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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gelesen: „Die Einladung“ (2023) von Emma Cline

Hat mich sehr oft an Bong Joon-hos PARASITE denken lassen

Gelesen: „Die Einladung“ (2023) von Emma Cline
Cover: Carl Hanser Verlag

Dieser über allem hängende Nebel der mal mehr und mal weniger diffusen Bedrohung hat mich schon gepackt. Emma Cline lässt den aus Richtung unseren Wissens über patriarchale Realitäten über ihrer Protagonistin aufziehen, spricht die Bedrohungslage jedoch nur selten explizit an.

Gemischt mit der ökonomischen Abwärtsspirale, in die ihre Protagonistin offenkundig geraten ist, liegt so eine konstante Spannung in der Luft, die – im allerbesten Sinne – wahnsinnig unangenehm ist. Denn die Zukunftsvision der Protagonistin hat nur wenig mit Erlösung und Befreiung zu tun. Wer permanent auf Eierschalen laufen, eine Maske tragen und eine Rolle spielen muss, ist nicht frei, sondern eine leere Hülle aus Fleisch, die andere nach Gutdünken mit ihren Vorstellungen füllen können und werden.

Sehr oft musste ich dahingehend an Bong Joon-hos meisterhaften Film PARASITE (2019) denken, in dem die Protagonist*innen zunächst in der Hoffnung auf ökonomischen Aufstieg alles daran setzen, sich unterwerfen zu dürfen und nicht erkennen, dass dabei nicht sie, sondern nur der Kapitalismus und seine Vasallen profitieren.

★★★★☆

Carl Hanser Verlag, ISBN: 978-3-446-27850-9

Gesehen: Letzter Abend (2023) - Napalmgetränkter Ameisenhaufen

...und Lukas Nathrath hat die Lupe schon in der Hand.

Gesehen: Letzter Abend (2023) - Napalmgetränkter Ameisenhaufen
Foto: Filmwelt Verleih

Wie dieser Film sich selbstbewusst über die Grenzen des Bildausschnittes hinwegsetzt, in den umliegenden Raum übergreift und den konsequent unter Strom setzt… Chapeau! LETZTER ABEND gehört damit, obwohl ich gar nicht so viele Vergleichswerte habe, zu den guten Corona-Filmen. Er verortet sich explizit in einem dieser Pandemie-Sommer, spielt offensiv mit den Eigenheiten dieser kurzen Momente der Unbeschwertheit zwischen den kälteren Jahreszeiten mit explodierenden Inzidenzen und lässt dann die Hölle losbrechen.

Die Anordnung des Films gleicht einem in Napalm getränkten Ameisenhaufen, der mit Hilfe einer Lupe unter gleißendem Sonnenlicht in Brand gesetzt wird. In diesem Flammeninferno kommen aufgestaute und verdrängte Gefühle sowie schmerzhafte Wahrheiten zum Vorschein. Eine Flucht ist ausschließlich nach unangenehmen, quälenden und existenziellen Entscheidungen möglich.

Der Film erzeugt immens viel Reibung und das ist prinzipiell eine sehr gute Sache. Nur sehe ich mich eher in dem Lager, das die Mittel zum Erreichen dieses Zwecks nicht immer gut ausgewählt findet. Denn eingangs fußt die Gemengelage vor allem auf sehr schablonenartiger Figurenzeichnung, derer sich der Film später zwar zunehmend entledigt, aber Geschehenes damit eben nicht vergessen machen kann.

★★★½☆

🇩🇪, R: Lukas Nathrath, D: Sebastian Jakob Doppelbauer, Pauline Werner, Susanne Dorothea Schneider, Nikolai Gemel, Isabelle von Stauffenberg, Valentin Richter, Julius Forster, Nils Rovira-Muñoz, Amelle Schwerk, Pascal Houdus, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Filmwelt Verleih

