Skip to Content

André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1345 posts

Posts by André Pitz

Gesehen: The Intruder (2004) - Kolonialismus essen Seele auf

Echos schlagen durch das Dickicht der verblassenden und verdrängten Erinnerungen Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Gesehen: The Intruder (2004) - Kolonialismus essen Seele auf
Foto: Pyramide International

Die koloniale Schuld hat das Herz dieses Mannes zerfressen. Seine Taten von damals™ auf Tahiti hallen bis ins Frankreich von heute – oft als Echo vermeintlich wahlloser Geräusche, die durch das Dickicht der verblassenden und verdrängten Erinnerungen Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen.

Doch nicht nur Klänge wiederholen sich, auch die Verfehlungen des Mannes, die er nie für sich aufgearbeitet hat und es dafür jetzt, an seinem Lebensende, längst zu spät ist.

Während seiner jüngeren Jahre auf Tahiti zeugte er mit einer Frau einen Jungen. Doch er ließ beide sitzen, lernte seinen Sohn nie kennen. In Frankreich hat sich sein anderer Sohn mittlerweile so weit von ihm entfernt, dass sie sich einander nahezu so fremd wie zwei auf dem Fußweg ineinanderrempelnde Passant*innen sind.

Bald löst sich diese Schleife mit Sicherheit und die letzte Chance, die anderen Senkel wieder zu binden, rinnt ihm immer schneller durch die Finger. Aber er hat eben immer getan, was ein Mann tun muss – jedenfalls ist dieser Glaube das einzige, was ihm noch Halt im Leben zu geben scheint.

Zwei Söhne zeugen? Ziemlich männlich. Ein beträchtliches Vermögen durch vermutlich zwielichtige Geschäfte anzuhäufen? Mehr Testosteron geht kaum. In den Bergen leben und täglich nackt durchs Unterholz schleichen? Regelrecht waldschratig. Mit einer deutlich jüngeren Frau trotz bevorstehenden Herzversagens schlafen und dabei fast draufgehen? Immens maskulin. Bloß kein Spenderherz von einer Frau annehmen, um sich die eigene Männlichkeit zu bewahren? Bedarf eigentlich keiner Antwort mehr...

Er klammert sich an leere Begriffshüllen, denen er maximale Männlichkeit zuschreibt – einfach nur, um sich nicht seinem Versagen als Mann stellen zu müssen. Denn als Mann ist er eben auch Lebenspartner und Vater – und das sind Rollen, an denen er offenbar krachend gescheitert ist.

★★★★☆

🇫🇷, R: Claire Denis, D: Michel Subor, Grégoire Colin, Béatrice Dalle, Florence Loiret Caille, Yekaterina Golubeva, Lolita Chammah, Bambou, Alex Descas, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Pyramide International

A ★★★★ review of The Intruder (2004)
Die koloniale Schuld hat das Herz dieses Mannes zerfressen. Seine Taten von damals™ auf Tahiti hallen bis ins Frankreich von heute – oft als Echo vermeintlich wahlloser Geräusche, die durch das Dickicht der verblassenden und verdrängten Erinnerungen Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. Doch nicht nur Klänge wiederholen sich, auch die Verfehlungen des Mannes, die er nie für sich aufgearbeitet hat und es dafür jetzt, an seinem Lebensende, längst zu spät ist. Während seiner jüngeren Jahre auf Tahiti zeugte er mit einer Frau einen Jungen. Doch er ließ beide sitzen, lernte seinen Sohn nie kennen. In Frankreich hat sich sein

Gesehen: No Fear, No Die (1990) - Hahnenkampf um die Karotte

Der Kolonialismus ist nicht Geschichte, er hat sich nur verlagert.

Gesehen: No Fear, No Die (1990) - Hahnenkampf um die Karotte
Foto: Pyramide International

Der Kolonialismus ist nicht Geschichte, er wird hier nur verlagert. Menschen aus den ehemaligen französischen Kolonien werden mit dem Versprechen einer besseren Zukunft, eines sichereren Lebens, der Absicherung der Familie in der Heimat nach Frankreich gelockt.

Die Behauptung, „einen Haufen Asche" machen zu können, wird diesen Menschen wie die Karotte an der Angel dem Esel vorgehalten. Damit einher geht jedoch die Verschleierung dessen, wer hier eigentlich weiterhin am längeren Hebel sitzt, wie steil das Machtgefälle wirklich ist und wer hier wen tatsächlich ausnimmt.

