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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Quiet on Set (2024)

Gesehen: Quiet on Set (2024)
(c) Discovery+

Es ist gut, dass sich dieses Themas (erneut) angenommen wurde. Es ist gut, wie viel Raum den Betroffenen gegeben wird. Es ist gut, wie viel ihnen Gehör geschenkt wird. Es ist absolut fürchterlich umgesetzt. Quiet on Set lässt nahezu kein ehrliches Erkenntnisinteresse erkennen. Dass die fünfteilige Dokuserie als „True Crime Event“ beworben wird, sagt fast schon genug. Hier geht es letztlich um Spektakel und nicht darum, die Mächtigen/Konzerne zur Rechenschaft zu ziehen.

Elendig viel Zeit wird damit verbracht, dramaturgisch überzogen in Teilen bereits öffentliche Recherchen so nachzuerzählen, als sei alles jetzt erst für die oder kurz vor der Doku zusammengekommen. Obwohl ich selbst vorher keine Ahnung hatte, wer Dan Schneider ist, hatte ich quasi nie das Gefühl, dass die Serie wirklich daran interessiert ist, neue Dinge zu erfahren, freizulegen und systemische Missstände aufzuzeigen.

Durch ihre radikal boulevardeske Form steht sich die Serie in den entscheidenden Momenten selbst im Weg. Denn Dan Schneider war letztlich – auch, wenn er de factor so agieren konnte – kein allmächtiger Gott. Der hinter Nickelodeon und somit auch Schneider stehende Konzern, das heutige Paramount, hat zugelassen, dass diese toxischen Strukturen erst wachsen und dann auch unbehelligt bestehen konnten. Aber Paramount hat eben nur ein Firmenlogo und kein Gesicht, auf das man zeigen kann.

Quiet on Set müsste eigentlich die Hälfte der Sendezeit damit verbringen zu zeigen, ganz tief in den Konzernstrukturen von Paramount zu graben und fragen: Wer zum Teufel hat warum diesen Nährboden bereitet, auf dem dieser Clusterfuck wachsen konnte? Ob das wirklich mit angemessenem Nachdruck geschehen ist oder nicht, wissen wir nicht. Stattdessen bekommen wir am Ende jeder Folge lediglich eine kurze Texttafel präsentiert:

In response to producers' questions, Nickelodeon has stated it "investigates all formal complaints as part of our commitment to fostering a safe and professional workplace… [We] have adopted numerous safeguards over the years to help ensure we are living up to our own high standards and the expectations of our audience."

Hat man sich damit etwa schon abspeisen lassen? Und wer sind diese „producers“? Nach meinem Verständnis sind Produzentinnen in den seltensten Fällen Journalistinnen.

Ganz Letterboxd hasst KI

Ganz Letterboxd hasst KI
(c) Jackson Sophat / Unsplash

Das freut mich wirklich sehr zu lesen: Die Letterboxd-Community straft einen Film ab, weil der offenbar ziemlich oft KI-generiertes Bildmaterial nutzt – und das, so wie ich es verstehe, nicht, um damit eine Aussage über Kunst und bzw. versus KI zu treffen.

Daniel Brockmeier alias Privatsprache schreibt in seinem Newsletter, durch den ich heute überhaupt auf das Thema aufmerksam geworden bin:

Die Top-Rezension dazu hat aktuell über 9.000 Likes erhalten. Gerade für kleine Filme ist Letterboxd mittlerweile ein wichtiger Marketing-Kanal, wodurch die Macht der User*innen wächst und sie mit solchen Shitstorms möglicherweise KI im Filmgeschäft weiter eindämmen können. Wie lange noch, wird sich zeigen.

Das hat mir auch wieder einen Bluesky-Post in Erinnerung gerufen, der mir gestern in die Timeline gespült wurde. Chris Elford bringt es wirklich sehr treffend auf den Punkt:

Has anyone written a piece on humanities envy among Tech bros? The fact that one of the first things they did was go, “AI can write prose! No more writers! YES! And it can make pictures! No more artists! HAHA!” instead of just focusing on AI’s ability to do STEM stuff is so telling.

Erster Trailer zu Ti Wests MaXXXine

Erster Trailer zu Ti Wests MaXXXine
(c) Universal PIctures International Germany

X und PEARL (beide 2022) mochte ich beide sehr. Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis Ti West und Mia Goth die Trilogie beschließen. Kinostart ist der 4. Juli und damit ist der Film zeitgleich zum US-Release auch in Deutschland zu sehen. Das sind großartige Nachrichten, weil PEARL erst ein Jahr nach den Staaten auch bei uns anlief und das auch nicht wirklich in der Breite.