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A ★★★½ review of One Last Evening (2023)
Wie dieser Film sich selbstbewusst über die Grenzen des Bildausschnittes hinwegsetzt, in den umliegenden Raum übergreift und den konsequent unter Strom setzt… Chapeau! LETZTER ABEND gehört damit, obwohl ich gar nicht so viele Vergleichswerte habe, zu den guten Corona-Filmen. Er verortet sich explizit in einem dieser Pandemie-Sommer, spielt offensiv mit den Eigenheiten dieser kurzen Momente der Unbeschwertheit zwischen den kälteren Jahreszeiten mit explodierenden Inzidenzen und lässt dann die Hölle losbrechen. Die Anordnung des Films gleicht einem in Napalm getränkten Ameisenhaufen, der mit Hilfe einer Lupe unter gleißendem Sonnenlicht in Brand gesetzt wird. In diesem Flammeninferno kommen aufgestaute und verdrängte Gefühle

Gesehen: Documenteur (1981) - Poetischer Feminismus

Mehr als 40 Jahre nach Erscheinen immer noch bereichernd

Gesehen: Documenteur (1981) - Poetischer Feminismus
Foto: Ciné-Tamaris

Hat sich für mich mehr nach narrativem Essay statt nach Spielfilm angefühlt. Das wertet DOCUMENTEUR natürlich nicht automatisch ab. Denn Agnès Vardas Ergründung der Begriffe von Heimat, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Zuhause aus weiblicher und feministischer Perspektive findet nicht nur poetische Bilder, sondern lässt sich auch mehr als 40 Jahre nach Erscheinen sehr erkenntnisbringend schauen: Wie bedingen sich diese Begriffe gegenseitig? Wo und wie verlaufen die Grenzlinien? Welche Rolle spielen Sprache, ökonomischer Status, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, romantisches und sexuelles Begehren sowie Kinder- und Familienwunsch?

Dass Varda diesen Prozess in den Umzug ihrer Protagonisten von Frankreich an die US-Westküste nach Los Angeles einbettet, kann nur als sehr persönlich gelesen werden, ist diese Stadt für Filmschaffende im Grunde genommen ein mystischer Verheißungsort – der hier mit klarem Blick demystifiziert und dekonstruiert wird.

🇫🇷, R: Agnès Varda, D: Sabine Mamou, Mathieu Demy, Lisa Blok-Linson, Tina Odom, Gary Feldman, Charles Southwood, Chris Leplus, Andrew Meyer, Barry Farrell, Tom Taplin, Delphine Seyrig, Suzanne Finn, Gerard Jullian, Fred Ricker, Kelly Ricker, Agnès Varda, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Ciné-Tamaris

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A review of Documenteur (1981)
Hat sich für mich mehr nach narrativem Essay statt nach Spielfilm angefühlt. Das wertet DOCUMENTEUR natürlich nicht automatisch ab. Denn Agnès Vardas Ergründung der Begriffe von Heimat, Zugehörigkeit, Geborgenheit und Zuhause aus weiblicher und feministischer Perspektive findet nicht nur poetische Bilder, sondern lässt sich auch mehr als 40 Jahre nach Erscheinen sehr erkenntnisbringend schauen: Wie bedingen sich diese Begriffe gegenseitig? Wo und wie verlaufen die Grenzlinien? Welche Rolle spielen Sprache, ökonomischer Status, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, romantisches und sexuelles Begehren sowie Kinder- und Familienwunsch? Dass Varda diesen Prozess in den Umzug ihrer Protagonisten von Frankreich an die US-Westküste nach Los Angeles

Mein Podcastjahr 2023

Mein Podcastjahr 2023
Foto: Mohammad Metri / Unsplash

Die Podcast-App meines Vertrauens, Pocket Casts, bastelt mir auch jedes Jahr ein #Wrapped im Stil von Spotify zusammen. Das so geballt zu sehen, gibt mir schon zu denken – muss ich wirklich jeden Fußweg mit Podcasts beschallen und auch in anderen freien Minuten die Stille verdrängen? Vermutlich werde ich das 2024 etwas zurückschrauben – auch aus psychohygienischen Gründen. Dafür werden sicherlich ein paar langjährige Abos über die Klinge springen müssen. Kein Angst haben muss natürlich mein absoluter Lieblings-Podcast: CUTS - Der kritische Film-Podcast von und mit Christian Eichler. Ich habe schon immer viel zu Filmen gelesen und gehört, aber nichts davon hat in den vergangenen Jahren meinen Blick auf bewegte Bilder so nachhaltig bereichert wie CUTS mit all den tollen Gäst:innen.

