punkt genau inszeniert. Er watet nicht im Trauma umher, er wehrt sich gegen jegliche Rührseligkeit und legt eine ganz wesentliche emotionale Ebene frei – völlig in

Die Kritik als Tonspur:

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MIROIRS NO. 3 (2025, Christian Petzold)
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Gradmesser für die Weltlage am 21. September 2025 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: Limp Bizkit in Battlefield, aus Sicht der Quantenmechanik vibrierende ICEs und KI-Bier.

Gradmesser für die Weltlage am 21. September 2025

What...

Battlefield 6 Reportedly Contains 3 Different Limp Bizkit Songs
Also: Intel is still making GPUs, an update on Charlie Kirk’s killer and his gaming history, and Donkey Kong Bananza’s soundtrack arrives on the Nintendo Music app

Also zugegeben: Damals™, als pubertierender Teenager, war Battlefield: Vietnam der geilste Scheiß mit Creedence Clearwater Revival, Deep Purple oder Jefferson Airplane auf dem Soundtrack. Zurückblickend ist es natürlich total befremdlich, einen realen Krieg derart popkulturell zu durchtränken – Hauptsache, man kann sich irgendwie noch auf APOCALYPSE NOW beziehen.

(via Nathan Grayson)


Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

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Kann man schon so machen, hat dann halt nur nichts mehr mit Demokratie zu tun 🤷‍♂️

Das Pentagon fordert, dass Journalisten nur noch vom Ministerium autorisierte Informationen verbreiten - oder ihren Pressezugang verlieren, wenn sie dem nicht Folge leisten. Also: kein Journalismus mehr, sondern nur noch Stenografie dessen, was das Regime kommuniziert haben will.

Annika Brockschmidt (@ardenthistorian.bsky.social) 2025-09-20T09:23:54.333Z

Ganz guter Gradmesser für die Weltlage scheint mir persönlich, ob "🤷‍♂️" in den zuletzt benutzten Emojis auftaucht und wie lange er dort einen der oberen Plätze belegt. Aktuell: ständig.


Was hat der Late-Night-Host wirklich gesagt?

Scheitern deutsche Analysen der Causa Jimmy Kimmel an einer falschen Übersetzung?
Was hat der Late-Night-Host wirklich gesagt?

Ja meine Tochter, statistisch gesehen bin ich bereits daheim, ich bringe dich gerade mit einer Wahrscheinlichkeit von 55% ins Bett. Nein, du musst dir keine Sorgen machen, denn aus Sicht der Quantenmechanik vibrieren die ICEs in allen Bahnhöfen und sind damit ein wenig auch immer schon daheim.

Gabriel Yoran (@yoran.com) 2025-09-20T19:55:15.637Z

Nein!? Doch! Ohh!

'Artificial intelligence tools used by doctors risk leading to worse health outcomes for women and ethnic minorities, as a growing body of research shows that many large language models downplay the symptoms of these patients.' www.ft.com/content/128e...

Thiago Carvalho (@cyrilpedia.bsky.social) 2025-09-21T07:47:53.973Z

Wiesn-Update: Soeben wurde im Käfer-Festzelt die weltweit erste Maß Bier per KI bestellt, Sascha Lobo trinkt sie gerade aus

Moritz Hürtgen (@moritzhuertgen.de) 2025-09-21T16:32:38.666Z

Ein Film, dessen Form bereits als Widerstand gegen sich das im Hintergrund abspielende Unheil zu begreifen ist.

Gesehen: Black Dog (2024) - Verordnete Vorfreude
Ein Film, dessen Form bereits als Widerstand gegen sich das im Hintergrund abspielende Unheil zu begreifen ist.

William Friedkin irritiert und provoziert klug durch seine Kameraführung. Nur Emile Hirsch und Thomas Haden Church hätten vorher noch mal einen Schauspielkurs besuchen sollen.

Gesehen: Killer Joe (2011) - Gelungener Gaze
William Friedkin irritiert und provoziert klug durch seine Kameraführung. Nur Emile Hirsch und Thomas Haden Church hätten vorher noch mal einen Schauspielkurs besuchen sollen.

