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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1397 posts

Posts by André Pitz

Creed (2015) - Rockys Bärenfalle

Creed (2015) - Rockys Bärenfalle
Bild: Warner Bros.
US · R: Ryan Coogler · D: Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Phylicia Rashad, Tony Bellew · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Das Marketing von Warner Bros. hat wirklich gar nichts verstanden. Wie können den deutschen Titel des Films um „Rocky’s Legacy“ ergänzen, wo es doch ganz klar darum geht, dass Apollo Creed als Schwarzer Mann nicht nur Rocky zeitweise ebenbürtig war, sondern der ohne ihn auch kaum diese Erfolge hätte feiern können? Und wer ist der einziger Boxer mit Statue in Philadelphia? Genau. CREED (ohne den deutschen Titel) weiß das und macht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an die Aufarbeitung dessen.

Gleichzeitig tappt das Drehbuch von Ryan Coogler und Aaron Covington trotzdem in die gleiche Bärenfalle, durch die ROCKY III schon einen Fuß und etliche Liter Blut verloren hat. Die Rolle des Underdogs ergibt sich nämlich (in diesen Filmen) nicht aus sportlicher, sondern aus ökonomischer Ungleichheit. Angesichts dessen ist es komplett hirnrissig, den sehr offensichtlich aus einer privilegierten Position heraus agierenden Adonis Creed als Underdog zu zeichnen. Denn in eine leicht heruntergekommene Wohnung mit asketischer Einrichtung zu ziehen, ist doch völlig risikofrei und irrelevant, solange das Konto offenbar gut gefüllt ist und Adonis sein Leben ganz problemlos 24/7 auf das Boxtraining ohne Einkünfte ausrichten kann.

★★★☆☆

Axiom (2022) - Die nächste Seite der Medaille

Axiom (2022) - Die nächste Seite der Medaille
Bild: Filmperlen
DE · R: Jöns Jönsson · D: Moritz von Treuenfels, Ricarda Seifried, Thomas Schubert, Petra Welteroth · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Total clever, wie sich Jöns Jönsson mit seinem Film zunächst super locker und unterhaltsam, dadurch aber nicht minder gehaltvoll dem Wahrheits- und Erinnerungsbegriff und den Mechanismen dahinter nähert. Und dann, wenn man glaubt, das Spiel verstanden und langsam auch durchgespielt zu haben, offenbart AXIOM plötzlich eine weitere Seite der Medaille. Dadurch wird es notwendig, sein Wissen und Glauben sowie die eigene Wahrheit noch einmal grundlegend zu hinterfragen.

★★★★☆

Gesehen: The Great Escape (1963)

Gesehen: The Great Escape (1963)
Steve McQueen // (c) capelight pictures

Die schiere Dimension dieses Films hat mich schon in ihren Bann gezogen – von den elaborierten Plänen über die endlosen Versuche, dem Abenteuer des letztlich geglückten Fluchtversuchs bis hin zu den emotional effektiven Schlägen in die Magengrube, als das Glück zur Neige geht. Das ist schon gute Unterhaltung.

Umso irritierter war ich dann von der Darstellung der Wehrmacht, mit der im Gefangenenlager auch mal rumgekumpelt werden kann, der so etwas wie Soldatenehre und Respekt vor anderem Militär unterstellt wird. Das ist doch billigste Neonazi-Propaganda, die da einfach unkritisch verwoben wird.

★★★½☆

🇺🇸, R: John Sturges, D: Steve McQueen, James Garner, Richard Attenborough, James Donald, Charles Bronson, Donald Pleasence, James Coburn, Hannes Messemer, David McCallum, Gordon Jackson, John Leyton, Angus Lennie, Nigel Stock, Robert Graf, Trailer, Wikipedia

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The Fabelmans (2022) - Die Euphorie des Aufwachsens

The Fabelmans (2022) - Die Euphorie des Aufwachsens
Bild: Universal Pictures International
US · R: Steven Spielberg · D: Gabriel LaBelle, Michelle Williams, Paul Dano, Seth Rogen, Judd Hirsch, Julia Butters, Chloe East, David Lynch · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Das war nicht der Film, den ich erwartet hatte. Und das meine ich durchaus positiv. Denn über weite Strecken war das gar nicht diese sich permanent um sich selbst kreisende Nabelschau, die einem der Trailer verkaufen wollte. Viel mehr serviert Spielberg hier einen einfühlsamen Film über die euphorischen und auch schmerzhaften Momente des Aufwachsens, erzählt direkt und indirekt über die Mittel des Kinos.

So lässt er seine Hauptfigur Sam auf einem Campingtrip seine von Autoscheinwerfern angeleuchtete Mutter beim Tanzen filmen. Diese eine Szene vereint gleich drei Schlüsselmomente. Die nackte Silhouette der Mutter ist nun im Licht durch das dünne Nachthemd zu erkennen. Das führt plötzlich eine vorher nicht dagewesene erotische Komponente ein, bricht also mit dem bisherigen Leben in Unschuld und schafft einen Raum, in dem Herzen gebrochen werden können und jedes Leben irgendwann ein Ende findet. Spielberg bedient sich hier natürlich selbst den Werkzeugen des Kinos, gibt sie aber rein formal seiner Hauptfigur in die Hand.

Ohne Umweg selbst am Drücker sind Spielberg und sein Stamm-DP Janusz Kamiński, wenn es um die Beziehung zwischen Mutter und Vater geht. Denn diese wird elegant über ein Spiel mit Licht, Schatten und Farbtemperaturen in Szene gesetzt. Ein Beispiel: Die Mutter trifft das warme Licht der Nachtischlampe, als sie weinend im Bett kauert. Währenddessen sehen wir den Vater zunächst nicht direkt, sondern nur seinen an die kühl-blaue Decke geworfenen Schatten, der Graf Orlok gleich durch den Raum und bedrohlich über der Mutter herumgeistert.

Nichtsdestotrotz weiß der Film in seinem letzten Akt nicht mehr richtig wohin mit sich. Dieses Diffuse mag an diesem Punkt zwar das Innenleben Sams widerspiegeln. Aber als Stilmittel lasse ich das dem Film nicht durchgehen, da es sich mit dem Rest einfach nicht zu einem Narrativ – auf welcher Eben auch immer – zusammentun will.

★★★½☆

The Royal Society: What would a world without vaccines be like?

Richtig starkes Video der Royal Society, das irgendwie auch Angst macht. Die Vorstellung von einem Leben in permanenter Pandemie ist ziemlich gruselig.

Thomas Ramge fragt auf der Republica 2023: Wollt Ihr ewig leben?

Ja, ich habe tatsächlich immer noch ein paar Tabs mit Talks und Sessions von der diesjährigen Republica offen. Diese Auseinandersetzung des Journalisten Thomas Ramge mit den Folgen für Gesellschaft und den Planeten, wenn Menschen immer länger leben, hat mir besonders gut gefallen. Durch genau die richtige Mischung aus trockenem Humor und fundierten Inhalten hat mich Range total abgeholt und auch dazu gebracht, meine Aufmerksamkeit voll und ganz auf das Video zu richten und es nicht nebenbei auf dem zweiten Monitor zu schauen. Es sei hiermit empfohlen.