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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Bottoms (2023) - Genre und Drang

Emma Seligman lässt sich gar nicht erst auf scheinbar elaborierte Genredekonstruktionen ein.

Gesehen: Bottoms (2023) - Genre und Drang
Foto: Amazon MGM Studios

Ein Film, der sich in ein derart bis zum Erbrechen durchexerzierte und bespielte Setting begibt, muss furchtlos inszeniert werden – und BOTTOMS ist das. Emma Seligman lässt sich gar nicht erst auf scheinbar elaborierte Genredekonstruktionen* ein, denn auch das ist bereits zur Genüge getan und zuletzt eher dürftig versucht worden. Stattdessen prescht sie radikal und mit keinerlei Respekt für nichts nach vorne, haut auf Fressen und tritt Ärsche – sprich- und wortwörtlich. Vielleicht schaue ich auch einfach zu wenig Highschool-Filme, aber hier hatte ich wirklich so wie nur selten das Gefühl, echte Jugendliche sprechen zu hören – und zwar unverkrampft, ohne hölzern eingebrachten (Pseudo-)Slang und vor allem vulgär.

*Okay, vielleicht dekonstruiert Seligman hier ein bisschen, indem sie das ausgenudelte Highschool-Kastensystem anders als gewohnt mit Figuren füllt: Die bei anderen Genrevertretern aufgrund ihrer „Quirkyness“ im schulgesellschaftlichen Abseits agierenden Hauptfiguren sind in BOTTOMS eigentlich fast schon kantenlos, während alle um sie herum satirisch völlig überzeichnete Gestalten sind.

★★★★☆

🇺🇸, R: Emma Seligman, D: Rachel Sennott, Ayo Edebiri, Ruby Cruz, Havana Rose Liu, Kaia Gerber, Nicholas Galitzine, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon MGM Studios

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A ★★★★ review of Bottoms (2023)
Ein Film, der sich in ein derart bis zum Erbrechen durchexerzierte und bespielte Setting begibt, muss furchtlos inszeniert werden – und BOTTOMS ist das. Emma Seligman lässt sich gar nicht erst auf scheinbar elaborierte Genredekonstruktionen* ein, denn auch das ist bereits zur Genüge getan und zuletzt eher dürftig versucht worden. Stattdessen prescht sie radikal und mit keinerlei Respekt für nichts nach vorne, haut auf Fressen und tritt Ärsche – sprich- und wortwörtlich. Vielleicht schaue ich auch einfach zu wenig Highschool-Filme, aber hier hatte ich wirklich so wie nur selten das Gefühl, echte Jugendliche sprechen zu hören – und zwar unverkrampft,

Kinotagebuch: Rope (1948)

Kinotagebuch: Rope (1948)

Wer hätte gedacht, dass ich einen Hitchcock nochmal im Kino sehe... Danke an die Cinémathèque dafür und auch für das „Begleitprogramm“ mit Jens Wawrczeck aka Peter Shaw von Die drei ???, der mit How to Hitchcock über seine Liebe für dessen Filme geschrieben hat und offenbar nun mit Lesebrille und Filmen im Gepäck durch die Republik zieht.

📸 Tolles Beweisfoto vom hohen Besuch

Jens Wawrczeck aka Peter Shaw von Die drei ??? (r.) zusammen mit der fürs Filmprogramm der Cinémathèque verantwortlichen Katharina Franck (l.)

Zugänglich, unterhaltsam, spannend – diese Gratwanderung beherrscht Hitchcock einfach. ROPE ist da keine Ausnahme und super gecastetes Kino. Es ist ein gekonntes (Kammer-)Spiel mit den Konventionen eines Whodunits. Durch die für 1948 überaus dynamische und immer elegante Kamerabewegung wird auch der Raum zu einem effektiven wie verführerischen Suspense-Werkzeug.

Eine Kritik an der Überheblichkeit und Hybris einer sich selbst als Elite wahrnehmenden Schicht schwimmt sicherlich ziemlich präsent an der Oberfläche des Stoffes und wabert so immer wieder mal in den Fokus. Doch letztlich interessiert sich Hitchcock kaum für die vermeintlich niederen Schichten, was dem Ausdruck dieser Kritik etwas den Wind aus den Segeln nimmt.

