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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Kinotagebuch: Sisi & Ich (2023)

Kinotagebuch: Sisi & Ich (2023)

Die kindliche Energie, mit der Frauke Finsterwalder Sandra Hüller und Susanne Wolff spielen lässt, hat mich sofort gekriegt. Dort werden zwei Menschen verkörpert, die seit ihrer Geburt nur in Rollen existieren konnten und nun Stück für Stück das nachholen bzw. sich erkämpfen, was ihnen bisher verwehrt blieb – selbst zu mitunter hohem Preis.

Drehbuch und Spiel arbeiten effektiv die Zerrissenheit der Sisi-Figur heraus. Wie sie einerseits das als weiblich Gelesene mit aller Kraft von sich stößt, ihre Haare immer kürzer schneiden und sich bis zur Unkenntlichkeit herunterhungern will sowie fast ausschließlich androgyn anmutende Bedienstete um sich schart. Und andererseits eigentlich nichts mehr als Frau frei von Besitzansprüchen anderer sein will. Und dann ist da noch die eigentliche Protagonistin Irma, die durch Sisi erst begreift, in welchem Machtgefüge sie sich seit sie denken kann befindet – und dass nicht sie, sondern das System™ krankt.

★★★★☆

🇦🇹/🇩🇪/🇨🇭, R: Frauke Finsterwalder, D: Susanne Wolf, Sandra Hüller, Georg Friedrich, Trailer, Wikipedia

Sisi & Ich - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Sisi & Ich” heute auf Netflix, Prime Video und Disney+ online sehen kannst – einschließlich in 4K und kostenloser Optionen.

Erster Trailer zu Wes Andersons neuem Film „Asteroid City“

Auch wenn Wes Andersons Filme zunehmend zu Karikaturen ihrer selbst werden, kann und will ich ihnen einfach nicht widerstehen. ASTEROID CITY wird da sicherlich keine Ausnahme sein. In den deutschen Kinos soll der Film laut Verband der Filmverleiher diesen Sommer am 15. Juni anlaufen.

Wikipedia hat jetzt ein Logo, das man hören kann

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Wikimedia Sound Logo
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Sound: Thaddeus Osborne, CC-BY-SA 4.0

Die Wikipedia – also eigentlich die federführende Wikimedia Foundation – hat sich ein Soundlogo gegönnt. Also sowas wie das „Tudum“ von Netflix oder wie auch immer man den Ton von Apple TV+ verlautschriftlichen will. Das neue enzyklopädische Papierrascheln soll nun ganz bescheiden den „Klang allen menschlichen Wissens“ widerspiegeln.

Ich find's ja irgendwie ganz süß. Und doch bereitet mir die Pressemitteilung der Wikimedia Foundation Sorgen:

Die Anzahl aktiver Nutzer:innen von Sprachassistenten ist von 544,1 Millionen (2015) auf 2,6 Milliarden (2021) gestiegen. Wikimedia-Projekte wie Wikipedia und Wikidata bilden zunehmend die Grundlage für andere Websites und allgemeine Auskünfte über virtuelle Sprachassistenten. Ein Soundlogo hilft dabei, sicherzustellen, dass Nutzer:innen überall wissen, wann sie Wissen aus Wikipedia oder Wikimedia-Projekten vor sich haben.

Prinzipiell verstehe ich diesen Move. Aber wenn das darin endet, bei jeder Suche via Siri etc. dieses Gedudel mitgeliefert zu bekommen, wird das Internet wieder ein Stück unbenutzbarar.

Zach Braff Is Processing Pain Through Art

Obwohl er mir mit seinen Gäst*innen zu oft ins Spirituelle oder gar Esotherische abrutscht, schaue ich ab und an gerne in die Gespräche von Rich Roll mit interessanten Menschen rein. Das jüngste mit Zach Braff hat mir sehr gefallen, weil es ein sehr dreidimensionales Bild eines Menschen zeichnet, den viele nur als den albernen J. D. aus Scrubs (2001-2010) kennen, zeichnet, der ein ernstzunehmender Künstler ist und nicht nur Film und Fernsehen des reinen Entertainments wegen macht.

Jason Kottke nerdet mit John Gruber übers Bloggen ab

Jason Kottke nerdet mit John Gruber übers Bloggen ab
Jason Kotte in 2005, Foto: Zach Klein unter CC BY 2.0

Jason Kottkes Blog kottke.org ist festes Bestandteil meines Medienmenüs – mindestens, seit ich einen RSS-Reader nutze, wahrscheinlich sogar darüber hinaus. Ich kann mich nicht wirklich erinnern. Anyways, das Blog ist dieser Tage 25(!) Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat Kottke mehr als drei Stunden lang mit dem von mir, was Apple-Themen angeht, ebenfalls sehr geschätzten John Gruber über das vergangene Vierteljahrhundert des Ins-Internet-Schreibens gesprochen.

The Talk Show ✪: Ep. 370, With Jason Kottke

Die Podcast-Episode ist schon ein paar Tage alt, aber drei Stunden wollen eben auch erst mal gehört werden. Ich finde es wahnsinnig inspirierend, die beiden übers Bloggen sprechen zu hören, über ihre klaren Vorstellungen vom persönlichen und unabhängigen Schreiben, über den Traum vom freien Web und so weiter und so fort. Diese Faszination kann ich seit meinem ersten Tag im Internet nachvollziehen. Und seit Elon Musk Twitter übernommen hat, juckt es mich wieder mehr als zuvor, wieder ein größerer Teil dieser idealisierten Vorstellung zu sein.

Rocky IV (1985) - Nicht lustig

Rocky IV (1985) - Nicht lustig
Bild: Warner Bros., MGM
US · R: Sylvester Stallone · D: Sylvester Stallone, Dolph Lundgren, Carl Weathers, Talia Shire, Burt Young, Brigitte Nielsen · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Was ROCKY IV aus meiner Sicht gut macht: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass dieses Abgleiten ins Camp bei Laune hält. Auch erkennt Stallone durchaus die politische Dimension des Sports und dessen Stellenwert in der Propaganda der Sowjetunion. Und er weiß – jedenfalls bietet sich diese Lesart an – um die grausame Realität des Stellvertreterkrieges in Vietnam, für den gesellschaftlich ausgegrenzte Gruppen mit patriotischen Verheißungen rekrutiert und letztlich in den sicheren Tod geschickt worden sind. Die Verheizten waren, wie Apollo Creed, oft Schwarz.

Was ROCKY IV aus meiner Sicht schlecht macht: Stallone ist einfach nicht lustig – nur manchmal, dann aber unfreiwillig. Der vierte Teil der Reihe steckt voller flacher Pointen, die ins Leere laufen, den Fluss brechen und letztlich wie ein heiße Kartoffel fallengelassen werden müssen. Auch das trägt zur Banalisierung des tatsächlichen Kalten Krieges bei. Der Boxkampf in Moskau dann eher wie den Reichsparteitag in Nürnberg zu inszenieren und Drago auch noch wie den prototypischen Arier aussehen zu lassen, zeugt von absoluter Geschichtsverdrossenheit. Gepaart mit einer Prise karikaturesk überzogener Technologiefeindlichkeit flüchtet sich Stallone in eine regelrecht regressive maskulinistische Vorstellung von gesellschaftlicher Hackordnung.

★★☆☆☆