Mein Bücherjahr 2023

Mein Bücherjahr 2023
Foto: Ed Robertson / Unsplash

Hinter mir liegt ein Jahr, in dem ich es mir vorgenommen und auch geschafft habe, wieder regelmäßig zu lesen. Da ich im Gegensatz zu Filmen wirklich keine Ahnung habe, welchen Stimmen ich vertrauen kann, habe ich einfach queerbeet „viel“ ausprobiert. Nicht fehlen durften dabei Der Mauersegler von Jasmin Schreiber und Vor dem Fest von Saša Stanišić. Ihr Marianengraben und sein Herkunft haben mich damals™ durch die ersten Pandemiewochen begleitet. Hier im Blog habe ich zu beiden und auch allen anderen gelesenen Büchern meine Gedanken niedergeschrieben. Für 2024 bin ich als großer Freund dieser Art des Medientrackings noch auf der Suche nach einer guten Goodreads-Alternative. Aktuell finde ich The StoryGraph ganz okay und probiere das mal aus.

Gesehen: A Swedish Lovestory (1970) - Schwedische Einsamkeit

Roy Anderson trifft humoristische Noten inmitten eines ernsten Arrangements.

Gesehen: A Swedish Lovestory (1970) - Schwedische Einsamkeit
Foto: Europa Film

Spannend, ich erinnere nicht, jemals einen Film gesehen zu haben, der sich im Kern mit dem schwedischen Problem der Einsamkeit und den daraus resultierenden Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit auseinandersetzt. Roy Andersson spielt dafür viele humoristische Noten, trifft aber gleichermaßen auch die ernsteren Töne und verpackt einen in die Magengrube schlagenden Alb- im Sommernachtstraum, dem die optimistische Grundstimmung jedoch nie gänzlich verloren geht. Denn dass sich junge Menschen immer noch für die Liebe entscheiden, obwohl ihnen nur deren Scheitern vorgelebt wird, ist doch ein Bild voller Hoffnung. Denn wenn man nicht nur beieinander, sondern auch miteinander ist, ist die Welt und das Leben ein bisschen besser.

Die Grenze zur Naivität überschreitet der Film dabei nie, das stellt Andersson sicher – etwa, indem er seinen Film in einer (wahrscheinlich psychiatrischen) Klinik eröffnet. Dort meint ein Patient zum anderen, dass bald alles anders werde, weil ja nun die Sozialdemokraten kämen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Der Film erschien in einer Zeit, in der die Regierung erst kurz vorher von einem Sozialdemokraten an den nächsten weitergereicht wurde. Alles ändert sich und bleibt doch gleich. Es bleibt aussichtslos und erzeugt gleichermaßen ein wohliges Gefühl von sicherer Beständigkeit. Nur dieser eine Halbsatz des Patienten macht diese schwedische Liebesgeschichte auch zu einer gesellschaftspolitischen Kritik.

★★★½☆

🇸🇪, R: Roy Andersson, D: Rolf Sohlman, Ann-Sofie Kylin, Bertil Norström, Lennart Tellfelt, Anita Lindblom, Margreth Weivers, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Europa Film

Eine schwedische Liebesgeschichte - Stream: Online
Wo und wie heute “Eine schwedische Liebesgeschichte” im Stream online auf Netflix, Prime Video, Disney+ uvm. schauen - inklusive 4K & Kostenlos Option!
A ★★★½ review of A Swedish Love Story (1970)
Spannend, ich erinnere nicht, jemals einen Film gesehen zu haben, der sich im Kern mit dem schwedischen Problem der Einsamkeit und den daraus resultierenden Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit auseinandersetzt. Roy Andersson spielt dafür viele humoristische Noten, trifft aber gleichermaßen auch die ernsteren Töne und verpackt einen in die Magengrube schlagenden Alb- im Sommernachtstraum, dem die optimistische Grundstimmung jedoch nie gänzlich verloren geht. Denn dass sich junge Menschen immer noch für die Liebe entscheiden, obwohl ihnen nur deren Scheitern vorgelebt wird, ist doch ein Bild voller Hoffnung. Denn wenn man nicht nur beieinander, sondern auch miteinander ist, ist