Viel interessanter waren für mich die letzten im Film gesprochenen Sätze, die sich über das Schichtendenken hinwegsetzen, die Menschheit grundsätzlich anklagen und die große Moralfrage stellen – ganz unabhängig von sozialer Stellung, ökonomischen Verhältnissen oder ästhetischer Betrachtungen.

★★★★☆

🇺🇸, R: Alfred Hitchcock, D: John Dall, Farley Granger, James Stewart, Joan Chandler, Douglas Dick, Trailer, Letterboxd, Wikipedia

Cocktail für eine Leiche - Stream: Jetzt online anschauen
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A ★★★★ review of Rope (1948)
Zugänglich, unterhaltsam, spannend – diese Gratwanderung beherrscht Hitchcock einfach. ROPE ist da keine Ausnahme und super gecastetes Kino. Es ist ein gekonntes (Kammer-)Spiel mit den Konventionen eines Whodunits. Durch die für 1948 überaus dynamische und immer elegante Kamerabewegung wird auch der Raum zu einem effektiven wie verführerischen Suspense-Werkzeug. Eine Kritik an der Überheblichkeit und Hybris einer sich selbst als Elite wahrnehmenden Schicht schwimmt sicherlich ziemlich präsent an der Oberfläche des Stoffes und wabert so immer wieder mal in den Fokus. Doch letztlich interessiert sich Hitchcock kaum für die vermeintlich niederen Schichten, was dem Ausdruck dieser Kritik etwas den Wind aus

Hörtipp: Diese eine Liebe – 40 Jahre Die Ärzte

Es gibt nur einen Gott: BELAFARINROD!

Hörtipp: Diese eine Liebe – 40 Jahre Die Ärzte
Screenshot: ARD-Audiothek

Es gibt nur wenige Bands oder Musiker:innen, von denen ich wirklich Fan bin. Die Ärzte gehören eindeutig dazu. Sie waren mein erstes „richtiges" Konzert – das dürfte rund um Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer! gewesen sein – und auch in Zeiten, in denen ich nur wehr wenig Musik höre, komme ich immer wieder auf die Berliner zurück. Umso beschämender, dass mir das vierzigjährige Bandjubliäum im vergangenen Jahr doch irgendwie durch die Lappen gegangen ist.

Doch dann habe ich diesen coolen Podcast von und mit Marco Seiffert als Fand und ARD-Reporter in Personalunion entdeckt. Der hat sich alle Konzerte der zum Jubiläum angesetzten Berlin-Tour am Stück gegeben und zu jedem Termin eine Podcast-Episode produziert.

Diese eine Liebe
Drei neue Folgen! 2022 besuchte radioeins-Moderator und “Die Ärzte”-Fan Marco Seiffert hintereinander alle Konzerte der “Berlin Tour MMXXII”. 2024 widmet er sich abermals seiner großen Liebe. Anlass: die drei “Die Ärzte”-Konzerte auf dem Tempelhofer Feld. Die neuen Folgen erscheinen am 22.8., 27.8. und 30.8. Mit der Band hat er über Themen wie soziale Nachhaltigkeit, Vereinbarung von Umwelt und Mega-Live-Konzerten und über Politik im Vorfeld der Landtagswahlen im September 2024 gesprochen. “Diese eine Liebe - jetzt 42 Jahre Die Ärzte”.

Die Reihe ist nicht nur total locker, knackig und vor allem persönlich erzählt, Marco Seiffert weiß die Geschichte der Band auch gekonnt entlang der Konzert-Locations zu erzählen. Jeder Ort ist mit alten Erinnerungen verknüpft, mit der Bandgeschichte verbunden. All das gräbt Seiffert aus und schlägt so die Brücke zwischen damals und heute. Fans aller Altersklassen kommen zu Wort und natürlich Farin, Bela und Rod auch geührend.

In diesem Sinne: Hörempfehlung!

P.S.: Es gibt nur einen Gott: BELAFARINROD!