AAAHHHHHH

Endless Screaming (@infinitescream.bsky.social) 2025-09-21T16:22:36.53589300Z

Gesehen: Killer Joe (2011) - Gelungener Gaze

William Friedkin irritiert und provoziert klug durch seine Kameraführung. Nur Emile Hirsch und Thomas Haden Church hätten vorher noch mal einen Schauspielkurs besuchen sollen.

Gesehen: Killer Joe (2011) - Gelungener Gaze
Foto: WVG Medien

Am Anfang war ich super irritiert davon, wie teilweise genüsslich und in durchgehend „unpassenden" Momenten die Kamera Juno Temples Figur sexualisiert wird. Doch dann beginnt der Film relativ schnell damit, mit offenen Karten zu spielen. Teil dessen ist auch der Male Gaze, in dessen Falle der Film nie tappt, sondern ihn stattdessen umfunktioniert und als bewusste Irritation positioniert.

KILLER JOE ist ein Film über Männer, die Frauen ausschließlich als Objekte, die man besitzen kann, betrachten. Es ist jedoch nicht nur die wortwörtliche Hand des Mannes, die hier die Gewalt über Frauen hat. Es sind auch Blicke, die selbst übergriffig und besitzergreifend sein können. Genau die Perspektive dieser Blicke wird uns als Publikum durch die Kamera aufgezwungen. Das irritiert, das provoziert und macht es unmöglich, sich nicht auch mit seiner eigenen Rolle auseinanderzusetzen.

Gänzlich fehl am Platz sind hier Emile Hirsch und Thomas Haden Church, die völlig steif durch ihre Dialoge stolpern und wie im Schultheater offensichtlich mehr damit beschäftigt sind, auf ihr Stichwort zu warten, als sich auf den jeweiligen Moment einzulassen.

★★★☆☆

🇺🇸, R: William Friedkin, D: Matthew McConaughey, Emile Hirsch, Juno Temple, Thomas Haden Church, Gina Gershon, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: WVG Medien

Den Film streamen:

Killer Joe - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Wo und wie heute “Killer Joe” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!

Die Kritik auf Letterboxd:

A ★★★½ review of Killer Joe (2011)
Am Anfang war ich super irritiert davon, wie teilweise genüsslich und in durchgehend „unpassenden” Momenten die Kamera Juno Temples Figur sexualisiert wird. Doch dann beginnt der Film relativ schnell damit, mit offenen Karten zu spielen. Teil dessen ist auch der Male Gaze, in dessen Falle der Film nie tappt, sondern ihn stattdessen umfunktioniert und als bewusste Irritation positioniert. KILLER JOE ist ein Film über Männer, die Frauen ausschließlich als Objekte, die man besitzen kann, betrachten. Es ist jedoch nicht nur die wortwörtliche Hand des Mannes, die hier die Gewalt über Frauen hat. Es sind auch Blicke, die selbst übergriffig und

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KILLER JOE (2011, William Friedkin)
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Gesehen: Black Dog (2024) - Verordnete Vorfreude

Ein Film, dessen Form bereits als Widerstand gegen sich das im Hintergrund abspielende Unheil zu begreifen ist.

Gesehen: Black Dog (2024) - Verordnete Vorfreude
Foto: Filmwelt Verleihagentur

Eigentlich ein Film, der sich komplett im Hintergrund entfaltet – nicht verdeckt, aber verschleiert als symbolhafte Inszenierung eines individuellen Schicksals. Schon in seiner Form wird der Film damit zum Bollwerk gegen das, was sich im Hintergrund abspielt: die Entmündigung und Verdrängung des Individuums, um Platz für eine unmündige und deshalb handlungsunfähige Masse zu schaffen.

Der Film beschreibt vor der Kulisse der bevorstehenden Olympischen Sommerspiele in Peking 2008 im übertragenen Sinne, wie in China Gesellschaftsumbau vollzogen wird: zentral und aus der Ferne angeordnet, transportiert durch Fernsehen, Radio und Lautsprecherdurchsagen. (Vor-)Freude ist etwas, das angeordnet wird und nicht organisch entsteht.

