Skip to Content

André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1365 posts

Posts by André Pitz

Gesehen: Mothers' Instinct (2024)

Gesehen: Mothers' Instinct (2024)
(c) Amazon Studios

Wenn man sich für einen Moment die Haneke-Brille aufsetzt und das hier als Betrachtung von überwältigender Trauer als alles zersetzende Kraft und Kontrastmittel für all das Abgründige, das sich hinter der Fassade dieser spießbürgerlichen Vorstadtidylle verbirgt, versteht, dann hat man mit MOTHERS’ INSTINCT eine ganz passable Zeit.

★★★☆☆

BE/GB/US, R: Benoît Delhomme, D: Anne Hathaway, Jessica Chastain, Anders Danielsen Lie, Josh Charles, Trailer, Wikipedia
Mothers’ Instinct - Stream: Jetzt Film online anschauen
Gibt es Mothers’ Instinct auf Netflix, Prime Video, WOW und co? Jetzt online Stream finden!

Dan Olsons Folding Ideas: „I Don't Know James Rolfe“

Dan Olsons Folding Ideas: „I Don't Know James Rolfe“
(c) Dan Olson, Folding Ideas

Alle paar Monate, wenn Dan Olson ein neues Video veröffentlicht, knallen bei mir die Sektkorken. Fast anderthalb Stunden lang seziert er in seinem neusten Werk den Angry Video Game Nerd. In meiner Internet-Sozialisierung hat der zwar keine Rolle gespielt, aber das spielt wiederum für dieses Video keine Rolle.

Denn der AVGN aka James Rolfe dient Olson nur als Türöffner für eine Betrachtung viel größerer Themen: Kultur und Kulturkritik auf Youtube bzw. im Internet, das Selbstverständnis der Kulturschaffenden und Creator*innen sowie die veränderte Rolle des Publikums.

Gesehen: Taipei Story (1985)

Gesehen: Taipei Story (1985)
(c) Evergreen Film Company

Um genau diesen Moment in der Zeit nachvollziehen zu können, bin ich ein bisschen zu jung. Aber das Gefühl, um das Edward Yang hier immer und immer wieder kreist, steckt im Grunde genommen in jedem von uns. Denn wie begegnet man einer Welt, die immer größer wird, in der es immer weniger Grenzen gibt, in der sich alles immer schneller dreht, es keine Momente des Innehaltens mehr zu geben scheint? Wie schafft man Orte der Reflexion, während der Fahrtwind einem um die Ohren rauscht? Wie sollen bei diesem irren Tempo alte Wunden versorgt oder gar geheilt werden?

Die Frage ist, ob man sich auf den Ritt einlässt oder das Spektakel erstmal an sich vorbeiziehen zu lassen. Die Zurückbleibenden werden jedoch irgendwann unweigerlich von den Hunden gebissen, die Vorpreschenden laufen zunehmend Gefahr, mit Vollgas gegen die nächste Wand zu fahren. Fressen oder gefressen werden inmitten einer Welt voller Ambivalenzen, in der einstige Traditionen und Werte zunehmend an Bedeutung verlieren – zum Guten wie zum Schlechten. Am Ende bleibt erstmal ein Gefühl der Entfremdung, das für einen Moment unüberwindbar scheint und sich schließlich Stück für Stück in Melancholie auflöst.

★★★★☆

TW, R: Edward Yang, D: Chin Tsai, Hou Hsiao-hsien, Wu Nien-jen, Lin Hsiu-Ling, Su-Yun Ko, Trailer, Wikipedia

Bernard Hoffmeister: Die Philosophie hinter Superhelden-Filmen

Bernard Hoffmeister: Die Philosophie hinter Superhelden-Filmen
(c) Jon Tyson / Unsplash

Netter Einwurf von Bernard Hoffmeister im Politischen Feuilleton auf Deutschlandfunk Kultur, der recht gelungen illustriert, aus welcher Perspektive ich in der Regel auf Filme (und Kunst generell) schaue.

Kein Filmgenre aus Hollywood hat in den vergangenen 20 Jahren so geboomt wie die Sagen der Comic-Superhelden. Urteile wie „hirnlose Action-Materialschlacht“ greifen zu kurz. Es geht vielfach um existenzielle Fragen.
„Superman“ bis „Avangers“: Superhelden-Filme und ihre Philosophie
Filme über Comic-Superhelden erlebten in den vergangenen 20 Jahren einen Boom - und viel Kritik. Doch: Es geht um Existenzielles wie den Glauben an das Gute.

Ein Film ist nie „bloße Unterhaltung“, die ausschließlich diesem Selbstzweck dient. Denn wie der Film seine Welt beschreibt, was auf der einen Seite ausgelassen und nicht kritisiert, auf der anderen Seite hervorgehoben wird, birgt immer politisches Potenzial.

Gesehen: Mrs. Harris goes to Paris (2022)

Gesehen: Mrs. Harris goes to Paris (2022)
(c) Universal Pictures International Germany

Der Film beginnt mit durchaus treffenden und zeitlosen Beobachtungen hinsichtlich ökonomischer Zwänge in kapitalistischen Zuständen. Wie dem Esel die Möhre vor die Nase gehalten wird, werden dem Prekariat vermeintlich einfache Aufstiegsmöglichkeiten vorgesetzt – etwa die Lotterie, der scheinbar sichere Tipp beim Hunderennen oder die Lüge, dass harte Arbeit auch immer mit einem ökonomischen Aufstieg verbunden ist. Und im selbstgesteckten, eher wohlfühligen Rahmen des Films klappt das recht gut.

Nur diese angebliche feministische Arbeiter*innenrevolution, die der Film uns dann vorsetzen will, ist angesichts der Vorarbeit fast schon eine Frechheit. Als großer egalisierender Befreiungsschlag wird es verkauft, dass sich nun auch ökonomisch schlechter gestellte Frauen eher ein Kleid von Dior leisten können als zuvor. Dabei schreit es der Film selbst unüberhörbar laut heraus: Dior erschließt sich einen neuen Absatzmarkt und wird daraufhin Unmengen an Geld scheffeln. Ein paar zusätzlich geschaffene Jobs stehen aber wohl im kaum im Verhältnis zu den Profiten, die in den Taschen von ein paar wenigen Menschen und nicht denen, die diese Profite tatsächlich erwirtschaftet haben, landen.

Wer Revolution schreit, muss das auch unterfüttern können. MRS. HARRIS GOES TO PARIS gelingt das nicht. Ungebrochen davon: Lesley Manville ist einfach toll und Isabelle Huppert sowieso.

★★½☆☆

BE/CA/FR/HU/GB, R: Anthony Fabian, D: Lesley Manville, Isabelle Huppert, Lambert Wilson, Alba Baptista, Lucas Bravo, Ellen Thomas, Rose Williams, Jason Isaacs, Trailer, Wikipedia
Mrs. Harris und ein Kleid von Dior - Stream: Online
Wie man “Mrs. Harris und ein Kleid von Dior” auf Netflix & anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.