Der Deal ist gar kein Deal, sondern ein einseitiges Diktat der Bedingungen, die sich jederzeit völlig willkürlich ändern können. Dafür, dass sich die Ausgebeuteten dem praktisch ohne Widerworte fügen, sorgen sie bequemerweise selbst. Sie werden gegeneinander ausgespielt und halten sich in der Folge gegenseitig klein.

Alles implodiert, während sich andere die Taschen vollstopfen.

★★★★☆

🇩🇪/🇫🇷, R: Claire Denis, D: Isaach de Bankolé, Alex Descas, Jean-Claude Brialy, Solveig Dommartin, Christopher Buchholz, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Pyramide International

A ★★★★ review of No Fear, No Die (1990)
Der Kolonialismus ist nicht Geschichte, er wird hier nur verlagert. Menschen aus den ehemaligen französischen Kolonien werden mit dem Versprechen einer besseren Zukunft, eines sichereren Lebens, der Absicherung der Familie in der Heimat nach Frankreich gelockt. Die Behauptung, „einen Haufen Asche” machen zu können, wird diesen Menschen wie die Karotte an der Angel dem Esel vorgehalten. Damit einher geht jedoch die Verschleierung dessen, wer hier eigentlich weiterhin am längeren Hebel sitzt, wie steil das Machtgefälle wirklich ist und wer hier wen tatsächlich ausnimmt. Der Deal ist gar kein Deal, sondern ein einseitiges Diktat der Bedingungen, die sich jederzeit völlig willkürlich

Bring back some snobbery am 02. September 2025 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: einer wunderschönen Reise zum Mond, den Folgen des Poptivismus und was ein*e Künstler*in ist.

Bring back some snobbery am 02. September 2025
Foto: LSE Library / Unsplash

Um mal ein bisschen die vergangenen Tage zusammenzukehren, in denen ich abseits von ein paar Gedanken zu Filmen nicht so wirklich zum Bloggen gekommen bin.


Die Kolleg*innen drüben beim Public Domain Review haben wieder einmal absolute Illustrationsperlen zusammengesucht – dieses mal aus den Federn von Émile-Antoine Bayard und Alphonse de Neuville für die 1870er Fassung von Jules Vernes Von der Erde zum Mond.

Jules Vernes 1870er Ausgabe von „Von der Erde zum Mond” ist wunderschön illustriert
Wunderschön und wunderschön unheimlich.

Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

Newsletter kostenlos abonnieren ❣

Sehr gute Beobachtung! Dass der Unterschied zwischen Hate und kritischer Auseinandersetzung in der Breite immer weniger gegeben scheint, ist auf lange Sicht nicht nur problematisch, sondern auch total langweilig. Ich liebe es, respektvoll über Kunst und Kultur zu „streiten".

Movie/tv/music criticism is unbearable to listen to these days because poptimism has somehow convinced everyone that saying *anything* critical at all is some kind of impermissible snobbery. But lots of things suck! Bring back some snobbery, I say.

David Roberts (@volts.wtf) 2025-08-26T20:41:23.510Z

Marlon Wayans on Snoop

Magdalena Miedl aka espressozitron (@mmiedl.bsky.social) 2025-08-31T14:51:00.475Z

Die Kolleg*innen von Monopol haben wieder aktuell lohnenswerte Filme und Serien mit und/oder über Kunst zusammengetragen.

Streamingtipps: 9 Kunst-Filme, die sich im September lohnen
Anne Imhofs New-York-Hommage, Wim Wenders’ Künstlerporträts und die verflochtenen Leben der Giacomettis: Das sind unsere Filmtipps des Monats

Mats Schönauer über die problematischen Methoden und verquere Fehlerkultur bei „Bild". Nicht viel Neues, trotzdem wichtig.

„Witwenschütteln am Sonntag”
Mats Schönauer über die problematischen Methoden und verquere Fehlerkultur bei „Bild”. Nicht viel Neues, trotzdem wichtig.

Arte widmet sich dem spanischen Kino.

Filme aus Spanien - Kino | ARTE
ARTE zeigt exklusiv online acht spanische Filme aus unterschiedlichen Jahrzehnten, von den 80ern bis in die 2000er. Zu sehen gibt es unter anderem die Komödie “Allein unter Nachbarn” von Alex de la Iglesia oder auch das spannende Sozialdrama “Mataharis” von Icíar Bollaín.

Guter Thread.

Typen, die mir wütend die Mailbox vollheulen, ich sei ein KI-Hater und sie könnten dank KI endlich auch „Artists!!!elf1!11“ sein, haben zum einen von Kunst rein gar nichts verstanden und zum anderen auch mich nicht. (1/9)

Guido Kühn (@guido-kuehn.bsky.social) 2025-09-01T21:39:46.492725+00:00

Same.

Meine Gedankenstriche heißen nicht, dass ich etwas mit ChatGPT geschrieben habe. Ich habe die schon benutzt, bevor es uncool war.

Daniel (@privatsprache.bsky.social) 2025-08-29T07:29:19.663437Z

Ich habe dieser Tage völlig zügellos am Rad vorbei in meine Maus hineingepustet, weil beim Scrollen die Seitenposition immer wieder komisch umhergesprungen ist. Mein Problem ist behoben, aber ich bin fast ohnmächtig geworden und auf die Tischkante geknallt. Aber immer noch besser, als Druckluft in der Dose zu kaufen. 🤓


We built a calculator that doesn't work, but don't worry, it's also a plagiarism machine that will tell you to kill yourself. It runs on the world's oceans and costs 10 trillion dollars.

Daniel Carlson (@danielwcarlson.bsky.social) 2025-08-29T18:24:10.508Z

Stunt ist Schauspiel ist künstlerischer Ausdruck – aber eben auch sehr testosteronlastig.

Gesehen: Wick is Pain (2025) - Dudebros über Grenzen
Stunt ist Schauspiel ist künstlerischer Ausdruck – aber eben auch sehr testosteronlastig

Mascha Schilinskis zum deutschen Oscarbeitrag gewordener Film ist eindrücklich inszeniert und bewegt sich bei Subtext wie Motiven in ähnlichem Fahrwasser wie etwa Céline Sciammas PORTRAIT OF A LADY ON FIRE.

Kinotagebuch: In die Sonne schauen (2025) - Sehen und gesehen werden
Mascha Schilinskis zum deutschen Oscarbeitrag gewordener Film ist eindrücklich inszeniert und bewegt sich bei Subtext wie Motiven in ähnlichem Fahrwasser wie etwa Céline Sciammas PORTRAIT OF A LADY ON FIRE.

Der Kerngedanke stimmt, die Umsetzung ist jedoch viel zu kurzsichtig.

Gesehen: Babygirl (2024) - Inversionsplattitüde
Der Kerngedanke stimmt, die Umsetzung ist jedoch viel zu kurzsichtig.

Das ist einfach total clever kuratiert.

Gesehen: Eight Postcards from Utopia (2024) - Capitalismus Romanus
Das ist einfach total clever kuratiert.

Vom Nachteil, geboren zu sein...

Gesehen: Mouchette (1967) - Poesie schlägt Zynismus
Vom Nachteil, geboren zu sein…

Mark Fisher und Anton Jäger hätten ihre helle Freude gehabt...

Gesehen: The Devil, Probably (1977) - Bressonsche Hyperrealität
Mark Fisher und Anton Jäger hätten ihre helle Freude gehabt…

Irgendwann spuckt jede*r Blut...

Gesehen: Diary of a Country Priest (1951) - Gegen die Verzweiflung anschreiben
Irgendwann spuckt jede*r Blut…

Bankrott ist nicht nur Vice, sondern in diesem Film auch Haltung und journalistisches Handwerkszeug.

Gesehen: Vice is Broke (2024) - David Carr fehlt
Bankrott ist nicht nur „Vice”, sondern in diesem Film auch Haltung und journalistisches Handwerkszeug.

So finster und abgründig dieser Film unter anderem dadurch wirkt, so groß ist dann wiederum doch das Grundvertrauen, das hier den Menschen entgegengebracht wird.

Gesehen: L’Argent (1983) - Symptombekämpfung
So finster und abgründig dieser Film unter anderem dadurch wirkt, so groß ist dann wiederum doch das Grundvertrauen, das hier den Menschen entgegengebracht wird.

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHH

Endless Screaming (@infinitescream.bsky.social) 2025-09-02T15:55:50.14205700Z

/da

„Witwenschütteln am Sonntag"

Mats Schönauer über die problematischen Methoden und verquere Fehlerkultur bei „Bild". Nicht viel Neues, trotzdem wichtig.