Gesehen: Manderlay (2005) - Inhärent böse

Willkommen in der Welt des zynisch-misanthropen Lars von Trier.

Gesehen: Manderlay (2005) - Inhärent böse
Foto: Zentropa Entertainments

Der Mensch ist inhärent böse – oder zumindest nicht zu Gutem in der Lage. Er missbraucht die Demokratie zur Legitimation des ihm inhärent Bösen und Lossagung von individueller Schuld. Er verkennt zuerst und bedient sich später der Verzahnung von Kapitalismus und Rassismus. Aufstieg ist zwingend mit Unterdrückung anderer verbunden. Willkommen in der Welt des zynisch-misanthropen Lars von Trier, die unverkennbar nicht unerhebliche Teile ihres Fundaments mit unserer teilt.

★★★½☆

🇩🇰/🇸🇪/🇳🇱/🇫🇮/🇬🇧/🇫🇷/🇩🇪, R: Lars von Trier, D: Bryce Dallas Howard, Isaach de Bankolé, Willem Dafoe, Danny Glover, Lauren Bacall, Jean-Marc Barr, Udo Kier, Chloë Sevigny, Zeljko Ivanek, Teddy Kempner, Udo Kier, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Zentropa Entertainments

Manderlay - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★½ review of Manderlay (2005)
Der Mensch ist inhärent Böse – oder zumindest nicht zu Gutem in der Lage. Er missbraucht die Demokratie zur Legitimation des ihm inhärent Bösen und Lossagung von individueller Schuld. Er verkennt zuerst und bedient sich später der Verzahnung von Kapitalismus und Rassismus. Aufstieg ist zwingend mit Unterdrückung anderer verbunden. Willkommen in der Welt des zynisch-misanthropen Lars von Trier, die unverkennbar nicht unerhebliche Teile ihres Fundaments mit unserer teilt. Da MANDERLAY jedoch explizit als Fortsetzung zu DOGVILLE angelegt ist, muss sich der Film durchaus die Frage gefallen lassen, ob er auch abseits seiner inneren Logik als solche Funktioniert. Und die Antwort

Gesehen: Early Spring (1956) - 70 Jahre alte Gegenwärtigkeit

Es lässt als epochal bezeichnen, in welcher Breite, mit welcher Deutlichkeit und mit welchem Nachdruck Yasujirō Ozu formuliert.

Gesehen: Early Spring (1956) - 70 Jahre alte Gegenwärtigkeit
Foto: Shochiku

Es lässt sich fast schon als epochal bezeichnen, in welcher Breite, mit welcher Deutlichkeit und mit welchem Nachdruck dieser Film ausformuliert und ausbuchstabiert, welchen nahezu religiösen Stellenwert Arbeit, Beruf und Karriere in der japanischen Gesellschaft haben und wie es genau das ist, was dem Leben und der Liebe Stück für Stück den Raum und den Wert nimmt.

Komplette Existenzen werden um die Arbeit und die damit verbundenen gesellschaftlichen Normen herum konstruiert. Ein Privatleben im Sinne von Freund:innenschaften, Liebe, Familie und Kindern muss innerhalb dieses Konstrukts stattfinden oder gar Teil des Konstrukts sein bzw. werden. Es ist die Dehumanisierung mit Ansage.

Dazu legt Ozu hier radikal offen, mit welcher Doppelmoral auf die jeweiligen Rollen von Mann und Frau geblickt wurde, wie hinsichtlich dessen unverhohlen mit zweierlei Maß gemessen wurde. Damit ist der fast 70 Jahre alte Film ziemlich gegenwärtig.

Und trotzdem gelingt ihm zum Abschluss etwas, das irgendwo auf der Grenze zwischen Utopie und dem Glauben an den Besserungswillen des Menschen lebt: die Möglichkeit, die Konstrukte einzureißen, die Trümmer zu planieren und so auf gleichberechtigter Ausgangsposition neu anzufangen, zueinander zu finden.

★★★★½

🇯🇵, R: Yasujirō Ozu, D: Ryō Ikebe, Chikage Awashima, Keiko Kishi, Takako Fujino, Kuniko Miyake, Chishū Ryū, Haruko Sugimura, Kumeko Urabe, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Shochiku

Früher Frühling - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★★½ review of Early Spring (1956)
Es lässt sich fast schon als epochal bezeichnen, in welcher Breite, mit welcher Deutlichkeit und mit welchem Nachdruck dieser Film ausformuliert und ausbuchstabiert, welchen nahezu religiösen Stellenwert Arbeit, Beruf und Karriere in der japanischen Gesellschaft haben und wie es genau das ist, was dem Leben und der Liebe Stück für Stück den Raum und den Wert nimmt. Komplette Existenzen werden um die Arbeit und die damit verbundenen gesellschaftlichen Normen herum konstruiert. Ein Privatleben im Sinne von Freund*innenschaften, Liebe, Familie und Kindern muss innerhalb dieses Konstrukts stattfinden oder gar Teil des Konstrukts sein bzw. werden. Es ist die Dehumanisierung mit Ansage.

Gesehen: The Mummy Returns (2001) - Keine Gefangenen

Will krampfhaft der nächste Indy sein, ist aber überraschend gut gealtert.

Gesehen: The Mummy Returns (2001) - Keine Gefangenen
Foto: Universal Pictures International Germany

Was mit gefallen hat: Der Film macht keine Gefangenen und zeigt innerhalb der ersten Minuten bereits in Körper eindringende Schwerter, ist sehr dynamisch und vor aufwendiger Kulisse inszeniert. Dazu ist die Tricktechnik überraschend gut gealtert und Brendan Fraser scheint wirklich für diese Art von Rollen gemacht zu sein.

Was mich irritiert hat: Die Mumie will am allerliebsten zurück in die Zeit der ursprünglichen INDIANA JONES-Trilogie kehren. Es ist beschämend, wie sehr im wahrsten Wortsinne dieser Film ein Indy sein will – nämlich, indem er sich von Figurenkonstellation über Plotstruktur und kleinerer Gimmicks bis hin zum Score dreist nah an sein großes Vorbild heranwagt. Diesen Eindruck hatte ich beim Vorgänger nicht. Klar stand der auch schon auf den Schultern von Indy, aber er hat meinem Empfinde nach doch versucht, etwas Eigenes zu schaffen.

Was sich hinter dem wirren Spektakel verbirgt: THE MUMMY RETURNS ist im Kern ein streng konservativer Film. Denn er verknüpft den Fortbestand der Welt mit dem Überleben der Kernfamilie. Die kann es nicht mehr geben, wenn das Kind stirbt. Wenn das Kind stirbt, ist auch die Welt dem Untergang geweiht. Die vermeintliche Progressivität mit „starker“ Frau ist nicht viel mehr als Augenwischerei, die die Blicke vom ideologischen Kern des Films abwenden lassen soll.

★★½☆☆

🇺🇸, R: Stephen Sommers, D: Brendan Fraser, Rachel Weisz, John Hannah, Arnold Vosloo, Oded Fehr, Patricia Velásquez, Freddie Boath, Dwayne Johnson, Alun Armstrong, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Shaun Parkes, Bruce Byron, Joe Dixon, Tom Fisher, Aharon Ipalé, Quill Roberts, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany

Die Mumie kehrt zurück - Stream: Jetzt Film online anschauen
Wo und wie heute “Die Mumie kehrt zurück” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★½ review of The Mummy Returns (2001)
Was mit gefallen hat: Der Film macht keine Gefangenen und zeigt innerhalb der ersten Minuten bereits in Körper eindringende Schwerter, ist sehr dynamisch und vor aufwendiger Kulisse inszeniert. Dazu ist die Tricktechnik überraschend gut gealtert und Brendan Fraser scheint wirklich für diese Art von Rollen gemacht zu sein. Was mich irritiert hat: Die Mumie will am allerliebsten zurück in die Zeit der ursprünglichen INDIANA JONES-Trilogie kehren. Es ist beschämend, wie sehr im wahrsten Wortsinne dieser Film ein Indy sein will – nämlich, indem er sich von Figurenkonstellation über Plotstruktur und kleinerer Gimmicks bis hin zum Score dreist nah an sein