Wer das Individuum bereits erfolgreich abgeschafft hat, braucht seine Botschaften nicht mal mehr mit Gewalt in die Köpfe der Menschen zu prügeln. Denn diese Drecksarbeit erledigen sie dann schon selbst – manchmal wortwörtlich.

★★★½☆

🇨🇳, R: Guan Hu, D: Eddie Peng Yu-Yan, Tong Liya, Jia Zhangke, Zhou You, Hu Xiaoguang, Wang Yiquan, Niu Ben, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Filmwelt Verleihagentur

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Black Dog - Weggefährten - Stream: Jetzt online anschauen
Wo und wie heute “Black Dog - Weggefährten” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!

Die Kritik auf Letterboxd:

A ★★★½ review of Black Dog (2024)
Eigentlich ein Film, der sich komplett im Hintergrund entfaltet – nicht verdeckt, aber verschleiert und auf ein individuelles Schicksal heruntergebrochen von einer symbolhaften Inszenierung. Schon in seiner Form wird der Film damit zum Bollwerk gegen das, was sich im Hintergrund abspielt: die Entmündigung und Verdrängung des Individuums, um Platz für eine unmündige und deshalb handlungsunfähige Masse zu schaffen. Der Film beschreibt vor der Kulisse der bevorstehenden Olympischen Sommerspiele in Peking 2008 im übertragenen Sinne, wie in China Gesellschaftsumbau vollzogen wird: zentral und aus der Ferne angeordnet, transportiert durch Fernsehen, Radio und Lautsprecherdurchsagen. (Vor-)Freude ist etwas, das angeordnet wird und nicht

Die Kritik als Tonspur:

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BLACK DOG (2024, Guan Hu)
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Scheitern deutsche Analysen der Causa Jimmy Kimmel an einer falschen Übersetzung?

Was hat der Late-Night-Host wirklich gesagt?

Scheitern deutsche Analysen der Causa Jimmy Kimmel an einer falschen Übersetzung?
Foto: Houcine Ncib / Unsplash

In der aktuellen Ausgabe von Politik mit Anne Will sprechen Anne Will und Jörg Lau, außenpolitischer Korrespondent der Zeit, über die Cause Charlie Kirk und dabei auch kurz über Disneys vorauseilendem Gehorsam bei der Absetzung von Jimmy Kimmel. Dabei ist mir noch mal bewusst geworden, dass anscheinend echt viele Analysen aus dem deutschsprachigen Raum am englischen Sprachvermögen scheitern.

Hier der Ausschnitt, den ich meine, in dem Anne Will den übersetzten Ausschnitt von Kimmels Monolog zitiert:

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„Wir haben am Wochenende neue Tiefpunkte erreicht, als die MAGA-Gang [...] verzweifelt versuchte diesen Jungen, der Charlie Kirk ermordet hat, als irgendetwas anderes, als einen von ihnen darzustellen und alles tat, um daraus politisches Kapital zu schlagen." Das sagt er in der Überleitung zwischen zwei Gags.

Aber: Kimmel insinuiert hier doch nicht, dass der mutmaßliche Mörder Kirks Teil der rechten „MAGA-Gang" ist, sondern dass diese „Gang" ihn in so ziemlich jede Ecke, nur nicht die eigene – im Sinne von: politisch rechts bzw. rechtsextrem – rückt, bevor die Nummer überhaupt ermittelt ist. Es geht also doch viel mehr um absichtliches Falschverstehen, um die Lage bewusst weiter eskalieren zu lassen.

Oder scheitere auch ich hier an meinem eigenen englischen Sprachvermögen? Am Donnerstag war Oliver Polak beim Kompressor im Deutschlandfunk Kultur zu Gast. Die Moderatorin kam aus der gleichen Richtung wie Anne Will, Polak hat das eher so ähnlich wie ich verstanden. Dadurch sind die beiden auch nicht wirklich produktiv zusammengekommen.