„Witwenschütteln am Sonntag"
Foto: Nick Fewings / Unsplash

Wahrscheinlich bin ich der letzte Mensch im Netz, der dieses Video teilt. Aber ich bin eben erst jetzt dazu gekommen, mir das anzuschauen.

Mats Schönauer vom Topfvollgold arbeitet an den zahlreichen problematischen Inhalten ab, die unter der derzeitigen Bild-Chefredakteurin Marion Horn publiziert wird. Der Videotitel: „So skrupellos ist die neue BILD-Chefin". Schönauer greift also selbst in die Werkzeugkiste des Boulevards, in der unter anderem diese Art der Personalisierung zu finden ist – also jedenfalls in der Aufmachung, um vom Youtube-Algorithmus nicht komplett ignoriert zu werden, würde ich sagen.

Dann wiederum erklärt Schönauer gewohnt ruhig, akribisch und präzise, wie manche Mitarbeiter*innen von Bild immer wieder bewusst oder unbewusst vorgehen und dass offenbar wenig dafür getan wird, das auszumerzen. Das ist natürlich kein Marion-Horn-Problem, sondern eines, das sie sozusagen traditionell fortzuführen scheint.

Marion Horn ist eine der mächtigsten Frauen Deutschlands – und eine der gefährlichsten. Denn unter ihrer Leitung als Chefredakteurin der BILD-Zeitung werden katastrophale Falschmeldungen verbreitet, Angst & Hass geschürt und der Ruf von unschuldigen Menschen zerstört. In diesem Video zeige ich euch heftige Beispiele aus ihrer Karriere beim Axel-Springer-Verlag.

Viel wirklich Neues steckt in diesem Video eher nicht. Aber ich finde es wichtig, sich immer mal wieder in Gedächtnis zu rufen, mit welchen Werkzeugen und Mechanismen Medien generell, aber vor allem der Boulevard arbeitet.

Gesehen: L’Argent (1983) - Symptombekämpfung

So finster und abgründig dieser Film unter anderem dadurch wirkt, so groß ist dann wiederum doch das Grundvertrauen, das hier den Menschen entgegengebracht wird.

Gesehen: L’Argent (1983) - Symptombekämpfung
Foto: Marion’s Films, Eôs Films, France 3 Cinéma, LaCinetek

Geld an sich ist ja durchaus paradox. Der von uns ihm zugeschriebene Wert ist rein virtuell und steht in der Regel in krassem Widerspruch zum tatsächlichen Materialwert. Genau dieser Widerspruch produziert ein total interessantes Spannungsfeld. Denn wie kann etwas materiell so Wertloses eine derart große Macht über uns haben bzw. zum Hebel der Mächtigen werden?

Das Kapital – bei Bresson sozusagen auch wortwörtlich – hält ein System der Ungerechtigkeit, in dem Armut bestraft wird, aufrecht. Die Reichen und damit die Mächtigen werden nicht von Staat und einem Großteil der Gesellschaft zur Rechenschaft gezogen. Bekämpft werden lediglich die Symptome dieses Unrechtssystems und dieser Zustand wird auch nicht hinterfragt.

Das alles ist fruchtbarer Boden für die erbarmungslos zersetzende Wirkung des Geldes und des Kapitals.

Ein Mann etwa landet unverschuldet im Gefängnis und kann so nicht bei seiner Frau mit ihrem frischgeborenen Kind sein, das schließlich an Diphtherie stirbt. Letztlich scheinen ihm nur drei Optionen zu bleiben: sich weiter unterdrücken lassen und bis an sein Lebensende im Knast dahinvegetieren, seinem Leben selbst ein Ende setzen oder mit Gewalt das System aufbrechen.

So finster und abgründig dieser Film unter anderem dadurch wirkt, so groß ist dann wiederum doch das Grundvertrauen, das hier den Menschen entgegengebracht wird. Denn letztlich glaubt der Film doch noch an ein revolutionäres Potenzial, an den langen Atem der Menschen und an ihre Widerstandsfähigkeit innerhalb eines Systems, das jeden einzelnen Tag versucht, sie zu zermalmen.

