Posts by André Pitz
Gesehen: Ant-Man and the Wasp: Quantumania (2023) - Der Lack ist ab
Filmkritik
Ich habe mich sehr lange wahrscheinlich viel wohlwollender als viele und auch gerne auf Marvel eingelassen – aber mittlerweile erscheint dann auch selbst mir der derzeitige Output als wahnsinnig faul. Sich visuell aus dem Fenster zu lehnen, erzählt noch längst keine interessante, sondern manchmal auch eine ziemlich problematische Geschichte. Jedenfalls entsteht schon fast der Eindruck, dass dieses visuell Überbordende übertünchen soll, was eigentlich passiert: nämlich zwar die Befreiung, aber gleichzeitig auch die weitere Entmächtigung kolonialisierter Gruppen. Es gleicht fast dem Desaster von Afghanistan. Doch auch diese Parallele kann der Film nicht ernsthaft ziehen, sondern muss auch diese Form der Kritik an den eigenen Protagonist*innen mit einem Augenzwinkern durch den Kakao ziehen.
★★☆☆☆


Hi Barbie!
Filme & SerienIch weiß immer noch nicht genau, was ich von Greta Gerwigs BARBIE halten soll. Den ersten Teaser fand ich lustig und blasphemisch zugleich. Jetzt, nach dem zweiten, habe ich die Befürchtung, dass der Film ein banales Ironiefest wird. Und trotzdem will ich das hier im Blog festhalten: Alles wirkt dermaßen weird und faszinierend. Und wenn eine Sache sicher ist, dann dass Teaser/Trailer oftmals ein Produkt bewerben, das so gar nicht existiert. Die Wahrheit werden wir wohl erst zum Kinostart am 20. Juli erfahren.
Kinotagebuch: Irgendwann werden wir uns alles erzählen (2023)
Filmkritik
Wie sich Emily Atef den Magen ihres Publikums greift und ihn über zwei Stunden hinweg wie einen nassen Waschlappen immer härter auswringt, ist auf eine ziemlich sadistische Art und Weise meisterinnenhaft gelungen. Der Film packt einen an den Eingeweiden, lässt nicht mehr los und wird einfach immer unangenehmer. IRGENDWANN WERDEN WIR UNS ALLE ERZÄHLEN gelingt das Kunststück, vom Umbruch zu erzählen, ohne viel vom Umbruch zu erzählen. Der innere Konflikt der Protagonistin erzählt viel mehr über die Wendezeit als eine ausgewalzte Abhandlung am Kneipenstammtisch je könnte.
Marlene Burows Marie ist verloren, will frei sein und kann doch nicht anders, als sich ihrer autoritären Prägung zu ergeben. Felix Kramers Henner scheint in einem permanenten ödipalen Konflikt mit seiner eigenen Vergangenheit festzustecken. Beide holen gegenseitig das Schlimmste aus sich heraus – und doch können sie sich nicht voneinander abwenden. Es ist die Unausweichlichkeit, mit der diese Paarung auf ihr Schicksal zusteuert, die so an die Nieren geht.
★★★★☆
Der Film steht noch bis zum 04. Märt 2025 in der Arte-Mediathek:

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Theaterbesuch: Der Würgeengel. Psalmen und Popsongs
Kunst & Kultur
Die Koproduktion des Schauspiels Leipzig mit dem Schauspielhaus Bochum ist in der Theaterwelt weitestgehend so gut angekommen, dass das von Johan Simons inszenierte Stück ziemlich schnell den Tellerrand der eigenen Szene überwunden hat – und so auch bei mir angekommen ist. Denn bisher war ich immer nur von meiner eigenen romantischen Vorstellung des Theaters fasziniert, konnte dann für mich aber nie einen Zugang in der echten Welt finden. Ich weiß nicht, was gutes Theater sein kann und sollte. Mir fehlt da (noch) der Referenzrahmen. Sich nun aber „getraut“ zu haben, war die absolut richtige Entscheidung.
Der Würgeengel. Psalmen und Popsongs nach dem Film von Luis Buñuel hat einfach richtig viel Spaß gemacht. Das gemischte Ensemble aus Leipzig (Anne Cathrin Buhtz & Roman Kanonik) und Bochum (Marius Huth & Alexander Wertmann) mit Sandra Hüller als Gastdarstellerin bringt den Stoff mit fast schon anarchischer Qualität auf die Bühne und tanzt leichtfüßig auf dem schmalen Grat zwischen zunehmend entrückter Manie und absurder Komik. Irritiert hat mich nur, dass die Klimametapher die einzige zu sein scheint, die im Stück selbst erklärt wird. Einem Film würde ich sowas zum Vorwurf machen, weil mit derartigen Plumpheiten ein Publikum für dumm verkauft wird.
Trotzdem: Theater, ich komme mit Sicherheit wieder!
P.S.: Ist es bei Stückeinführungen üblich, dem Publikum schon vorab eine Interpretationsebene an die Hand zu geben? So lief das jedenfalls bei mir. Nur finde ich, dass einem so Scheuklappen bei der Betrachtung des Stücks aufgesetzt werden und es viel schwerer fällt, das Werk anderweitig zu lesen. Ist es nicht viel spannender, seine eigenen Gedanken zunächst alleine reifen zu lassen und damit dann im Nachgespräch mit anderen in Dialog zu treten? Mir jedenfalls ist es meistens völlig egal, was die Künstler*innen mit ihren Werken aussagen wollen. Denn darüber haben sie keine Gewalt mehr, wenn die Kunst einmal in der Welt ist. Interessanter ist für mich immer, was ein Film / ein Theaterstück / ein Gemälde / eine Komposition über die offensichtliche Botschaft hinaus auslösen kann.
Gesehen: Cosmopolis (2012) - CYBER!
FilmkritikEine ästhetische Erfahrung.
Robert Pattinson wird in einer einem langem Sarg gleichenden Limousine durch die Stadt gefahren – draußen passiert das Leben, drinnen ist bereits alles leblos, wenngleich noch nicht tot. Es ist ein Film, der Ekel schürt, über die Verschränkung von Technologie und Kapital (CYBER!) philosophiert und man sich fragen muss, ob hinter Pattinsons Stirn noch ein Hirn oder bereits Platinen werkeln. COSMOPOLIS ist eine ästhetische Erfahrung, die ein bisschen reifen muss. Ein ziemlich langwieriger Prozess.
★★½☆☆
Den Film streamen:

Die Kritik auf Letterboxd:

