Barbara Sukowa in Margarete von Trottas „Die bleierne Zeit" (c) Studiocanal, Arthaus
Vielleicht sollte ich es aufschreiben. Ich bin gewöhnt zu vertrauen, nicht zu fragen.
Margarethe von Trottas DIE BLEIERNE ZEIT hat viele starke Sätze im Angebot, aber keiner hallt so stark nach wie dieser und erzählt so viel über die gescheiterte Entnazifizierung, die Rolle der Medien, die gefühlte Ohnmacht ob der Verbrechen der Deutschen und radikale Lösungen.
★★★★☆
DE, R: Margarethe von Trotta, D: Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Trailer, Wikipedia
Die Party ist vorbei. Aber war es wirklich jemals eine Party? BETWEEN THE LINES ist fast 50 Jahre alt und zeigt, dass Zeit ein flacher Kreis ist. Journalismus wird nur so lange als unabdingbar für die Demokratie und eine freie Gesellschaft betrachtet, wie er sich selbst tragen kann, Medienkonzerne sich ihn leisten wollen, weil er Gewinn abwirft. Doch wenn sich der ökonomische Wind dreht, wird kritischer und unabhängiger Journalismus schnell auf die Schlachtbank der sogenannten Shareholder gezerrt. Es ist damals wie heute absurd, dass Menschen, die sich für diesen Beruf und damit einhergehende radikale Einschnitte bei Freundschaften, Beziehungen und Freizeit, entscheiden, wie Nutztiere behandelt werden.
★★★½☆
US, R: Joan Micklin Silver, D: John Heard, Lindsay Crouse, Jeff Goldblum, Jill Eikenberry, Bruno Kirby, Gwen Welles, Stephen Collins, Trailer, Wikipedia
Simon de La Brosse und Amanda Langlet in Éric Rohmers „Pauline à la Plage" // (c) Studiocanal, Arthaus
Für mich kreist der Film um diese eine wunderbare Szene, in der Marion, Pierre, Henri und Pauline zum ersten Mal zusammensitzen und sich über die Liebe unterhalten. Während die Erwachsenen versuchen, jede noch so kleine Gefühlsregung zu intellektualisieren, allem möglichst philosophisch zu begegnen und Liebe, Lust und Verlangen mit klaren Regeln eine gewisse Logik aufzuzwingen, sitzt Pauline fast schon gelangweilt herum und schweigt weitestgehend. Was dann jedoch immer klarer wird: Sie tut das nicht, weil sie zu naiv oder unwissend ist. Sie tut das, weil sie als einziger Mensch im Raum sowohl einen klaren Verstand als auch ein klares Herz hat.
★★★★☆
FR, R: Éric Rohmer, D: Amanda Langlet, Arielle Dombasle, Pascal Greggory, Féodor Atkine, Simon de La Brosse, Rosette, Trailer, Wikipedia
Joe Alwyn und Margaret Qualley in Claire Denis' „Stars at Noon" // (c) Weltkino Filmverleih
Ich bin immer wieder fasziniert und beeindruckt von Claire Denis’ unablässigem und unermüdlichem Bohren in kolonialen Vergangenheiten und neokolonialistischen Verbrechen. Ich kenne niemanden, der sich dieser Themen mit solch großer Ruhe und Zurückhaltung, so elegant, feinsinnig und klug annimmt – immer mit dem scharfen Blick auf großkapitalistische Konzerne und staatliche Akteur*innen, die politische Instabilität ausnutzen, um Mensch und Boden nahezu ungestraft auszubeuten sowie ihre nicht demokratisch legitimierte Macht weiter auszubauen – in STARS AT NOON auf dem regelrechten Spielfeld Zentralamerika und in gewohnt melancholischem Dahinplätschern.
★★★★☆
FR, R: Claire Denis, D: Margaret Qualley, Joe Alwyn, Benny Safdie, Trailer, Wikipedia
Ileana D'Ambra als Vilma Tommasi // (c) Filmperlen
Ich habe mich dabei ertappt, wie ich innerlich ein paar Mal „italienische Ruben Östlund hehehehe“ zu mir selbst gesagt habe. Und damit ist eigentlich schon klar, dass auch FAVOLACCE ein Stoff ist, an dem sich die Geister schieden und scheiden. Der Film ist bitterböse, gnadenlos und konsequent abrechnend – wie man eben mit neoliberalen Arschlöchern mit Hang zum Faschismus umgehen muss. Das ist der gute Östlund.
Darin ist der Film nur überaus selbstgefällig und suhlt sich darin, mit dem Zeigefinger gehässig auf die Spitze des Eisbergs zu deuten. Doch Kritik an den Ursachen dieser Missstände, an den gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Verhältnissen, die übt der Film nicht. Das ist der schlechte Östlund.
★★★☆☆
IT/CH, R: Damiano D’Innocenzo, Fabio D’Innocenzo, D: Elio Germano, Giulietta Rebeggiani, Gabriel Montesi, Justin Alexander Korovkin, Barbara Chichiarelli, Lino Musella, Trailer, Wikipedia
Naomi Watts als Ann Darrow // (c) Universal Pictures Germany
Den habe ich damals™ im Kino und seitdem nie wieder gesehen. Mein letzter Eindruck stammt also noch aus einer Zeit vor meiner cineastischen Erweckung. Damals fand ich den Film eher mittelmäßig. An die Gründe dafür kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. Also kann ich nun nahezu jungfräulich sagen: Auch heute finde ich KING KONG eher mittelmäßig.
Das Grundmotiv des überheblichen Menschen, der sich an der Spitze von Natur sowie Nahrungskette glaubt und deshalb meint, sich alles erlauben sowie unterwerfen zu können, ohne Konsequenzen alles und jede*n ausbeuten zu können, das ist zeitlos zutreffend und funktioniert für mich im Rahmen dieses Blockbusters auch ganz gut. Auf den Punkt ist auch, dass der letzte Satz des Films einer Frau die Schuld an der ganzen Misere zuschiebt.
Was wiederum super befremdlich ist, ist die Reproduktion von Rassismus. Dem Film fehlt eindeutig Abstand zu seinem 1933er Ausgangspunkt. Denn er steht diesen Momenten praktisch niemals wirklich kritisch gegenüber. Es muss also davon ausgegangen werden, dass man sich bei der Produktion entweder keine Gedanken darüber gemacht oder sich sogar bewusst dafür entschieden hat. Beide Varianten sind schlecht.
Sich jetzt auch noch an der völlig überzogenen Länge des Films aufzuhängen, wirkt fast kleinlich. Aber KING KONG kommt einfach nicht auf den Punkt, bläst jeden der drei Akte mit derart viel Popanz auf, dass die Figuren sprich- und wortwörtlich an den Rand gedrängt werden und gar keinen Raum mehr haben, um mit den Themen des Films wirklich in Verhandlung treten zu können. Dazu klammert sich der Film mit aller Kraft an seine Drei-Akt-Struktur – so sehr, dass wenig organisch in sich greift, sondern lediglich mechanisch aneinandergereiht wird.
★★½☆☆
🇳🇿/🇺🇸/🇩🇪, R: Peter Jackson, D: Naomi Watts, Jack Black, Adrien Brody, Andy Serkis, Colin Hanks, Thomas Kretschmann, Jamie Bell, Kyle Chandler, Trailer, Wikipedia
Börsenverein-Vorsitzender Sebastian Guggolz zu Weimer in der ersten Reihe: „Ich bin stolz auf die Buchbranche, weil wir Ihren fragwürdigen autokratischer Gestus nicht akzeptieren“.
— Alexander Moritz (@dermonologist.bsky.social) 2026-03-18T18:38:15.923Z
Um es auch noch mal hier festgehalten zu haben: BKM Wolfram Weimer (parteilos) hat beim Festakt zur Eröffnung
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Taylor Swift, klugen Werbeverboten und Claude Chabrol
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