Der Cast kann sich auch sehen lassen: Neben Mia Goth stehen Elizabeth Debicki, Giancarlo Esposito, Kevin Bacon, Lily Collins, Michelle Monaghan, Halsey und Bobby Cannavale auf der Liste.

Nathan Fielders Fielderverse

Nathan Fielders Fielderverse
(c) A24, Showtime, Paramount

Ich habe Nathan for You sowie The Rehearsal durchgeschaut und bin jetzt bei The Curse. Ich stecke also bis Oberkante Unterlippe tief im Fielderverse und ich sag's mal so: Charlie Kaufmans SYNECDOCHE, NEW YORK (2008) wirkt dagegen zunehmend wie Kindergeburtstag. What even is reality? 🤷‍♂️

Gesehen: The Spider Within: A Spider-Verse Story (2023)

Gesehen: The Spider Within: A Spider-Verse Story (2023)
(c) Sony Pictures Entertainment

Keine sieben Minuten braucht dieses charmante Kurzfilmprojekt, um mit den visuellen Eigenheiten des animierten Spiderverse’, den stilistischen Mitteln eines Comics und den Kräften von Miles Morales dem auf Teenager*innen lastenden psychischen Druck und im weiteren Sinne auch dem Wesen von Angststörungen clever Ausdruck zu verleihen.

Den scheinbar ohne Grund anschlagenden Spinnensinn, die Comic-Panels von Miles Morals in Action als Spider-Man als Sinnbild für die permanente Öffentlichkeit durch Social Media, in der jede*r permanent sendet, folglich permanent unter Beobachtung steht bzw. stehen kann und damit auch zwangsläufig ständig öffentlich Beurteilt wird. Das ist – im Rahmen der Möglichkeiten eines knapp siebenminütigen Unterhaltungsproduktes – einfach smart gemacht.

CA/US, R: Jarelle Dampier, D: Shameik Moore, Brian Tyree Henry, Wikipedia

Gesehen: Scoop (2024)

Gesehen: Scoop (2024)
(c) Netflix

Bei der Vorstellung, dass diese Produktion gefühlte 24 Stunden lang den BBC-Innenhof in Beschlag genommen hat, um Billie Piper bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen von übertriebenen Kameraschwenks begleitet hin und her laufen zu lassen, musste ich schon lachen. Von einer gänzlich freiwilligen Komödie ist das alles jedoch weit entfernt.

SCOOP trabt auf hohem Ross durch eine unterm Strich doch arg belanglose Geschichte. „Dieses von wahren Ereignissen inspirierte fiktionale Drama illustriert, wie sich die Frauen von Newsnight das skandalöse Interview mit Prinz Andrew sichern konnten“, schreibt Netflix. Nur ist daran wenig Außergewöhnliches zu finden. Newsnight und allen voran die Producerin Sam McAlister haben ihren Kontakt zu Prince Andrews PR-Chefin gepflegt, bei entsprechender Newslage ein Interview angefragt und… es schließlich bekommen. Das ist journalistische Basisarbeit, die in genau dieser Form in jeder noch so kleinen Lokalredaktion betrieben wird. Sollte mehr an dieser Geschichte dran gewesen sein, sollte sie sich vielschichtiger zugetragen haben, dann scheitert SCOOP daran, genau das zu porträtieren.

Und doch hat der Film ein kluges Auge auf journalistische Prozesse und redaktionelle Realitäten. Die erzählt der Film auch, ohne in eine der hinter jeder zweiten Ecke stehenden Pathosfallen zu tappen. Die Redaktion wird hier als Ökosystem porträtiert, das ohne alle Bestandteile erst aus dem Gleichgewicht gerät und schließlich kippt, sollte keine Korrektur erfolgen. Konkret: Redaktionen sind nicht nur Gesichter vor der Kamera, Journalistinnen hinter den Schreibtischen, sondern eben auch smarte Bookerinnen, die wegen ihrer Arbeit als Gleichberechtigte gesehen werden sollten, weil sie gleichberechtigt sind. Journalismus ist Teamsport.

★★½☆☆

GB, R: Philip Martin, D: Billie Piper, Gillian Anderson, Rufus Sewell, Keeley Hawes, Romola Garai, Trailer, Wikipedia
Scoop – Ein royales Interview - Stream: Online anschauen
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