★★★★☆

🇫🇷/🇨🇭, R: Robert Bresson, D: Christian Patey, Vincent Risterucci, Sylvie Van Den Elsen, Michel Briguet, Caroline Lang, Marc Ernest Fourneau, Jean-Frédéric Ducasse, Didier Baussy, Jeanne Aptekman, François-Marie Banier, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Marion’s Films, Eôs Films, France 3 Cinéma, LaCinetek

Das Geld - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Wo und wie heute “Das Geld” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★★ review of L’Argent (1983)
Geld an sich ist ja durchaus paradox. Der von uns ihm zugeschriebene Wert ist rein virtuell und steht in der Regel in krassem Widerspruch zum tatsächlichen Materialwert. Genau dieser Widerspruch produziert ein total interessantes Spannungsfeld. Denn wie kann etwas materiell so Wertloses eine derart große Macht über uns haben bzw. zum Hebel der Mächtigen werden? Das Kapital – bei Bresson sozusagen auch wortwörtlich – hält ein System der Ungerechtigkeit, in dem Armut bestraft wird, aufrecht. Die Reichen und damit die Mächtigen werden nicht von Staat und einem Großteil der Gesellschaft zur Rechenschaft gezogen. Bekämpft werden lediglich die Symptome dieses Unrechtssystems

Gesehen: Vice is Broke (2024) - David Carr fehlt

Bankrott ist nicht nur „Vice", sondern in diesem Film auch Haltung und journalistisches Handwerkszeug.

Gesehen: Vice is Broke (2024) - David Carr fehlt
Foto: Mubi

Es gibt mitten in diesem Film ein paar kurze Archiv-Ausschnitte, in denen David Carr beim Interview mit Shane Smith und ein paar anderen Vice-Head-Honchos zu sehen ist. David Carr fehlt als scharfe Feder im Medienjournalismus und Handwerk vor allem diesem Dokumentarfilm.

Denn Eddie Huang fehlt ganz offensichtlich das notwendige Handwerkszeug, die Geschichte von Vice und den Gestalten dahinter über die eigenen Befindlichkeiten hinaus aufzuarbeiten. Die Ironie der Geschichte ist also: VICE IS BROKE scheitert genau daran, womit auch Teile von Vice permanent zu kämpfen hatten – fachliches Unvermögen und überzogene Personalisierung.

Er lässt vor allem alte Weggefährt*innen und Vice-Manager*innen darüber reden, was sie damals™ für crazy edgy shit gemacht haben und wie unmöglich das heute wäre. Aber dann scheint es plötzlich ein Problem zu sein, selbst den unstrittigen Neonazi Gavin McInnes als eben solchen klar zu benennen. In keinem der Gespräche ist Huang vorbereitet oder gewillt genug, um Aussagen zu hinterfragen oder Widerworte zu leisten.

Huang täuscht Vielschichtigkeit durch das Einblenden von Schlagzeilen über Vice vor und verweigert sich einer tiefgründigeren Analyse. Eine ausgemachte Expertin wie Taylor Lorenz wird als Stichwortgeberin verpulvert, damit Huang noch mal eine Pornhub-Story erzählen kann.

Am Ende des Films erklärt der Macher sogar, dass er nach der Insolvenz von Vice auf seine Ansprüche als Gläubiger verzichtet hat und sich im Gegenzug von seinem NDA hat entbinden lassen, damit er VICE IS BROKE machen kann. Aber wofür? Denn letztlich ist das hier nicht mehr als die Aufbereitung sowieso öffentlicher Informationen durch eine persönliche Linse. Scheint mir kein guter Deal gewesen zu sein.

🇺🇸, R: Eddie Huang, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Mubi

Vice Is Broke - Stream: Jetzt Film online anschauen
Wo und wie heute “Vice Is Broke” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A review of Vice Is Broke (2024)
Es gibt mitten in diesem Film ein paar kurze Archiv-Ausschnitte, in denen David Carr beim Interview mit Shane Smith und ein paar anderen Vice-Head-Honchos zu sehen ist. David Carr fehlt als scharfe Feder im Medienjournalismus und Handwerk vor allem diesem Dokumentarfilm. Denn Eddie Huang fehlt ganz offensichtlich das notwendige Handwerkszeug, die Geschichte von Vice und den Gestalten dahinter über die eigenen Befindlichkeiten hinaus aufzuarbeiten. Die Ironie der Geschichte ist also: VICE IS BROKE scheitert genau daran, womit auch Teile von Vice permanent zu kämpfen hatten – fachliches Unvermögen und überzogene Personalisierung. Er lässt vor allem alte Weggefährt*innen und Vice-Manager*innen darüber